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Der Fall Jeffrey Epstein

War Epsteins Tod wirklich Suizid? Experte hat erhebliche Zweifel

Sieben Jahre nach dem Tod des Finanzmagnaten und verurteilten Missbrauchstäters Jeffrey Epstein in einer Gefängniszelle wirft nun ein renommierter Forensiker neue Fragen auf. Der Experte will große Lücken in der offiziellen Autopsie-Akte gefunden haben.

Jeffrey Epstein mit einer Gesichtsmaske – ein Bild aus den Epstein-Akten des US-Justizministeriums. Am Suizid des Multimillionärs und Sexualstraftäters sind jetzt neue Zweifel aufgetaucht
Jeffrey Epstein mit einer Gesichtsmaske – ein Bild aus den Epstein-Akten des US-Justizministeriums. Am Suizid des Multimillionärs und Sexualstraftäters sind jetzt neue Zweifel aufgetauchtDepartment of Justice
NewsFlix Redaktion
Akt. 03.10.2026 07:35 Uhr

Das Leben des schillernden Multimillionärs, verurteilten Sexualstraftäters und Donald-Trump-Freundes Jeffrey Epstein endete am 10. August 2019 in einer Zelle des Metropolitan Correctional Center in Manhattan. Der wegen Sexhandels mit Minderjährigen angeklagte Epstein wurde in den frühen Morgenstunden des Tages tot aufgefunden. Die offizielle Todesursache: Suizid durch Erhängen.

Die Umstände seines Todes befeuerten von Anfang an Verschwörungstheorien. Nun könnten diese neue Nahrung bekommen. Ein angesehener Pathologe plant laut CBS News, am 16. November am University College in London Erkenntnisse zu präsentieren, die fundamentale Zweifel an der offiziellen Suizid-Erklärung aufwerfen.

Die Analyse stützt sich auf bisher unveröffentlichte Autopsie-Akten und wird von Jeffrey Epsteins Bruder Mark Epstein unterstützt, der seit Jahren an der offiziellen Erklärung der Todesursache zweifelt und Anstrengungen unternimmt, diese genauer zu untersuchen. Welche Lücken oder Fehler sich angeblich in den Akten zum Tod Jeffrey Epsteins befinden und was das für die weitere Vorgehensweise in dem Fall bedeuten würde – das sind die aktuell bekannten Fakten zum Todesfall Jeffrey Epstein:

In dieser Gefängniszelle im Metropolitan Correctional Center in Manhattan soll Jeffrey Epstein am 10. August 2019 Suizid verübt haben. Das Bild stammt vom Morgen nach der Tat
In dieser Gefängniszelle im Metropolitan Correctional Center in Manhattan soll Jeffrey Epstein am 10. August 2019 Suizid verübt haben. Das Bild stammt vom Morgen nach der Tat
via REUTERS

Wer war Jeffrey Epstein?
Ein US-amerikanischer Investmentbanker und verurteilter Sexualstraftäter. Er pflegte über viele Jahre enge Kontakte zu Prominenten, Politikern und Wirtschaftsführern weltweit. 2008 wurde er erstmals wegen Sexualdelikten verurteilt, kam aber mit einer milden Strafe davon. 2019 wurde er erneut verhaftet – diesmal wegen Sexhandels mit minderjährigen Mädchen.

Wie starb Epstein offiziell?
Nach der offiziellen Version nahm sich Epstein am 10. August 2019 in seiner Gefängniszelle das Leben. Die Gerichtsmedizin in New York stellte Suizid durch Erhängen als Todesursache fest. Er soll sich mit Bettlaken stranguliert haben. Die Umstände wurden allerdings von Anfang an hinterfragt, da Epstein eigentlich unter besonderer Beobachtung stehen sollte.

Weshalb sollte er unter besonderer Beobachtung stehen?
Der Untersuchungshäftling – Epstein war angeklagt, aber wegen der neuen Vorwürfe nicht verurteilt – saß seit 6. Juli 2019 in U-Haft und hatte bereits am 23. Juli einen Suizidversuch mit einem Bettlaken unternommen. Er wurde auf die Krankenstation verlegt und kam erst eine Woche später und unter besonderen Auflagen in seine Zelle zurück.

Welche Auflagen waren das?
Er bekam eine Zelle direkt neben dem Platz der Wachmannschaft und einen Zellengenossen, der eigentlich ein Auge auf ihn haben sollte.

Und das alles half nichts?
Epsteins Zellengenosse wurde am Morgen seines Todes verlegt, bis heute ist nicht klar, wer die Anweisung dazu gegeben hatte. Er war also in der Todesnacht alleine in seiner Zelle. Und die diensthabende Wachmannschaft verzichtete in jener Nacht darauf, regelmäßig nach dem Häftling zu sehen, wie es eigentlich ihre Pflicht gewesen wäre. Epstein blieb mehr als sechs Stunden lang unbeaufsichtigt.

