Die Komödie "Marsupilami" bringt ein Comic-Fabelwesen auf die Leinwand, "Insidious: Out of the Further" bringt verlorene Seelen zurück auf die Welt und "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" zelebriert queeren Sex auf der großen Leinwand: diese Woche neu im Kino.

Kaum ein Tier der Comicgeschichte hat einen derart langen Weg zurückgelegt wie das Marsupilami: 1952 tauchte das gelb-schwarz gefleckte Wesen mit dem absurd langen Schwanz erstmals in der Comicserie "Spirou und Fantasio" auf – als Nebenfigur, die sich bald anschickte, ihren Schöpfer zu überstrahlen.
Erfinder war André Franquin, einer der großen Meister des frankobelgischen Comics. Der Belgier, der 1924 in Brüssel geboren wurde, übernahm bereits 1946 die Arbeit an "Spirou und Fantasio" und gab der Serie über zwei Jahrzehnte ihr prägendes Gesicht.
Franquin war ein Zeichner von außergewöhnlicher Beweglichkeit und ein Autor, dessen Figuren stets mehr waren als bloße Gagmaschinen. Er erfand "Gaston Lagaffe", den liebenswerten Bürorebellen, schuf gemeinsam mit Yvan Delporte die bitterbösen "Schwarzen Gedanken", entwickelte später die "Tifous" und machte das Marsupilami zu einem eigenen Universum.
Was diese sehr unterschiedlichen Werke verbindet, ist ein tiefer Humanismus: Franquin misstraute Autoritäten, verspottete Bürokratie und blinden Fortschrittsglauben und stellte sich immer wieder auf die Seite der Schwachen, Unangepassten und Lebendigen. Seine berühmteste Figur, Gaston, kämpft nicht gegen die Welt – er bringt sie lediglich mit seinem unverbesserlichen Eigensinn aus dem Gleichgewicht.
Das Erstaunliche ist, dass hinter diesem oft anarchischem Humor keineswegs ein durchweg heiterer Mensch stand. Franquin litt über lange Phasen an schweren Depressionen; Anfang der 1980er-Jahre war er zeitweise überhaupt nicht arbeitsfähig. In den "Schwarzen Gedanken", die ab 1977 entstanden, schlug diese Dunkelheit unmittelbar in sein Werk durch.


Mord, Militarismus, Umweltzerstörung und die Absurditäten der modernen Gesellschaft werden dort mit einer Kompromisslosigkeit seziert, die kaum etwas mit harmlosen Kindercomics gemein hat. Gerade deshalb wirken seine heiteren Figuren nie ganz oberflächlich. Sie sind Gegenentwürfe zu einer Welt, die Franquin durchaus als bedrohlich und absurd erfahren konnte.
Besonders deutlich wird das beim Marsupilami. Franquin war ein leidenschaftlicher Tierfreund, und in seinem Fantasietier bündelte er seine Begeisterung für die Natur: Es ist wild und verspielt, körperlich überbordend und zugleich vollkommen unschuldig. Sein Schwanz kann Werkzeug, Waffe, Kletterhilfe und Slapstick-Instrument sein – vor allem aber macht er aus dem Tier ein Wesen, das sich jeder menschlichen Logik entzieht. Franquin behielt deshalb auch die Rechte am Marsupilami und ließ die Figur nach seinem Abschied von "Spirou" in einer eigenen Serie weiterleben. Aus der Dschungel-Sensation war längst eine eigenständige Comic-Ikone geworden.
Nun schließt sich, mehr als sieben Jahrzehnte nach seinem ersten Auftritt, ein Kreis: Das Marsupilami ist endgültig im Kino angekommen. Im gleichnamigen französischen Abenteuerfilm gerät ein Tierpfleger an ein mysteriöses Paket aus Südamerika – und findet darin ausgerechnet ein Marsupilami-Baby.
Was bei Franquin einst als flüchtige Zeichnung in einem Spirou-Abenteuer begann, wird damit zum großen Leinwandabenteuer: Das Wesen, das aus der Fantasie eines melancholischen, von Tieren und Menschen gleichermaßen faszinierten Zeichners entstand, springt 2026 aus den Comics mitten hinein in die Gegenwart. "Marsupilami" startet diese Woche in den österreichischen Kinos – viel Vergnügen!

