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"Zauberhafte Schwestern 2"

Weshalb manche Geschichten erst nach Jahren ihren Zauber entfalten

28 Jahre nach dem Original, startet mit "Zauberhafte Schwestern 2" diese Woche das Sequel zur 90er-Jahre-Romantikkomödie mit Sandra Bullock und Nicole Kidman in den heimischen Kinos. Und was dem Streifen an Originalität fehlt, macht er mit Charme wett.

Schön altmodische Kino-Magie: Sandra Bullock und Nicole Kidman in Teil des Neunzigerjahre-Romantikhits "Zauberhafte Schwestern"
Schön altmodische Kino-Magie: Sandra Bullock und Nicole Kidman in Teil des Neunzigerjahre-Romantikhits "Zauberhafte Schwestern"Warner Bros.
Christian Klosz
Akt. 10.09.2026 07:08 Uhr

Nicole Kidman ist längst mehr als ein Hollywoodstar. Seit mehr als vier Jahrzehnten gehört die 59-Jährige zu den beständigsten – und zugleich wandlungsfähigsten – Schauspielerinnen der Branche. Aus der jungen Australierin, die in den 1980er-Jahren nach Hollywood kam, wurde eine vielfach ausgezeichnete Darstellerin, die Blockbuster ebenso beherrscht wie anspruchsvolles Autorenkino.

Doch Kidmans eigentliche Stärke liegt nicht darin, an einem Image festzuhalten. Sie besteht vielmehr darin, es immer wieder abzulegen. Denn kaum eine Schauspielerin ihrer Generation hat sich so oft so konsequent neu erfunden. Kidman spielte glamouröse Heldinnen und gebrochene Frauen, Mütter, Verführerinnen, Außenseiterinnen und Figuren, die man erst lieben und dann fürchten konnte. Sie ging Risiken ein, wenn andere auf Nummer sicher spielten – und machte gerade daraus ihre unverwechselbare Karriere.

Vom großen Kinofilm bis zur Prestige-Serie: Kidman scheint weniger daran interessiert zu sein, Erwartungen zu erfüllen, als sie zu unterlaufen. Dabei hat sie ihren Wirkungskreis längst über die Schauspielerei hinaus erweitert. Als Produzentin entscheidet sie mit, welche Geschichten erzählt werden und welche Frauenfiguren auf den Bildschirm kommen.

TV-Produktionen wie "Big Little Lies" zeigen, wie klug sie ihre Position nutzt: Kidman steht nicht nur vor der Kamera, sie gestaltet zunehmend auch das, was dahinter entsteht. Aus der Schauspielerin ist eine Produzentin mit Einfluss geworden – und aus einer Karriere eine eigene Marke.

Auch mit 59 ist Nicole Kidman noch top im Geschäft – in Hollywood ist das gerade bei Schauspielerinnen nicht immer die Regel
Auch mit 59 ist Nicole Kidman noch top im Geschäft – in Hollywood ist das gerade bei Schauspielerinnen nicht immer die Regel
Warner Bros.

Das beweist sie einmal mehr mit dem Sequel zur Neunzigerjahre-Romantikkomödie "Zauberhafte Schwestern", das diese Woche in den österreichischen Kinos anläuft und in dem Nicole Kidman nicht nur wieder vor der Kamera, sondern auch als Produzentin die Fäden in der Hand hält.

Vielleicht ist das ihr größtes Erfolgsgeheimnis: Nicole Kidman bleibt immer in Bewegung. Während andere Hollywoodstars gerne auf ihre einmal gefundene Rolle festlegt bleiben, verweigert sie sich dieser Logik. Sie arbeitet viel, probiert viel und scheint selbst nach Jahrzehnten noch Lust auf das nächste Risiko zu haben. Genau deshalb ist sie nicht nur erfolgreich geblieben, sondern relevant – eine der fleißigsten, vielseitigsten und nachhaltigsten Kräfte Hollywoods.

