Seine Mutter verstieß ihn nach der Geburt, sein erster Freund war ein Plüsch-Orang-Utan von Ikea. Die Geschichte des Makaken-Babys Punch aus dem Zoo von Ichikawa in Japan rührte vor einem halben Jahr Millionen zu Tränen. Nun feierte der Affe den ersten Geburtstag.

Im Makaken-Gehege wird gespielt, gerangelt, gehüpft. Dazwischen mischt sich Punch unter die anderen Affen und sticht aus der Gruppe so gut wie nicht mehr heraus. Nur auf den Fotos seiner Geburtstagsausstellung im Affenhaus ist noch zu sehen, wie seinerzeit alles begann: Punch als winziges, einsames Affenbaby, festgeklammert an einen kleinen Orang-Utan aus Plüsch. Ein Bild, das seinerzeit viral ging und Millionen Menschen aus der ganzen Welt zu Tränen rührte.
Zum ersten Geburtstag des Makaken, der im Zoologischen und Botanischen Garten von Ichikawa nahe Tokio lebt, trafen jetzt tausende Glückwünsche aus der ganzen Welt für das possierliche Tier ein. Ein Zeichen für die wohlmeinende Aufmerksamkeit, die das berührende Schicksal des kleinen Kerls nach wie vor genießt, berichtet die Washington Post.
Dass ein Affe so viele Menschen bewegt, hat natürlich zunächst mit seiner Niedlichkeit zu tun. Dass seine Geschichte aber auch noch ein Jahr danach für viele so präsent ist, zeigt, dass das Schicksal des kleinen Punch etwas Universelles in sich trägt. Es ist (s)eine Geschichte vom Verlassenwerden, vom Kampf ums – auch emotionale – Überleben gegen alle Widrigkeiten, und schließlich um die mühsame, aber letztendlich erfolgreiche Annäherung an eine soziale Gruppe.
Weshalb Punchs erste Zeit auf der Erde von so vielen Widrigkeiten geprägt war, wer dem kleinen Tier dabei half, seinen Platz im Leben zu finden und wie es ihm inzwischen geht. Eine Geschichte, die auch heute noch rührt – und von der man auch einiges lernen kann:

Worum geht es?
Um den kleinen Affen Punch aus einem Zoo im japanischen Ichikawa. Punch ist ein Japanmakake, wurde Anfang August 2025 geboren und schon kurz danach von seiner Mutter verlassen, vermutlich aus Erschöpfung. Seither wurde er von Tierpflegern großgezogen und entwickelte sich mit der Zeit zu einem Publikumsliebling, dessen Geschichte viral ging und schließlich die ganze Welt erreichte.
Warum steht sein erster Geburtstag so im Mittelpunkt?
Punch feierte am vergangenen Sonntag seinen ersten Geburtstag, was der Zoo mit einer Ausstellung zelebrierte – nicht zuletzt natürlich, um möglichst viele Besucher anzulocken. Das Tier erhielt schon im Vorfeld mehr als 2.500 Geburtstagskarten aus Japan und vielen weiteren Ländern der Welt. Viele davon werden in der Ausstellung gezeigt. Dort laufen auch Videos aus seinen ersten Lebensmonaten.
Was macht die Geschichte von Punch so besonders?
Berühmt wurde Punch, weil er sich in seinem Gehege einsam und verzweifelt an ein Orang-Utan-Plüschtier klammerte. Die Bilder davon standen für viele Menschen für Einsamkeit und die Suche nach Akzeptanz und Trost in einer als abweisend empfundenen Welt. Diese Assoziationen berührten Millionen auf der ganzen Welt und weckten in ihnen den Drang, dem kleinen Kerl helfen zu wollen.
Ist das nicht eine unzulässige Vermenschlichung, die nichts mit der biologischen Realität zu tun hat?
Sicher, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite können viele Menschen erst dann Empathie für andere Arten entwickeln, wenn sie eine Nähe zu ihnen aufbauen können. Insofern sind Geschichten wie jene von Punch sehr wichtig, um ein grundsätzliches Interesse und Verständnis für Artenschutz zu fördern. Nicht zuletzt in einer Welt, in der der Mensch sich immer weiter ausbreitet und anderen Arten ihren Lebensraum streitig macht.

