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wissenschaftlich erwiesen

Warum US-Elitesoldaten mit Testosteronmangel zu kämpfen haben

Angehörige von Spezialeinheiten leiden häufig unter einem Mangel des männlichen Sexualhormons – eine Folge der hohen Belastungen, unter denen die Soldaten stehen. Nun will US-Kriegsminister Pete Hegseth die ganze Truppe einem Testosteron-Screening unterziehen.

Soldat der US Army Ranger bei einer Demonstration in Fort Benning, Georgia: erwiesener Testosteronmagel aufgrund der hohen Belastungen
Soldat der US Army Ranger bei einer Demonstration in Fort Benning, Georgia: erwiesener Testosteronmagel aufgrund der hohen BelastungenREUTERS/Tami Chappell
The Economist
Akt. 18.07.2026 21:33 Uhr

Pete Hegseth, Amerikas Kriegsminister, legt großen Wert darauf, als Inbegriff von Männlichkeit wahrgenommen zu werden. Er absolviert Liegestütze mit Soldaten. Im vergangenen Jahr ließ er sich in Kampfmontur, bewaffnet und an einem Hubschrauber hängend, fotografieren. Auf seinem Arm prangt ein Tattoo, bei dem ein AR-15-Sturmgewehr den unteren Streifen der US-Flagge bildet.

Nun sollen offenbar auch die amerikanischen Streitkräfte männlicher werden. Am 15. Juli kündigte Hegseth an, das Kriegsministerium werde künftig alle Soldaten und Soldatinnen über 30 Jahre auf Testosteronmangel untersuchen. Wer zu niedrige Werte aufweist, soll eine Testosteronersatztherapie (TRT) angeboten bekommen.

Das ist eine ungewöhnliche – und umstrittene – Maßnahme. Keine andere große Armee verfolgt einen vergleichbaren Ansatz. Die amerikanische Endocrine Society rät ausdrücklich von routinemäßigen Tests auf Testosteronmangel, medizinisch als Hypogonadismus bezeichnet, ab, sofern keine Beschwerden wie Erektionsstörungen oder verminderte Libido vorliegen.

Begründet wird dies mit dem Risiko von Überdiagnosen. Hegseth scheint sich daher eher von der sogenannten Manosphere inspirieren zu lassen – jenem Internetmilieu, in dem Unternehmen Testosteronpräparate direkt an junge Männer vermarkten – als von der medizinischen Evidenz.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich selbst als Kriegsminister bezeichnet, kündigte ein Testosteron-Screening für sämtliche US-Soldaten über 30 an
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich selbst als Kriegsminister bezeichnet, kündigte ein Testosteron-Screening für sämtliche US-Soldaten über 30 an
via REUTERS

Ganz so abwegig, wie der Vorschlag zunächst klingt, ist er allerdings nicht. Hypogonadismus ist in der Allgemeinbevölkerung selten; lediglich zwei bis 13 Prozent der Männer mittleren und höheren Alters in Europa und den USA sind betroffen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Erkrankung unter Soldaten häufiger vorkommt.

Hegseths Memorandum verweist auf das sogenannte "Operator-Syndrom", einen Symptomkomplex bei Angehörigen von Spezialeinheiten, der in der medizinischen Forschung zunehmend Aufmerksamkeit erhält. Diese Soldaten sind außergewöhnlich hohen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Häufig klagen sie über Schlafstörungen, hormonelle Dysregulation, Kopfschmerzen und psychische Beschwerden.

Einige Forscher sehen darin die Folgen eines niedrigen Testosteronspiegels. "Wer schlecht schläft und zusätzlich eine traumatische Hirnverletzung erlitten hat, dessen Hormonproduktion, -ausschüttung und -regulation werden beeinträchtigt", sagt Chris Frueh von der University of Hawaii-Hilo, Autor einer 2020 veröffentlichten Facharbeit zum Operator-Syndrom.

