Am 11. September 2026 jähren sich die Terroranschläge von 9/11 zum 25. Mal. Alle lebenden Ex-Präsidenten werden bei einer Zeremonie in New York erwartet. Während George W. Bush erstmals über seine 9/11-Erinnerungen spricht, geht der amtierende Präsident golfen.

Ein klarer Spätsommertag im Jahr 2001, ein Klassenzimmer in Florida. Es ist kurz vor 9 Uhr morgens, der Präsident der Vereinigten Staaten liest Kindern aus einem Bilderbuch vor. Dann tritt ein Berater an ihn heran und flüstert ihm ins Ohr: Ein zweites Flugzeug hat das World Trade Center getroffen. Amerika wird angegriffen. 25 Jahre später erinnert sich George W. Bush an diesen Moment, der die Welt für immer veränderte.
Anlässlich des Gedenkens an die Anschläge vor einem Vierteljahrhundert hat der ehemalige Präsident erstmals ausführlich über jenen schicksalhaften Tag gesprochen, berichtet NBC News. In einem Gespräch mit seiner damaligen Außenministerin Condoleezza Rice schilderte Bush die ersten Stunden nach den Anschlägen – und wie er versuchte, ein traumatisiertes Land zu einen.
Wie sich George W. Bush an 9/11 erinnert, wie die Gedenkfeiern ablaufen werden, wie der amtierende Präsident Donald Trump versucht, dem Gedenktag seinen Stempel aufzudrücken – der Überblick:
Die Kurzfassung – was ist am 11. September 2001 passiert?
An jenem Dienstagmorgen entführten 19 islamistische Terroristen vier Passagierflugzeuge. Zwei davon flogen sie in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York, eines traf das Pentagon bei Washington. Das vierte Flugzeug stürzte nach einer Revolte der Passagiere auf einem Feld in Pennsylvania ab. Insgesamt starben fast 3.000 Menschen – es war der schwerste Terroranschlag der Geschichte.

Warum ist der 25. Jahrestag besonders?
Es ist ein Vierteljahrhundert seit den Anschlägen vergangen. Für viele junge Menschen ist 9/11 bereits Geschichte, nicht eigenes Erleben. Gleichzeitig gibt es immer noch Überlebende, Hinterbliebene und Ersthelfer, die mit den mannigfachen Folgen der Anschläge leben. Erstmals wird dieses Jahr bei der Zeremonie in New York auch jener gedacht, die nach den Anschlägen an 9/11-bezogenen Krankheiten gestorben sind – etwa durch den giftigen Staub am Ground Zero.
Wer nimmt an den Gedenkfeiern teil?
Alle vier lebenden Ex-Präsidenten – Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama und Joe Biden – werden bei der Zeremonie am Ground Zero in Manhattan erwartet. Vizepräsident JD Vance vertritt die aktuelle Regierung dort. Präsident Donald Trump wird hingegen nicht in New York, seiner Heimatstadt, sein, sondern an der Gedenkveranstaltung am Pentagon teilnehmen, das ebenfalls angegriffen wurde. Auch in Shanksville, Pennsylvania, wo das vierte Flugzeug abstürzte, finden Gedenkfeiern statt.
Was hat George W. Bush über jenen Tag gesagt?
Bush erinnerte sich an den Moment in jenem Klassenzimmer in Florida: Als sein Berater ihm mitteilte, dass ein zweites Flugzeug eingeschlagen hatte, wurde ihm sofort klar, dass es ein Angriff war. Er sagte, sein erster Gedanke galt dem Kind, das ihm gerade vorlas – und dessen Familie und Land zu beschützen. In diesem Moment sei er zum Kriegspräsidenten geworden.
Warum flog Bush nach Washington zurück?
Nach den Anschlägen wurde Bush zunächst in Sicherheit gebracht – zu Militärbasen in Louisiana und später in Nebraska. Seine Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatte ihm am Telefon zugerufen, er solle nicht zurückkommen – die USA seien unter Angriff, es sei nicht sicher. Doch Bush bestand darauf: Er werde seine Rede an die Nation nicht aus einem Bunker in Omaha halten. Das wäre ein psychologischer Sieg für die Terroristen gewesen.
Was meinte Bush mit dem Satz, er wolle nicht "die Seele verlieren"?
In seinem Gespräch mit Rice erklärte Bush, dass er zwei Ziele hatte: die Amerikaner zu verteidigen und sie zu trösten. Aber gleichzeitig wollte er, dass das Land nicht seine Werte aufgibt. Er wollte nicht, dass Amerika in Angst und Hass verfällt. Er betonte auch, dass er den Islam als Religion des Friedens bezeichnete und deutlich machte, dass die Terroristen ihre Religion missbraucht hatten.
Was geschah mit Flug 93?
United Airlines Flug 93 wurde ebenfalls von Terroristen übernommen und war auf Washington unterwegs – vermutlich auf das Weiße Haus oder das Kapitol. Doch Passagiere und Besatzung kämpften gegen die Entführer. Das Flugzeug stürzte auf einem Feld in Pennsylvania ab. Alle an Bord starben, aber die Passagiere verhinderten wahrscheinlich einen weiteren Anschlag. Bush und Rice erinnerten sich, dass sie zunächst dachten, das Flugzeug sei abgeschossen worden.

