Nach der Krankenhaus-Sitcom "Scrubs" hat nun auch der Vorabend-Klassiker schlechthin eine neue (wenn auch kurze) Staffel spendiert bekommen. In den vier neuen Episoden ist bei "Malcolm mittendrin: Unfair wie immer" fast alles beim Alten geblieben. Neu auf Disney+.

Die Vorabend-Serien "Malcolm mittendrin" und Scrubs" könnten kaum unterschiedlicher sein – und doch haben sie wesentlich mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Beide Serien waren zum Zeitpunkt ihres Entstehens ("Malcolm mittendrin" lief ab dem Jahr 2000, "Scrubs" ab 2001) bahnbrechend für das Sitcom-Genre, indem sie neue Erzählweisen etablierten. In beiden sprachen die Schauspieler immer wieder direkt mit den Sehern und durchbrachen die sogenannte "vierte Wand" – außergewöhnlich für derartige Formate.
Und last but not least wurden beide Serien mittlerweile so oft im linearen TV wiederholt, dass sie längst als popkulturelles Gemeingut gelten: Wer Anfang der 2000er-Jahre aufwuchs, kam weder an "Malcolm mittendrin" noch an "Scrubs" vorbei. Kurz gesagt: Beide Serien waren – auch für US-Begriffe – außergewöhnlich erfolgreich. Und so ist es nur folgerichtig, dass sie im Zuge des aktuellen Nostalgie-Trends im TV jetzt eine Neuauflage bekommen haben.
Der Trend zur Fernseh-Nostalgie, der nicht zuletzt mit einer Welt im Dauer-Krisenmodus zu tun hat, vergrößert die Sehnsucht nach Vertrautem und Bewährtem. Die Studios und Streaminganbieter tragen dem Rechnung, indem sie eine ehemalige Erfolgsserie nach der anderen mit Reboots und Revivals in die Gegenwart holen. Und nachdem erst vor Kurzem eine neue "Scrubs"-Staffel beim Streaminganbieter Disney+ sehr erfolgreich angelaufen ist, hat es nun auch "Malcolm mittendrin" erwischt.
Die Handlung der neuen Folgen – der Reboot trägt den Titel "Malcolm mittendrin: Unfair wie immer" – ist schnell erklärt: Der hochbegabte Malcolm (Frankie Muniz) hat sein Leben inzwischen geordnet, ist beruflich erfolgreich (als Manager einer Charity-Organisation) und alleinerziehender Vater der Teenager-Tochter Leah (Keeley Karsten), die ganz nach ihm kommt. Mit seiner neuen Freundin Tristan (Kiana Madeira) läuft es auch ausgezeichnet. Deshalb sollen sich die beiden Frauen jetzt kennenlernen.
Von seiner Chaos-Familie rund um Mutter Lois (Jane Kaczmarek), Vater Hal (Brian Cranston) und seine Brüder Francis (Christopher Masterson), Reese (Justin Berfield) und Co. hält sich Malcolm indes fern. Er macht sie verantwortlich für das Unglück in seinem Leben. Seine Eltern wissen nicht einmal, dass er mittlerweile Vater ist, der Kontakt beschränkt sich weitgehend auf E-Mails.
Das Versteckspiel hat jedoch ein Ende, als Lois und Hal zur Feier ihres 40. Hochzeitstags laden. Und da soll auch und vor allem Malcolm mit von der Partie sein. Er sagt pro forma zu, hat jedoch nicht vor, tatsächlich dort zu erscheinen.
Doch Malcolm hat die Rechnung ohne seine jüngste Schwester Kelly (Vaughan Murrae) gemacht, das Nachzügler-Kind von Hal und Lois (in der bislang allerletzten Episode der Serie war Lois wieder schwanger). Kelly findet heraus, dass Malcolm nie vorhatte, zum 40-jährigen Ehejubiläum seiner Eltern zu kommen – und verpetzt ihn bei diesen.
Also machen sich Lois und Hal kurzerhand auf den Weg zu ihrem verlorenen Sohn und schneien just in jenem Moment zur Tür herein, als sich Leah (Malcolms Tochter) und Tristan erstmals begegnen. Das Chaos-Revival ist perfekt – und Malcolm ist wieder einmal mittendrin.

Das Hauptproblem dieses Mini-Revivals ist die Tatsache, dass die Macher rund um Serienerfinder Linwood Boomer offenbar keine zündende Idee hatten, was sie eigentlich erzählen sollten. Die neuen Folgen sind einzig um den 40. Hochzeitstag von Lois und Hal gestaltet, der Grund für das Wiedersehen der Familie sein soll und in der Folge einen Chaos-Tsunami auslöst. Mehr Ideen hatten die Autoren scheinbar nicht, um so gut wie alle Original-Darsteller 20 Jahre nach der letzten Staffel erneut vor der Kamera zu versammeln.
Dieses Wiedersehen mit der Original-Crew – nur Erik Per Sullivan alias Dewey ließ sich auch durch angeblich "eimerweise Geld" nicht zu einem Kamera-Comeback überreden – ist auch das einzig wirklich Interessante an "Malcolm Mittendrin" anno 2026. Leider nutzen sich diese "Wie sieht der denn jetzt aus?"-Momente aber spätestens nach der Hälfte der ersten Episode ab.
Abgesehen davon wirken die neuen Episoden eher wie ein Auftragswerk, als die Umsetzung neuer Ideen und Geschichten. So werden Stück für Stück und Szene um Szene altbekannte Themen und Running Gags der Serie abgeklappert oder einfach wiederholt. Das fühlt sich an wie ein Besuch in einem "Malcolm mittendrin"-Museum, ist aber zu keinem Zeitpunkt authentisch oder relevant.
Einer der wenigen gelungenen Aspekte ist die Art und Weise, wie Malcolm und sein neues Leben gezeigt werden: Er hat offenbar als einziges Mitglied der Familie eine gewisse Entwicklung durchgemacht. In Kombination mit seiner Tochter wäre das ein guter Nährboden für ein Spin-Off, weil man sich hier tatsächlich vorstellen könnte, dass dadurch etwas Neues und Interessantes entstehen könnte.

Aber den Serienmachern scheint möglicherweise selbst klar gewesen zu sein, dass ihr Reboot alles andere als ein großer Wurf ist. So beschränkt sich die Neuauflage auf rasch verdauliche vier Episoden à ca. 30 Minuten. Ob wider Erwarten doch noch mehr daraus wird, entscheidet wie immer der Erfolg des Formats. Sollte es aber wirklich zu einer weiteren Fortsetzung kommen, müssen sich die Macher etwas mehr überlegen als das, was sie dem Publikum hier vorsetzen.
"Malcolm mittendrin: Unfair wie immer", Sitcom, Comedy. USA 2026, 4 Episoden à ca. 30 Minuten, Disney+