Worum es geht Zoomitarbeiter David Ticoule (Philippe Lacheau) hat sich bei der Arbeit eine Alkoholeskapade geleistet, die prompt von den Überwachungskameras aufgezeichnet wurde. Schlimmer noch: Während er feierte, brachen zahlreiche Tiere aus ihren Gehegen aus. Um seinen Job zu retten, lässt er sich deshalb auf einen dubiosen Auftrag seines Chefs Jeffrey Malone (Jean Reno) ein: Er soll ein geheimnisvolles Paket aus Südamerika nach Frankreich bringen, ohne zu wissen, was genau darin steckt.
David reist also zusammen mit seiner Ex-Freundin Tess (Élodie Fontan) und ihrem gemeinsamen Sohn Léo (Corentin Guillot) auf einem Kreuzfahrtschiff gen Südamerika. Mit an Bord ist auch Davids tollpatschiger Kollegen Stéphane (Julien Arruti).
Während David versucht, bei seiner Ex wieder zu landen, überlässt er die Betreuung der mysteriösen Fracht seinem Kollegen – ein folgenschwerer Fehler. denn als dieser das Paket versehentlich öffnet, findet er darin ein seltsames Ei. Und daraus schlüpft kurz darauf ein niedliches Marsupilami-Baby, ein pelziges, äußerst seltenes Dschungeltier. Und das sorgt bald für völliges Chaos am Schiff …
Lohnt sich das? Eine weitere, aber eher untypische Comic-Verfilmung: Marsupilami ist der Name einer fiktiven Tierart mit einem bis zu acht Meter langen Schwanz, die der belgische Comiczeichner André Franquin 1952 für die Serie "Spirou und Fantasio" erfunden hat. Das gelb-schwarz gefleckte Wesen lebt im (fiktiven) südamerikanischen Dschungel von Palumbien, ist sehr familienbezogen und verfügt über ungewöhnlich große Muskelkraft. Ursprünglich war es eine reine Nebenfigur in den Comics, entwickelte sich aber bald zu einem Publikumsliebling und bekam ab 1987 sogar seine eigene Comicserie.
Der französische Regisseur und Hauptdarsteller Philippe Lacheau bringt "Marsupilami" nun als turbulente Familienkomödie auf die große Leinwand. Lacheau ist dafür keine schlechte Wahl, mit temporeichen Komödien hat er Erfahrung: "Babysitting", "Alibi.com" und deren Sequels sind durchaus kurzweilig. Und die Mischung aus Slapstick und populärer französischer Unterhaltung eignet sich auch für sein neues Projekt hervorragend.

Gelungen ist jedenfalls die Umsetzung der Hauptfigur Marsupilami: Die wurde mithilfe von Animatronik und nicht als vollständig computergenerierte Figur realisiert, was die Optik des possierlichen Tierchens positiv von so manchen vergleichbaren Filmen abhebt.
Handlungstechnisch sollte man sich nicht allzu viel erwarten. Im Zentrum steht das knuffige Pelzwesen und das Chaos, das es anrichtet. Am besten eignet sich "Marsupilami" daher auch als Familienfilm: Gerade jünger Zuschauer dürften an der actionreichen Umsetzung ihre Freude haben. In Frankreich entwickelte sich der Film mit mehr als sechs Millionen Kinobesuchern zum großen Publikumserfolg.
"Marsupilami", Abenteuer-Komödie, Kinderfilm. FRA/BEL 2026, 99 Minuten, ab 20. August im Kino