Müssen wieder gemeinsam für Ordnung sorgen: die magischen Schwestern Gillian und Sally Owens (Nicole Kidman, Sandra Bullock) in "Zauberhafte Schwestern 2"
Müssen wieder gemeinsam für Ordnung sorgen: die magischen Schwestern Gillian und Sally Owens (Nicole Kidman, Sandra Bullock) in "Zauberhafte Schwestern 2"
Warner Bros.

"Zauberhafte Schwestern 2"

Worum es geht 30 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils sind die Hexenschwestern Sally und Gillian Owens (Sandra Bullock, Nicole Kidman) zurück: Sally hat nach dem Tod ihres Mannes der Magie abgeschworen und versucht, die Familiengeschichte von ihren beiden erwachsenen Töchtern Kylie (Joey King) und Antonia (Maisie Williams) fernzuhalten.

Als Kylie jedoch mit dem jungen Gideon (Xolo Maridueña) in eine lebensbedrohliche Situation gerät, wird klar, dass der alte Liebes-Fluch der Owens-Familie keineswegs gebrochen ist: Über Generationen hinweg verhindert er bereits, dass die Frauen der Owens-Familie eine dauerhafte romantische Beziehung führen können.

Gemeinsam mit Gillian sowie den Tanten Franny (Stockard Channing) und Jet (Dianne Wiest) muss Sally sich deshalb erneut mit ihrer Herkunft auseinandersetzen. Diesmal wollen sie den Ursprung des Fluchs endgültig ergründen, um ihn so zu brechen. Die Spur führt die Owens-Frauen schließlich nach England, wo sie auf ein geheimnisvolles Buch und neue Hinweise stoßen. Unterstützung erhalten sie dabei unter anderem von dem Magie-Experten Professor Ian Wright (Lee Pace).

Lohnt sich das? "Zauberhafte Schwestern" im Original "Practical Magic") kam 1998 zunächst weder bei Kritikern noch an den Kinokassen besonders gut an. Bei einem Produktionsbudget von rund 60 Millionen Dollar spielte der Film weltweit nur etwa 68,3 Millionen ein. Erst über die Auswertung über VHS, Fernsehen, DVD und später im Streaming und den sozialen Medien entwickelte sich der Film mit seiner Idee einer "Sisterhood" zum Kultfilm.

Besonders die ungewöhnliche Mischung aus Hexen-Fantasy, romantischer Komödie und der Beziehung zwischen den beiden Schwestern fand ein neues, überwiegend weibliches Publikum. Spätestens ab den 2020er-Jahren und infolge der Nostalgie-Welle und Reboot-Wut Hollywoods wurden die Rufe nach einer Fortsetzung lauter.

Das späte Sequel wurde nun von der dänischen Star-Regisseurin Susanne Bier inszeniert, die bereits mit Sandra Bullock (in "Bird Box“) und Nicole Kidman (in den Serien "The Undoing" und "Ein neuer Sommer") gearbeitet hat. Das Drehbuch basiert auf Alice Hoffmans "The Book of Magic" aus dem Jahr 2021. Der Film rückt zugleich die nächste Generation der Owens-Familie stärker ins Zentrum.

Die ersten Kritiken zu "Zauberhafte Schwestern 2" sind allerdings mehr als durchwachsen. In den USA lobt zwar der Hollywood Reporter die unverändert starke Chemie zwischen Bullock und Kidman, Variety hingegen kritisiert den Film als überlang (2 Stunden 10 Minuten), vorhersehbar und letztlich eine Wiederholung des Originals. Was einem Erfolgsstoff aber bei weitem nicht immer geschadet hat.

"Zauberhafte Schwestern 2", Fantasy-Komödie. USA 2026, 130 Minuten, ab 10. September im Kino

Das Zauber-Sequel bietet wenig Neues, das aber dafür charmant und auf Hochglanz
Das Zauber-Sequel bietet wenig Neues, das aber dafür charmant und auf Hochglanz
Warner Bros.

