"Reto marrón" – "braune Herausforderung": So nennt sich ein widerlicher Trend, der derzeit in Spanien für Aufregung sorgt: Jugendliche verrichten ihr großes Geschäft in Freibädern – für Likes auf Social Media. Diesen Sommer gab es bereits mehrere hundert Vorfälle.

Dass das Wasser in den Bassins von öffentlichen Bädern für gewöhnlich eine Mischung aus Chlorwasser und Körperausscheidungen ist, ist weder neu noch ein Geheimnis. Regelmäßig wird die Wasserqualität gemessen und gegebenenfalls chemisch korrigiert, immer wieder werden zudem Untersuchungen veröffentlicht, wo der Urin-Anteil in den einzelnen Bädern liegt. So bekannt, so ekelig.
Doch in Spanien haben Jugendliche diesem grauslichen Treiben nun eine weitere Eskalationsstufe hinzugefügt. Der sogenannte "reto marrón" – auf Deutsch "braune Herausforderung" – macht dort Freibadbesuchern und Behörden seit letztem Jahr das Leben schwer, schreibt das Schweizer Onlinemedium watson.ch.
Dabei verrichten vor allem Kinder und Jugendliche absichtlich ihr großes Geschäft in Schwimmbecken. Ziel: Videos vom anschließenden Tumult, der anrückenden Polizei und der Räumung des Freibads auf TikTok oder Instagram zu veröffentlichen – in der Hoffnung auf viele Klicks und Likes.
Vergangenes Jahr soll es im ganzen Land zu 300 derartigen Vorfällen gekommen sein heuer liege die Zahl ebenfalls bereits bei "mehreren hundert", so der Radiosender Cadena SER. Warum Spaniens Behörden dem Ekel-Trend kaum etwas entgegenzusetzen haben, wie hoch die Strafen sind, die die Jugendlichen bzw. ihre Eltern aufgebrummt bekommen, wenn sie denn erwischt werden, ob so etwas auch in Österreich bereits beobachtet wurde – die wichtigsten Infos zu einer Sache, von der man am liebsten nie gehört hätte:

Was genau ist der "reto marrón"?
Der "reto marrón" ist eine sogenannte Social-Media-Challenge, bei der Jugendliche absichtlich ihre Notdurft in öffentlichen Schwimmbecken verrichten. Der Name bedeutet übersetzt "braune Herausforderung". Die Teilnehmer filmen die entstehende Panik und die Räumung des Bades und laden diese Videos auf TikTok oder Instagram hoch. Hoffnung: möglichst viele Likes und Aufmerksamkeit.
Wie verbreitet ist dieser Trend?
Spanische Medien berichten fast täglich über neue Fälle. Eine zentrale Erfassung gibt es nicht, da die meisten Bäder kommunal betrieben werden. Im vergangenen Jahr sollen es rund 300 Vorfälle gewesen sein. In diesem Jahr sind es laut dem Sender Cadena Ser bereits "Hunderte" – und der Sommer ist in Spanien noch lange nicht vorbei.
Wie werden die Täter überführt?
Die Täter auf frischer Tat zu erwischen, ist äußerst schwierig. Manche sind so dreist, dass sie die Fäkalien sogar in Plastiktüten mitbringen, die sie in der Badehose verstecken und dann im Wasser entleeren. In der nordspanischen Stadt Burgos wurden nun erstmals vier Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren von einem aufmerksamen Erwachsenen dabei beobachtet. Er alarmierte sofort die Polizei.
Welche Strafen drohen den Tätern?
Die Strafen können empfindlich hoch ausfallen. Bußgelder von bis zu 20.000 Euro sind möglich. Dazu kommen Schadensersatzforderungen für die Reinigung und Desinfektion des Schwimmbads. Muss das Wasser komplett ausgetauscht werden, kann das mehrere Tausend Euro kosten. Außerdem drohen den Übeltätern jahrelange Hausverbote für öffentliche Bäder.
Was passiert mit den Eltern?
Da die Täter meist minderjährig sind, werden die Eltern zur Verantwortung gezogen. Im aktuellen Fall aus Burgos drohen den Eltern der vier Kinder Bußgelder von jeweils 3.000 Euro plus Schadensersatz. Die Bürgermeisterin von Burgos, Cristina Ayala, betonte, das Verfahren werde "bis zur letzten Konsequenz" durchgezogen. Es war bereits der sechste Fall dieser Art in der Stadt – allein in diesem Jahr.
Warum machen Jugendliche bei solchen Trends mit?
Der Psychiater Andrés López, Koordinator für psychische Gesundheit im Gesundheitsbezirk von Osuna, sieht emotionale Probleme als mögliche Ursache. Jugendliche und junge Erwachsene würden Social-Media-Plattformen benutzen, um Anerkennung zu finden oder Gefühle der Einsamkeit zu bekämpfen. TikTok und Co. hätten zudem bestimmte suchterzeugende Mechanismen, die einen Mitläufereffekt begünstigten.

Welche Gesundheitsgefahren bestehen?
Der Trend ist nicht nur ekelhaft, sondern auch gesundheitsschädlich. Fäkalien im Wasser können Krankheitserreger wie E.-coli-Bakterien, Salmonellen oder Parasiten verbreiten. Besonders für kleine Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem kann das gefährlich werden. Eine sofortige Räumung und gründliche Desinfektion sind daher zwingend notwendig.
Wie reagieren die spanischen Behörden?
Die Behörden setzen auf Abschreckung durch konsequente Verfolgung und hohe Strafen. Bademeister sind angehalten, besonders wachsam zu sein. In einigen Freibädern wurden zusätzliche Überwachungskameras installiert. Die Stadtverwaltung von Burgos hat angekündigt, jeden Fall kompromisslos zu ahnden – als Signal an potenzielle Nachahmer.
Was passiert nach einem Vorfall im Schwimmbad?
Nach einem Vorfall muss das Becken sofort geräumt werden. Das kontaminierte Wasser wird überprüft und je nach Ausmaß der Verschmutzung behandelt oder komplett ausgetauscht. Die Desinfektion kann mehrere Stunden bis zu einem ganzen Tag dauern. In dieser Zeit bleibt das betroffene Becken für alle Badegäste gesperrt.
Könnte dieser Trend auch nach Österreich kommen?
Social-Media-Trends verbreiten sich schnell über Ländergrenzen hinweg. Da TikTok und Instagram auch in Österreich bei Jugendlichen sehr beliebt sind, ist eine Nachahmung grundsätzlich denkbar. Bisher sind hierzulande keine vergleichbaren Fälle bekannt. Freibadbetreiber und Eltern sollten aber wachsam sein und mit Kindern über die Konsequenzen solcher "Challenges" sprechen.
Wie können Eltern reagieren?
Experten raten dazu, offen mit Kindern und Jugendlichen über solche Trends zu sprechen. Es ist wichtig zu erklären, dass vermeintlich lustige Challenges reale Konsequenzen haben können – von hohen Geldstrafen bis hin zu Hausverboten. Auch das Thema Medienkompetenz sollte nicht zu kurz kommen: Nicht alles, was online Klicks bringt, ist nachahmenswert.