Stell dir vor, du willst mit 150.000 Soldaten in der Normandie landen, um Europa von den Nazis zu befreien, aber es ist nicht sicher, ob das Wetter mitspielt. Aus diesem bisher wenig beachteten Aspekt des D-Day entstand nun das hervorragende Kriegsdrama "Pressure".

Es gibt kaum einen historischen Stoff, der häufiger verfilmt wurde als der Zweite Weltkrieg. Und doch sind immer noch Geschichten zu entdecken. Das zeigt derzeit das britisch-amerikanische Kammerspiel "Pressure", das diese Woche in den österreichischen Kinos startet.
Statt der Landung am Strand von Omaha oder der Schlacht um Caen erzählt der Film von den Meteorologen, die wenige Tage vor dem D-Day über eine nur scheinbar nebensächliche Frage entscheiden mussten: Wann lässt das Wetter die Invasion zu? Im Zentrum steht der Meteorologe James Stagg, dessen Prognose wesentlich zur Verschiebung des ursprünglich für 5. Juni geplanten Angriffs beitrug.
Damit steht "Pressure" in einer bemerkenswerten Tradition. Erst im Frühling rückte "Nürnberg" eine Geschichte ins Zentrum, die hinter den eigentlichen Kriegsereignissen liegt: Nicht die Schlachtfelder, sondern die ersten Nürnberger Prozesse und die psychologische Konfrontation zwischen Militärpsychiater Douglas Kelley und Hermann Göring. Der Film macht aus dem Verhör eines Angeklagten ein Kammerspiel über Macht, Manipulation und die Frage, wie sich ein totalitäres Verbrechen vor Gericht überhaupt fassen lässt.
Auch "Die Täuschung" (im Original "Operation Mincemeat", 2021) suchte den Krieg dort, wo man ihn im Kino weniger erwartet: bei einem makabren Geheimdienst-Coup, mit dem die Briten 1943 die Deutschen über das Ziel der alliierten Invasion täuschten – eine Leiche, eine erfundene Identität und gefälschte Dokumente als Waffen.
Noch weiter zurück zeigt "The Imitation Game" (2014), wie der Blick auf den Krieg sich verändert hat: Der Film machte die Arbeit der Codeknacker von Bletchley Park und Alan Turings Beitrag zur Entzifferung der Enigma einem breiten Publikum zugänglich. "The King's Speech" (2010) wiederum fand einen Kriegsschauplatz, an dem kaum ein Schuss fällt: die Stimme von König George VI. und seine Zusammenarbeit mit dem australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue. Der Film verband die private Geschichte eines stotternden Monarchen mit dem Beginn des Krieges 1939 – und wurde zu einem großen Publikumserfolg und Oscar-Gewinner.

Eine ähnliche Verschiebung des Blickwinkels gelang "Dunkirk" (2017). Christopher Nolan erzählte die Evakuierung von Dünkirchen nicht als triumphale Schlacht, sondern als Überlebensgeschichte aus drei Perspektiven: Strand, Meer und Luft. Fast ohne historische Erklärungen erlebt der Zuschauer die Angst der Eingeschlossenen und die Unsicherheit der Rettung. "Die dunkelste Stunde" aus demselben Jahr verlegte den Schwerpunkt dagegen nach London: Nicht die Kämpfe an der Front, sondern die politischen Auseinandersetzungen im britischen Kriegskabinett wurden zum Thriller.
Darin liegt die eigentliche Stärke dieser Filme: Sie müssen den Zweiten Weltkrieg nicht größer machen, als er ohnehin schon ist. Sie machen ihn kleiner – und entdecken gerade darin neue Dimensionen. Ein Wetterbericht, ein Verhör, eine gefälschte Leiche, eine verschlüsselte Nachricht, eine stockende Stimme: Dinge, die auf den ersten Blick wie Randgeschichten wirken. Aber im Kino zu entscheidenden Momenten der Weltgeschichte werden.