Warum bekam Punch überhaupt ein Plüschtier?
Die Tierpfleger gaben ihm das Spielzeug, um seine Greiffähigkeit zu entwickeln. Das ist für neugeborene Makaken eine wichtige Überlebensfähigkeit. Das Plüschtier war also nicht bloß Trost für ihn, sondern Teil seiner Betreuung. Hätte er seine Mutter noch gehabt, hätte er sich an ihrem Fell festklammern und das Greifen lernen können.
Wie kam es zu seiner großen Bekanntheit?
Mitte Januar wurde Punch nach sechs Monaten besonderer Pflege ins Affengehege verlegt, wo er sich einer Gruppe von rund 50 anderen Affen anschließen sollte. Im Februar veröffentlichte der Zoo schließlich Bilder von ihm mit dem Spielzeug in sozialen Medien. Diese Fotos sorgten sofort für Furore und lockten in der Folge tausende Besucher an.
Weshalb? Was passierte im Gehege mit den anderen Affen?
Die Eingewöhnung war schwierig. Wenn andere Affen das Baby verscheuchten, lief Punch zu dem Spielzeug-Orang-Utan zurück und umarmte ihn zur Beruhigung. Genau diese Mischung aus Verletzlichkeit und Durchhaltevermögen machte ihn für viele so nahbar. Jeder von uns hat sich wahrscheinlich schon einmal im Leben gefühlt wie der kleine Affe, der doch nichts weiter will, als gemocht zu werden.
Stimmt es, dass der Plüsch-Orang-Utan von Ikea war?
Ja, und nachdem die Bilder von Punch mit dem Stofftier viral gegangen waren, fand der Plüschaffe weltweit reißenden Absatz.



Wie groß wurde der Andrang im Zoo?
Nach Angaben von Zoodirektor Takashi Yasunaga kamen Zehntausende Besucher, etwa die Hälfte davon aus Übersee. Punch ist bis heute ein großer Anziehungspunkt im Zoo. Sein Geburtstag verstärkt das Interesse zusätzlich.
Wie sieht Punch heute aus?
Er ist kein pummeliges Baby mehr und hält das Plüschtier nicht mehr fest. Mittlerweile ist er kaum noch von den anderen Affen zu unterscheiden, wenn er mit ihnen spielt. Das zeigt, wie weit seine Eingewöhnung inzwischen fortgeschritten ist.
Was beurteilt der Zoo das erste Lebensjahr von Punch?
Zoodirektor Takashi Yasunaga erinnert sich sehr genau an die ersten Tage nach der Geburt: "Punch kämpfte jeden Tag aufs Neue ums Überleben, und seine beiden Pfleger taten alles, was in ihrer Macht stand, um ihm das Überleben zu ermöglichen."
Was schreiben Menschen in Geburtstagsgrüße für Affen?
Kumi Ishizawa aus Kobe schreibt etwa, sie habe Punch Anfang des Jahres in sozialen Medien entdeckt. Seitdem sei es ihr Ziel gewesen, ihre Krankheit (sie schreibt nicht, woran genau sie leidet oder litt) zu überwinden, um ihn zu sehen. "Er hat mich sehr berührt … Ich habe mir immer wieder gesagt, dass ich wieder gesund werde und Punch besuchen komme." Andere wiederum brachten Kuchen mit, um sich bei den Pflegern von Punch für deren liebevolle Betreuung zu bedanken.

Wie alt werden Makaken eigentlich?
In Gefangenschaft, also ohne natürliche Feinde, können die Tiere bis zu 30 Jahre und noch älter werden. Es sind schon Ausnahmefälle von knapp 40 Jahren dokumentiert worden.
Wird Punch sein weiteres Leben auch im Zoo von Ichikawa verbringen?
Davon ist auszugehen. Schließlich ist er mittlerweile der Star des Zoos und sorgt für tausende zusätzliche Besucher. Man könnte beinahe sagen, er dankt es seinen menschlichen Rettern auf diese Art, dass sie ihm bei seinem schwierigen Start ins Leben geholfen haben.