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"Mord im Grand Alpine Hotel"

Nach 50 Jahren Pause: So wird der erste neue Miss-Marple-Krimi

Agatha Christies Amateurdetektivin Miss Marple kehrt mit einem neuen Buch zurück – 50 Jahre nach dem Tod der Schriftstellerin. "Mord im Grand Alpine Hotel" von Bestsellerautorin Lucy Foley erscheint am 30. September. Was Sie darüber wissen müssen.

Prägt bis heute das Bild von Miss Marple: Margaret Rutherford, hier im Film "Mörder Ahoi!". Der erste neue Miss-Marple-Krimi seit 50 Jahren erscheint Ende September
Prägt bis heute das Bild von Miss Marple: Margaret Rutherford, hier im Film "Mörder Ahoi!". Der erste neue Miss-Marple-Krimi seit 50 Jahren erscheint Ende SeptemberAPA-Images / akg-images
NewsFlix Redaktion
Akt. 09.09.2026 05:08 Uhr

Am Ufer des River Dart flimmert das Licht auf dem Wasser, daneben steht das Bootshaus von Greenway, jenem Sommerhaus in Devon, das für Agatha-Christie-Fans fast so etwas wie ein Wallfahrtsort ist. Dort, wo in der Welt der erfolgreichsten Kriminalschriftstellerin aller Zeiten schon Leichen abgelegt wurden, beginnt nun eine neue Etappe: Miss Marple kehrt als Romanheldin zurück.

Der Anlass ist literarisch und wirtschaftlich zugleich interessant. Denn einerseits erleben Agatha Christie und ihr Werk gerade wieder einmal neue Aufmerksamkeit und erobern sich eine neue Leser-Generation. Und andererseits übernimmt mit Lucy Foley eine erfolgreiche Gegenwartsautorin die wohl berühmteste Detektivin der Kriminalliteratur als Figur und entwickelt sie weiter.

Die Londoner Times hat das Buch – den ersten Miss-Marple-Roman seit 50 Jahren – bereits gelesen und mit der Autorin gesprochen. Was man darüber wissen muss – die wichtigsten Informationen über das literarische Comeback des Jahres im Überblick:

Worum geht es?
Die britische Autorin Lucy Foley hat einen neuen Miss-Marple-Roman geschrieben. "Mord im Grand Alpine Hotel" ist der erste offizielle neue Fall in Buchlänge seit Agatha Christies Tod im Jahr 1976 und damit der erste volle Auftritt von Miss Marple seit 50 Jahren.

Wird nicht umsonst die "Queen of Crime" genannt: Agatha Christie – hier in den 1950er-Jahren, ist bis heute die erfolgreichste Kriminalschriftstellerin der Welt
Wird nicht umsonst die "Queen of Crime" genannt: Agatha Christie – hier in den 1950er-Jahren, ist bis heute die erfolgreichste Kriminalschriftstellerin der Welt
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Warum ist das gerade jetzt so bemerkenswert?
Agatha Christie erlebt derzeit wieder einen starken Aufschwung. Ihre Bücher verkaufen sich weiterhin in großer Zahl, im englischsprachigen Raum., aber auch etwa auf Deutsch. Dazu kommen neue Film- und TV-Projekte sowie eine große Ausstellung der British Library. All das verschafft auch Miss Marple Rückenwind für ihr Buch-Comeback.

Wer ist Lucy Foley?
Eine erfolgreiche britische Krimiautorin, die nach eigenen Angaben schon mit zwölf Jahren Agatha Christie für sich entdeckt hat. Sie arbeitete früher in mehreren Bereichen der Buchbranche, unter anderem bei der Buchhandelskette Waterstones, in einer Literaturagentur und später als Lektorin beim Verlag Hachette. Ihren Durchbruch als Autorin im Krimigenre schaffte sie mit "The Hunting Party" (auf deutsch "Neuschnee") und später mit "The Guest List" ("Sommernacht").

Warum gerade Miss Marple und nicht wieder Poirot?
Genau darin liegt ein Teil der Geschichte. James Prichard, der Urenkel Agatha Christies und Verwalter des Nachlasses, sagt: "Miss Marple stand gewissermaßen schon immer im Schatten von Poirot, und wir fanden, es sei an der Zeit, ihr ihren Moment im Rampenlicht zu gönnen." Miss Marple sollte also bewusst aus dem Schatten des berühmteren Detektivs geholt werden.

Ist Hercule Poirot wirklich so viel präsenter?
Nach Foleys Einschätzung ja. Sie meint, Poirot habe auch wegen der populären TV-Serie mit David Suchet kulturell die größere Sichtbarkeit bekommen. Es wurden auch bereits sechs neue Romane mit Hercule Poirot veröffentlicht, geschrieben von der britischen Autorin Sophie Hannah. Miss Marple war zwar ebenfalls erfolgreich, stand zuletzt aber weniger stark im Mittelpunkt.

