Die US-Armee beendet die Arbeit einer Drohnen-Spezialeinheit, die Erkenntnisse aus dem Ukraine-Krieg sammeln und umsetzen sollte. Die Entscheidung und die möglichen Motive dafür sorgen für Kritik. Was dahintersteckt, wie Drohnen die Kriegsführung verändern.

In den Schützengräben der Ostukraine schwirren sie zu Tausenden über dem Schlachtfeld: Drohnen, die Feindstellungen aufklären, Munition abwerfen oder als fliegende Bomben eingesetzt werden. Seit Beginn des Ukraine-Krieges haben diese unbemannten Fluggeräte die moderne Kriegsführung von Jahr zu Jahr stärker revolutioniert – und westliche Militärs zum Umdenken gezwungen.
Umso überraschender kommt nun die Nachricht aus dem Pentagon in Washington: Die US-Armee plant, ausgerechnet jene Einheit aufzulösen, die diese Lektionen systematisch aufnehmen sollte. Das sogenannte Unmanned Assault Battalion, ein speziell für den Drohnenkrieg ausgebildetes Bataillon, wird nach nur einem Jahr wieder abgewickelt, wie CBS News berichtet.
Die Entscheidung wirft Fragen über die Zukunft der amerikanischen Verteidigung ebenso auf wie über die Prioritäten innerhalb der US-Armee. Denn laut Medien liegen dieser Entscheidung durchaus hinterfragenswerte Motive zugrunde.
Warum sich die USA von der Idee, dem Drohnenkrieg größere Bedeutung beizumessen, wieder verabschiedet haben, weshalb diese Entscheidung innerhalb der Armee alles andere als einstimmig gefallen sein dürfte und was die Entwicklung für die US-Streitkräfte generell bedeutet – das sollte man über die Zukunft der Drohnenstreitkräfte der Vereinigten Staaten wissen:

Worum geht es?
Die US-Armee hat bestätigt, dass das Drohnen-Bataillon nach einer laufenden Übung, die noch bis September dauert, aufgelöst wird. Die Soldaten sollen danach zu ihren "Kernkampfaufgaben als Fallschirmjäger-Infanteriebataillon" zurückkehren. Das Bataillon ist Teil der 173. Luftlandebrigade und wurde erst im vergangenen Jahr gegründet.
Was war die Aufgabe dieser Einheit?
Das Unmanned Assault Battalion wurde als Spezialeinheit konzipiert, die im Drohnenkrieg geschult ist und überall dort eingesetzt werden kann, wo unbemannte Systeme gebraucht werden. Die Soldaten sollten systematisch Erkenntnisse aus dem Ukraine-Krieg und anderen Konflikten sammeln und für die US-Streitkräfte nutzbar machen.
Warum kommt die Entscheidung gerade jetzt?
Hinter der Auflösung stecken offenbar personelle Spannungen an der Spitze der Armee. Mehrere aktive und ehemalige US-Beamte berichten von anhaltenden Konflikten zwischen General Christopher LaNeve, dem amtierenden Armeechef, und jenen hochrangigen Offizieren, die das Bataillon ursprünglich durchgesetzt hatten.
Wer hatte die Einheit ursprünglich gefordert?
Die Drohneneinheit wurde vom früheren Armeechef General Randy George und General Christopher Donahue, dem ehemaligen Kommandeur der US-Armee in Europa und Afrika, vorangetrieben. Beide wurden inzwischen entlassen oder in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Dies ebnete LaNeve den Weg an die Spitze der Armee.
Welche persönlichen Konflikte spielen eine Rolle?
Berichten zufolge gibt es seit Längerem Spannungen zwischen LaNeve und Donahue. Diese gehen auf LaNeves Zeit als Kommandeur der 82. Luftlandedivision zurück, die früher als üblich endete. Nach seiner Ablösung musste LaNeve sein Haus in Fort Bragg räumen, damit der neue Kommandeur einziehen konnte – was zu anhaltendem Unmut geführt haben soll.
Warum sind Drohnen im Ukraine-Krieg so wichtig geworden?
Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, welche zentrale Rolle Drohnen in modernen Konflikten spielen. Beide Seiten setzen sie massenhaft für Aufklärung, Angriffe auf Stellungen und als sogenannte Kamikaze-Drohnen ein. Auch im Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Nahen Osten spielten Drohnenangriffe auf US-Stützpunkte eine wichtige Rolle.

Was sagen Kritiker der Entscheidung?
Der Ex-CIA-Chef und pensionierte General David Petraeus sagte bereits im April, die USA müssten jetzt handeln, um Drohnen für künftige Kriege zu integrieren: "Was wir tun sollten, ist, die Panzer-Bataillone zu verschrotten und sie durch Drohnen-Bataillone zu ersetzen." Diese Aussage verdeutlicht, wie kontrovers die Auflösung gesehen wird.
Welche Lehren haben US-Soldaten aus der Ukraine gezogen?
Captain Ronan Sefton, der nach Kriegsbeginn nach Deutschland verlegt wurde, berichtete von den Erfahrungen: "Die erste wirklich prägnante Lektion für uns war, dass mehr Drohnen benötigt werden. Sie müssen überall im Training dabei sein, um den Realismus zu erhöhen." Er habe jeden hochrangigen Kommandeur darauf hingewiesen, dass Drohnen "die Kriegsführung verändern".
Was sagt die neue Armeeführung?
General LaNeve hat letzte Woche ein Strategiepapier mit dem Titel "The Army Azimuth" veröffentlicht. Darin heißt es, Soldaten sollen sich auf die Grundlagen konzentrieren und gleichzeitig neue Fähigkeiten einbeziehen – einschließlich der Abwehr von Drohnen. Die Offensive mit Drohnen scheint weniger Priorität zu haben.
Was bedeutet das für die US-Verteidigung?
Die Entscheidung wirft Fragen auf, ob die USA ausreichend auf die veränderte Kriegsführung vorbereitet sind. Während die Ukraine täglich zeigt, wie entscheidend Drohnen sein können, reduziert die US-Armee ihre entsprechenden Kapazitäten. Ob andere Einheiten diese Aufgabe übernehmen werden, bleibt offen.
Gibt es noch andere Einheiten für Ukraine-Lektionen?
Ja, die sogenannte Ukraine Lessons Learned Task Force besteht weiterhin. Captain Sefton war Teil dieser Einheit, die ebenfalls die Aufgabe hat, Erfahrungen aus dem ukrainischen Kampf für das US-Militär nutzbar zu machen. Diese separate Gruppe ist von der Auflösung nicht betroffen.

Was passiert jetzt mit dem Drohnen-Bataillon?
Die Einheit nimmt derzeit an einer Übung teil, die noch bis September läuft. Dabei sollen die Soldaten ihr gesammeltes Wissen über den Drohnenkrieg weitergeben, um die künftige Kriegsführung der Armee zu prägen. Danach kehren sie zu ihren ursprünglichen Aufgaben als Fallschirmjäger zurück.
Wie geht es danach weiter?
Während der Ukraine-Krieg täglich neue Beweise für die Bedeutung von Drohnen für die moderne Kriegsführung liefert, bleibt abzuwarten, ob die US-Armee andere Wege findet, diese Lektionen in ihre Strategie einzubauen.