"The Uprising – Für die Freiheit"

Worum es geht England im Jahr 1381: Jahrzehnte nach dem verheerenden Ausbruch der Pest, dem die Hälfte der Bevölkerung zum Opfer gefallen ist, befindet sich das Land in einer tiefen sozialen und politischen Krise. Der erst 14-jährige König Richard II. (Woody Norman) ist noch zu jung, um selbst zu regieren, tatsächlich bestimmen seine Berater die Geschicke des Landes und stehen angesichts leerer Kassen vor einem drängenden Problem: Neue Einnahmen müssen her. Dafür soll die Landbevölkerung zur Kasse gebeten werden.

Zu den Betroffenen gehört ein namenloser Pflüger, genannt "Ploughman" (Andrew Garfield). Er hat Frau und Kinder während der Pest verloren, die Krankheit selbst jedoch überlebt. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, um seine jährlichen Abgaben zu entrichten, erlebt er die ganze Willkür des Systems. Und beschließt, sich zu wehren: Es ist der Beginn einer landesweiten Rebellion. Gemeinsam mit dem Soldaten Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und dem radikalen Geistlichen John Ball (Jamie Bell) wird er Anführer der Bewegung.

Ihr Ziel ist zunächst eine direkte Audienz beim jungen König. Doch als die Rebellen nach London marschieren, gerät die Situation zunehmend außer Kontrolle. Zwischen den Aufständischen und der königlichen Führung und ihrer Armee beginnen blutige Schlachten.

Lohnt sich das? Der Bauernaufstand von 1381 gehört zu den bedeutendsten Kapiteln englischer Geschichte, wurde filmisch aber bislang kaum erzählt. Paul Greengrass ("Captain Phillips") nimmt ihn als Grundlage für einen martialischen Historienfilm, der durch seinen Blick auf soziale Ungleichheit, politischen Machtmissbrauch und den Widerstand gegen Unterdrückung auch aktuell sein möchte. Gedreht wurde übrigens in Deutschland: Nürnberg, das fränkische Freilandmuseum und die Münchener Penzing Studios zählten zu den Locations.

Interessant ist dabei die ungewöhnliche, ja chaotische Entstehungsgeschichte und das teils widersprüchliche Marketing für den Film: Zum einen sollten zuerst Benedict Cumberbatch und dann Matthew McConaughey den "Ploughman" spielen, bevor schließlich Andrew Garfield verpflichtet wurde.

Zum anderen wurde das Projekt ursprünglich unter anderen Titeln entwickelt. Und dass der Film irgendetwas mit Robin Hood zu tun haben könnte, davon war lange Zeit keine Rede. Bis Ende August der US-Verleih plötzlich eine Kampagne unter dem Titel "The Uprising: The Rise of Robin Hood" startete, während der britische Verleih auf seiner Website darauf hinwies, dass der Film nichts mit der berühmten Legende zu tun hat.

Die Verwirrung war komplett. Historisch ist der Konnex jedenfalls Schwachsinn, denn der Bauernaufstand fand fast 200 Jahre nach der traditionellen zeitlichen Einordnung Robin Hoods statt. Und ob wirklich mehr Menschen ins Kino gehen, wenn man einem historischen Stoff in letzter Sekunde noch ein Marketing-Zugpferd vorspannt, darf bezweifelt werden.

Die ersten Kritiken fallen dementsprechend durchwachen aus: Der San Francisco Chronicle sieht in dem Streifen einen energiegeladenen Historienfilm, der von Greengrass' Tempo, den Darstellern und den politischen Parallelen zur Gegenwart profitiert. Deutlich kritischer urteilt der britische Guardian: Wenig verwunderlich stößt man sich an der späten und fragwürdigen Verbindung zu Robin Hood. Der Film verliere dadurch einen Teil seiner historischen und politischen Wirkung.