Wer ist der neue Pathologe und was sagt er?
Michael Freeman, Professor und Chefredakteur des Journal of Forensic and Legal Medicine, war zuvor Vorsitzender des Lehrstuhls für forensische und Rechtsmedizin am Royal College of Physicians. Er hat die Autopsie-Akten Epsteins einer umfassenden Analyse unterzogen. Er führte eine biomechanische Analyse durch und untersuchte Bilder, die seiner Aussage nach Verletzungen zeigen, die vom ursprünglichen Medical Examiner nicht erklärt wurden. Seine Schlussfolgerungen will er am 16. November in London präsentieren.

Das Laken, mit dem Jeffrey Epstein Suizid verübt haben soll, wurde laut Forensiker Michael Freeman weder kriminaltechnisch untersucht, noch aufbewahrt
Das Laken, mit dem Jeffrey Epstein Suizid verübt haben soll, wurde laut Forensiker Michael Freeman weder kriminaltechnisch untersucht, noch aufbewahrt
via REUTERS

Welche Lücken gibt es in der Untersuchung?
Freeman identifiziert bereits vorab mehrere ungewöhnliche Aspekte. Es gibt keine Fotos von Epsteins Leichnam am Fundort. Die Ligatur – also das Bettlaken, mit dem er sich angeblich erhängte – wurde weder aufbewahrt noch forensisch untersucht. Für einen – noch dazu so prominenten – Suizid-Fall seien diese Unterlassungen höchst ungewöhnlich, so der Forensiker.

Weiß man, in welche Richtung die Untersuchung des Forensikers geht?
Es wird primär um bislang nicht erklärte Verletzungen im Halsbereich von Jeffrey Epstein gehen. Diese waren 2019 bei einer zweiten, von Jeffrey Epsteins Familie privat in Auftrag gegebenen Autopsie entdeckt worden und würden laut Experten weniger zur Suizid-Theorie als vielmehr zu einer Strangulation durch Fremdeinwirkung passen.

Was sagt Epsteins Bruder?
Mark Epstein, der Bruder des Verstorbenen, der dem Pathologen laut der britischen Times die Untersuchungsberichte zur Verfügung gestellt hat, zeigt sich überzeugt, dass Jeffreys Tod eine eingehende Untersuchung verdient. Er betont, dass Michael Freeman die Analyse aus eigenem Antrieb durchgeführt habe und nicht in seinem, Mark Epsteins, Auftrag. Aber: Hätte man so eine Untersuchung gleich am Anfang gemacht, wäre man nicht zum Suizid-Schluss gekommen, so Mark Epstein.

War es nun ein Suizid oder doch Mord?
Diese Frage lässt Michael Freeman bewusst offen. Er sagt, der Tod könne nur ein Suizid oder ein Mord gewesen sein – und seine Präsentation werde die vorhandene Beweislage für beide Erklärungen darlegen. Eine definitive Antwort gibt er vorab nicht. Die Debatte dürfte also erst nach seiner Veröffentlichung im November richtig beginnen.

Gibt es einen Abschiedsbrief?
Im Mai 2026 wurde ein Abschiedsbrief veröffentlicht, den Epsteins ehemaliger Zellengenosse Nicholas Tartaglione angeblich gefunden hatte. Epstein soll ihn in ein Buch seines Zellengenossen gelegt haben. Die handgeschriebene Notiz enthält Formulierungen wie "Zeit, Abschied zu nehmen" und "Kein Spaß – es hat sich nicht gelohnt!!" Der Brief war Teil eines versiegelten Gerichtsakts und wurde auf Antrag der New York Times freigegeben.

Wer ist Nicholas Tartaglione?
Ein ehemaliger Polizist, der wegen der Ermordung von vier Menschen verurteilt wurde. Er war zeitweise Epsteins Zellengenosse. In einem Podcast-Interview behauptete er später, die Notiz am Morgen nach Epsteins Tod in einem Buch gefunden und seinen Anwälten übergeben zu haben. Seine Glaubwürdigkeit ist umstritten.

"Epstein didn't kill himself" – Epstein hat sich nicht selbst umgebracht: Dieser Ansicht sind viele Beobachter der Vorgänge rund um den Tod des Finanzinvestors
"Epstein didn't kill himself" – Epstein hat sich nicht selbst umgebracht: Dieser Ansicht sind viele Beobachter der Vorgänge rund um den Tod des Finanzinvestors
BRYAN R. SMITH / AFP / picturedesk.com

Warum ist der Fall noch immer relevant?
Epstein stand im Zentrum eines Netzwerks aus Reichtum und Einfluss. Zu seinen Bekannten zählten Präsidenten, Prinzen und Wirtschaftsmagnaten. Die Frage, ob er ermordet wurde, um jemanden zu schützen, ist nicht nur Stoff für Verschwörungstheorien – sie berührt fundamentale Fragen über Macht und Gerechtigkeit.

Wie geht es jetzt weiter?
Am 16. November will Freeman seine Erkenntnisse in London präsentieren und anschließend auch die Autopsie-Akten veröffentlichen. Ob das zu einer offiziellen Neuuntersuchung des Todesfalls führt, bleibt abzuwarten. Die US-Behörden haben bisher an ihrer Suizid-Erklärung festgehalten. Die kommenden Wochen könnten aber neuen Druck auf die Justiz erzeugen.

NewsFlix Redaktion
Akt. 03.10.2026 07:35 Uhr