Das "Lucas Museum of Narrative Art" von Regisseur und "Star Wars"- sowie "Indiana Jones"-Erfinder George Lucas will mit Konventionen brechen. Das gelingt ihm eindrucksvoll – im Guten wie im Schlechten. Für Fans wird es zu einem Wallfahrtsort werden.

Der Todesstern war von einem Ende zum anderen fast 160 Kilometer groß und konnte die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen, indem er ganze Planeten in die Luft jagte. Das neue Lucas Museum of Narrative Art, das George Lucas, der Schöpfer von "Star Wars" und "Indiana Jones", in Los Angeles gegründet hat, ist bescheidener dimensioniert und muss bei seiner Eröffnung am 22. September zu sanfteren Mitteln greifen, um die Blicke auf sich zu ziehen.
Mit einer Fläche von 28.000 Quadratmetern und einem kolportierten Preis von einer Milliarde Dollar ist es dennoch eines der auffälligsten und faszinierendsten Museen, die in diesem Jahrzehnt irgendwo in der Galaxis eröffnet werden. Doch wird Lucas’ Blockbuster-Projekt als inspirierter kreativer Wurf in Erinnerung bleiben – oder als teures, missglücktes Monument des eigenen Egos?
Es ist eine ungewöhnliche Institution. Von außen erinnert das Museum an ein weißes Raumschiff, das für ein anderes Sonnensystem bestimmt ist. Innen wirkt es wie ein mit Requisiten voll gestelltes Hollywood-Set, das den Anschein eines Museums erwecken soll.
Auf Bildschirmen sind digitale Kopien von Meisterwerken zu sehen, die sich andernorts befinden – von der Trajanssäule über Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle bis hin zu Werken aus dem Louvre. Es gibt zwei komfortable Kinosäle, in denen Besucher Dokumentarfilme und ältere Filme sehen können, darunter auch einige von Lucas’ eigenen Werken. Dann gibt es ein "Portal" – im Grunde eine Eingangshalle – ohne rechte Winkel sowie futuristische gläserne Aufzüge, die einen in die Galerien hinauf katapultieren.

Und dann sind da die echten Requisiten: Sieben Prozent der Ausstellungsfläche sind "Star Wars" gewidmet. Man kann Luke Skywalkers Landspeeder und Anakins Podracer bestaunen. Hier hängen Kostüme, dort stehen Figuren. R2-D2 blickt piepslos aus einer Ecke.
Daneben liegen konventionellere Galerien, gefüllt mit ungewöhnlicher Kunst – von Illustrationen aus Kinderbüchern bis zu Manga. Lucas und seine Frau Mellody Hobson gründeten das Museum, um ihre persönliche Sammlung zu zeigen. Im Mittelpunkt steht die sogenannte "narrative Kunst", die eine "Geschichte" erzählt. Wobei man sich fragen könnte: Tun das nicht die meisten Bilder?
Lucas beschloss, sein eigenes Museum zu gründen, nachdem er eines besucht und dort nach Werken von Norman Rockwell gefragt hatte, einem amerikanischen Maler und Illustrator, dessen Arbeiten er sammelt. Das Museum hatte jedoch kein Rockwell-Werk ausgestellt. Manche haben Rockwell als bloßen kommerziellen Illustrator und nicht als bildenden Künstler abgetan.
Lucas war empört und beschloss – auf eine Weise, wie es wohl nur ein Milliardär kann –, sein eigenes Museum zu eröffnen, um der Illustration die ihr gebührende Anerkennung zu verschaffen. "Illustratoren schaffen Bilder für die Menschen", sagt Lucas. "Dafür braucht man kein besonderes Wissen. Es muss nicht erklärt werden."
Rund 15 Jahre dauerte die Entstehung des Museums. Dass es nun in Los Angeles steht, liegt allein daran, dass Lucas zuvor in zwei anderen Städten gescheitert war: San Francisco und Chicago lehnten die Vorhaben unter anderem wegen Einwänden gegen die Architektur und wegen der geplanten Bebauung öffentlicher Parkflächen ab. Das neue Museum zeigt eine Galerie mit den anderen Entwürfen. Es ist auch ein Seitenhieb auf die Gegner, denen damit Arbeitsplätze und Einnahmen durch Besucher entgangen sind.
Und doch wirkt an dem Museum so viel Filmisches, Kommerzielles und Kitschiges, dass es am Ende wie für diese Stadt geschaffen erscheint – die Heimat der Hollywood Hills und der Ladenkassen. Das Museum demonstriert eine gewisse Geringschätzung traditioneller Expertise. Sowohl der Direktor als auch der Chefkurator verließen die Institution 2025, was auf einen Konflikt zwischen professionellem Urteil und dem Kontrollbedürfnis des Gründers hindeutet. Lucas hat inzwischen selbst die Rolle des Chefkurators übernommen.

Es gibt kaum Wandtexte, die erklären, was man sieht und warum es von Bedeutung ist. Besucher können zwar eine Website aufrufen, auf der sich zu einigen Werken und Gemälden kurze Erläuterungen finden. Doch was wollte Lucas damit sagen, dass er eine Skizze van Goghs von einer Mutter und ihrem Kind neben ein Werk von Rose O’Neill stellte, der Zeichnerin hinter der niedlichen Kewpie-Puppe? Gerade Menschen, die nicht tief in der Kunstgeschichte bewandert sind – und damit genau jene Besucher, die Lucas für sein "zugängliches" Museum gewinnen möchte –, brauchen viel Orientierung, nicht weniger.
"Es war sehr wichtig, dass es in den einzelnen Galerien nicht zu viele Erklärungen gibt", sagt Tracey Bates, die Geschäftsführerin des Museums. "George wollte immer, dass man das Bild betrachtet und nicht daneben eine Geschichtsstunde bekommt." Dieser verworrene, beinahe informationsfreie Ansatz liegt im Trend – etwa auch bei den neuen David-Geffen-Galerien im Los Angeles County Museum of Art, die 724 Millionen Dollar gekostet haben.
Was hat Lucas von anderen Museen gelernt, die von wohlhabenden Kunstsammlern und Mäzenen gegründet wurden – vom Frick in New York bis zum J. Paul Getty Center in Los Angeles? "Dieses Museum wurde nicht von anderen Museen beeinflusst", sagt Bates. "George und ich haben nie darüber gesprochen, was andere Museen machen."
Dennoch steht er in einer langen Tradition von Mäzenen, die Kunst sammeln und sie anschließend als Vermächtnis der Öffentlichkeit hinterlassen. "Diese Art von Museum ist gleichzeitig so egoistisch und so bürgerschaftlich", sagt Anne Higonnet, Professorin für Kunstgeschichte am Barnard College. "Erst die Zeit wird zeigen, was von beidem überwiegt." Das wird zum Teil davon abhängen, wie sich das Museum nach dem Tod seiner Gründer verändert.

Hochnäsige Kritiker mögen Lucas’ Werk belächeln. Doch viele Besucher werden in dem Museum einiges finden, das sie begeistert. Und sie werden mehr darüber erfahren wollen, wie Lucas selbst seine Werke betrachtet – nicht weniger.
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