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Stauffenberg-Attentat

Neue Erkenntnisse: Sollte Hitler 1944 in Salzburg sterben?

Am 20. Juli 1944 scheiterte das Attentat von Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler in Polen. Ein nun entdecktes Dokument deutet darauf hin, dass das Attentat auf den Diktator möglicherweise woanders hätte stattfinden sollen – auf Schloss Kleßheim in Salzburg.

Nur Stunden nach dem gescheiterten Attentat inspizierte Hitler gemeinsam mit Benito Mussolini den zerstörten Konferenzraum in der Wolfsschanze
Nur Stunden nach dem gescheiterten Attentat inspizierte Hitler gemeinsam mit Benito Mussolini den zerstörten Konferenzraum in der WolfsschanzeAPA-Images / akg-images
NewsFlix Redaktion
Akt. 05.08.2026 18:15 Uhr

Hätte am Ende vieles anders kommen können? Millionen Tote weniger, ein früheres Kriegsende, ein Deutsches Reich, das sich selbst von seinem Tyrannen befreit hat? Wenn sich Adolf Hitler nicht kurzfristig gegen seine eigenen Pläne entschieden hätte?

Diese Fragen stellen sich angesichts jenes Fundes, über den der Spiegel berichtet. Im Salzburger Landesarchiv tauchte demnach unlängst ein Bericht aus dem Jahr 1984 auf, in dem ein Hotelier seine Erinnerungen an den Juli 1944 festgehalten hat. Nicht in der stickigen Baracke der Wolfsschanze, sondern in einem gemauerten Salon bei Salzburg hätte Adolf Hitler demnach sitzen sollen, als die Bombe in Stauffenbergs Aktentasche detonierte.

Ein anderer Raum, ein anderer Ablauf unter anderen Bedingungen, vielleicht ein anderer Ausgang der Geschichte. Was in dem neu aufgetauchten Dokument steht, wie es möglicherweise den Lauf der Geschichte verändert hätte – das muss man wissen:

Worum geht es?
Um einen bislang unveröffentlichten Bericht des österreichischen Hoteliers Erwin Gutwinski aus dem Jahr 1984. Gefunden wurde er vom US-Forscher Rolf Windbiel im Salzburger Landesarchiv. Der Text legt nahe, dass für den 20. Juli 1944, den Tag des Stauffenberg-Attentats auf Hitler, ursprünglich Vorbereitungen für einen Staatsbesuch des Diktators in Schloss Kleßheim getroffen wurden.

Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg (l.) und sein Mitverschwörer, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim. Beide wurden noch am Abend des 20. Juli 1944 hingerichtet
Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg (l.) und sein Mitverschwörer, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim. Beide wurden noch am Abend des 20. Juli 1944 hingerichtet
APA-Images / Ullstein Bild / ullstein - Stiftung 20.Juli 1944

Was geschah am 20. Juli 1944?
An diesem Tag verübte der adelige Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Hitlers Hauptquartier Wolfsschanze in Ostpreußen (heute Polen) ein Attentat auf den Diktator. Die in seiner Aktentasche versteckte Bombe explodierte zwar, Hitler überlebte jedoch nahezu unversehrt. Das Scheitern gilt als einer der entscheidenden Wendepunkte der letzten Kriegsphase.

Warum ist Schloss Kleßheim bei Salzburg plötzlich so wichtig?
Schloss Kleßheim war damals ein Gästehaus der Reichsregierung. Dort empfing Hitler regelmäßig verbündete Regierungschefs, wenn er sich am Obersalzberg aufhielt. Wäre eine Lagebesprechung mit Stauffenberg dort angesetzt worden, hätte der Anschlag womöglich in einem ganz anderen baulichen Umfeld stattgefunden.

Was behauptet Hotelier Erwin Gutwinski genau?
Gutwinski schrieb 1984 rückblickend, der Chef der Präsidialkanzlei, Otto Meißner, habe ihm Mitte Juli 1944 in Berlin mitgeteilt, dass sofort Vorbereitungen für einen Staatsbesuch in Kleßheim getroffen werden müssten und Italiens Diktator Benito Mussolini erwartet werde. Wörtlich hielt Gutwinski fest: "Herr Minister Meißner teilte mir mit, dass sofort die Vorbereitungen für einen Staatsbesuch in Kleßheim getroffen werden müssen und deutete mir an, dass Mussolini erwartet werde." Später sei der Besuch für Salzburg allerdings wieder abgesagt worden.

Wer war Erwin Gutwinski, und warum ist seine Rolle relevant?
Erwin Gutwinski war von 1939 bis 1947 Direktor des Salzburger Hotels "Österreichischer Hof", des heutigen Hotels "Sacher". Er war für die Vorbereitung von Hitlers Staatsempfängen zuständig, lieferte Lebensmittel und stellte Personal wie Kellner und Zimmermädchen. Er hatte also mit den praktischen Abläufen solcher Besuche tatsächlich zu tun.

