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Auch Legenden enden

Hätten Sie ihn erkannt? Dieser alte Zausel war einmal Robin Hood

In "The Death of Robin Hood" gibt Hollywood-Schönling Hugh Jackman einen ungewaschenen und ungewohnt selbstreflexiven Sherwood-Forrest-Rächer. Und in "Backrooms" wagt sich Chiwetel Ejiofor in die Abgründe seines Möbelgeschäftes – und seiner Seele.

Das Gesicht so zerfurcht wie die Landschaft, in der er steht: Hugh Jackman als alternder Rächer von Sherwood Forrest in "The Death of Robin Hood"
Das Gesicht so zerfurcht wie die Landschaft, in der er steht: Hugh Jackman als alternder Rächer von Sherwood Forrest in "The Death of Robin Hood"Panda Filmverleih
Christian Klosz
Akt. 18.06.2026 02:16 Uhr

Auf den ersten Blick könnten die beiden Filme kaum unterschiedlicher sein. In "The Death of Robin Hood" wandert ein gealterter Gesetzloser durch eine mittelalterliche Welt aus Nebel, Schuld und Verfall. "Backrooms" dagegen entspringt einer digitalen Legende: endlose gelbliche Flure, sterile Teppichböden, ein Raumlabyrinth ohne Ausgang und ohne erkennbare Ordnung.
Und doch erzählen beide Werke von derselben Angst.

Der Horror in "The Death of Robin Hood" ist der Horror der Erinnerung. Robin Hood erscheint hier nicht mehr als volkstümlicher Held, sondern als Mann, der von seiner Vergangenheit verfolgt wird. Die Legende ist zur Last geworden. Jede Tat, die einst Freiheit versprach, kehrt als Echo zurück. Das Grauen liegt in der Erkenntnis, dass man seinem eigenen Leben nicht entkommen kann.

"Backrooms", die aktuelle Kritiker- und Publikums-Sensation aus den USA, verschiebt diese Angst in die Gegenwart. Hier droht nicht die Vergangenheit, sondern die vollständige Auflösung von Orientierung. Die endlosen Räume wirken wie eine Architektur des digitalen Zeitalters: vertraut und zugleich fremd, menschenleer und doch voller latenter Bedrohung. Der Horror entsteht aus dem Verlust jeder Gewissheit darüber, wo man sich befindet – und ob es überhaupt noch einen Weg nach draußen gibt.

Beide Filme markieren damit eine bemerkenswerte Entwicklung des Genres. Der moderne Horror braucht immer seltener Vampire, Dämonen oder Serienmörder. Seine eigentlichen Monster sind Erinnerung und Desorientierung. Das eine verfolgt uns aus der Vergangenheit, das andere verschluckt uns in einer Gegenwart ohne feste Koordinaten.

Der Horror des 20. Jahrhunderts hatte Monster. Der des 21. Jahrhunderts hat Zustände. In "The Death of Robin Hood" ist es die Unmöglichkeit, der eigenen Vergangenheit zu entkommen, in "Backrooms" die Unmöglichkeit, überhaupt einen Ort in der Welt zu finden. Die Frage dahinter – was geschieht mit dem Menschen, wenn er den Weg zurück verliert oder den Weg hinaus? – bestimmt diese Kino-Woche. Und sorgt für länger anhaltenden und tiefer gehenden Grusel – viel Spaß dabei!

Beängstigend: Architekt Clark (Chiwetel Ejiofor) im (Psycho-)Horror "Backrooms"
Beängstigend: Architekt Clark (Chiwetel Ejiofor) im (Psycho-)Horror "Backrooms"
Constantin

Film der Woche: "Backrooms"

Worum es geht Der gescheiterte Architekt Clark (Chiwetel Ejiofor) lebt nach der Scheidung in seinem heruntergekommenen Möbelgeschäft. Mit seiner Therapeutin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) sucht er einen Weg aus einer persönlichen Krise, aber die Therapiesitzungen drehen sich im Kreis und Clark tendiert dazu, allen anderen die Schuld für alles zu geben.

Eines Tages entdeckt er im Keller seines Möbelhauses eine durchlässige Wand: Er schreitet hindurch und findet dahinter eine scheinbar unendliche Welt aus gelb beleuchteten Räumen, Fluren und Büroflächen.