Wie läuft die Gedenkzeremonie in New York ab?
Bei der jährlichen Zeremonie am Ground Zero werden die Namen aller mehr als 3.000 Opfer verlesen. Es gibt Schweigeminuten zu den exakten Zeiten, als die Flugzeuge in die Türme einschlugen und als diese einstürzten. Dieses Jahr wird erstmals auch eine Schweigeminute für jene gehalten, die später an 9/11-bedingten Krankheiten starben – etwa Ersthelfer, die giftigen Staub eingeatmet hatten. Viele von ihnen erkrankten später an Krebs.
Warum ist Donald Trump nicht in New York?
Die Gedenkfeier in New York hat seit 2012 eine strenge Tradition: keine Politikerreden, nur das Verlesen der Namen. Trump, der laut einem Bericht der New York Times zunächst sehr wohl nach New York kommen und dort eine Rede halten wollte, hat sich später dafür entschieden, stattdessen am Pentagon zu sein. Dort finden eigene Gedenkfeiern statt und dort darf und wird er auch eine Rede halten.
Begründet der Präsident sein Fernbleiben auch so?
Nein, er begründet es gar nicht. Auf die wiederholte Nachfrage von Reportern, weshalb er am 11. September nicht in New York sei, antwortete er nur stereotyp "weil ich beim Pentagon bin".
Wie wird das in den USA wahrgenommen?
Mit einigermaßen großem Befremden. New York ist seine Heimatstadt, hier begann die Anschlagsserie, hier waren mit Abstand die meisten Opfer zu beklagen, die brennenden Türme des World Trade Center sind bis heute das Symbol für diesen schmerzhaften Tag. Dass Trump aus offenbar kleinlichem politischem Kalkül der Zeremonie fernbleibt, an der sämtliche Ex-Präsidenten – Demokraten wie Republikaner – teilnehmen, wirft in den Augen vieler Menschen ein bezeichnendes Licht auf Trumps Prioritäten.
War er in den vergangenen Jahren am 11. September am Ground Zero?
2024, als er im Präsidentschaftswahlkampf stand, war Trump sehr wohl in New York, ebenso wie seine demokratische Konkurrentin Kamala Harris sowie sein jetziger Vize JD Vance und der noch amtierende Präsident Joe Biden. Letztes Jahr war er schon nicht mehr dort – obwohl er da bereits Präsident gewesen ist.
Hätte er nicht an allen Gedenkfeiern teilnehmen können?
Natürlich, die Anschlagsorte liegen nicht so weit auseinander, er hätte hintereinander alle drei Veranstaltungen besuchen und mit seiner Teilnahme die Opfer von damals ehren können. Aber Trump hat sich dafür entschieden, nur am Pentagon zu sein, wo er seine Rede halten kann, und danach zum Golfspielen zu fliegen?

Trump macht was?
Nach der Gedenkfeier am Pentagon wird Trump direkt nach Irland abfliegen, wo er am Samstag zunächst ein Gespräch mit Präsidentin Catherine Connolly führen wird und anschließend nach Doonbeg zu den Irish Open weiterreist, dem größten Golfturnier Irlands. Der Club, in dem es stattfindet, gehört dem Unternehmer Donald Trump. Und laut dem General Manager des Resorts wird Trump dort am Samstagnachmittag erwartet und soll bis Sonntagabend bleiben, ehe er nach Washington zurückfliegt.
Welche Folgen hatten die Anschläge von 9/11 langfristig?
9/11 veränderte die Welt grundlegend. Die USA begannen den Krieg gegen den Terror, der zu den Kriegen in Afghanistan und Irak führte. Die Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen wurden massiv verschärft. In vielen westlichen Ländern wuchsen Misstrauen und Vorurteile gegenüber Muslimen. Die Anschläge prägen bis heute die Außenpolitik und das Sicherheitsdenken weltweit.
Was bedeutet der Jahrestag für die Hinterbliebenen?
Für die Familien der Opfer ist jeder Jahrestag ein Tag der Trauer und der Erinnerung. Viele kommen jedes Jahr nach New York, um die Namen ihrer Angehörigen verlesen zu hören. Der 25. Jahrestag hat besonderes Gewicht – es ist ein Moment des Innehaltens für ein ganzes Land. Gleichzeitig kämpfen viele Überlebende und Ersthelfer noch immer mit gesundheitlichen Spätfolgen. Und es ist ein Weitertragen der Erinnerung zu nachfolgenden Generationen, die die Geschehnisse von damals nur mehr aus Erzählungen kennen.