Am 8. 9. startet die neue Staffel der israelischen Agentenserie "Fauda". Darin geht es um den Terrorüberfall der Hamas vom 7. Oktober 2023. Die Darstellung der Gräuel ist so realistisch geworden, dass Zuschauer vor dem Anschauen einzelner Episoden gewarnt werden.

Bereits beim Trailer merkt man, dass sich etwas verändert hat. Die Atmosphäre ist bleischwer, weit mehr noch als in den bisherigen Staffeln. Die Blicke der Menschen sind leer, Blut klebt an allem und jedem. Der Schock ist noch zu spüren.
Die knallharte und extrem erfolgreiche israelische Agentenserie "Fauda" ist zurück, nach vier Jahren Pause. Und sie stellt ein reales nationales Trauma in den Mittelpunkt der Handlung der neuen, 5. Staffel: den Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.
Die Wunden, die dieser blutigste Tag in der Geschichte Israels geschlagen hat, sind noch lange nicht verheilt, ja noch nicht einmal richtig vernarbt. Der Schrecken des Terrors ist nach wie vor allgegenwärtig, droht die Menschen mit seiner schieren Wucht zu erdrücken. Das ist der Zustand des Landes im wahren Leben, und das ist er auch in der neuen Staffel von "Fauda", deren Handlung ihren Ausgang beim Terrorüberfall mit mehr als 1.200 toten Israelis nimmt.
Dabei sind die Macher der israelischen Serie, die im Rest der Welt beim Streaming-Anbieter Netflix läuft, offenbar so weit wie nie zuvor gegangen. Denn die Gräuel des 7. Oktober 2023, die in einer mehrere Episoden langen Rückblende konkret thematisiert werden, wurden offenbar so realitätsnah dargestellt, dass in Israel viele Zuseher ihre Darstellung nicht ertragen konnten.

Die Folge: Zum ersten Mal in der Geschichte von Netflix warnen die Macher einer Serie selbst sensible Zuseher davor, die Episoden über den Terrorangriff anzusehen – aufgrund der Intensität des Dargestellten.
Was in den betreffenden neuen Episoden Erschreckendes zu sehen ist, wie die 5. Staffel von Fauda" im Herkunftsland Israel aufgenommen wurde und weshalb die Serie seit mehr als zehn Jahren beständig als eine der besten im Thriller- und Agenten-Genre weltweit gehandelt wird – das sollte man über "Fauda" und seine aktuelle Staffel wissen:
Worum geht es?
Um den Start der neuesten, 5. Staffel der seit 2015 erscheinenden Serie "Fauda". Sie handelt von einer Sondereinheit des israelischen Inlandsgeheimdienstes, die undercover in den Palästinensergebieten operiert und ist eine Mischung aus Agentenstoff und Politthriller.
Was ist der Inhalt von "Fauda"?
erzählt wird vom israelisch-palästinensischen Konflikt erzählt, und zwar vor allem aus der Perspektive einer israelischen Spezialeinheit, die verdeckt im Westjordanland und später auch in Gaza operiert. Im Mittelpunkt steht Doron Kavillio, ein ehemaliger Elitekämpfer, der immer wieder in gefährliche Undercover-Einsätze gegen Hamas- und andere militante Gruppen hineingezogen wird. Dabei verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen militärischem Auftrag, persönlicher Rache, Loyalität und moralischer Verantwortung.
Was bedeutet das Wort Fauda?
Es kommt aus dem Arabischen und bedeutet zunächst "Chaos" oder "Tohuwabohu". Gleichzeitig ist es aber auch ein Funk-Codewort besagter Spezialeinheit, das bedeutet "die Mission ist aufgeflogen, die Situation ist außer Kontrolle, schickt Hilfe!".
Worum ging es in den bisherigen vier Staffeln?
Sie beschreiben jeweils eine neue Operation bzw. Konfrontation zwischen der Spezialeinheit und der palästinensischen bzw. arabischen Seite und sind aber durch dieselben Figuren und vor allem durch Dorons zunehmende psychische und private Zerrüttung miteinander verbunden.
Also eine reine Action-Serie?
Nein, "Fauda" geht darüber hinaus. Der eigentliche rote Faden ist vor allem die Frage, was der permanente Kampf mit den Menschen auf beiden Seiten macht. "Fauda" verbindet dabei kompromisslose Action mit einem ungewöhnlich unmittelbaren Blick auf das Leben derjenigen, die in diesem Konflikt gefangen sind. Die Serie wird auf Hebräisch und Arabisch erzählt und basiert teilweise auf den eigenen Erfahrungen der beiden Schöpfer Lior Raz und Avi Issacharoff in einer israelischen Undercover-Einheit.
Sind fünf Staffeln in elf Jahren nicht recht wenig?
Die Macher der Serie lassen sich viel Zeit beim Schreiben ihrer Bücher. Außerdem hätte die Serie eigentlich bereits enden sollen, spätestens nach Staffel vier im Jahr 2022 sollte Schluss sein. Aufgrund des großen Erfolges ging es dann aber doch wieder weiter.
Apropos – wie erfolgreich ist "Fauda"?
"Fauda" entwickelte sich in Israel sehr schnell zu einem außergewöhnlichen Publikumserfolg und wurde zum erfolgreichsten Format in der Geschichte des israelischen Senders Yes. Durch Netflix wurde sie anschließend international bekannt und entwickelte auch in den palästinensischen Gebieten und anderen arabischen Ländern ein großes Publikum. Die ersten vier Staffeln erreichen bei der Kritik-Plattform Rotten Tomatoes jeweils 100 Prozent positive Kritikerbewertungen, was extrem ungewöhnlich ist.
Ist die Serie ausgewogen?
Sie wird natürlich primär aus der israelischen Perspektive erzählt, lässt aber gleichzeitig der palästinensischen Seite verhältnismäßig viel Raum. Im Zentrum stehen die zunehmende moralische Mehrdeutigkeit und der psychologische Preis der Gewalt auf beiden Seiten.
Wie lässt sich der Erfolg von "Fauda" bisher zusammenfassen?
Im Kern sind es vier Dinge: die enorme Spannung, die Authentizität der Szenarios, die Figuren und die ungewöhnliche Ambivalenz. "Fauda" ist keine glatt polierte Hollywood-Action, sondern schmutzig, hektisch und körperlich unmittelbar. Gleichzeitig sind der Hauptprotagonist Doron, seine Kollegen und seine Gegenspieler keine eindimensionalen Helden oder Schurken: Beide Seiten bekommen persönliche Geschichten, Familien, Ängste, Zweifel und Motive. Die menschliche Ambivalenz gilt als eine der größten Stärken der Serie.
Worum geht es jetzt in Staffel 5?
Die Handlung beginnt zwei Jahre nach dem 7. Oktober 2023. Ausgangspunkt ist ein Rachefeldzug, der sich zu einer internationalen Operation gegen einen geplanten Mega-Terroranschlag entwickelt.