Dr. Kline glaubt Clark seine Erzählungen nach dessen Rückkehr in die Realität nicht und versucht, sein Verhalten psychologisch zu erklären. Als er jedoch verschwindet, sucht sie nach ihm – und landet selbst in dieser "anderen Dimension", die ein schwer fassbares Sammelsurium der Psychoanalyse zu sein scheint: Sie hortet Erinnerungen, Ängste und Traumata der Menschen und der Welt.

Lohnt sich das? "Backrooms" ist gerade DER Hype in den US-Kinos: Bei sehr überschaubaren Produktionskosten spielte der Horrorfilm bereits über 300 Millionen Dollar ein und war zeitweise auf Platz 1 der Kinocharts. Die Sache wird noch spannender, wenn man weiß, dass hinter dem Film der gerade einmal 20-jährige Regisseur Kane Parsons steht: Er hat hier seine erfolgreiche Youtube-Serie als Spielfilm umgesetzt und wurde damit zum jüngsten Regisseur, der je die Box-Office-Charts anführte.

Ist dieser Hype gerechtfertigt? Na ja. "Backrooms" fühlt sich über weite Strecken an wie eine Fahrt in der Geisterbahn aus Youtuber-Sicht: Parsons setzt (zu) oft auf die ihm vertraute Ego-Perspektive, auf simple Schockeffekte. Ein möglicher "tiefenpsychologischer" Unterbau seiner Erzählung ist im besten Fall bemüht, aber nicht substanziell.

Irgendetwas haben die Möbel-Berge zu bedeuten …
Irgendetwas haben die Möbel-Berge zu bedeuten …
Constantin

Andererseits: Mit gerade einmal 20 Jahren muss man so etwas erst einmal hinbekommen. Denn schlecht ist Parsons Film keineswegs. Ihm fehlt es zwar an technischer Brillanz und erzählerischer Tiefe. Doch alles in allem ist es ein recht solider Horrorfilm, der all jenen gefallen wird, die sich von dem Genre nicht mehr erwarten als etwas Grusel, Grauen und ein paar Schockmomente.

"Backrooms", Horror, Mystery. USA/CDN 2026, 105 Minuten, ab 18. Juni im Kino

Nicht nur vom Leben gezeichnet: Robin von Locksley (Hugh Jackman) in der schottischen Einöde
Nicht nur vom Leben gezeichnet: Robin von Locksley (Hugh Jackman) in der schottischen Einöde
Aidan Monaghan

"The Death of Robin Hood"

Worum es geht Die letzten Lebenstage des berühmten Gesetzlosen und Rächers der Armen, Robin Hood (Hugh Jackman): Er ist alt geworden und blickt erschöpft und von Schuldgefühlen gezeichnet auf sein Leben zurück. Schmerzhaft ist die Erkenntnis, dass der eigene Mythos vom edlen Helden, der den Reichen nimmt und den Armen gibt, nur teilweise der Wahrheit entspricht.

Nachdem Robin in einem Kampf schwer verwundet wird, wird er von Sister Brigid (Jodie Comer) gefunden, in ihrem abgelegenen Priorat aufgenommen und gepflegt. Dort begegnet er Waisen und Flüchtlingen, die unter den Folgen derselben Gewalt leiden, die auch sein eigenes Leben geprägt hat. Während er langsam genest, setzt er sich mit seiner Vergangenheit auseinander: Aus dem einst gefürchteten Kämpfer wird ein Mann, der nach Vergebung und Erlösung sucht.

Lohnt sich das? Der von derselben Produktionsfirma wie "Backrooms" produzierte Streifen ist eine düstere, ungewöhnliche Neuinterpretation des bekannten Robin-Hood-Mythos. Die Regie übernahm Michael Sarnoski, der mit "A Quiet Place: Day One" und vor allem dem Nicolas Cage-Drama "Pig" schon bisher eher spezielle Werke zu Buche stehen hat. Auch hier: Statt eines klassischen Abenteuerfilms setzt Sarnoski auf eine melancholische, selbstreflexive Annäherung an die Legende.

So entwickelt sich "The Death of Robin Hood" von einer brutalen Mittelaltergeschichte zu einer nachdenklichen Erzählung über Schuld, Reue, Sterblichkeit und die Frage, ob ein Mensch am Ende seines Lebens noch Erlösung finden kann.

