Eine Analyse der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet hat die 17 größten Bedrohungen für die Menschheit bis zum Jahr 2100 ermittelt. Die größte Gefahr für unser Überleben geht demnach von einem Atomkrieg und dem böswilligen Einsatz von KI aus.

Es sind düstere Bilder, die die Forscher zeichnen: Der Himmel verdunkelt durch Milliarden Tonnen aufgewirbeltes Material nach einem Atomkrieg, eine weltweite Hungerkatastrophe als Folge der Ernteausfälle durch das fehlende Sonnenlicht. Oder: Neue biologische Waffen mit der Fähigkeit, die Menschheit umzubringen, entdeckt von einer sich immer rascher entwickelten künstlichen Intelligenz.
Während in Berlin beim World Health Summit noch bis 13. Oktober über globale Gesundheit gesprochen wird, rückt damit ein Thema ins Zentrum, die lange nach Science-Fiction klang. Wie real ist die Gefahr, dass die gesamte Menschheit Opfer ihrer Entwicklung wird?
Eine neue Studie der renommierten medizinischen Fachzeitschrift Lancet versucht, genau solche Extremrisiken nicht nur dramatisch zu benennen, sondern vergleichbar zu machen – und damit mögliche Gegenmaßnahmen planbar. Für Politik, Gesundheitssysteme und internationale Organisationen ist das besonders brisant, weil die Liste weit über Krieg, Klima und Pandemien hinausgeht und direkt zeigt, wo bereits heute gezielte Vorbereitung den größten Unterschied machen könnte, berichtet der Guardian.
Welche Auslöschungs-Szenarien die Wissenschafter als die wahrscheinlichsten erkennen und wie sich die Menschheit gezielt darauf vorbereiten könnte – die wichtigsten Passagen der Analyse im Überblick:

Worum geht es?
Eine neu eingerichtete Kommission der Fachzeitschrift The Lancet hat 17 große Bedrohungen für die menschliche Gesundheit bis zum Jahr 2100 bewertet. In der Analyse stehen ein Atomkonflikt und der böswillige Einsatz von KI ganz oben, weil beide im Extremfall das Ende der Menschheit auslösen könnten. Die Ergebnisse werden beim World Health Summit in Berlin vorgestellt.
Was ist eine Lancet-Kommission?
Eine Lancet-Kommission ist eine von der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet einberufene Gruppe internationaler Expertinnen und Experten, die tiefgehend zu global relevanten Gesundheits- und Gesellschaftsthemen forscht und in der Folge umfassende Empfehlungen veröffentlicht. Diese Kommissionen werden immer gezielt für die jeweilige Fragestellung zusammengesetzt.
Warum gelten KI und Atomkrieg als besonders gefährlich?
Beide Risiken haben laut Kommission zwar eine geringe Wahrscheinlichkeit, ihr mögliches Schadensausmaß ist aber außergewöhnlich hoch. Bei KI geht es um den böswilligen Einsatz, etwa zur Entwicklung biologischer Waffen. Bei einem Atomkrieg sehen die Autoren die Gefahr einer nuklearen Hungersnot, wenn genug Partikel in die obere Atmosphäre gelangen und das Sonnenlicht blockieren.
Würde das wirklich die Auslöschung der Menschheit bedeuten?
Die Kommission nennt ausdrücklich das Risiko des Aussterbens der Menschheit innerhalb der nächsten 75 Jahre. Das ist keine Prognose, dass es so kommen muss, sondern eine Bewertung des schlimmstmöglichen Schadens. Entscheidend ist: Die Wahrscheinlichkeit bleibt laut Bericht niedrig, das potenzielle Ausmaß ist aber so enorm, dass die Risiken ganz oben gereiht werden.
Welche weiteren Bedrohungen stehen auf der Liste?
Zu den großen katastrophalen Risiken zählen auch Luftverschmutzung, Antibiotikaresistenzen, Unterernährung bei Kindern und die Klimakrise. Dazu kommen konventionelle Kriege, sinkende Entwicklungshilfe, hoher Alkoholkonsum, Bluthochdruck, Einkommensungleichheit, niedrige Bildung, natürlich auftretende Pandemien, Fettleibigkeit, schlechte psychische Gesundheit, Rauchen und ungesundes Altern. Die Liste verbindet also geopolitische Krisen mit klassischen Gesundheitsproblemen.
Wie haben die Forscher diese Gefahren verglichen?
Sie nutzten das Maß der verlorenen gesunden Lebensjahre, sogenannte "disability-adjusted life years" oder kurz "Dalys". Damit wird erfasst, wie viele Jahre durch Krankheit, Behinderung oder vorzeitigen Tod verloren gehen. Auf dieser Basis modellierte die Kommission für jede Bedrohung, wie groß der Schaden entlang der derzeitigen Entwicklung bis 2100 werden könnte.

Warum hängen diese Risiken zusammen?
Die Autoren betonen, dass sich die Gefahren gegenseitig verstärken können. Konflikte schwächen etwa Gesundheitssysteme, Klimakrisen verschärfen Hunger, und knappe Mittel erschweren Vorsorge gegen Pandemien oder Resistenzen. Gerade deshalb, so die Kernaussage, sollten die Risiken nicht einzeln, sondern gemeinsam und themenübergreifend gesehen und bearbeitet werden.
Wer ist besonders betroffen?
Das fällt je nach Region unterschiedlich aus. In wohlhabenderen Gegenden dominieren laut Bericht nicht übertragbare Krankheiten wie Fettleibigkeit und schlechte psychische Gesundheit. In ärmeren Regionen entstehen Gesundheitsverluste stärker durch Faktoren wie niedrige Bildung. Besonders hart davon getroffen wären vor allem Teile Subsahara-Afrikas.
Warum spielen Hilfskürzungen so eine große Rolle?
Viele wichtige Geberländer, darunter die USA und Großbritannien, haben im vergangenen Jahr deutliche Kürzungen bei der Entwicklungshilfe angekündigt. Ein Zusammenbruch oder starker Rückgang internationaler Gesundheitsfinanzierung könnte laut Kommission bis zum Jahr 2100 bis zu 1,5 Milliarden verlorene gesunde Lebensjahre verursachen. Fast 70 Prozent davon würden in Subsahara-Afrika anfallen.
Was sagt die Studie zur Klimakrise konkret?
Die Kommission hat Best- und Worst-Case-Szenarien modelliert. Würde die Erderwärmung auf etwa 1,8 Grad begrenzt statt wie prognostiziert auf 4,4 Grad zu steigen, könnten 1,89 Milliarden verlorene gesunde Lebensjahre vermieden werden. Das ist einer der deutlichsten Hinweise darauf, wie stark Prävention den Schaden noch begrenzen kann.
Ist das nur eine Warnung oder gibt es auch Lösungen?
Die Kommission betont ausdrücklich, dass es für jede der 17 Bedrohungen einen realistischen Weg zum Handeln gibt. Auf die Liste kamen nur Risiken, die nicht nur großen Schaden anrichten können, sondern bei denen es auch mögliche Gegenmaßnahmen gibt. Genannt werden unter anderem Investitionen in technologische Innovationen und stärkere Gesundheitssysteme.
Was bedeutet das für die Politik in den nächsten Jahren?
Die Autoren fordern, Risiken früher anzuerkennen und Geld sowie Personal gezielt in Antizipation, Prävention und Vorbereitung zu stecken. Ihre Einschätzung soll jährlich aktualisiert werden, damit neue Daten und mögliche neue Gefahren einfließen. Für Regierungen heißt das: Nicht erst auf eine Krise reagieren, sondern Strukturen schaffen, bevor sie eskaliert.