Vor einem Jahr starb die deutsche Olympiasiegerin und Bergsteigerin Laura Dahlmeier am 6.096 Meter hohen Laila Peak in Pakistan. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, weshalb sie nicht geborgen wurde und warum ihr Leichnam mittlerweile verschwunden ist.

Sie hat ihren Frieden gefunden. Dort, wo sie immer am glücklichsten gewesen ist: in den Bergen. So oder so ähnlich liest man es derzeit immer wieder, wenn an die tragischen Ereignisse vor einem Jahr erinnert wird.
Am 28. Juli 2025 kam die deutsche Ex-Biathletin und Bergsteigerin Laura Dahlmeier bei dem Versuch, den 6.096 Meter hohen Laila Peak in Pakistan zu bezwingen, unter besonders tragischen Umständen ums Leben. Zum ersten Jahrestag des Unglücks versucht eine neue TV-Dokumentation, die Ereignisse von damals noch einmal neu aufzurollen.
Die Sendungsmacher sprachen mit der spanischen Bergsteigerin María Martín, die Laura Dahlmeier noch kurz vor dem Unglück dringend davon abgeraten hatte, die Besteigung des Laila Peak zu versuchen. Und sie befragten ein Mitglied des Bergungsteams, das per Hubschrauber nach der Verunglückten suchte, weshalb die 31-Jährige seinerzeit nicht geborgen werden konnte. Und auch nie mehr geborgen werden kann.
Denn Laura Dahlmeiers Leichnam, den die Rettungskräfte unmittelbar nach dem Unglück noch an einem Seil im Fels hängen sahen, ist mittlerweile verschwunden. Und damit jede Chance, ihn jemals zu bergen und zu bestatten. Laura Dahlmeier hat tatsächlich ihre letzte Ruhe in jenen Bergen gefunden, die sie liebte – und die sie das Leben gekostet haben.
Wie es vor einem Jahr zu dem Unglück kam, was mit ihrem Leichnam vermutlich geschehen ist und wie am ersten Jahrestag ihres Todes an die sympathische Sportlerin und ihre Kletter-Leidenschaft erinnert wird – das muss man über die tragischen Ereignisse wissen:

Was ist vor einem Jahr am Laila Peak passiert?
Laura Dahlmeier wurde am 28. Juli 2025 bei einer Klettertour am 6.096 Meter hohen Laila Peak in Pakistan von einem Steinschlag getroffen. Sie starb vermutlich unmittelbar bei dem Unglück, wofür einige Indizien sprechen – siehe auch den Ablauf der Ereignisse auf Dahlmeiers Instagram-Account, wie ihn ihr Management zusammengefasst hat (unten).
Wer war Laura Dahlmeier?
Die 31-Jährige Bayerin aus Garmisch-Partenkirchen gehörte über Jahre zur Weltspitze im Biathlon-Sport. Sie war zweifache Olympiasiegerin und gewann sieben Weltmeistertitel. 2019 beendete sie ihre aktive Karriere, um sich fortan vor allem ihrer großen Leidenschaft, dem Bergsteigen, widmen zu können.
War sie alleine unterwegs, als es zu dem Unglück kam?
Nein, sie war gemeinsam mit ihrer Bergpartnerin Marina Krauss unterwegs. Auf den Schilderungen von Krauss basiert auch das gesamte Wissen über den Unglückshergang.
Warum ist der Fall gerade jetzt wieder so präsent?
Am Dienstag jährt sich der Tod von Laura Dahlmeier zum ersten Mal. Aus diesem Anlass wurde eine neue Dokumentation von Servus TV online gestellt, die sich mit bislang nicht gekannter Tiefe dem Unglückshergang widmet. "Laura Dahlmeier … einen Schritt zu weit" bringt neue Details ans Licht, vor allem zu den Bedingungen am Berg und zu Warnungen vor dem Aufstieg.
Welche neuen Erkenntnisse gibt es darin?
In der Dokumentation schildert die spanische Bergsteigerin María Martín die Lage im Basislager in den Tagen vor dem Unglück als extrem heikel. Demnach gab es tagelange Niederschläge, nur kurze sonnige Phasen sowie ständige Lawinenabgänge. Dazu kamen Steine und Eis, die das Gelände zusätzlich gefährlich machten.
Gab es konkrete Warnungen vor dem Aufstieg?
Ja. Die Spanierin berichtet, sie habe Laura Dahlmeier und deren Seilpartnerin Marina Krauss direkt auf die Gefahren des Laila Peak hingewiesen: "In gebrochenem Englisch versuchte ich zu erklären: Es ist gefährlich, unmöglich."
Wie beschrieb María Martín die Bedingungen?
Sie zeichnete demnach ein Bild von einem Berg, der kaum Ruhe gab. "Das Wetter war so wechselhaft, wir hatten vielleicht zwei Stunden Sonne pro Tag, sonst nur Regen. Im Basecamp kamen ständig Lawinen runter, Steine und Eis." Laut ihrer Erinnerung gingen die verheerendsten Lawinen erst nach dem Aufbruch von Dahlmeier und Krauss nieder.
Was weiß man inzwischen über den Unglückshergang?
Bis heute gibt es dazu nur die Schilderungen von Marina Krauss. Sie berichtete unmittelbar nach dem Unglück, dass sie und Dahlmeier vor dem Gipfel des Laila Peak kehrtmachten, weil die Steinschläge immer gefährlicher geworden seien. Beim Abstieg auf etwa 5.700 Metern Höhe sei sie unterhalb von Dahlmeier gewesen, als diese von einem "riesengroßen Stein" am Kopf getroffen und in der Folge gegen die Felswand geschleudert worden sei.
Wie ging es weiter?
Laut ihrer Seilpartnerin sei Laura Dahlmeier von da an nicht mehr ansprechbar gewesen. Sie habe auch keine Möglichkeit gesehen, zu der deutlich ober ihr im Seil hängenden Verunglückten aufzusteigen, und nach ihr zu sehen. Also kletterte sie weiter nach unten, setzte einen Notruf ab und ging alleine Richtung Basislager.
War Laura Dahlmeier zu diesem Zeitpunkt bereits tot?
Das werden wir nie erfahren. Ob Sie durch den Steinschlag sofort gestorben ist, zunächst nur bewusstlos oder verletzt gewesen ist, lässt sich alleine aufgrund der Schilderungen ihrer Kletterkollegin nicht mit Sicherheit feststellen, man kann nur spekulieren.
Warum wurde Dahlmeier nicht geborgen?
Am Tag nach dem Unglück suchte ein Rettungsteam nach ihr und fand schließlich ihren leblosen Körper, der noch im Seil hing. Die Unfallstelle war durch herabstürzende Felsmassen und Schmutz stark gezeichnet. Wegen des extremen Risikos wurde von einer Bergung abgesehen.
Was sagte der Expeditionsleiter dieser Rettungsmission zu dieser Entscheidung?
Der Franzose Alan Rousseau beschreibt in der neuen Dokumentation, wie schwierig die Abwägung gewesen sei. "Wir haben alle Möglichkeiten durchgespielt, wie wir da hinkommen könnten. Uns war allen klar: Wer da reingeht, setzt sein eigenes Leben aufs Spiel." Damit war klar, dass ein Bergungsversuch weitere Opfer hätte fordern können.

