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wie bei 9/11

Stell dir vor, ein Flugzeug kracht in Pekings größtes Hochhaus …

… aber keiner darf es wissen! Das ist vor wenigen Tagen geschehen. Ein Kleinflugzeug steuerte in den 528 Meter hohen CITIC Tower und zerschellte. Der Pilot starb, 13 Personen wurden verletzt. Doch statt Aufklärung zu betreiben, löscht China alle Bilder. Die Hintergründe.

Das Kleinflugzeug schlug im obersten Drittel des 528 Meter hohen CITIC Towers ein
Das Kleinflugzeug schlug im obersten Drittel des 528 Meter hohen CITIC Towers einREUTERS/Maxim Shemetov
NewsFlix Redaktion
Akt. 02.07.2026 03:32 Uhr

Die Bilder erinnern fatal an den 11. September 2001: Menschen stehen wie angewurzelt und starren in die Luft, während Trümmerteile hunderte Meter in die Tiefe stürzen. Passiert am vergangenen Freitag, den 26. Juni, im Zentrum von Peking.

Kurz vor 18 Uhr abends raste ein Kleinflugzeug in den CITIC Tower, das mit 528 Metern höchste Gebäude der chinesischen Hauptstadt. Das Propellerflugzeug schlug ein deutlich sichtbares Loch in die gläserne Fassade des futuristischen Turms, ehe es in Stücke zerbarst, die schließlich zu Boden stürzten und dort mehrere Personen verletzten.

Binnen Minuten kursierten verwackelte Handyvideos der Szenen im Netz, gefilmt aus den verschiedensten Perspektiven. Doch nur wenige Stunden später waren die Videos alle verschwunden. Gelöscht von der allmächtigen Zensurbehörde der Regierung.

Aber so gründlich die Behörden den Vorfall auch zu vertuschen versuchten, die Katze war längst aus dem Sack. Hunderte hatten das Unglück live miterlebt, Millionen haben mittlerweile im Internet die dramatischen Bilder davon gesehen.

Umso mehr Fragen werfen das Unglück selbst und die anhaltenden Vertuschungs- und Zensurversuche von Chinas Behörden auf. Wozu etwas totschweigen, von dem inzwischen die halbe Welt weiß, dass es geschehen ist?

Eine mögliche Antwort darauf könnte in dem Umstand begründet sein, dass sich der Crash nur wenige Kilometer von Zhongnanhai entfernt ereignete, dem Regierungssitz und gleichzeitig Hauptquartier der Kommunistischen Partei Chinas. Und dass der Himmel über Peking eigentlich als einer der bestbewachten Lufträume weltweit gilt.

Was konkret am vergangenen Freitag in Peking geschehen ist, was den Vorfall politisch besonders brisant macht und wie Chinas Staatsführung mit den Ereignissen seither umgeht – das weiß man bislang über den CITIC-Tower-Crash und die Hintergründe:

Worum geht es?
Am Freitag, dem 26. Juni 2026, um etwa 17.55 Uhr Ortszeit (10.55 Uhr MESZ) flog ein zweisitziges Leichtflugzeug vom Typ Aurora SA60L in den 109 Stockwerke hohen CITIC Tower, auch China Zun genannt, im Zentrum von Peking. Der Aufprall hinterließ sichtbare Löcher in der Fassade, die mittlerweile mit Brettern verdeckt wurden. Das Flugzeug zerschellte bei dem Aufprall, seine Trümmer stürzten an der Außenfassade des CITIC Towers in die Tiefe, berichtete u. a. die Nachrichtenagentur Reuters.

Wie viele Menschen kamen dabei zu Schaden?
Der Pilot des einmotorigen Flugzeugs kam bei dem Aufprall ums Leben. 13 weitere Menschen wurden verletzt. Ob sich die Verletzten im Gebäude befanden oder außerhalb, ist nicht bekannt. Ebenso wurden die genauen Umstände des Todes des Piloten und das Ausmaß der Verletzungen bei den Überlebenden von den Behörden bis jetzt nicht näher erläutert.