Also alles wie bisher, eigentlich?
Nein, die 5. Staffel setzt sich klar von den bisherigen Erzählungen ab. Es ist die erste "Fauda"-Staffel, die mit dem Hamas-Überfall auf den Süden Israels und seinen traumatischen Folgen ausdrücklich auf ein reales Ereignis Bezug nimmt.
War das immer so geplant?
Nein, die Serienmacher Lior Raz (er ist übrigens auch der Darsteller des Doron) und Avi Issacharoff hatten ursprünglich eine andere Story geplant. Es gab eine Plot-Idee, in der die Hamas eine israelische Siedlung übernimmt, doch diese wurde als unrealistisch verworfen. Doch dann geschah der 7. Oktober und als Folge der Ereignisse kübelten die beiden ihre bisherigen Bücher und schrieben Staffel 5 noch einmal komplett neu – aufbauend auf den realen Ereignissen und seinen Folgen für das Land und die gesamte Region.
Was ist am 7. Oktober 2023 eigentlich geschehen?
Hunderte Hamas- bzw. Kämpfer anderer Organisationen fielen in einer konzertierten Aktion von Gaza aus in Israel ein und begingen grauenvolle Massaker an der Zivilbevölkerung. Gleichzeitig wurde Israel mit tausenden Raketen beschossen, um das Chaos und die zerstörung noch zu vergrößern.
Wie viele Opfer forderte der Terrorangriff?
An diesem einen Tag kamen etwa 1.200 Menschen in Israel ums Leben, gut 250 wurden als Geiseln nach Gaza verschleppt, von denen weniger als die Hälfte überlebten. Israels als allmächtig wahrgenommener Sicherheitsapparat verschlief die Ereignisse zunächst komplett und benötigte viele Stunden, um der Situation wieder Herr zu werden.
Was waren bzw. sind die Folgen?
Der 7. Oktober gilt heute als schwärzester Tag in der Geschichte Israels. An keinem Tag seit dem Holocaust sind mehr Juden durch Gewalt gestorben als an diesem Samstag. Als direkte Folge marschierte Israel in Gaza ein, zerstörte einen Großteil der Infrastruktur, vertrieb Hunderttausende Menschen und tötete Tausende.
Wie nah war "Fauda" schon bisher an der Realität?
Die Nähe zur Wirklichkeit gehört seit Beginn zur Serie. Hauptdarsteller und Mitschöpfer Lior Raz diente selbst in der israelischen Undercover-Einheit Duvdevan. Co-Autor Avi Issacharoff ist Nahost-Journalist. Diese Erfahrungen prägen Ton, Figuren und Blick auf den Konflikt seit der ersten Staffel.