Worum es geht Juni 1944: Die Vorbereitungen für den D-Day laufen auf Hochtouren, doch über den Erfolg der geplanten Invasion entscheidet letztlich ein Faktor, den niemand kontrollieren kann: das Wetter. In den letzten 72 Stunden vor der Landung soll der britische Meteorologe Captain James Stagg (Andrew Scott) eine der folgenreichsten Wetterprognosen der Geschichte abgeben.
Für die Alliierten steht dabei alles auf dem Spiel: Schlechte Bedingungen könnten die gewaltige Invasion in der Normandie zum Scheitern bringen, eine Verschiebung wiederum den deutschen Geheimdienst auf die Pläne aufmerksam machen.
Stagg gerät in dieser Situation zunehmend unter Druck. Er muss den Erwartungen der militärischen Führung unter General Dwight D. Eisenhower (Brendan Fraser) gerecht werden, der eine perfekte Prognose erwartet. In Konflikt steht Stagg zudem mit dem eingebildeten amerikanischen Meteorologen Irving P. Krick (Chris Messina), der zu einer deutlich optimistischeren Wetter-Prognose kommt als er selbst. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei Eisenhower, dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte.
Lohnt sich das? "Pressure" basiert auf David Haigs gleichnamigem Theaterstück, das zuvor erfolgreich im Londoner West End aufgeführt worden war. Regisseur Anthony Maras adaptierte es gemeinsam mit Haig als schauspiellastiges, konzentriertes Historien-Drama, das in seinem Zugang dem im Frühjahr angelaufenen "Nürnberg" nicht gänzlich unähnlich ist.
Der Film betrachtet durch seinen Fokus auf die Meteorologie ein bekanntes Kapitel Weltgeschichte aus unbekannter Perspektive, was den besonderen Reiz ausmacht. Im Kontext aktueller, anti-wissenschaftlicher Bewegungen wie Klimawandel- oder Covid-Leugnung bekommt der Kampf um datenbasierte Deutungshoheit, die über zigtausende Menschenleben entscheiden kann, zusätzliche Aktualität.
Ein Highlight in "Pressure" sind zweifelsohne die Darstellerleistungen: Die Mimen tragen diesen Film. Allen voran Adam Scott ("Fleabag", "Ripley", "Sherlock") beeindruckt durch sein zurückgenommenes, aber intensives Spiel als ultra-seriöser Militär-Meteorologe. Im Zusammenspiel mit dem ebenfalls überzeugenden Brendan Fraser als legendärer US-General Eisenhower ergeben sich immer wieder sehenswerte Szenen. Der Hollywood Reporter bezeichnet Scotts Darstellung gar als preiswürdig und lobt, wie der Film den Druck auf seine Figur des Meteorologen Stagg kontinuierlich steigert. Auch die Nebenrollen (u.a. Damien Lewis, "Homeland") sind gut besetzt.
Wer aufgrund des historischen Hintergrunds ein bildgewaltiges Kriegs-Epos erwartet, wird enttäuscht sein. Der Film – und auch da ähnelt er "Nürnberg" – lebt von subtiler, zwischenmenschlicher Spannung, was ihn umso kraftvoller und interessanter macht.
"Pressure", Drama. FRA/GB/USA 2026, 100 Minuten, ab 17. September im Kino

Worum es geht In einer von Menschen wie Cartoonfiguren zugleich bevölkerten Welt führt der ambitionslose Anwalt Kevin Avery (Will Forte) eine kleine Kanzlei, die sich auf Schadensersatzklagen gegen den ACME-Konzern spezialisiert hat: Cartoonfiguren werden beim Gebrauch von dessen Produkten regelmäßig verletzt, Avery – der Name ist eine Anspielung auf den genialen Trickfilm-Regisseur Tex Avery – handelt mit wenig Aufwand und Mühe jeweils ein paar hundert Dollar Schadenersatz für seine Klienten heraus und das war's.
Denn mehr könne man gegen einen Konzern wie diesen ohnehin nicht ausrichten, so der Advokat. Schließlich hat ACME den Top-Anwalt Buddy Crane (John Cena) in seinen Reihen, der jedes juristische Problem im Keim erstickt. Also bäckt Avery lieber kleine Brötchen.
