Rüstungskonzerne kassieren dank der verschärften Einwanderungspolitik vieler Länder ab, Start-ups drängen mit ausgefallenen neuen Technologien auf den Markt. Auf der weltgrößten Messe dazu wurden nun die neuesten Entwicklungen vorgestellt.

Die Ausstellungshalle der diesjährigen Border Security Expo (BSE), die diesen Monat in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona stattfand, wirkte eher wie das Set eines dystopischen Science-Fiction-Films. Überwachungstürme blinkten grell. Drohnen summten über den Köpfen. Ein Unternehmen präsentierte einen Roboterhund zur Grenzpatrouille.
Ein anderes stellte eine Wärmebildkamera vor, die Bewegungen über mehrere Kilometer hinweg erkennen kann. Auf der Bühne lobte Tom Homan, der "Grenz-Zar" von Präsident Donald Trump, die anwesenden Technologieunternehmen dafür, beim Aufbau "der sichersten Grenze der Geschichte" zu helfen.
Wie die gut besuchte Fachmesse zeigte, boomt das Geschäft mit der Durchsetzung der Einwanderungsgesetze. Rechtspopulisten – ebenso wie amtierende Regierungen, die ihnen den Wind aus den Segeln nehmen wollen – geben immer mehr Geld dafür aus, Grenzen zu überwachen, Menschen aufzuspüren, die illegal eingereist sind, sie festzuhalten und abzuschieben. In den USA hat der Kongress bis 2029 zusätzliche Mittel von insgesamt rund 170 Milliarden Dollar für die Einwanderungsbehörden bewilligt.
Auch die Europäische Union erhöht ihre Ausgaben deutlich. Davon profitieren nicht nur etablierte Dienstleister, sondern auch eine Welle von Start-ups, die neue Technologien in die Branche bringen wollen.

Besonders die Grenzkontrolle ist für neue Anbieter interessant. Dieses Geschäft war bislang vor allem großen Rüstungsunternehmen und etablierten Sicherheitsfirmen vorbehalten. Doch Behörden in den USA und Europa vereinfachen zunehmend ihre Beschaffungsregeln und starten Pilotprogramme, damit neue Produkte schneller getestet und eingesetzt werden können – ein Magnet für Start-ups.
Dadurch wandelt sich ein ehemals arbeitsintensives System aus Grenzbeamten, Funkgeräten und Fahrzeugen zunehmend zu einem digitalen Überwachungsnetzwerk. Regierungen setzen immer stärker auf Drohnen, Radarsysteme, Wärmebildkameras und ähnliche Technologien, um riesige Gebiete in Echtzeit zu überwachen.
Solche Technologien verringern laut Steven Willoughby vom US-Heimatschutzministerium die Risiken für Einsatzkräfte und ermöglichen es ihnen, sich auf wichtigere Aufgaben zu konzentrieren. Statt entlegene Gebiete mühsam abzusuchen, können Behörden heute Wüsten und Küsten von zentralen Kommandozentralen aus überwachen.
Viele der neuen Technologien an den Grenzen wurden ursprünglich für den Krieg entwickelt. Anduril, ein Drohnenhersteller, der kürzlich fünf Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 61 Milliarden Dollar aufgenommen hat, besitzt einen Vertrag über 363 Millionen Dollar mit der US-Grenzschutzbehörde für autonome Überwachungssysteme.

Der Konkurrent Shield AI erhielt einen Auftrag über 198 Millionen Dollar von der US-Küstenwache und setzt seine Drohnen inzwischen auch an europäischen Grenzen ein.
Die umstrittene US-Behörde ICE (Immigration and Customs Enforcement), die illegale Einwanderer innerhalb der USA aufspürt, verlässt sich inzwischen stark auf Software des Datenanalyseunternehmens Palantir, das eng mit dem Pentagon verbunden ist.
Weniger Interesse aus dem Silicon Valley gibt es bislang an der Unterbringung festgehaltener Migranten. Dennoch boomt auch dieses Geschäft. ICE hat die Kapazitäten in Abschiebehaft bereits auf rund 70.000 Plätze erhöht – gegenüber etwa 40.000 vor Trumps Rückkehr ins Amt im vergangenen Jahr – und strebt 100.000 Plätze an.

Davon profitieren Gefängnisbetreiber wie CoreCivic und Geo Group, die entsprechende Einrichtungen betreiben. Der Nettogewinn von CoreCivic lag im ersten Quartal 2026 um die Hälfte höher als im Vorjahr. Bei Geo Group verdoppelte er sich sogar.
Auch Abschiebungen sind zu einer lukrativen Branche geworden. Im März verzeichnete ICE mit fast 1.800 Abschiebeflügen einen monatlichen Rekordwert. Fluggesellschaften wie GlobalX profitieren erheblich davon. Die Airline, die bis vor Kurzem noch Verluste schrieb, steigerte ihren Umsatz im ersten Quartal im Jahresvergleich um 15 Prozent – vor allem dank Abschiebeflügen.
Die meisten Branchenvertreter gehen davon aus, dass der Boom anhalten wird. In der öffentlichen Wahrnehmung als zu nachgiebig gegenüber illegaler Einwanderung zu gelten, hat sich immer wieder als nachteilig bei Wahlen erwiesen. Politiker dürften daher kaum bereit sein, bei diesen Ausgaben den Rotstift anzusetzen.
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