Was hat es jetzt mit der Warnung für einzelnen Episoden auf sich?
Es geht dabei um die 7. und 8. Episode der neuen Staffel. Diese beiden Episoden werden als Rückblende erzählt und zeigen besonders bedrückend, wie grausam die Verbrechen der frühmorgens eingedrungenen Terroristen am 7. Oktober 2023 waren. Der Sender Yes veröffentlichte deshalb einen speziellen Warnhinweis: Die Szenen seien aufgrund der Intensität der gezeigten Szenen für viele Menschen besonders schwer auszuhalten.
Und was sollte man stattdessen tun? Mit der Serie aufhören?
Nein, es wurde explizit darauf hingewiesen, dass die Folgen übersprungen werden könnten, ohne den Faden bei der Haupthandlung zu verlieren. Das zeigt, wie sensibel der Stoff selbst innerhalb Israels nach wie vor ist.
Warnt auch Netflix seine Seher vor?
Nein, zumindest ist bislang nichts Diesbezügliches bekannt geworden.
Wie begründen die Serien-Macher diese besonders harten Folgen?
"Diese Episoden führen uns zurück zu 3 Uhr morgens am 7. Oktober, als der Sicherheitsapparat zu erkennen begann, dass etwas nicht stimmte – genau wie im wirklichen Leben", sagte Co-Autor Avi AIssacharoff in einem Interview. Die Folgen beginnen mit der Mobilisierung von Einheiten und erzählen dann den Raketenbeschuss, das Eindringen der Terroristen und die Zuspitzung der Ereignisse um ein isoliertes Teammitglied der Spezialeinheit, dessen Familie in einem angegriffenen Kibbuz festsitzt.
Wie zeigt die Serie den Horror, ohne ihn auszubeuten?
Genau darüber habe das Team lange gerungen. Regisseur und Autor Omri Givon formulierte es so: "Man will den Schrecken nicht ausbeuten, aber man will ihn auch nicht verharmlosen." Die Herausforderung bestand demnach darin, Verbrechen klar und sichtbar zu machen, darunter auch Vergewaltigungen, ohne sie explizit zu zeigen.
Warum werden diese Ereignisse als eigene Folgen erzählt?
Issacharoff beschreibt den 7. Oktober als "ein derart singuläres, beispielloses Ereignis", dass man ihn nicht einfach in die laufende Handlung einweben könne. Deshalb würden Folge 7 und 8 im Kern wie ein langer Rückblick wahrgenommen, fast wie ein eigener Film innerhalb der Staffel. So soll dem Ereignis mit besonderer Ernsthaftigkeit begegnet werden.

Worum geht es außerdem in Staffel 5?
Im Kern geht es um Rache, um Gewalt und ihre Folgen. "Wir wollten Menschen auf der ganzen Welt, nicht nur in Israel, sehr schwierige Fragen stellen", so Co-Autor Avi Issacharoff. "Ist es wert, Rache zu üben? Ist es das wert, diesen scheinbar endlosen Kreislauf der Gewalt fortzusetzen? Wohin führt er einen?" Diese moralische Unruhe scheint die Staffel stärker zu prägen als klassische Agenten-Spannung.
Was passiert mit Doron und den anderen bekannten Teammitgliedern?
Doron (Lior Raz) wird wieder einmal von einem persönlichen Vergeltungswunsch getrieben und handelt zeitweise eigenmächtig. Dadurch gerät er selbst unter Verdacht. Zudem wird mindestens einer der Protagonisten getötet.
Wie stark hat der Krieg das Team hinter der Serie getroffen?
Sehr unmittelbar. Matan Meir, ein langjähriges Mitglied des Produktionsteams, fiel am 12. November 2023 als israelischer Reservist im Gazastreifen. Abgesehen davon gibt es wohl keinen Menschen in Israel, den die Ereignisse seit dem 7. Oktober 2023 geprägt haben.
Waren die Dreharbeiten belastend für die Schauspieler?
Ja. Mehrere Beteiligte schildern extreme emotionale Belastung. Dafi Shoshana Alpern sagte etwa: "Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, zitterte ich vor Angst. Es war sehr schwer, sich auf so etwas vorzubereiten. Emotional bin ich völlig zusammengebrochen." Und Regisseur Omri Givon berichtete, dass manche Darsteller nach dem Dreh einzelner Szene völlig zusammenbrachen.
Was bedeutet das alles für die Wirkung der Staffel?
Staffel 5 setzt noch weniger auf eine klassische Erlösung am Ende als bisher schon. Laut Lior Raz, dem Darsteller des Doron, gebe es praktisch keine Happy Endings; Krieg bedeute den Verlust von Freunden, Moral und Teilen der eigenen Identität. Das würde "Fauda" spätestens mit der fünften Staffel endgültig wegheben von einer klassischen Action- bzw. Agentenserie hin zu einem Anti-Kriegs-Stück und seiner schonungslosen (Selbst-)Reflexion.

Wurde die 5. Staffel in Israel bereits gezeigt?
Ja, und die Kritiken waren überwiegend positiv. Vor allem wurde die Spannung und Emotionalität wie immer sehr gut bewertet. An der Darstellung und Diskussion der Ereignisse des 7. Oktober schieden sich allerdings die Geister, was aber angesichts der besonderen Sensibilität der Thematik auch nicht anders zu erwarten gewesen ist. In jedem Fall wird die 5. Staffel als die bislang ambivalenteste einer an sich bereits sehr ambivalenten Serie wahrgenommen.
Wann startet "Fauda" Staffel 5 jetzt bei uns?
Die Serie läuft ab Dienstag, dem 8. September, komplett auf Netflix. Sie besteht aus elf Episoden, die 33 bis 53 Minuten lang sind.