Eines Tages macht die Cartoonfigur Wile E. Coyote Halt in Averys Kanzlei. Seit Jahren versucht er vergeblich, den Road Runner zu fangen. Dazu greift er immer wieder auf ACME-Produkte als Hilfsmittel zurück, etwa Trampoline, Düsen-Rollschuhe oder Superkleber. Doch am Ende steht er jedes Mal er mit Beulen da und der schnelle Vogel macht "Meep meep" und kommt davon.
Avery ist anfangs von dem neuen Klienten wenig begeistert und will ihn nach Hause schicken. Doch der Koyote lässt sich nicht so leicht abspeisen und beharrt darauf, dass Avery gegen ACME vor Gericht zieht. Und siehe da: Im Laufe der Recherche stellt sich tatsächlich heraus, dass der Konzern regelmäßig neue und gefährliche Produkte ohne deren Wissen an Cartoonfiguren testet …
Lohnt sich das? Ja, diesen Film gibt es wirklich und der Plot ist genau so verrückt, wie er klingt. Dabei ist es großes Glück, dass "Coyote vs. ACME" überhaupt im Kino gelandet ist. Das Produktionsstudio Warner Animation wollte den Film, der bereits 2022 gedreht wurde, bereits einstampfen. Breite Proteste von Fans der bekannten Looney Tunes-Figuren verhinderten das aber. Warner verkaufte daraufhin die Rechte an ein anderes Studio, das schließlich die Kinoauswertung sicherstellte.
"Coyote vs. ACME" ist ein Film, den man gern lieben will: Schräg, unperfekt, anders als typische Mainstream-Ware. Ein Underdog, der von einem Underdog erzählt, dem man die Daumen drücken möchte und der bereits vor Veröffentlichung als künftiger Kultfilm galt. Doch leider kann man zumindest im Ansatz nachvollziehen, warum Warner eine Veröffentlichung infrage stellte. Denn dieser seltsame Animations-Realfilm-Hybrid ist rein qualitativ betrachtet höchstens Mittelmaß.
Das Unfertige, Unrunde wirkt manchmal zwar charmant, manchmal aber einfach schlecht gemacht oder schlampig umgesetzt. Das Drehbuch ist zeitweise amateurhaft und wirr, und das, obwohl DC-Boss James Gunn beteiligt war. Besonders fatal: Der Humor kommt nicht recht vom Fleck. Die Einbindung der animierten Figuren immerhin ist gelungen und optisch kann man dem Film nichts vorwerfen.
So bleibt am Ende ein Werk, das vor allem von seinem Ruf lebt, aber sich zu sehr auf seine Gimmick-hafte Story verlässt, die trotz des Potenzials bestenfalls durchschnittlich umgesetzt wurde. Zahlreiche US-Kritiken feiern "Coyote vs. ACME" als liebenswerte Underdog-Geschichte mit Herz. Das stimmt schon – doch deren gibt es viele andere und zahlreiche bessere.
"Coyote vs. ACME", Animation, Live-Action, Komödie. USA 2026, 103 Minuten, ab 17. September im Kino

"Resident Evil"
In diesem weiteren Reboot der Videospielreihe muss sich ein Kurier (Austin Abrams) bei einem Auftrag in einer von Monstern bevölkerten Welt behaupten. Nach mehreren tödlichen Vorfällen wird klar, dass hinter den Kreaturen ein größeres Geheimnis steckt, das mit Experimenten der Vergangenheit zusammenhängt. Regisseur Zach Cregger ("Barbarian", "Weapons") soll sich beim Neustart wieder stärker am Survival-Horror der Spiele orientieren. Zum Cast gehören u. a. Paul Walter Hauser, Zach Cherry und Kali Reis.
