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Was, wie, warum

Siebenfache Schallgeschwindigkeit: Rakete am Mond eingeschlagen

Mit 8.700 km/h und der Sprengkraft von 15.000 Stangen Dynamit ist Mittwochmorgen eine Raketenstufe auf der Mondoberfläche eingeschlagen. Wie es dazu kommen konnte, warum es nicht das erste Mal war, was man davon auf der Erde beobachten konnte.

Start der Falcon-9-Rakete vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral am 15. Jänner 2025. Die zweite, etwa 12 Meter lange Stufe dieser Rakete ist heute am Mond eingeschlagen
Start der Falcon-9-Rakete vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral am 15. Jänner 2025. Die zweite, etwa 12 Meter lange Stufe dieser Rakete ist heute am Mond eingeschlagenREUTERS/Steve Nesius/File Photo
NewsFlix Redaktion
Akt. 05.08.2026 12:19 Uhr

Am Ende ging alles ganz schnell. Mittwochmorgen gegen 8.35 Uhr europäischer Zeit ist jene ausgebrannte Raketenstufe, die seit mehr als eineinhalb Jahren zwischen Erde und Mond herumirrte, auf der Mondoberfläche eingeschlagen, berichtet die NZZ.

Die in ausgebranntem Zustand noch etwa vier Tonnen schwere Raketenstufe prallte dabei mit 8.700 Kilometern pro Stunde auf die Mondoberfläche – da der Erdtrabant keine Atmosphäre hat, verglühte die Rakete nicht und wurde auch sonst nicht abgebremst. Und – für die meisten Astronomen überraschend: Anders als prognostiziert, geschah der Absturz auf jener der Erde zugewandten Seite des Mondes – und konnte somit beobachtet werden.

Die Raketenstufe stammte von einer Falcon-9-Rakete von Elon Musks Unternehmen SpaceX und hat bereits vor eineinhalb Jahren ihre Nutzlast zum Mond gebracht. Doch anstatt in der Folge zurück Richtung Erde zu fliegen und in der Atmosphäre zu verglühen, irrte das Raketenteil seither zwischen Erde und Mond hin und her – um jetzt schließlich ungebremst auf dem Mond einzuschlagen.

Wie es dazu kommen konnte, wie gefährlich die ganze Sache für uns auf der Erde war, ob es bereits Bilder vom Einschlag gibt und was das Ereignis für Astronomen weltweit bedeutet – das sollte man über den Raketen-Crash wissen:

Was genau ist da heute gegen den Mond gekracht?
Es handelte sich um die zweite Stufe einer Falcon-9-Rakete von SpaceX. Diese Raketenstufe hatte im Jänner 2025 zwei Mondlander ins All gebracht: Blue Ghost der US-Firma Firefly Aerospace und Resilience des japanischen Start-ups ispace. Nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hatte, trieb die Stufe führungslos im Weltraum, so der britische Guardian.

Was würde normalerweise mit solch einer Raketenstufe geschehen?
Normalerweise würden solche Stufen zur Erde zurückkehren und in der Atmosphäre verglühen. Aber aus Gründen, die laut Time Magazine selbst Experten nicht ganz klar sind, entging diese Stufe der Erdatmosphäre bei ihren nahen Vorbeiflügen. Stattdessen geriet sie in eine Erd-Umlaufbahn, die sie schließlich immer näher an den Mond brachte. Am Ende war eine Kollision unausweichlich.

Die Falcon 9 ist derzeit das Standardmodell der NASA für die Flüge zur ISS, aber auch für Transportaufgaben, die die nächste bemannte Mondlandung vorbereiten sollen
Die Falcon 9 ist derzeit das Standardmodell der NASA für die Flüge zur ISS, aber auch für Transportaufgaben, die die nächste bemannte Mondlandung vorbereiten sollen
REUTERS/Steve Nesius

Warum schlug sie ausgerechnet jetzt ein?
Eine Frage der Physik. Nach rund eineinhalb Jahren des Irrlichterns zwischen Erde und Mond hat sich ihre Flugbahn so weit verändert, dass sie nun unweigerlich auf Kollisionskurs mit dem Mond kam und dort eingeschlagen ist.

Wo und wann ist der Einschlag passiert?
Laut NZZ geschah der Einschlag gegen 8.35 Uhr früh am Mittwochmorgen europäischer Zeit, und zwar in einem Bereich des Mondes, der von der Erde aus an sich gut zu beobachten ist.

Wie groß war die Wucht des Einschlags?
Die Raketenstufe wog ohne treibstoff (der war ausgebrannt) etwa 4 Tonnen und bewegte sich mit etwa 8.700 km/h. Das entspricht laut Berechnungen des US-Astronomen Bill Gray einer Einschlagenergie von etwa 15.000 Stangen Dynamit – oder rund drei Tonnen TNT.

Wie groß ist der Krater, den die Rakete geschlagen hat?
Wissenschafter rechnen mit einem Einschlagkrater von etwa 27 Metern Durchmesser und rund fünf Metern Tiefe. Der Krater wird zu klein sein, um von der Erde aus sichtbar zu sein. Allerdings könnten Raumsonden, die den Mond umkreisen, ihn fotografieren.

