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Achtung, Parasiten!

Mit diesen "Mitbringseln" machen uns Stubentiger das Leben schwer

Mehr als zwei Millionen Katzen schnurren in Österreichs Haushalten, und in den meisten Fällen ist der Kontakt eng: kuscheln, streicheln, spielen, gemeinsam schlafen. Allerdings: jede 15. Hauskatze trägt einen Darmparasiten in sich, der auch Menschen anstecken kann.

Mehr als zwei Millionen Katzen leben in Österreichs Haushalten - jede 15. trägt einen unangenehmen Darmparasiten in sich, den sie auf den Menschen übertragen kann
Mehr als zwei Millionen Katzen leben in Österreichs Haushalten - jede 15. trägt einen unangenehmen Darmparasiten in sich, den sie auf den Menschen übertragen kannGetty Images
Martin Kubesch
Akt. 09.10.2026 06:44 Uhr

Sie schnurren in fast jedem dritten Haushalt in Österreich: Mehr als zwei Millionen Katzen leben laut aktuellster Zählung bei uns mit Menschen zusammen – und tragen zu unserem Wohlbefinden bei. Damit sind die Stubentiger die mit Abstand beliebtesten Haustiere.

Doch die enge Beziehung zwischen Mensch und Katze birgt auch einige Risiken, wie ABC News unter Berufung auf eine neue Studie meldet. Demnach trägt etwa jede 15. Hauskatze einen Parasiten namens Giardia in sich, der auch Menschen befallen kann. Die sogenannte Giardiasis, vor allem in Nordamerika umgangssprachlich auch als Bieberfieber" bezeichnet, ist zwar nicht lebensbedrohlich, aber für Betroffene dafür umso unangenehmer.

Was Giardien im menschlichen Körper anrichten, was man bei einer Infektion beachten sollte und wie man sich effektiv dagegen schützen kann – das sollten Sie über diese heimtückischen Parasiten wissen:

Giardia duodenalis ist ein einzelliger Parasit, der beim Menschen zu Darmbeschwerden, Übelkeit und Appetitlosigkeit führen kann
Giardia duodenalis ist ein einzelliger Parasit, der beim Menschen zu Darmbeschwerden, Übelkeit und Appetitlosigkeit führen kann
Getty Images/iStockphoto

Was genau ist Giardia?
Giardia duodenalis ist ein einzelliger Parasit, der sich im Dünndarm von Säugetieren einnistet. Er kommt weltweit vor und zählt zu den häufigsten Darmparasiten überhaupt. Die Erreger werden über den Kot infizierter Tiere oder Menschen ausgeschieden und können in der Umwelt längere Zeit überleben.

Was hat die Studie untersucht?
Die im Fachjournal PLoS One veröffentlichte Untersuchung analysierte über 150.000 Kotproben von Katzen aus 49 US-Bundesstaaten und fünf kanadischen Provinzen. Sie ist damit eine der umfangreichsten Erhebungen zu diesem Thema. Das Ergebnis: Fast sieben Prozent der Proben waren positiv auf Giardia. Daraus ergibt sich rein rechnerisch, dass jede 15. Katze den Parasiten in sich trägt.

Kann ich mich bei meiner Katze anstecken?
Grundsätzlich ja. Giardia ist eine sogenannte Zoonose, also eine Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Die Forscher fanden zudem heraus, dass bestimmte Giardia-Stämme bei Katzen besonders häufig auch Menschen infizieren können. Schon wenige Parasiten reichen für eine Ansteckung.

Wie erfolgt die Übertragung?
Die Ansteckung geschieht meist über den sogenannten fäkal-oralen Weg. Das bedeutet: Wer nach dem Kontakt mit Katzenkot oder kontaminierten Oberflächen die Hände nicht gründlich wäscht und danach Mund oder Nahrungsmittel berührt, kann sich infizieren. Auch verunreinigtes Wasser ist eine häufige Infektionsquelle.

Welche Symptome treten auf?
Die ersten Anzeichen zeigen sich typischerweise ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung. Zu den häufigsten Symptomen gehören wässriger Durchfall, Bauchkrämpfe, Blähungen, Übelkeit und Appetitlosigkeit. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden innerhalb von sechs Wochen wieder ab.

Kann die Infektion auch gefährlich werden?
In schweren Fällen kann Giardiasis langfristige Probleme verursachen. Dazu gehören chronischer Durchfall, Reizdarm-Syndrom, Gelenksentzündungen und Nährstoffmangel. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Kinder und ältere Personen.

Kätzchen tragen den Parasiten häufiger in sich als ausgewachsene Tiere, männliche Katzen sind öfter betroffen als weibliche
Kätzchen tragen den Parasiten häufiger in sich als ausgewachsene Tiere, männliche Katzen sind öfter betroffen als weibliche
Getty Images/iStockphoto

Welche Katzen sind besonders oft betroffen?
Die Studie zeigt klare Muster: Kätzchen tragen den Parasiten häufiger in sich als ausgewachsene Tiere. Auch männliche Katzen sind öfter betroffen als weibliche. Besonders hoch ist das Risiko bei kastrierten Kätzchen aus Tierheimen, was vermutlich mit dem intensiven Kontakt zu anderen Tieren zusammenhängt.