Das bisherige Kritiker-Echo fällt überwiegend positiv aus: Gelobt wird insbesondere Hugh Jackmans intensive Darstellung, die atmosphärische Inszenierung und der mutige Ansatz, den Robin-Hood-Mythos zu demontieren. Wer sich vom Kinobesuch ein großes Action-Epos erwartet, wird wohl eher enttäuscht sein.

"The Death of Robin Hood", Historienfilm, Drama. USA 2026, 123 Minuten, ab 18. Juni im Kino

Pflegt den alten Mann noch einmal gesund: Sister Brigid (Jodie Comer)
Pflegt den alten Mann noch einmal gesund: Sister Brigid (Jodie Comer)
Panda Filmverleih

Außerdem neu im Kino:

"The Furious"
Als seine Tochter von einer Verbrecherorganisation entführt wird, bleibt dem ehemaligen Elitekämpfer Zhang Hu (Xie Miao) keine andere Wahl, als selbst die Jagd auf die Täter aufzunehmen. Seine Suche führt ihn in die Abgründe organisierter Kriminalität, wo jede Spur neue Gefahren birgt. Je näher er seiner Tochter kommt, desto mehr wird aus der Rettungsmission ein kompromissloser Rachefeldzug.

Regie bei "The Furious" führte Kenji Tanigaki, der als einer der bedeutendsten Action-Choreografen Asiens gilt. Er legt einen kompromisslosen Martial-Arts-Actionfilm vor, der auf handgemachte Stunts, präzise Kampfchoreografien und lange, dynamisch inszenierte Actionszenen setzt und sich als Hommage an moderne Martial-Arts-Klassiker wie "The Raid" versteht.

"The Furious", Martial Arts, Action. Hongkong, Thailand 2025, 113 Minuten, ab 18. Juni im Kino

"LOL 2.0"
16 Jahre nach dem französisch-belgischen Überraschungserfolg "LOL" kehrt Regisseurin Lisa Azuelos zu ihren Figuren zurück: Anne (Sophie Marceau) genießt mit 55 Jahren endlich ihre neu gewonnene Freiheit, nachdem die Kinder ausgezogen sind. Doch ihr Alltag gerät aus den Fugen, als Tochter Louise (Thaïs Alessandrin) nach einer beruflichen und privaten Krise wieder bei ihr einzieht. Gleichzeitig erfährt Anne, dass sie Großmutter werden soll. Die Fortsetzung erzählt mit Humor und Feingefühl von familiären Umbrüchen, Generationenkonflikten und der Erkenntnis, dass das Erwachsenwerden niemals wirklich endet.

"LOL 2.0", Komödie. FRA/BEL 2026, 108 Minuten, ab 18. Juni im Kino

"Auf der Suche nach der gestohlenen Zeit"
Warum haben wir ständig das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben? Der österreichische Dokumentarfilm von Regisseur Konrad Wakolbinger untersucht die historischen Ursprünge unseres Zeitverständnisses und verfolgt die Entwicklung von der mittelalterlichen Uhr bis zur digitalen Gesellschaft. In Expertengesprächen verbindet er philosophische Reflexionen mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektiven und geht der Frage nach, wie Arbeit, Technologie und wirtschaftliche Zwänge unseren Umgang mit Zeit präg(t)en.

"Auf der Suche nach der gestohlenen Zeit", Dokumentation. AT 2025, 89 Minuten, ab 19. Juni im Kino

"Diamanti"
1974: Die Schwestern Alberta und Gabriella (Luisa Ranie, Jasmine Trinca) führen eine angesehene Schneiderei in Rom und erhalten den Auftrag, einen großen Film auszustatten, der im 18. Jahrhundert spielt. Der opulent ausgestattete Ensemblefilm von Regisseur Ferzan Ozpetek würdigt die oft unsichtbare Arbeit hinter den Kulissen des Kinos und feiert weibliche Kreativität. "Diamanti" entwickelte sich in Italien zu einem großen Publikumserfolg und erhielt 2025 die Auszeichnung "Film des Jahres" des italienischen Journalistenverbands.

"Diamanti", Komödie, Drama. ITA 2024, 135 Minuten, ab 19. Juni im Kino

Christian Klosz
Akt. 18.06.2026 02:16 Uhr