Der Konzern zahlt 12 Milliarden Schadenersatz auf zehn Jahre und schränkt die Nutzung seiner Plattformen durch Jugendliche ein. Allerdings nur in jenen Bundesstaaten, die Klage geführt haben. Weder die Anleger noch der Boss sind über den Vergleich unglücklich.

In diesem Jahr hat der Silicon-Valley-Konzern Meta, der Facebook und Instagram betreibt, vor Gericht mehrere Rückschläge erlitten. Im März befand ein Gericht in New Mexico, dass das Unternehmen Nutzer über die Gefahren seiner Dienste getäuscht habe. In Kalifornien kam eine Jury zu dem Schluss, dass Meta und Google bei der Gestaltung ihrer Plattformen fahrlässig gehandelt hätten.
All diese Verfahren verblassen jedoch gegenüber dem Prozess, der am 18. August begann. 29 US-Bundesstaaten hatten sich zusammengeschlossen, um Meta zu verklagen. Sie warfen dem Unternehmen vor, seine Plattformen schadeten jungen Menschen – und Meta habe von den schädlichen Auswirkungen gewusst. Die vier Bundesstaaten, die die Klage federführend betrieben, forderten bis zu 193 Milliarden Dollar Schadenersatz – ungefähr so viel, wie Meta im Jahr 2025 an Umsatz erzielte.
Am 26. August legten Meta und die Generalstaatsanwälte dann eine Vergleichsvereinbarung vor. Demnach verpflichtet sich Meta, über die kommenden zehn Jahre 12 Milliarden Dollar (ca. 10,3 Mrd. Euro) und möglicherweise bis zu 17 Milliarden Dollar (ca. 14,6 Mrd. Euro) Schadenersatz zu zahlen. Mit Texas wurde separat ein Vergleich über 1 Milliarde Dollar geschlossen. Zudem hat sich der Konzern zu verschiedenen Maßnahmen verpflichtet, um die Nutzung von Facebook und Instagram in den beteiligten Bundesstaaten einzuschränken.
Meta plant neue Verfahren einzuführen, um das Alter aller Nutzer genauer zu bestimmen. Für Jugendliche unter 18 Jahren soll die tägliche Nutzungszeit auf insgesamt zwei Stunden begrenzt werden. Zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens sollen die Plattformen gesperrt sein; Benachrichtigungen sollen von 22 Uhr bis 7 Uhr sowie während der Schulzeit ausbleiben. Interaktionskennzahlen wie "Likes" sollen für Jugendliche verborgen werden. Zudem sollen sie auf Instagram die Möglichkeit erhalten, zu einem chronologischen, algorithmusfreien Feed zu wechseln, der ausschließlich Fotos von Konten zeigt, denen sie selbst folgen.

Wenn all das für Meta eine Katastrophe bedeutet, haben die Anleger davon offenbar nichts mitbekommen. Der Aktienkurs reagierte auf die Nachricht kaum. Das liegt zum Teil daran, dass das Prozessrisiko bereits erheblich auf der Bewertung des Unternehmens lastete und zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis beitrug, das unter dem vieler anderer großer Technologiekonzerne liegt. Zugleich zeigt die Reaktion aber auch, wie groß das Vertrauen darin ist, dass Meta weiterhin enorme Gewinne erwirtschaften wird.
Den maximalen Betrag von 17 Milliarden Dollar werden die Bundesstaaten nur dann einziehen können, wenn auch alle anderen großen Social-Media-Plattformen – darunter TikTok und YouTube – mit vergleichbaren Strafen belegt werden. Ein Vergleich mit Metas Konkurrenten oder ein erfolgreiches Verfahren gegen sie würde zudem zu noch strengeren Nutzungsregeln führen: Jugendliche dürften Instagram dann höchstens eine Stunde am Tag nutzen, und die nächtliche Sperrzeit auf Instagram und Facebook würde von 22 Uhr bis 7 Uhr reichen.
Die Bundesstaaten machen bereits weiter. Am 25. August verklagte Dave Sunday, der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania, Snapchat wegen der Risiken, die dessen Gestaltung für Minderjährige berge. Die Aktie der Plattform brach daraufhin um 8 Prozent ein.
Der ungewöhnliche Vergleich in diesem Verfahren soll verhindern, dass der Ausgang Meta gegenüber seinen Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Dennoch werden die Klagen wegen der schädlichen Folgen der Social-Media-Nutzung weitergehen.
Mehrere Bundesstaaten, die nicht Teil des Vergleichs sind, verfolgen weiterhin eigene Verfahren mit ähnlichen Vorwürfen. Tausende Schadenersatzklagen von Privatpersonen sind noch nicht entschieden. Auch mehr als 1.000 Schulbezirke haben Meta verklagt; die ersten Prozesse sollen im Februar kommenden Jahres beginnen.

Rob Bonta, der Generalstaatsanwalt von Kalifornien, hatte das nun beigelegte Verfahren als Metas "Tabakmoment" bezeichnet. Damit zog er eine Parallele zu den mutmaßlichen Täuschungen der Tabakkonzerne, die in den 1990er-Jahren zu milliardenschweren Zahlungen geführt hatten.
Gemessen an der Summe, die Meta nun aufbringen muss, erweist sich der Vergleich allerdings als wenig treffend. Der 1998 geschlossene, gigantische Vergleich mit den großen Tabakkonzernen sah eine finanzielle Belastung vor, die den damaligen gemeinsamen Börsenwert der Unternehmen überstieg.
In anderer Hinsicht könnte sich die Analogie jedoch als erstaunlich passend erweisen. Auch nach diesen Vergleichen erwirtschafteten die Tabakkonzerne weiterhin enorme Gewinne. Wer im Jahr 2000 Aktien von Altria kaufte, das damals noch Philip Morris hieß, hätte bis heute einschließlich Dividenden eine 36-fache Rendite erzielt.
Jugendliche dürften also schon bald weniger Zeit auf Metas Plattformen verbringen. Doch von einer Demütigung des Konzerns ist Meta noch weit entfernt.
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