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Zeuge erinnert sich

So lief das einzige Treffen zwischen Elvis und den Beatles wirklich ab

Die Beatles und Elvis in einem Raum – und mittendrin ein Mann mit einem Kassettenrekorder. Mal Evans, der Roadmanager und treueste Begleiter der "Fab Four", war damals die ganze Zeit über mit dabei. In seinen Memoiren erinnert er sich nun an diesen Magic Moment.

Paul McCartney studiert im Jahr 1965 einen Magazinbericht über Elvis, der für alle vier Beatles ein Vorbild war. Wenig später kam es zum ersten und einzigen Treffen mit dem King
Paul McCartney studiert im Jahr 1965 einen Magazinbericht über Elvis, der für alle vier Beatles ein Vorbild war. Wenig später kam es zum ersten und einzigen Treffen mit dem KingAPA-Images / mptv / www.mptvimages.com
Martin Kubesch
Akt. 04.11.2026 06:53 Uhr

August 1965, eine Villa in Bel Air. Die Beatles betreten das Anwesen von Elvis Presley. Es ist das erste und einzige Treffen der beiden größten Phänomene der Popgeschichte. Zwischen John, Paul, George, Ringo und dem King steht ein großer Mann mit Liverpooler Akzent, der alles aufsaugt: Mal Evans, Roadmanager, Leibwächter, Vertrauter.

50 Jahre nach seinem Tod erscheinen nun erstmals die Memoiren des Mannes, der die Beatles wie kaum ein anderer kannte, schreibt der Guardian. Beatles-Experte Kenneth Womack hat das lange verschollene Manuskript aus dem Nachlass von Mal Evans zusammengestellt.

Wie lange der schlaksige Brillenträger zur Entourage der Beatles gehörte, wie er einmal sogar eine Pistole an den Kopf gehalten bekam, weil jemand Autogramme der "Fab Four" wollte und was er über das legendäre Treffen mit Elvis zu erzählen hat – das sind die wichtigsten Passagen aus Mal Evans' posthumer Biografie über seine Zeit mit den Beatles:

Mal Evans, hier im Jahr 1968 mit Paul McCartney, war bis zur Auflösung der Band ein treuer Freund und Begleiter der vier Musiker
Mal Evans, hier im Jahr 1968 mit Paul McCartney, war bis zur Auflösung der Band ein treuer Freund und Begleiter der vier Musiker
APA-Images / mptv / www.mptvimages.com

Wer war Mal Evans?
Er arbeitete als Türsteher im "Cavern Club" in Liverpool, als die Beatles begannen, dort regelmäßig aufzutreten. Ab 1963 wurde er ihr Roadmanager und begleitete sie fortan überallhin – von den chaotischen Konzerten der Beatlemania bis zu den letzten Studioaufnahmen. Er trug Instrumente, organisierte Reisen und war für die Band wie ein großer Bruder.

Wovon handelt das Buch und wie heißt es?
Evans' Erinnerungen an diese Zeit heißen passenderweise "With the Beatles" und erscheinen am 1. Dezember in englischer Sprache. Das Buch umfasst rund 95.000 Wörter, die Evans im Jahr 1975 einer Stenografin diktierte und auf Kassetten aufnahm. Dazu kommen etwa 400 Fotografien, teilweise noch nie veröffentlicht. Das Buch deckt die Zeit vom Album "Help!" über die Magical Mystery Tour bis zu den letzten Studioarbeiten der vier Musiker ab.

Warum wurde es nie veröffentlicht?
Evans plante, das Buch mit Erlaubnis der Beatles zu veröffentlichen. Doch 1976 kam es zur Tragödie: Der 40-Jährige wurde in Los Angeles von der Polizei erschossen. Nach der Trennung von seiner Frau soll er in seiner Verzweiflung wiederholt ein Luftdruckgewehr auf Polizeibeamte gerichtet haben – vermutlich handelte es sich um einen Fall von Suicide by Cop.

Was passierte mit dem Beatles-Material?
Nach Evans' Tod ging sein gesamter Nachlass, darunter auch sechs riesige Kisten mit all seinen Aufzeichnungen, an seine Familie. Darin befanden sich Tagebücher, Notizhefte, Tausende Fotos und sogar weggeworfene Textblätter der Beatles und Rechnungen, die mit ihnen in Zusammenhang standen und die Evans gehortet hatte. Das Material stand jahrzehntelang ungenutzt herum, ehe es die Familie dem Autor und Beatles-Kenner Kenneth Womack vor einigen Jahren zugänglich machte.

Wer ist Kenneth Womack?
Er gilt als einer der weltweit führenden Beatles-Experten und hat bereits zahlreiche Bücher über die Band verfasst. 2023 schrieb er mit "Living the Beatles' Legend: The Untold Story of Mal Evans" bereits die Biografie über den Beatles-Intimus und nutzte dafür Material aus Evans' Nachlass. Dessen Memoiren in seinen eigenen Worten konnte Womack aber erst jetzt fertigstellen und veröffentlichen.