Wie haben sich die Behörden zu dem Unglück geäußert?
Laut BBC hat die Stadtregierung bisher nur eine einzige offizielle Erklärung zu dem Zwischenfall veröffentlicht, die exakt 60 Wörter lang gewesen sein soll. Weitere offizielle Informationen gibt es bislang nicht.

Was weiß man über das Flugzeug?
Das Unglücksflugzeug war eine Aurora SA60L, ein in China hergestelltes Leichtflugzeug der Firma Sunward Aircraft. Mit einer Länge von 6,9 Metern und einer Spannweite von 8,6 Metern ist es für Rundflüge, Luftaufnahmen und Freizeitflüge konzipiert. Es bietet Platz für maximal zwei Personen.

Die Behörden sperrten kurz nach dem Zwischenfall das Gebiet um den CITIC Tower weiträumig ab
Die Behörden sperrten kurz nach dem Zwischenfall das Gebiet um den CITIC Tower weiträumig ab
REUTERS/Maxim Shemetov

Was ist über den CITIC Tower bekannt?
Mit 528 Metern bzw. 109 Stockwerken Höhe handelt es sich beim CITIC Tower (auch als China Zun Tower bekannt) um das momentan zehnthöchste Gebäude der Welt. In Peking ist der Wolkenkratzer das höchste Gebäude im Umkreis von hunderten Kilometern.

Wie stark wurde das Gebäude beschädigt?
Beim Aufprall des Flugzeugs zerbarsten einige Glasscheiben. Diese Löcher in der Fassade wurden am Samstag mit Brettern verschlossen und sind nach wie vor von außen zu sehen. Wie sehr das Gebäude im Innenbereich beschädigt worden ist, wurde nicht bekanntgegeben.

Warum schweigen die Behörden?
Die offizielle Kommunikation beschränkte sich bislang auf einen kurzen Bericht in der staatlichen Beijing Daily. Ermittlungen wurden zwar angekündigt, aber keine weiteren Details über die Umstände des Unglücks genannt. Experten vermuten, dass die Führung selbst noch nicht genau weiß, was vorgefallen ist, und deshalb auf Zeit spielt.

Was wurde zensiert?
Nicht nur Augenzeugenvideos und Nachrichtenberichte zum Unfall wurden aus dem chinesischen Internet entfernt. Auch völlig unzusammenhängende Fotos und Memes des Wolkenkratzers verschwanden von den sozialen Medien.

Weswegen wurde der Vorfall dennoch aufgrund von Memes und Reel so rasch bekannt?
Erstens: Das Unglück ereignete sich zur Hauptgeschäftszeit, es waren tausende Menschen auf den Straßen. Zweitens: Der Turm gilt bei jungen Chinesen als Glücksbringer, viele teilen Bilder davon mit Wünschen für Prüfungen oder Jobs. Deshalb waren so viele Kameras af das Gebäude gerichtet, als das Flugzeug einschlug.

Warum ist der Vorfall politisch brisant? Der CITIC Tower steht nur wenige Kilometer vom Zhongnanhai entfernt, dem streng bewachten Regierungsviertel der Kommunistischen Partei Chinas. Dass ein Kleinflugzeug quer durch die Stadt fliegen und einem der am strengsten kontrollierten Lufträume der Welt so nahe kommen konnte, stellt die Sicherheitsbehörden bloß.

Auch wenn sich das offizielle China bemüht, den Vorfall herunterzuspielen: die Bilder vom CITIC-Crash gingen um die Welt
Auch wenn sich das offizielle China bemüht, den Vorfall herunterzuspielen: die Bilder vom CITIC-Crash gingen um die Welt
REUTERS/Maxim Shemetov

Was sagen China-Experten dazu?
Der China-Analyst Bill Bishop schrieb auf X von einem massiven Sicherheitsversagen. Nur wenige Sekunden weiterer Flugzeit hätten das Flugzeug zum Zhongnanhai bringen können - ein Erdbeben für Pekings Sicherheitsapparat, so Bishop. Auch Raymond Kuo vom Chicago Council of Global Affairs spricht von einer peinlichen Sicherheitslücke.