Wurde der Einschlag von der Erde aus beobachtet?
Im Vorfeld war spekuliert worden, dass der Einschlag der Rakete einen Blitz erzeugen und vor allem die Staubwolke durch aufgewirbeltes Material erkennbar sein würde, weshalb hunderte Forschungsinstitute und Hobbyastronomen ihre Teleskope ausgerichtet hatten. Laut Detlef Koschny, der an der Technischen Universität München zu Meteoriteneinschlägen forscht, sei diese Hoffnung aber bisher enttäuscht worden: "Leider hat noch niemand etwas Auffälliges gesehen," so der Forscher in der NZZ.

Könnte sich das noch ändern?
Ja, eine genauere Analyse der Videodaten mit höherem Kontrast könne in den kommenden Tagen noch Auffälligkeiten sichtbar machen, die bei der Beobachtung live nicht zu sehen waren, so die Schweizer Zeitung.

Die Raketenstufe soll mit einer Geschwindigkeit von 8.700 km/h in der Nähe des Einstein-Kraters auf der Westseite des Mondes einschlagen, so die Berechnungen
Die Raketenstufe soll mit einer Geschwindigkeit von 8.700 km/h in der Nähe des Einstein-Kraters auf der Westseite des Mondes einschlagen, so die Berechnungen
Getty Images

Ist so ein unbeabsichtigter Einschlag schon einmal passiert?
Ja, sowohl geplant als auch ungeplant. 2022 schlug eine chinesische Raketenstufe auf der Rückseite des Mondes ein und hinterließ einen ungewöhnlichen Doppelkrater. China bestreitet den Vorfall allerdings. Und während der Apollo-Missionen der NASA in den 1960er- und 1970er-Jahren wurden Stufen der Saturn-V-Raketen absichtlich auf den Mond gelenkt, um mit Seismografen Mondbeben zu messen.

Was sagt SpaceX eigentlich dazu?
Nichts. Das Unternehmen von Elon Musk hat sich auf Anfragen nicht geäußert.

Hätte Elon Musks Weltraumunternehmen den Einschlag verhindern können?
Grundsätzlich ja. Experten sagen, dass der Absturz vermeidbar gewesen wäre, wenn die Oberstufe nach dem Start in eine Sonnenumlaufbahn gesteuert worden wäre. Dazu hätte jedoch ausreichend Treibstoff reserviert werden müssen.

Bestand durch den Einschlag eine Gefahr für die Erde?
Für die Erde bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr. Im Vorfeld war außerdem berechnet worden, dass der Einschlag in einer Region stattfinden würde, in der weder Mondstationen noch Forschungsgeräte stehen – offenbar fälschlich, wie sich nun herausstellte. Wissenschafter sahen den Absturz aber sogar als Chance, mehr über die Zusammensetzung des Mondbodens zu erfahren.

Was wollen Forscher aus dem Einschlag lernen?
Ein Objekt bekannter Masse und Geschwindigkeit, das auf den Mond aufschlägt, liefert wertvolle Informationen über die Mondstruktur. Die NASA-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter wurde deshalb einige Tage vor dem Aufprall über die errechnete Einschlagstelle geschickt und soll diese nach dem Einschlag wieder überfliegen. Die dabei entstehenden Bilder könnten Aufschluss darüber geben, wie tief unter der Oberfläche bestimmte Materialien liegen. Und auch die aufgewirbelte Staubwolke wird wissenschaftlich ausgewertet.

US-Astronaut Neil Armstrong am 20. Juli 1969 auf dem Mond. Die NASA lenkte danach absichtlich einzelne Stufen der Saturn-V-Raketen gegen den Erdtrabanten, um Mondbeben zu messen
US-Astronaut Neil Armstrong am 20. Juli 1969 auf dem Mond. Die NASA lenkte danach absichtlich einzelne Stufen der Saturn-V-Raketen gegen den Erdtrabanten, um Mondbeben zu messen
Reuters

Wie hoch wurden die Trümmer ins All geschleudert?
Laut Berechnungen könnten bis zu 1.000 Tonnen Gesteinsbrocken des Mondes mit bis zu 360 km/h in die Höhe geschleudert worden sein. Auf dem Mond, mit seiner geringeren Schwerkraft, würden solche Brocken etwa eine Minute lang aufsteigen, eine Höhe von drei Kilometern erreichen und erst dann wieder zurückfallen.

Wird so etwas in Zukunft häufiger passieren?
Das ist sehr wahrscheinlich. Sowohl die USA als auch China planen derzeit bemannte Mondlandungen bis zum Jahr 2030 sowie Frachtlieferungen zu deren Unterstützung. Mit jeder Mission steigt die Zahl der Raketenstufen im lunaren Orbit. Experten fordern daher schon länger strengere Regeln für die Entsorgung dieses Weltraumschrotts. Derzeit gibt es diesbezüglich jedoch keine internationalen Vorschriften, die solche ungeplanten Einschläge verhindern würden.

NewsFlix Redaktion
Akt. 05.08.2026 12:19 Uhr