Was blieb Evans besonders in Erinnerung?
Ohne Zweifel das Zusammentreffen zwischen den vier Briten und Elvis Presley in der Nacht vom 27. auf den 28. August 1965 in Bel Air, einem Vorort von Los Angeles. Für den Roadmanager war das Treffen mit dem "King" der Höhepunkt seiner Jahre mit den Beatles. In seinen Memoiren schrieb er: "Wenn es einen Tag in meinem Leben gibt, den ich niemals vergessen werde, dann ist es der Tag, an dem sich die beiden größten Phänomene im Showgeschäft zum einzigen Mal trafen."

Fan-Mythos: Dieses Foto soll angeblich in der Nacht vom 27. August 1965 auf Elvis' Anwesen in Bel Air geschossen worden sein, als er John Lennon (Mitte) und George Harrison (2. v. r.) verabschiedete. Leider handelt es sich aber um einen Fake, der angebliche King (3. v. r.) wurde später ins Bild retuschiert
Fan-Mythos: Dieses Foto soll angeblich in der Nacht vom 27. August 1965 auf Elvis' Anwesen in Bel Air geschossen worden sein, als er John Lennon (Mitte) und George Harrison (2. v. r.) verabschiedete. Leider handelt es sich aber um einen Fake, der angebliche King (3. v. r.) wurde später ins Bild retuschiert
APA-Images / mptv / © 1978 Gunther

Wie verlief das Treffen mit Elvis?
Andere Zeitzeugen berichten, dass die Stimmung anfangs etwas steif gewesen sei. Die Briten trafen erst gegen 23 Uhr an Elvis' Adresse, einem gemieteten Anwesen am Perugia Way in Bel Air ein. Für die Beatles war Elvis immer ein Idol und so trauten sie sich anfangs kaum etwas zu sagen. Doch in Mal Evans Augenzeugenbericht begann Elvis schließlich, Beatles-Platten aufzulegen und besorgte dann für jeden eine Gitarre. Dann begannen die Musiker gemeinsam zu jammen.

Wie ging es weiter?
Evans lauschte nach eigenen Worten ehrfürchtig, als die Beatles und der King begannen, "den Ort mit improvisierter Beat-Musik zum Beben zu bringen", wie er schrieb. Für Evans, der Elvis musikalisch noch mehr verehrte als die vier Liverpooler Jungs, sei es ein magischer Moment gewesen.

Wie lange dauerte die Jam Session?
Alles in allem sei der Beatles-Tross – neben den vier Musikern und Evans waren auch ihr Manager Brian Epstein, Pressechef Tony Barrow sowie der Journalist Chris Hutchins mit dabei – mehr als vier Stunden, bis in den frühen Morgen bei Elvis geblieben.

Welche weiteren Enthüllungen gibt es?
Evans schildert unter anderem die gefährliche Philippinen-Tour der Beatles 1966. Die Band hatte unbeabsichtigt die First Lady Imelda Marcos beleidigt, indem sie eine offizielle Einladung ablehnte. Die Situation eskalierte daraufhin beinahe, als Vertraute der First Lady im Hotel der Band auftauchten und mit vorgehaltener Waffe die Herausgabe aller Autogrammkarten und Fotos der Vier verlangte.

Warum sind die Erinnerungen von Mal Evans auch heute noch relevant?
Seine Memoiren bieten einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen der Beatlemania aus der Perspektive eines Insiders. Anders als offizielle Biografien schildert Evans die Band im Alltag, ungefiltert und nahbar. Sie vertrauten ihm und verstellten sich in seiner Gegenwart nicht. Beatles-Experte Womack nennt das Werk eine "Schatztruhe an neuem Material".

Wird "With the Beatles" auch auf Deutsch erscheinen?
Das bleibt zu hoffen, ein deutscher Veröffentlichungstermin ist derzeit allerdings noch nicht bekannt. Aber vielleicht ändert sich das noch, denn für Beatles-Fans dürfte es eines der wichtigsten Dokumente sein, das in den letzten Jahrzehnten aufgetaucht ist.

Wird es demnächst weitere Gustostückerln für Beatles-Fans geben?
Aber ja, die Maschinerie steht nicht still und das Interesse an den Beatles ist ungebrochen. Mit dem KI-restaurierten Song "Now and Then" und Peter Jacksons Dokumentation "Get Back" erlebte die Band in den letzten Jahren eine Renaissance. Evans Memoiren könnten ein weiteres Puzzlestück zum Verständnis der größten Rockband aller Zeiten liefern.
Und spätestens mit den vier Biopics von Regisseur Sam Mendes, die unter dem Titel "The Beatles – A Four-Film Cinematic Event" im April 2028 Kinopremiere feiern sollen, wird die weltweite Beatlemania einmal mehr in ungeahnte Höhen steigen.

Martin Kubesch
Akt. 04.11.2026 06:53 Uhr