War es ein Unfall oder Absicht?
Das ist bisher unklar. Möglich sind ein Pilotenfehler, ein technischer Defekt oder auch eine absichtliche Handlung. Experte Raymond Kuo betont, dass ein Flugzeug dieser Größe zeige, dass auch eine Drohne oder eine Rakete den Turm treffen könnte. Die Behörden haben sich zu möglichen Motiven nicht geäußert.

Was weiß man über den Piloten?
Es ist noch nicht einmal klar, wer das Flugzeug geflogen hat, so verschlossen sind die Behörden. Laut Financial Times ist ein von der Polizei in der Nähe der Flugschule, von der das Leichtflugzeug startete, durchsuchtes Autoauf einen Liu Junhua zugelassen. Dieser Name kursiert auch in chinesischen sozialen Medien in Zusammenhang mit dem Absturz.

Aber?
CITIC Wealth, eine Tochtergesellschaft von CITIC, veröffentlichte am Montag ein Video mit einem Mitarbeiter namens Liu Junhua, das offenbar Vermutungen entkräften sollte, der Pilot habe für den Konzern gearbeitet. CITIC selbst hat sich bisher noch gar nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Was ist CITIC überhaupt?
CITIC – kurz für China International Trust and Investment Corporation – ist einer der größten und einflussreichsten Staatskonzerne Chinas. Obwohl der Name außerhalb Chinas weniger bekannt ist als etwa Huawei oder Alibaba, gehört CITIC zu den wirtschaftlich und politisch bedeutendsten Unternehmensgruppen des Landes.

Welche Maßnahmen wurden vom Staat ergriffen?
Nach dem Vorfall wurden offenbar alle Leichtflugzeug-Operationen in China vorübergehend eingestellt. Mindestens drei Luftfahrtunternehmen bestätigten der BBC, dass sie entsprechende Anweisungen erhalten hätten. Details wollten sie nicht nennen - man habe ihnen gesagt, sie sollten nicht darüber sprechen.

Das Loch in der Fassade des Wolkenkratzers wurde mittlerweile notdürftig mit Holzplatten abgedichtet
Das Loch in der Fassade des Wolkenkratzers wurde mittlerweile notdürftig mit Holzplatten abgedichtet
APA-Images / AP / Ng Han Guan

Gibt es historische Parallelen?
Der Vorfall erinnert an den 11. September 2001, als Terroristen Passagierflugzeuge in die Twin Towers in New York steuerten. Näher liegt aber der Vergleich mit 1987: Damals landete der deutsche Hobbypilot Mathias Rust mit einem Sportflugzeug auf dem Roten Platz in Moskau und blamierte die sowjetische Luftabwehr. Mehrere hochrangige Offiziere verloren damals ihre Posten.

Welche Konsequenzen könnten nun drohen?
Nach Einschätzung von Chong Ja Ian von Carnegie China könnten auch diesmal Köpfe rollen. Wenn ein Kleinflugzeug den CITIC Tower treffen könne, dann auch eine Drohne oder eine Rakete, so der Experte. Das sei eine Peinlichkeit für die Sicherheitsdienste, die für den Schutz Pekings zuständig sind.

Was bedeutet der Vorfall für China?
Der Crash offenbarte eine Schwachstelle im chinesischen Sicherheitsapparat. Dass die Führung mit weitreichender Zensur reagiert, statt mit Transparenz, entspricht dem gewohnten Muster: Kritik an Partei, Regierung oder Führung wird in China systematisch unterdrückt. Diesmal betrifft es aber ein Ereignis, das sich nicht so leicht verstecken lässt.

Wie geht es jetzt weiter?
Die Ermittlungen laufen, heißt es offiziell. Ob und wann China mehr Details bekanntgibt, bleibt abzuwarten. International jedenfalls sorgt der Vorfall für Aufsehen - und für Fragen, auf die Peking bisher keine Antworten liefern konnte oder wollte.

NewsFlix Redaktion
Akt. 02.07.2026 03:32 Uhr