Heißt das, Hitler hätte am 20. Juli gar nicht in der Wolfsschanze sein sollen?
So eindeutig ist es nicht. Der Bericht legt das nahe, beweisen lässt es sich damit aber nicht. Gesichert ist nur, dass Hitler am 14. Juli 1944 vom Obersalzberg in die Wolfsschanze nach Ostpreußen flog und dass Mussolini später, am 20. Juli, dort eintraf.

Warum überlebte Hitler den Anschlag in der Wolfsschanze?
Experten verweisen auf mehrere Faktoren. Der Lageraum, in dem das Attentat stattfand, lag in einer vergleichsweise leicht gebauten Baracke, unter dem Holzfußboden gab es einen Hohlraum, außerdem waren im Hochsommer die Fenster weit offen. Dazu kamen der massive Eichentisch und dessen Sockel, unter dem sich Stauffenbergs Aktentasche befand. All diese Faktoren nahmen der Explosion viel von ihrer Wucht, weshalb Hitler den Anschlag so gut wie unverletzt überstand.

Schloss Kleßheim in der Stadt Salzburg: Wäre das Attentat auf Hitler hier erfolgreich gewesen, wie ein nun aufgetauchtes Dokument behauptet?
Schloss Kleßheim in der Stadt Salzburg: Wäre das Attentat auf Hitler hier erfolgreich gewesen, wie ein nun aufgetauchtes Dokument behauptet?
APA-Images / brandstaetter images / Votava

Warum hätte ein Anschlag in Kleßheim womöglich anders geendet?
Gutwinski formulierte es drastisch: "Im gemauerten Raum wäre das Attentat geglückt." Die Überlegung dahinter ist einfach: Ein geschlossener, massiver Raum hätte die Druckwelle wohl weniger entweichen lassen als die Baracke in der Wolfsschanze. Ob es tatsächlich so gekommen wäre, bleibt dennoch eine historische Möglichkeit, keine Gewissheit.

Gab es schon vor dem 20. Juli Anschlagspläne in Kleßheim?
Ja. Bereits vor dem 20. Juli 1944 gab es Pläne aus den Widerstandskreisen um Stauffenberg für Schloss Kleßheim. Etwa am 7. Juli, als Hitler dort neue Wehrmachtsuniformen vorgeführt wurden, doch der als Attentäter vorgesehene Generalmajor Helmuth Stieff zündete die Bombe nicht.

Was sagen Historiker zu dem neuen Fund?
Der Historiker Johannes Tuchel, ein Experte für den deutschen Widerstand, sieht im Spiegel keinen eindeutigen Beleg dafür, dass für den Mussolini-Besuch am 20. Juli ursprünglich Kleßheim vorgesehen war. Wegen der katastrophalen militärischen Lage an der Ostfront hält er es eher für unwahrscheinlich, dass Hitler einen Termin in Kleßheim hätte wahrnehmen wollen. Gleichzeitig schließt er aber nicht aus, dass es zumindest Planungen für einen Besuch dort gab.

Warum spielte die militärische Lage damals so eine große Rolle?
Im Sommer 1944 war die Lage für das NS-Regime bereits verheerend. Einen Monat zuvor waren die Alliierten in der Normandie gelandet, im Osten stand die Rote Armee an der deutschen Grenze. Gerade deshalb erscheint es aus heutiger Sicht fraglich, ob Hitler ausgerechnet in dieser Situation nach Salzburg zu einem Treffen hätte reisen wollen.

Gedenktafel an das Attentat in den Ruinen der Wolfsschanze in Ostpreußen, heute ein Teil von Polen
Gedenktafel an das Attentat in den Ruinen der Wolfsschanze in Ostpreußen, heute ein Teil von Polen
Getty Images

Wäre Stauffenberg in Kleßheim überhaupt dabei gewesen?
Auch das ist offen. Tuchel weist darauf hin, dass nicht sicher ist, ob dort überhaupt die Personalersatzlage des Heeres besprochen worden wäre, also jenes Thema, zu dem Stauffenberg in der Wolfsschanze berichten sollte. Entscheidend ist also nicht nur der Ort, sondern auch, ob Stauffenberg dort Zugang zu Hitler gehabt hätte.

Warum bleibt die Frage historisch trotzdem so brisant?
Weil sie zeigt, wie sehr der Verlauf des 20. Juli auch vom Zufall, von Räumen und Abläufen abhing. Hätte das Attentat Erfolg gehabt, wären bis zur deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 womöglich Millionen Menschen nicht mehr gestorben, darunter Hunderttausende KZ-Häftlinge. Gerade deshalb wird jeder neue Hinweis auf alternative Abläufe so genau geprüft.

NewsFlix Redaktion
Akt. 05.08.2026 18:15 Uhr