Gautam Adani, mit 89 Milliarden Dollar reichster Inder, soll Beamte bestochen haben, um einen Regierungsauftrag zu erhalten. Doch nun lässt die US-Justiz die Anklage fallen – weil "keine Amerikaner geschädigt" wurden. Steckt ein Deal der Trump-Regierung dahinter?

In der Liste der reichsten Menschen weltweit rangiert Gautam Adani aktuell auf Platz 24. In Indien ist er mit einem aktuellen Vermögen von etwa 89 Milliarden Dollar (ca. 78 Milliarden Euro) meist Nummer 1 – Kopf an Kopf mit seinem Milliardärs-Kollegen Mukesh Ambani (dessen jüngster Sohn Anant vor zwei Jahren eine der teuersten Hochzeiten aller Zeiten feierte).
Adani ist Herrscher über ein Imperium aus Häfen, Kohleminen und Energieanlagen – und ein enger Vertrauter des indischen Premiers Narendra Modi. Doch über all dem schwebte zuletzt eine dunkle Wolke. Denn im Herbst 2024 klagten Staatsanwälte in New York den Inder gleich mehrerer schwerer Delikte an: Betrug, Bestechung, Täuschung von Investoren.
Doch nun die Kehrtwende: Das US-Justizministerium beabsichtigt, das Verfahren einzustellen, wie NBC News am Dienstag berichtete. Allerdings: Die Art und Weise, wie das passiert, wirft neue Fragen auf. Kritiker sprechen gar von einem Deal hinter verschlossenen Türen – und werfen der Trump-Administration selbst Korruption vor. Das muss man über den Fall wissen:
Worum geht es?
Die US-Staatsanwaltschaft in Brooklyn klagte Adani und weitere Beschuldigte 2024 wegen eines mutmaßlichen Betrugs- und Bestechungsskandals an. Der Kernvorwurf: Adani soll 250 Millionen Dollar an indische Regierungsbeamte gezahlt haben, um den Auftrag für Indiens größtes Solarkraftwerk zu ergattern. Die Verträge hätten über 20 Jahre Gewinne von rund zwei Milliarden Dollar gebracht.
Was wurde Adani noch vorgeworfen?
Neben der Bestechung soll Adani US-Investoren getäuscht haben. Er habe verschwiegen, dass Zahlungen an indische Beamte geflossen seien. Das ist deshalb relevant, weil amerikanische Anleger Geld in seine Unternehmen gesteckt hatten – ohne von den mutmaßlichen illegalen Praktiken zu wissen.

Warum wird das Verfahren jetzt eingestellt?
Das US-Justizministerium argumentiert, der Fall sei eine innerindische Angelegenheit. In einem Schreiben an das Gericht heißt es: Der Begriff "Indien" komme in den Akten über 200 Mal vor. Es gehe um Inder, die andere Inder bestochen haben sollen. Die USA sollten nicht "Weltpolizei" spielen und sich auf inländische Angelegenheiten konzentrieren.
Wie begründet das Ministerium die Entscheidung?
Der stellvertretende Generalstaatsanwalt Trent McCotter erklärte, US-Investoren hätten durch die betreffenden Transaktionen "keinen einzigen Cent" verloren. Zudem sei der Fall juristisch "so unhaltbar" gewesen, dass eine Fortsetzung keine Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Das Ministerium wolle keine weiteren Ressourcen in die Sache investieren.
Ist das der einzige Grund für die Einstellung?
Laut Medienberichten soll Adani der US-Regierung milliardenschwere Investitionen in Amerika versprochen haben. Das Justizministerium bestreitet einen Zusammenhang: Die Entscheidung zur Einstellung sei gefallen, bevor das Investitionsangebot überhaupt Thema war. Kritiker bezweifeln diese Darstellung allerdings.
Wer kritisiert die Entscheidung?
Die demokratischen Senatoren Elizabeth Warren und Richard Blumenthal haben das Ministerium in einem Schreiben zur Rede gestellt. Sie sprechen von der "transaktionalen Natur" der Entscheidung und werfen der Trump-Administration Korruption vor. Das Investitionsangebot werfe ernste Fragen auf, ob hier ein Deal hinter verschlossenen Türen stattgefunden habe.
Wurde Adani jemals verhaftet?
Nein, Gautam Adani wurde in den USA nie festgenommen und auch nicht zur Verhandlung vorgeladen. Als indischer Staatsbürger mit Sitz in Indien war er für die US-Behörden praktisch nicht greifbar. Seine Anwälte führten monatelang Gespräche mit dem Justizministerium, reichten Unterlagen ein und präsentierten Expertengutachten.
Ist das Verfahren damit beendet?
Noch nicht endgültig. Der zuständige Richter Nicholas Garaufis in Brooklyn muss dem Antrag auf Einstellung noch zustimmen. Erst wenn er unterschreibt, ist die Sache offiziell vom Tisch. Ob er das ohne Weiteres tut, ist offen – angesichts der politischen Brisanz könnte er nachfragen.

Was sagt Adanis Seite?
Adanis US-Anwalt Robert Giuffra wollte die Entwicklung nicht kommentieren. Zuvor hatte er erklärt, die Entscheidung des Ministeriums sei das Ergebnis "detaillierter und umfassender Kommunikation" mit den Behörden gewesen. Adani selbst hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.
Welche Bedeutung hat der Fall für die US-Politik?
Er wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie unabhängig agiert die US-Justiz unter der Trump-Administration? Werden milliardenschwere Investoren anders behandelt als normale Angeklagte? Kritiker sehen in der Einstellung einen Beleg dafür, dass wirtschaftliche Interessen über rechtsstaatliche Prinzipien gestellt werden.
Was bedeutet das für die Beziehungen zwischen den USA und Indien?
Die Einstellung des Verfahrens dürfte die Beziehungen zwischen Washington und Neu-Delhi entspannen. Adani gilt als enger Vertrauter von Premier Modi. Eine Anklage gegen ihn hätte das bilaterale Verhältnis belasten können.