Worum geht es im neuen Roman?
Der Fall spielt nicht im gemütlichen englischen Dorf, sondern in einem Schweizer Skiresort nach dem Krieg. Nachdem eine Leiche in einer Gondel entdeckt wird, schneidet ein Blizzard die Gäste von der Außenwelt ab. Das erinnert bewusst an klassische Christie-Konstellationen mit eingeschlossenen Verdächtigen.

Warum verlegt Lucy Foley Miss Marple ausgerechnet in die Schweiz?
Sie wollte der Figur einen neuen, glamourösen Rahmen geben und gleichzeitig an klassische Spannungskino-Bilder anknüpfen. Das Hotel, Schnee, Züge und Verfolgungsjagden erinnern an alte Thriller und an Christies Lust an raffinierten Schauplätzen. Außerdem konnte sie so Miss Marple aus dem vertrauten (fiktiven) Örtchen St. Mary Mead herausholen.

Durfte sich als erste nach Agatha Christie an Miss Marple versuchen: die britische Bestsellerautorin Lucy Foley
Durfte sich als erste nach Agatha Christie an Miss Marple versuchen: die britische Bestsellerautorin Lucy Foley
APA-Images / Action Press / James Warren

Wie stark orientiert sich das Buch an Agatha Christie?
Sehr stark im Geist, aber nicht als bloße Kopie. Foley sagt selbst, sie schreibe aus Liebe und als Hommage, nicht als Nachahmung. Prichard formulierte den Auftrag so: "Ich wollte ein 'Lucy-Foley-Buch im Stil von Miss Marple', nicht irgendeine Kopie nach Schema F."

Was macht Foley mit der Figur anders?
Formal geht sie neue Wege. Der Roman arbeitet mit wechselnden Ich-Perspektiven und der Gegenwartsform, was traditionelle Christie-Fans überraschen könnte. Bei Miss Marples eigener Stimme versucht Foley jedoch, nah an der Vorlage zu bleiben.

Wie sieht Foley Miss Marple als Figur?
Sie hält sie für dunkler, als viele annehmen. Konkret sagt sie, die Figur der Miss Marple sei "viel düsterer, als die Leute ahnen". Für Foley ist Marple eine Realistin mit eher niedrigen Erwartungen an die Menschen, während Poirot eher auf das Gute hoffe.

Passt diese düsterere Sichtweise überhaupt zu Agatha Christie?
Ja, jedenfalls nach Foleys Lesart. Sie verweist darauf, dass mehrere Christie-Romane ausgesprochen düster sind, etwa "Das Schicksal in Person", "Das krumme Haus" oder "Die Morde des Herrn ABC". Das Bild von Christie-Büchern als Kaminfeuer-Krimis ist daher zu simpel.

Gab es schon davor neue Texte mit Miss Marple?
Ja, aber nicht in dieser langen Form. Lucy Foley war eine von zwölf Autorinnen und Autoren, die zu einer Miss-Marple-Kurzgeschichtensammlung beitrugen, die 2022 erschien. Der neue Roman ist nun ein deutlich größerer Schritt, weil er die Figur wieder allein durch einen ganzen Fall trägt.

Lucy Foley "Mord im Grand Alpine Hotel: Ein neuer Fall für Miss Marple", 400 Seiten, 25,50 Euro, Penguin Verlag, ab 30. September
Lucy Foley "Mord im Grand Alpine Hotel: Ein neuer Fall für Miss Marple", 400 Seiten, 25,50 Euro, Penguin Verlag, ab 30. September
Penguin Verlag

Wie groß war der Druck für die Autorin?
Offenbar enorm. Foley beschreibt die Anfrage zugleich als Ehre und als Grund zur Angst, weil Christie für viele Leser beinahe unantastbar ist: "Ich glaube, es wäre verrückt, nicht ein wenig nervös zu sein."

Was sagt dieses Comeback über den Krimimarkt an sich?
Es zeigt, wie stark klassische Figuren weiterhin ziehen. Christies Stoffe werden neu verfilmt, neu ausgestellt und nun auch literarisch fortgesetzt. Dass diesmal Miss Marple gewählt wurde, deutet zugleich auf den Versuch hin, eine ältere weibliche Figur neu zu positionieren, die lange hinter Hercule Poirot zurückstand.

Lucy Foley "Mord im Grand Alpine Hotel: Ein neuer Fall für Miss Marple", 400 Seiten, 25,50 Euro, Penguin Verlag, ab 30. September

NewsFlix Redaktion
Akt. 09.09.2026 05:08 Uhr