Die Weltnaturschutzunion hat ihre Rote Liste der gefährdeten Arten aktualisiert. Fast 50.000 sind mittlerweile vom Aussterben bedroht – darunter Tiere mit einzigartigen Überlebensstrategien. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Naturschutz wirkt, wie Beispiele zeigen.

Im Sand der namibischen Wüste wartet ein kleiner, kugelrunder Frosch auf die Nacht. Der Wüstenregenfrosch braucht kaum Wasser zum Überleben – eine geniale Anpassung an seinen lebensfeindlichen Lebensraum. Doch nun bedroht der Diamantenabbau seine Heimat.
Dieser Frosch ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen: Selbst die cleversten Überlebensstrategien der Evolution reichen nicht mehr aus, um menschliche Zerstörung auszugleichen. Wie der Guardian berichtet, hat die Weltnaturschutzunion IUCN ihre aktuelle Rote Liste vorgelegt – mit alarmierenden Zahlen. Wie viele Arten vom Aussterben bedroht sind, was sie retten könnte – der Überblick:
Was ist die Rote Liste?
Die Rote Liste der IUCN ist das umfassendste Verzeichnis bedrohter Tier- und Pflanzenarten weltweit. Sie wird seit 1964 geführt und regelmäßig aktualisiert. Wissenschaftler bewerten darin den Gefährdungsstatus von Arten nach strengen Kriterien - von "nicht gefährdet" bis "ausgestorben".
Wie viele Arten sind aktuell bedroht?
Die aktuelle Liste umfasst 175.909 Arten. Davon gelten 49.505 als vom Aussterben bedroht. Das bedeutet: Mehr als jede vierte erfasste Art kämpft ums Überleben. Viele weitere Arten wurden noch gar nicht wissenschaftlich bewertet.

Was ist das Besondere an der neuen Liste?
Erstmals stehen Tiere aus den extremsten Lebensräumen der Erde auf der Liste. Wüstenfrösche, die ohne Wasser auskommen, und Schnecken aus der Tiefsee bei vulkanischen Quellen – beide werden durch Bergbau bedroht. Das zeigt: Es gibt keinen sicheren Rückzugsort mehr auf der Welt.
Warum ist der Wüstenregenfrosch gefährdet?
Der kugelförmige Frosch aus dem südlichen Afrika hat sich perfekt an die Wüste angepasst. Er vergräbt sich tagsüber tief im Sand und jagt nachts Insekten. Doch der Diamantenabbau in seinem Lebensraum zerstört genau diese sandigen Küstengebiete, in denen er sich versteckt.
Was bedroht die Tiefsee-Schnecken?
Mehr als 200 Schneckenarten leben ausschließlich an heißen Quellen am Meeresgrund, wo vulkanisches Wasser aus dem Boden schießt. Viele wurden erst im letzten Jahrzehnt entdeckt – und sind bereits gefährdet. Der Grund: Tiefseebergbau bedroht diese einzigartigen Ökosysteme.
Gibt es auch gute Nachrichten?
Ja, und sie zeigen, dass Naturschutz wirkt. Der australische Numbat, ein gestreifter Ameisenbeutler, hat sich erholt. In den späten 1970er-Jahren gab es nur noch 300 Tiere. Heute sind es 2.000 bis 3.000. Der Numbat wurde von "gefährdet" auf "potenziell gefährdet" herabgestuft.

Wie konnte der Numbat gerettet werden?
Jahrzehntelange Naturschutzarbeit hat das ermöglicht. Fachleute bekämpften eingeschleppte Raubtiere wie verwilderte Katzen und Füchse, die die kleinen Beuteltiere jagten. Ohne diese Maßnahmen würde der Numbat heute vermutlich nicht mehr existieren.
Welche Arten sind in Australien ausgestorben?
Fünf australische Beuteltiere wurden als ausgestorben bestätigt – sie wurden seit mindestens 60 Jahren nicht mehr gesichtet. Darunter vier rattengroße Raubbeutler und ein kaninchengroßes Springbeuteltier. Sie fielen verwilderten Katzen und Füchsen zum Opfer. Australien hat mehr als 40 moderne Säugetierausrottungen verzeichnet.
Warum sind eingeschleppte Arten so gefährlich?
Tiere wie Katzen und Füchse wurden von Menschen nach Australien gebracht. Die heimischen Beuteltiere hatten nie gelernt, vor solchen Räubern zu fliehen. Auch auf anderen Inseln richten eingeschleppte Arten Schäden an, etwa invasive Schlangen auf den Kanarischen Inseln, die einheimische Eidechsen fressen.
Was sagt die IUCN zur Lage?
IUCN-Generaldirektorin Grethel Aguilar betont: "Das Leben auf der Erde hat sich angepasst, um in den feindlichsten Lebensräumen zu überleben. Doch selbst Lebewesen mit den genialsten Überlebensstrategien sind bedroht." Es gebe aber einen klaren Weg aus der Krise: Naturschutz funktioniere nachweislich.

Was kann jeder Einzelne tun?
Bewusster Konsum hilft: Produkte aus nachhaltiger Produktion wählen, auf Herkunft achten. Auch der illegale Handel mit bedrohten Arten – oft über soziale Medien – ist ein Problem. Wer verdächtige Angebote meldet, leistet einen Beitrag.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Rote Liste wird laufend aktualisiert, da ständig neue Arten bewertet werden. Die IUCN fordert verstärkte Schutzmaßnahmen, mehr Naturschutzgebiete und internationale Zusammenarbeit. Denn wenn politischer Wille und Ressourcen vorhanden sind, können auch stark bedrohte Arten gerettet werden. Obwohl der Druck durch Bergbau, Landwirtschaft und Klimawandel laufend zunimmt.