"Ein niedriger Testosteronspiegel wiederum schadet dem Gehirn, verschlechtert den Schlaf – und setzt so einen Teufelskreis in Gang." Nach Einschätzung Fruehs gilt das Risiko nicht nur für Spezialkräfte. Auch Angehörige der Artillerie, der Panzertruppe oder der Infanterie sowie manche Polizisten und Feuerwehrleute könnten betroffen sein.

Das heißt allerdings nicht, dass Hegseths Vorstoß klug ausgestaltet ist. "Ein Screening bei Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko ist sinnvoll – genau das empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften", sagt Shalender Bhasin, Endokrinologe an der Harvard Medical School. Nur dient eben lediglich ein kleiner Teil der Streitkräfte tatsächlich in kämpfenden Verbänden.

Hinzu kommt, dass Testosteronmessungen heikel sind. Das Hormon wird in Schüben ausgeschüttet, etwa alle 90 bis 120 Minuten. Viele Testverfahren liefern gerade im unteren Messbereich keine besonders zuverlässigen Ergebnisse.

Knallhartes Auswahlverfahren: Soldaten der US Army in der Ranger-Ausbildung in Fort Benning, Georgia
Knallhartes Auswahlverfahren: Soldaten der US Army in der Ranger-Ausbildung in Fort Benning, Georgia
REUTERS/U.S. Army/Sgt. Paul Sale/Handout

Nach Hegseths Memorandum sollen sämtliche Angehörige der Streitkräfte getestet werden – mutmaßlich auch die rund 230.000 Frauen im aktiven Dienst, obwohl der Minister mehrfach erklärt hat, Frauen gehörten nicht in Kampfverwendungen.

Ein Testosteronmangel lässt sich bei Frauen allerdings weit weniger eindeutig definieren. Ihre Testosteronwerte sind niedriger, schwanken stärker und korrelieren weniger klar mit klinischen Beschwerden. Frueh weist darauf hin, dass unter den vergleichsweise wenigen Frauen in den US-Spezialeinheiten Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und eine frühe Menopause als auffallend häufig gelten.

Auch die Behandlung wirft Fragen auf – zumal sie freiwillig bleiben soll. Dass der Testosteronspiegel während extremer Belastungsphasen, etwa der Ausbildung zum US Army Ranger oder in skandinavischen Rekrutenschulen, "dramatisch" absinkt, gilt als gut belegt, sagt Bhasin. Dies sei jedoch eine Anpassungsreaktion des Körpers, ein Schutzmechanismus in Zeiten von Schlaf- und Nahrungsmangel.

Ob eine Testosteronersatztherapie in solchen Situationen tatsächlich nützt, sei dagegen mangels belastbarer Daten offen. "Es geht hier nicht darum, Testosteronpräparate wie M&Ms zu verteilen", sagt Frueh. Niedrige Testosteronwerte ließen sich auf unterschiedliche Weise behandeln – etwa durch besseren Schlaf, eine angepasste Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel.

Auch sämtliche weiblichen Soldaten der US-Streitkräfte sollen untersucht werden, obwohl Testosteronmangel bei Frauen weniger eindeutig definiert werden kann
Auch sämtliche weiblichen Soldaten der US-Streitkräfte sollen untersucht werden, obwohl Testosteronmangel bei Frauen weniger eindeutig definiert werden kann
APA-Images / AFP / ALI AL-SAADI

Die entscheidende Frage lautet daher, welchen Grenzwert das Militär überhaupt als "zu niedrigen" Testosteronspiegel definieren wird. Einen solchen Schwellenwert hat das Ministerium bislang nicht genannt. Gerade davon wird abhängen, ob die Maßnahme der Wiederherstellung normaler Leistungsfähigkeit dient – oder der gezielten Leistungssteigerung.

Hegseth formulierte das Ziel unmissverständlich: Man wolle sicherstellen, dass Soldaten "über die richtigen Testosteronwerte verfügen, um ihre absolute Bestleistung abzurufen".

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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"

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