Anfang Juli kam es bei einem British-Airways-Flug von Düsseldorf nach London kurz vor der Landung zu einem schwerwiegenden Zwischenfall. Auslöser waren Warnungen vor einem Strömungsabriss nach einem Systemausfall an Bord. Was bisher bekannt ist.

Ein Flugzeug der British Airways, aus Düsseldorf kommend, im Landeanflug auf den Flughafen Heathrow. Plötzlich kommt es zu einem Strömungsabriss, und das in weniger als tausend Metern Höhe und direkt über dem Herzen von London.
Der Jet vom Typ Airbus A320 verliert mit einem Mal den Auftrieb und sackt massiv ab. Die Piloten setzen eine Warnung an die Flugleitzentrale ab ("Mayday!"), ehe der Pilot die Maschine händisch wieder in den Griff bekommt. und nach einem neuerlichen Anflug schließlich sicher landen kann.
Was klingt wie das Drehbuch zu einem Katastrophenthriller, geschah tatsächlich, und zwar am 6. Juli dieses Jahres. Der Vorfall, der erst jetzt bekannt geworden ist, wurde inzwischen als "schwerer Zwischenfall" klassifiziert und beschäftigt nun britische Unfallermittler.
Was in jenen dramatischen Minuten tatsächlich geschehen ist und wie knapp die Passagiere des Jets sowie die Metropole London an einer schrecklichen Katastrophe vorbeigeschrammt sind – die bisher bekannten Fakten im Überblick:

Worum geht es?
Um den British-Airways-Flug BA 919 von Düsseldorf nach London-Heathrow am 6. Juli 2026. Nach Angaben der französischen Untersuchungsbehörde BEA kam es im Anflug auf Heathrow zu einem Ausfall eines Datensystems, der eine Stall-Warnung auslöste, wie mehrere britische Medien, etwa die BBC oder die Times berichten.
Was ist eine Stall-Warnung?
Im Zusammenhang mit dem Fliegen bedeutet ein Stall (auf Deutsch Strömungsabriss oder Überziehen), dass die Luft nicht mehr glatt über die Tragflächen fließt, das Flugzeug plötzlich seinen Auftrieb verliert und die Nase nach unten absackt. Eine Stall-Warnung ist ein wichtiges Sicherheitssystem im Flugzeug. Sie warnt die Piloten rechtzeitig vor solch einem drohenden Strömungsabriss.
Wie kann es zu einem solchen Stall kommen?
Vor allem, wenn die Geschwindigkeit des Jets zu gering ist oder der Anstellwinkel der Tragflächen zu steil wird.
Warum wurde ein Mayday abgesetzt?
Die Crew hatte bereits zuvor einen Dringlichkeitsruf abgesetzt. Nachdem es in einem anderen Flugmodus zu einer weiteren Stallwarnung in 3.000 Fuß (ca. 1000 Meter) Höhe kam, wurde dieser Ruf zu einem Mayday hochgestuft. Das signalisiert unmittelbare Gefahr und gibt der Flugsicherung klar zu verstehen, dass die Lage besonders ernst ist.
Bedeutet eine Stallwarnung, dass das Flugzeug außer Kontrolle ist?
Nein, eine Stallwarnung heißt nicht automatisch, dass ein Flugzeug nicht mehr kontrollierbar ist. Vereinfacht geht es darum, dass die Tragflächen zu wenig Auftrieb erzeugen können, um das Flugzeug sicher in der Luft zu halten. Besonders kritisch ist so etwas beim Start und bei der Landung, weil dann wenig Höhe für eine Korrektur der Situation bleibt.
Ist die Maschine tatsächlich ins Trudeln geraten?
Gesichert ist nach bisherigem Stand, dass es zwei Stallwarnungen gab. Mehrere Berichte sprechen von einem Beinahe-Stall oder einem Strömungsabriss über London, die Behörden haben das aber in den bisher veröffentlichten knappen Mitteilungen nicht so detailliert bestätigt. Entscheidend ist deshalb, zwischen bestätigten Fakten und zugespitzten Schilderungen zu unterscheiden.