"Resident Evil", Videospieladaption, Horror. USA/DE 2026, 94 Minuten, ab 17. September im Kino
"Gentle Monster"
Konzertpianistin Lucy (Léa Seydoux) zieht sich mit ihrem Mann Philip (Laurence Rupp) und ihrem gemeinsamen Sohn aufs Land zurück. Die vermeintliche Ruhe endet abrupt, als die Polizei das Haus durchsucht und gegen Philip ein schwerwiegender Verdacht erhoben wird. Der neue Film der Österreicherin Marie Kreutzer ("Corsage") feierte seine Premiere im Cannes-Wettbewerb und ist ein Drama über Vertrauen, Täuschungen und toxische Beziehungen mit einem hochkarätigen Ensemble, zu dem auch Catherine Deneuve gehört.
"Gentle Monster", Drama. AUT/DE/FRA 2026, 114 Minuten, ab 17. September im Kino
"Frost ohne Schnee und Eis"
Der norwegische Naturfilmer Asgeir Helgestad begleitet auf Spitzbergen die Eisbärin Frost und kehrt über einen Zeitraum von zehn Jahren immer wieder in die arktische Wildnis zurück. Dabei beobachtet die Kamera aus nächster Nähe das Leben und die Entwicklung ihres Nachwuchses. Vor dem Hintergrund des Klimawandels wird daraus auch ein Porträt einer bedrohten Lebenswelt und der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
"Frost ohne Schnee und Eis", Dokumentarfilm. NOR 2026, 94 Minuten, ab 17. September im Kino
"Runner"
Der ehemalige Elitesoldat Hank Malone (Alan Ritchson) verdient sein Geld inzwischen durch den Transport heikler, legaler und illegaler Güter und soll gemeinsam mit dem medizinischen Kurier Ben (Owen Wilson) ein lebenswichtiges Organ zu einem todkranken siebenjährigen Mädchen bringen. Als ein skrupelloser Gangsterboss die wertvolle Fracht für den Schwarzmarkt erbeuten will, verwandelt sich der Auftrag in eine Verfolgungsjagd entlang der australischen Gold Coast. Action-Spezialist Scott Waugh ("Need for Speed") setzt auf rasante Action und die Chemie seines ungleichen Hauptdarsteller-Duos.
"Runner", Action-Komödie. AUS/USA 2026, 97 Minuten, ab 17. September im Kino
"Im Zeichen des Drachen"
Der Kriminalpolizist Michael (Erol Sander) verliert bei einem Einsatz sein Gehör und zieht sich daraufhin aus dem aktiven Dienst zurück. Jahre später bittet ihn eine ehemalige Kollegin, einen mysteriösen Fall zu übernehmen, der ihn auf die Spur einer gefährlichen Drachensekte führt. Der deutsche, unabhängig produzierte Thriller von Enrico Saller und Marina Hoeft entstand im Bayerischen Wald, neben Sander spielen unter anderem Nastassja Kinski, Erdogan Atalay und Amira Aly mit.
"Im Zeichen des Drachen", Krimi, Thriller. DE 2026, 112 Minuten, ab 18. September im Kino
"Adams Acht"
Im Ratzeburg der 1950er-Jahre formt der unkonventionelle Trainer Karl Adam (Oliver Masucci) aus einer Gruppe junger Außenseiter einen leistungsfähigen Ruderachter und stößt damit auf Widerstand in der etablierten Sportwelt. Teil des Teams ist auch Hans Lenk (Österreichs Hollywood-Export Felix Kammerer), dessen Beziehung zu Ulla (Svenja Jung) durch die deutsche Teilung auf eine besondere Probe gestellt wird: Verfilmung einer wahren Geschichte, die im sensationellen Olympiasieg des Teams 1960 in Rom gipfelte.
"Adams Acht", Sportdrama, Biopic. DE 2026, 124 Minuten, ab 18. September im Kino
"David"
Der junge Hirte David wächst in Bethlehem auf und entdeckt schon früh seinen Mut, seine musikalische Begabung und seine Bestimmung. Seine Konfrontation mit dem riesenhaften Goliath ist der Anfang einer Reise, die ihn zum Helden und zum künftigen König von Israel macht. Der Animationsfilm erzählt die bekannte biblische Geschichte als kindgerechtes Abenteuer.
"David", Animation, Kinderfilm. RSA/USA 2025, 114 Minuten, ab 18. September im Kino