Gab es später keine Bergungsversuche?
Es gab zunächst sehr widersprüchliche Aussagen. Laut ihrer eigenen Verfügung wollte Laura Dahlmeier nicht, dass bei einer allfälligen Bergungsaktion weitere Menschenleben riskiert werden, weshalb es zunächst hieß, ihr Körper bleibe am Berg. Im September stiegen allerdings der Berchtesgadener Profibergsteiger Thomas Huber und der US-Alpinist Tad McCrea auf Wunsch von Lauras Eltern zur Unglücksstelle auf, konnten die Leiche aber nicht mehr finden.
Was ist mit den sterblichen Überresten von Laura Dahlmeier geschehen?
Man kann nur spekulieren. Nachdem es im vergangenen Sommer immer wieder zu Lawinen und Steinschlägen rund um den Laila Peak gekommen war, wurde Dahlmeiers Leichnam mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann mit in die Tiefe gerissen. "Es ist davon auszugehen, dass ihr Körper in einer der Gletscherspalten liegt und inzwischen von den Gesteinsmassen, die jeden Tag vom Berg herunterfallen, begraben wurde", so Thomas Huber nach seiner Rückkehr von der Unglücksstelle.
Wie gehen Laura Dahlmeiers Eltern mit dem Ort ihrer letzten Ruhe um?
Für die Eltern ist der Gedanke schmerzhaft, aber sie hätten sich damit arrangiert, sagen sie. Vater Andreas erklärte schon vor Monaten: "Ich glaube, Laura hätte es so gewollt, in den Bergen ihren Frieden zu finden." Mutter Susi ergänzte, sie sei "dort begraben, wo sie glücklich war und sich frei fühlte – verschmolzen mit den Herzen der Berge".
War Laura Dahlmeier das Risiko im Gebirge bewusst?
Ja. Sie war seit 2023 staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin, und das Bergsteigen war schon während ihrer Sportkarriere ihre große Leidenschaft. Einmal sagte sie, es brauche auch "das nötige Quäntchen Glück, damit ich immer wieder heil nach Hause komme".
Wie wird anlässlich des ersten Todestages an sie erinnert?
In ihrer Heimatgemeinde Garmisch-Partenkirchen wurde der Kurpark im Frühjahr in Laura-Dahlmeier-Park umbenannt. Dort steht auch eine Gedenktafel, die weiterhin viele Fans anzieht. Ihr Vater erzählte in einem Interview, dass er dort nie alleine sei.
Was ist über das Gedenken der Familie bekannt?
Der erste Jahrestag soll im engen Familienkreis und bewusst ohne großes öffentliches Aufsehen begangen werden. Schon die Gedenkfeier im August des Vorjahres trug sehr persönliche Züge: Die Musikstücke dafür hatte Laura Dahlmeier noch selbst festgelegt. Darunter war auch eine Version des Oberreintal-Liedes mit der Zeile: "Hei mi leckst am Arsch!".