Spielt die Jahreszeit eine Rolle?
Ja. Die Forscher fanden heraus, dass Giardia-Infektionen im Sommer seltener nachgewiesen werden als in den kühleren Monaten. Der Parasit überlebt offenbar besser bei niedrigeren Temperaturen und in feuchter Umgebung. Das könnte für Österreich mit seinem gemäßigten Klima relevant sein.

Wie erkenne ich, ob meine Katze infiziert ist?
Das ist nicht einfach, denn viele infizierte Katzen zeigen gar keine Symptome. Wenn Beschwerden auftreten, äußern sie sich meist als Durchfall, manchmal auch als Erbrechen oder Gewichtsverlust. Nur ein Labortest beim Tierarzt kann sicher feststellen, ob bei einem Tier eine Giardia-Infektion vorliegt.

Wie wird Giardiasis behandelt?
Sowohl bei Menschen als auch bei Katzen kann die Infektion mit Medikamenten behandelt werden. Manchmal heilt sie auch ohne Therapie von selbst aus. Bei anhaltenden Beschwerden oder Risikogruppen sollte jedoch unbedingt ein Arzt beziehungsweise Tierarzt aufgesucht werden.

Wie kann ich mich und meine Familie schützen?
Hygiene ist der beste Schutz. Hände sollten nach jedem Kontakt mit der Katze oder deren Katzenklo gründlich gewaschen werden. Das Katzenklo sollte täglich gereinigt werden, da die Parasiten erst nach einigen Tagen außerhalb des Körpers infektiös werden. In Haushalten mit kleinen Kindern oder immungeschwächten Personen ist besondere Vorsicht geboten.

Sollte ich meine Katze regelmäßig testen lassen?
Nicht unbedingt jede völlig gesunde Katze routinemäßig. Bei Giardien ist es wichtig zu beachten, dass ein positiver Nachweis bei einer symptomlosen Katze nicht automatisch bedeutet, dass sie behandelt werden muss. Besonders sinnvoll ist eine Untersuchung bei anhaltendem oder wiederkehrendem Durchfall, weichem, schleimigem oder auffällig übelriechendem Kot, Gewichtsverlust oder schlechter Gewichtszunahme, jungen Katzen bzw. mehreren Katzen im Haushalt, wenn eine Katze Giardien hat oder bei  wiederkehrenden Magen-Darm-Problemen.

Hygiene ist der beste Schutz gegen Giardien: Die Hände sollten nach jedem Kontakt mit der Katze gewaschen, das Katzenklo täglich gereinigt werden
Hygiene ist der beste Schutz gegen Giardien: Die Hände sollten nach jedem Kontakt mit der Katze gewaschen, das Katzenklo täglich gereinigt werden
Getty Images/iStockphoto

Wie läuft solch ein Test ab?
Giardien werden nicht automatisch mit jedem Kotabsatz ausgeschieden. Ein einzelner negativer Test kann deshalb eine Infektion übersehen; gegebenenfalls sind mehrere Kotproben an verschiedenen Tagen sinnvoll. Beraten Sie sich diesbezüglich mit ihrem Veterinär.

Gilt das für alle Katzen oder nur für Freigänger?
Das gilt grundsätzlich auch für Wohnungskatzen, aber ihr Infektionsrisiko ist geringer. Giardien werden über infektiöse Zysten übertragen. Eine Katze kann sie beispielsweise über verunreinigten Kot, Oberflächen, Erde, Wasser oder durch Kontakt mit einer anderen Katze aufnehmen. Freigänger haben naturgemäß mehr Möglichkeiten, mit kontaminiertem Boden, Wasser oder anderen Tieren in Kontakt zu kommen.

Warum heißt die Krankheit in Nordamerika "Bieberfieber"?
Der englische Begriff "beaver fever" entstand, weil man Giardieninfektionen beim Menschen historisch mit Bibern und verunreinigtem Wasser in Verbindung brachte. Biber können Giardia beherbergen, und die Vorstellung war besonders mit unbehandeltem bzw. durch Wildtiere verunreinigtem Trinkwasser verbunden. Heute weiß man allerdings, dass die Situation komplizierter ist: Giardia duodenalis umfasst verschiedene genetische Gruppen, die unterschiedliche Wirte bevorzugen. Die Giardia-Typen, die Menschen krank machen, sind normalerweise nicht dieselben wie diejenigen, die Hunde und Katzen infizieren.

Ich kann mich auch bei Hunden damit anstecken?
Theoretisch ja, aber das Risiko ist insgesamt eher gering. Nicht alle Varianten, die Hunde infizieren, können Menschen infizieren. Eine Übertragung vom Hund auf den Menschen ist grundsätzlich möglich, aber das Risiko gilt als eher unwahrscheinlich.

Martin Kubesch
Akt. 09.10.2026 06:44 Uhr