"The Uprising – Für die Freiheit", Historien-Drama. GB/DE/USA 2026, 127 Minuten, ab 10. September im Kino

Der Pflüger, im Englischen "Ploughman" (Andrew Garfield), wird zum Symbol des Bauernaufstandes: "The Uprising – Für die Freiheit"
Der Pflüger, im Englischen "Ploughman" (Andrew Garfield), wird zum Symbol des Bauernaufstandes: "The Uprising – Für die Freiheit"
Constantin/Leonine

Außerdem neu im Kino:

"Oasis: Don't Look Back in Anger"
Nach 16 Jahren Trennung kehrten die Brüder Liam und Noel Gallagher 2025 mit Oasis auf die Bühne zurück. Die Doku begleitet ihre ausverkaufte "Live '25"-Welttournee und die überraschende Wiedervereinigung der Brüder. Neben Konzertaufnahmen gibt es exklusive Einblicke hinter die Kulissen und erstmals seit mehr als 20 Jahren ein gemeinsames Interview mit Liam und Noel.

"Oasis: Don't Look Back in Anger", Dokumentation, Musikfilm. GB 2026, 122 Minuten, ab 9. September im Kino

"Wax & Gold"
Ruth Beckermann ("Waldheims Walzer") reist nach Addis Abeba und erkundet das legendäre Hilton-Hotel, das einst von Kaiser Haile Selassie errichtet wurde. Aus Begegnungen mit Menschen vor Ort, historischen Bildern und eigenen Beobachtungen entsteht ein Porträt Äthiopiens, in dem koloniale Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Der Film feierte seine Premiere bei der Berlinale 2026.

"Wax & Gold", Dokumentarfilm. AUT 2026, 97 Minuten, ab 11. September im Kino

"Frühstück bei Audrey"
Nach einer schmerzhaften Trennung zieht sich der verschrobene Kunstrasenverkäufer Rémi (Vincent Macaigne) in ein einsames Leben zurück und findet Gesellschaft in einer lebensgroßen Sexpuppe namens Audrey. Doch da erwacht die künstliche Frau plötzlich zum Leben und Rémis sorgfältig kontrollierte Welt gerät völlig aus den Fugen. Französische Komödie von Regisseurin Sophie Beaulieu.

"Frühstück bei Audrey", Komödie. FRA 2026, 80 Minuten, ab 10. September im Kino

"Teresas Körper"
Teresa lebt mit den körperlichen und seelischen Folgen traumatischer Erfahrungen und sucht immer wieder Zuflucht in der Natur und im eigenen Zuhause. Als die Vergangenheit zurückkehrt, flieht sie gemeinsam mit ihren erwachsenen Töchtern Magda und Ola aus dem Alltag und begibt sich auf eine Reise mit ungewissem Ausgang. Der Film verbindet dokumentarische Elemente mit inszenierten Szenen und wurde bei der Diagonale unter anderem mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

"Teresas Körper", Drama, Dokumentation. AUT 2026, 76 Minuten, ab 11. September im Kino

"Muss das Pferd auch arbeiten?"
Porträt der Wanderschäferin Valeria, deren gesamter Alltag von der Arbeit mit ihrer Schafherde bestimmt wird. Ihr Leben steht dabei in deutlichem Kontrast zu den Vorstellungen ihrer Geschwister und einer zunehmend digitalisierten, schnelllebigen Gesellschaft.
Das Langfilmdebüt von Regisseur Leonhard Pill startet, wie auch "Teresas Körper" im Rahmen der österreichischen Nachwuchsinitiative "New Voices" im Stadtkino in Wien.

"Muss das Pferd auch arbeiten?", Dokumentarfilm. AUT 2026, 86 Minuten, ab 11. September im Kino

Christian Klosz
Akt. 10.09.2026 07:08 Uhr