NewsFlix.at Logo
Was, wie, warum

Siebenfache Schallgeschwindigkeit: Heute schlägt Rakete am Mond ein

Mit 8.700 km/h und der Sprengkraft von 15.000 Stangen Dynamit wird am Mittwoch eine verirrte Raketenstufe auf der Mondoberfläche einschlagen. Wie es dazu kommen konnte, warum es nicht das erste Mal ist, wo man das Spektakel von der Erde aus beobachten kann.

Start der Falcon-9-Rakete von SpaceX vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida, am 15. Jänner 2025. Die zweite Stufe dieser Rakete wird heute am Mond einschlagen
Start der Falcon-9-Rakete von SpaceX vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida, am 15. Jänner 2025. Die zweite Stufe dieser Rakete wird heute am Mond einschlagenREUTERS/Steve Nesius/File Photo
NewsFlix Redaktion
Akt. 05.08.2026 05:59 Uhr

Eine 45 Tonnen schwere Raketenstufe rast derzeit mit 8.700 Kilometern pro Stunde auf die Mondoberfläche zu und wird im Lauf des 5. August auf der erdabgewandten Seite unseres Trabanten einschlagen – mit einer Wucht von umgerechnet 15.000 Stangen Dynamit.

Die Raketenstufe stammt von einer Falcon-9-Rakete von Elon Musks Unternehmen SpaceX und hat bereits vor eineinhalb Jahren ihre Nutzlast zum Mond gebracht. Doch anstatt in der Folge zurück Richtung Erde zu fliegen und in der Atmosphäre zu verglühen, irrte das Raketenteil seither zwischen Erde und Mond hin und her – um jetzt schließlich ungebremst auf dem Mond einzuschlagen.

Wie es dazu kommen konnte, wie gefährlich die ganze Sache für uns auf der Erde ist, ob – und wie – man das Spektakel von der Erde aus beobachten kann und was der Einschlag für Astronomen weltweit bedeutet – das sollte man darüber, was da heute passiert, wissen:

Was genau wird da gegen den Mond krachen?
Es handelt sich um die zweite Stufe einer Falcon-9-Rakete von SpaceX. Diese Raketenstufe hatte im Jänner 2025 zwei Mondlander ins All gebracht: Blue Ghost der US-Firma Firefly Aerospace und Resilience des japanischen Start-ups ispace. Nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hatte, trieb die Stufe führungslos im Weltraum, so der britische Guardian.

Was würde normalerweise mit solch einer Raketenstufe geschehen?
Normalerweise würden solche Stufen zur Erde zurückkehren und in der Atmosphäre verglühen. Aber aus Gründen, die laut Time Magazine selbst Experten nicht ganz klar sind, entging diese Stufe der Erdatmosphäre bei ihren nahen Vorbeiflügen. Stattdessen geriet sie in eine Erd-Umlaufbahn, die sie schließlich immer näher an den Mond brachte. Jetzt ist eine Kollision unausweichlich.

Die Falcon 9 ist derzeit das Standardmodell der NASA für die Flüge zur ISS, aber auch für Transportaufgaben, die die nächste bemannte Mondlandung vorbereiten sollen
Die Falcon 9 ist derzeit das Standardmodell der NASA für die Flüge zur ISS, aber auch für Transportaufgaben, die die nächste bemannte Mondlandung vorbereiten sollen
REUTERS/Steve Nesius

Warum schlägt sie ausgerechnet jetzt ein?
Eine Frage der Physik. Nach rund eineinhalb Jahren des Irrlichterns zwischen Erde und Mond hat sich ihre Flugbahn so weit verändert, dass sie nun unweigerlich auf Kollisionskurs mit dem Mond ist und dort einschlagen wird.

Wo und wann wird der Einschlag passieren?
Der US-Astronom Bill Gray prognostiziert den Aufprall am Mittwoch, 5. August 2026. Die Raketenstufe soll nahe dem Einstein-Krater auf der sonnenbeschienenen (und erdabgewandten) Westseite des Mondes einschlagen. Der genaue Zeitpunkt fällt wahrscheinlich in die frühen Morgenstunden der US-Zeit, also bei uns im Laufe des Vormittags.

Wie groß ist die Wucht des Einschlags?
Die Raketenstufe wiegt fast 45 Tonnen und bewegt sich mit etwa 8.700 km/h. Laut Gray entspricht die Einschlagenergie etwa 15.000 Stangen Dynamit – oder rund drei Tonnen TNT. Das wird einen beträchtlichen Krater und eine ordentliche Trümmerwolke erzeugen.

Wie groß wird der Krater sein?
Wissenschafter rechnen mit einem Einschlagkrater von etwa 27 Metern Durchmesser und rund fünf Metern Tiefe. Der Krater wird zu klein sein, um von der Erde aus sichtbar zu sein. Allerdings könnten Raumsonden, die den Mond umkreisen, ihn fotografieren.