Worum es geht Gemma (Amelia Eve) lebt mit ihrer kleinen Tochter in dem Haus, in dem sie selbst aufgewachsen ist. Doch der vertraute Ort wird zunehmend zum Schauplatz eines Albtraums: Schon als Kind musste Gemma miterleben, wie ihre Mutter von übernatürlichen Erscheinungen heimgesucht wurde und schließlich auf tragische Weise starb.
Nun entdeckt Gemma, dass sie selbst eine besondere Verbindung zum sogenannten "Ewigreich" besitzt – jener düsteren Zwischenwelt, in der sich die verlorenen Seelen und Dämonen des "Insidious"-Universums aufhalten. Sie kann diese Welt nicht nur betreten, sondern besitzt die gefährliche Fähigkeit, Wesen von dort zurück in die Welt der Lebenden zu holen. Damit öffnet sie eine Tür, die besser verschlossen geblieben wäre: Die Dämonen erkennen Gemmas Gabe und beginnen, sie und ihre Tochter zu verfolgen.
Lohnt sich das? Mit "Insidious: Out of the Further" kehrt eine der erfolgreichsten modernen Horrorfilmreihen zurück und schlägt zugleich ein neues Kapitel auf. Statt erneut die Familie Lambert in den Mittelpunkt zu stellen, erzählt Regisseur Jacob Chase ("Come Play") eine eigenständige Geschichte mit einer neuen Familie.
Dieser Versuch eines "Reboots" misslingt aber laut den ersten Kritiken: Der Film kommt eher durchwachsen bis negativ weg. Der Guardian bemängelt eine zunehmend komplizierte Mythologie, vorhersehbare Schreckmomente und das Gefühl, dass der einst frische Horror der Reihe einer gewissen kreativen Ermüdung und Langeweile gewichen ist. Manche Filmreihen sollte man eben nicht immer wieder von den Toten zum Leben erwecken …
"Insidious: Out of the Further", Horror. USA 2026, 106 Minuten, ab 21. August im Kino

Worum es geht Die Filmemacherin Kris Williams (Hannah Einbinder) erhält den Auftrag, eine berüchtigte Horrorfilmreihe aus den 1980er-Jahren neu aufzulegen: "Camp Miasma" gilt als Kultklassiker des Slasher-Kinos mit dem maskierten Killer Little Death (Jack Haven) als zentraler Figur. Für den Neustart möchte Kris unbedingt Billy (Gillian Anderson) zurückholen, die im ersten "Camp Miasma"-Film als "Final Girl" den Killer überlebte und anschließend zum Star wurde.
Billy hat sich jedoch längst aus der Öffentlichkeit verabschiedet und lebt zurückgezogen. Kris reist zu ihr, um sie davon zu überzeugen, für den neuen Film noch einmal vor die Kamera zu treten. Aus dem geplanten Arbeitstreffen entwickelt sich schnell eine ungewöhnliche persönliche Beziehung: Zwischen den beiden Frauen entsteht eine zunehmend intensive Nähe, in der Faszination, Freundschaft, sexuelles Begehren und gegenseitige Projektionen verschmelzen.
Lohnt sich das? Jane Schoenbrun nutzt den Slasherfilm als Ausgangspunkt für eine ungewöhnliche Auseinandersetzung mit Sexualität, Identität und verdrängten Erfahrungen. Die fiktive "Camp Miasma"-Reihe wird dabei mit einer erstaunlichen Detailfülle inszeniert. Hinter der 80s-Nostalgia-Oberfläche steckt jedoch eine sehr persönliche Geschichte und die Frage, wie sich Sexualität nach einer Phase der Entfremdung neu entdecken lässt.
So wird aus dem vermeintlichen Teenie-Slasher ein surrealer, queerer Horrorfilm über die Macht der Fantasie und Tranformation. Der Film wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2026 als Eröffnungsfilm der Sektion "Un Certain Regard" gezeigt, wurde dort von der Kritik gefeiert und erhielt die "Queer Palm".
"Teenage Sex and Death at Camp Miasma", Horror, Drama. USA 2026, 120 Minuten, ab 20. August im Kino