Was war der technische Auslöser?
Die BEA schreibt, dass beim Anflug ein Ausfall eines Luftdaten- oder Datensystems auftrat. Dadurch wurde eine Stallwarnung ausgelöst. Solche Systeme liefern wichtige Informationen für die Flugsteuerung und die Anzeigen im Cockpit, weshalb ein Fehler dort besonders sensibel ist.
Gab es weitere Besonderheiten bei diesem Anflug?
Die Crew flog das Flugzeug laut BEA danach in einem Modus namens "alternate law". Dabei fallen bestimmte automatische Schutzfunktionen weg, die sonst helfen, das Flugzeug in sicheren Grenzen zu halten. Das macht eine Situation nicht automatisch unbeherrschbar, erhöht aber die Anforderungen an die Piloten.
Wie nah war die Maschine schon am Flughafen?
Die zweite Stallwarnung trat laut BEA in 3.000 Fuß (ca. 900 Meter) Höhe auf. Experten sagen, dass das wohl nur noch wenige Meilen vor Heathrow gewesen sein dürfte. Andere Berichte beschreiben zudem einen abgebrochenen Anflug über London, danach einen Steigflug auf rund 8.000 Fuß (ca. 2.400 Meter) und einen zweiten, später erfolgreichen Anflug.
Wie viele Menschen könnten an Bord gewesen sein?
Bei der betroffenen Maschine handelt es sich um einen Airbus A320, der je nach Konfiguration Platz für rund 180 bis 186 Passagiere bietet. Wie viele Menschen auf diesem Flug tatsächlich an Bord waren, ist bisher nicht bekannt. Für die Einordnung zeigt die Zahl aber, dass ein solcher Zwischenfall viele Betroffene haben kann.
Wer untersucht den Vorfall jetzt?
Die britische Air Accidents Investigation Branch, kurz AAIB, untersucht den Fall und hat ihn als "schweren Zwischenfall" eingestuft. Geplant ist eine sogenannte Korrespondenz-Untersuchung, also ohne eigenes Team vor Ort.
Was sagt British Airways dazu?
Die Airline verweist auf das laufende Verfahren und hält sich inhaltlich zurück. British Airways unterstützt nach eigenen Angaben die Ermittlungen und erklärt, man sei rechtlich nicht in der Lage, sich derzeit weiter zu äußern. Das ist in Luftfahrtuntersuchungen üblich, weil Informationen nicht einfach frei veröffentlicht werden dürfen.

Warum ist ein Mayday in so einem Fall besonders ungewöhnlich?
Der Luftfahrtermittler David Gleave sagt, Dringlichkeitsmeldungen seien an sich nicht ungewöhnlich, weil es dafür viele Gründe geben könne, etwa medizinische Notfälle an Bord. Ungewöhnlich sei eher, wenn ein solcher Ruf wegen eines bedeutenden Problems am Flugzeug selbst erfolgt. Genau deshalb zieht der Vorfall derzeit so viel Aufmerksamkeit auf sich.
Was ist noch unklar?
Offen ist vor allem, wie sich der Systemausfall genau auf die Fluglage ausgewirkt hat und welche Abläufe im Cockpit unmittelbar danach folgten. Auch Berichte, wonach der Vorfall zunächst als "pilot induced" (also "vom Piloten verursacht") eingestuft worden sei, sind bisher nicht umfassend behördlich erklärt. Mehr Klarheit wird es wohl erst geben, wenn die Ermittler ihre Ergebnisse vorlegen.
Gibt es zur angeblichen Beteiligung eines Piloten an dem Zwischenfall nähere Informationen?
Das britische Luftfahrtportal PYOK widmet dem Zwischenfall eine ausführliche Berichterstattung. Demnach sei der betroffene Jet (Kennzeichen: G-EUUN) 23 Jahre alt und der Zwischenfall geschehen, als das Flugzeug über Canary Wharf im OSten von London flog.

Sind noch weitere Details bekannt?
PYOK bezieht sich auf die Boulevardzeitung The Sun. Diese hatte zuvor berichtet, dass der Landeanflug vom Co-Piloten durchgeführt worden sei, als die Probleme auftraten. Dieser konnte demnach die Situation nicht mehr unter Kontrolle bringen, sodass der Kapitän eingreifen musste. Er stabilisierte den Jet, stieg auf etwa 8.000 Fuß und führte einen zweiten Anflug durch, der problemlos verlief.
Hat sich der Pilot seither über den Zwischenfall geäußert?
Nein, jedenfalls nicht offiziell. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich der Kapitän seit dem Zwischenfall offenbar im Krankenstand befindet, wie PYOK schreibt. Ob ein Zusammenhang mit dem "schwersten Beinaheunfall seit Jahren" (so anonyme Quellen in der Sun) besteht, ist indes unklar.