Lässt sich der Einschlag von der Erde aus beobachten?
Der Einschlag erfolgt nahe am westlichen Rand des Mondes. Der Lichtblitz beim Aufprall wird wahrscheinlich zu schwach sein, um ihn mit bloßem Auge oder normalen Teleskopen zu sehen – er dauert weniger als eine Sekunde. Allerdings könnte die Staubwolke, die dabei aufgewirbelt wird, mehrere Kilometer hoch ins All schießen, sich dabei vor dem dunklen Weltraum abheben und so einen sichtbaren Kontrast erzeugen, der für Teleskope über mehrere Minuten sichtbar bleibt.

Wird man das von Europa aus beobachten können?
Von Europa aus wird der Einschlag wohl nicht zu beobachten sein, dafür "steht" unser Kontinent zum wahrscheinlichen Zeitpunkt des Einschlags zu ungünstig. Die NASA ist sich nicht einmal sicher, ob das Ereignis von den USA aus beobachtbar sein wird.

Die Raketenstufe soll mit einer Geschwindigkeit von 8.700 km/h in der Nähe des Einstein-Kraters auf der Westseite des Mondes einschlagen, so die Berechnungen
Die Raketenstufe soll mit einer Geschwindigkeit von 8.700 km/h in der Nähe des Einstein-Kraters auf der Westseite des Mondes einschlagen, so die Berechnungen
Getty Images

Ist so ein unbeabsichtigter Einschlag schon einmal passiert?
Ja, sowohl geplant als auch ungeplant. 2022 schlug eine chinesische Raketenstufe auf der Rückseite des Mondes ein und hinterließ einen ungewöhnlichen Doppelkrater. China bestreitet den Vorfall allerdings. Und während der Apollo-Missionen der NASA in den 1960er- und 1970er-Jahren wurden Stufen der Saturn-V-Raketen absichtlich auf den Mond gelenkt, um mit Seismografen Mondbeben zu messen.

Was sagt SpaceX eigentlich dazu?
Nichts. Das Unternehmen von Elon Musk hat sich auf Anfragen nicht geäußert.

Hätte Elon Musks Weltraumunternehmen den Einschlag verhindern können?
Grundsätzlich ja. Experten sagen, dass der Absturz vermeidbar gewesen wäre, wenn die Oberstufe nach dem Start in eine Sonnenumlaufbahn gesteuert worden wäre. Dazu hätte jedoch ausreichend Treibstoff reserviert werden müssen.

Bestehen durch den Einschlag Gefahren?
Für die Menschen auf der Erde besteht keinerlei Gefahr. Der Mond hat keine Atmosphäre, und der Einschlag findet in einer Region statt, in der weder Mondstationen noch Forschungsgeräte stehen. Wissenschafter sehen den Absturz sogar als Chance, mehr über die Zusammensetzung des Mondbodens zu erfahren.

Was wollen Forscher aus dem Einschlag lernen?
Ein Objekt bekannter Masse und Geschwindigkeit, das auf den Mond aufschlägt, liefert wertvolle Informationen über die Mondstruktur. Die NASA-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter wurde deshalb einige Tage vor dem Aufprall über die errechnete Einschlagstelle geschickt und soll diese nach dem Einschlag wieder überfliegen. Die dabei entstehenden Bilder könnten Aufschluss darüber geben, wie tief unter der Oberfläche bestimmte Materialien liegen. Und auch die aufgewirbelte Staubwolke wird wissenschaftlich ausgewertet.

US-Astronaut Neil Armstrong am 20. Juli 1969 auf dem Mond. Die NASA lenkte danach absichtlich einzelne Stufen der Saturn-V-Raketen gegen den Erdtrabanten, um Mondbeben zu messen
US-Astronaut Neil Armstrong am 20. Juli 1969 auf dem Mond. Die NASA lenkte danach absichtlich einzelne Stufen der Saturn-V-Raketen gegen den Erdtrabanten, um Mondbeben zu messen
Reuters

Wie hoch werden die Trümmer ins All geschleudert?
Laut Berechnungen könnten Gesteinsbrocken des Mondes mit bis zu 360 km/h in die Höhe geschleudert werden. Auf dem Mond, mit seiner geringeren Schwerkraft, würden solche Brocken etwa eine Minute lang aufsteigen, eine Höhe von drei Kilometern erreichen und erst dann wieder zurückfallen.

Wird so etwas in Zukunft häufiger passieren?
Das ist sehr wahrscheinlich. Sowohl die USA als auch China planen derzeit bemannte Mondlandungen bis zum Jahr 2030 sowie Frachtlieferungen zu deren Unterstützung. Mit jeder Mission steigt die Zahl der Raketenstufen im lunaren Orbit. Experten fordern daher schon länger strengere Regeln für die Entsorgung dieses Weltraumschrotts. Derzeit gibt es diesbezüglich jedoch keine internationalen Vorschriften, die solche ungeplanten Einschläge verhindern würden.

NewsFlix Redaktion
Akt. 05.08.2026 05:59 Uhr