"A Sad and Beautiful World"
Nino (Hasan Akil) und Yasmina (Mounia Akl) kennen sich seit ihrer Kindheit und sind über Jahrzehnte durch eine komplizierte Liebe miteinander verbunden. Während Nino als Restaurantbesitzer an seine Heimat Beirut glaubt, hat Yasmina als Ökonomin längst ihre Zweifel an der Zukunft des Landes. Beide müssen entscheiden, ob es eine gemeinsame Zukunft geben kann.
Das Spielfilmdebüt des libanesischen Regisseurs Cyril Aris erstreckt sich über drei Jahrzehnte und entstand teilweise unter den schwierigen Bedingungen des Libanon-Krieges 2024. Der Film feierte seine Premiere bei den Filmfestspielen von Venedig und war Libanons Oscar-Einreichung.
"A Sad and Beautiful World", Drama, Liebesfilm. Libanon/USA/DE/Saudi-Arabien/Katar 2025, 110 Minuten, ab 20. August im Kino
"Der Klang der Stradivari"
Astrid Thompson (Valérie Donzelli) möchte den Traum ihres verstorbenen Vaters erfüllen und vier außergewöhnliche Musiker für ein einzigartiges Konzert zusammenbringen. Das Problem: Lise, George, Peter und Apolline sind zwar allesamt Virtuosen, harmonieren miteinander aber überhaupt nicht. Als die Proben zunehmend im Streit versinken, setzt Astrid ihre letzte Hoffnung auf den Komponisten Charlie Beaumont, der das Ensemble doch noch zusammenführen soll. Komödie über Musik, Eitelkeiten und die Kunst der Kollaboration.
"Der Klang der Stradivari", Tragikomödie. FRA 2025, 102 Minuten, ab 20. August im Kino
"Noga"
Die israelische Musikerin Noga Erez steht kurz vor dem internationalen Durchbruch, als sie gemeinsam mit ihrem Partner an ihrem ersten großen internationalen Studioalbum arbeitet. Doch der Krieg verändert nicht nur die politische Situation in ihrer Heimat, sondern auch ihr Leben und ihre Karriere. Der Film begleitet das Paar bei der Entstehung des Albums.
"Noga", Dokumentarfilm. AT/DE/Israel 2026, 96 Minuten, ab 21. August im Kino
"Khalifa"
Aamir Ali (Prithviraj Sukumaran) hat sich in der Welt des internationalen Goldschmuggels einen Namen gemacht und verfügt über ein weitverzweigtes Netzwerk. Als er nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimat zurückkehrt, wird er mit einem Familienerbe konfrontiert; alte Feindschaften brechen wieder auf, und Aamir gerät zunehmend zwischen rivalisierende Gruppen.
"Khalifa" von Regisseur Vysakh ("Pulimurugan") ist ein aufwendig produzierter Malayalam-Actionthriller, der die Welt des organisierten Verbrechens mit einer Familiengeschichte verbindet. Der Film ist als erster Teil einer zweiteiligen Saga angelegt und verspricht vor allem spektakuläre Action.
"Khalifa", Action, Thriller. IND 2026, 150 Minuten, ab 20. August im Kino
"Bethlehem Kudumba Unit"
Justin (Nivin Pauly) führt ein entspanntes, unkompliziertes Leben, bis die junge Ashley (Mamitha Baiju) nebenan einzieht. Die sozial etwas unbeholfene Studentin bringt bald Bewegung in seinen Alltag und zwischen den beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung. Der deutliche Altersunterschied sorgt dabei für zusätzliche Komplikationen. Rom-Com aus Indien.
"Bethlehem Kudumba Unit", Komödie, Drama, Romanze. IND 2026, 145 Minuten, ab 21. August im Kino