Mit "Lee Cronin's The Mummy" kehrt eines der ältesten Themen der Kinogeschichte auf die Leinwand zurück. Der Schocker des Horror-Spezialisten ist nichts für Zartbesaitete, begeistert aber Genre-Fans. Ebenfalls neu: das gefeierte Drama "Rose" mit Sandra Hüller.

Die Geschichte der "Mumien"-Filme gehört zu den ältesten Stoffen des Horrorkinos und beginnt bereits in den 1930er-Jahren mit "The Mummy". In düsteren Schwarz-Weiß-Bildern brachte Boris Karloff die tragische Figur des wiedererweckten Imhotep auf die Leinwand – weniger als stumpfes Monster, sondern als melancholische Gestalt zwischen Liebe und Fluch. Diese frühe Version setzte den Ton: exotischer Horror, getragen von Atmosphäre und Mythos.
In den folgenden Jahrzehnten wandelte sich die Mumie immer wieder. Die 1940er-Jahre brachten mehrere Fortsetzungen, bevor das Motiv in den 1950ern durch die britische Hammer Film Productions neu interpretiert wurde. Dort wurde die Figur brutaler, physischer – mehr Kreatur als Tragödie. Die Mumie passte sich dem Zeitgeist an: vom stillen Schrecken hin zum direkten, greifbaren Horror.
Einen großen Wandel erlebte das Franchise 1999 mit "The Mummy", inszeniert von Stephen Sommers. Hier wurde aus der Mumie ein spektakuläres Abenteuer mit Humor, Tempo und digitalen Effekten – getragen von Brendan Fraser als charmanter Held. Diese Version definierte die Figur abermals neu: weniger Horror, mehr Popcorn-Kino, ohne die mystische Grundlage ganz zu verlieren.
Nun reiht sich "Lee Cronin's The Mummy" in diese lange Tradition ein, indem es die Figur erneut transformiert. Lee Cronin, bekannt für intensiven, körperlichen Horror, führt die Mumie zurück zu ihren düsteren Wurzeln, jedoch mit moderner Inszenierung und psychologischem Tiefgang – und viel Grusel hin zu einer neuen, kompromisslosen Vision des alten Fluchs. Schönes Gruseln!

Worum es geht Journalist Charlie Cannon (Jack Reynor) und seine Frau Larissa (Laia Costa) haben eine schwere Last zu tragen: Vor acht Jahren verschwand ihre junge Tochter Katie spurlos in der Wüste bei Kairo. Ihre Ehe droht daran zu zerbrechen: Er versinkt in Schuldgefühlen, während sie von stoischer Apathie gelähmt ist.
Unerwartet geschieht ein Wunder: Sie bekommen Nachricht, dass Katie plötzlich wieder aufgetaucht ist – lebendig und scheinbar unverändert. So schnell wie möglich soll sie nach Hause zurückkehren.
Als sie wieder bei ihren Eltern ist, wird jedoch langsam klar, dass etwas zutiefst Unheimliches mit dem Mädchen geschehen ist: Sie ist Trägerin eines unheimlichen Erbes, ein alter ägyptischer Fluch scheint von ihr Besitz ergriffen zu haben, der sich immer stärker im Alltag manifestiert und das Wiedersehen Stück für Stück zu einem Albtraum werden lässt.
Lohnt sich das? Regisseur Lee Cronin erzählt in seinem neuen Film eine düstere, moderne Neuinterpretation des klassischen Mumien-Motivs und knüpft an Universal Pictures' "The Mummy"-Franchise an, das erstmals zwischen 1932 und 1955 die Kinos unsicher machte. Zwischen 1999 und 2008 entstanden drei weitere Filme (mit Brendan Fraser), ein vierter Teil soll 2028 kommen.
Cronin wurde nach dem Erfolg seines letzten Horror-Hits ("Evil Dead Rise", 2023) mit dieser Neuverfilmung beauftragt, als Produzenten sind James Wan und Jason Blum involviert. Handlungstechnisch orientiert sich "The Mummy" an der ersten Mumien-Verfilmung von Karl Freund (1932), in der Boris Karloff die Mumie spielte.
Die ersten Kritikerreaktionen nach der Premiere in Los Angeles fielen überwiegend positiv aus: Da ist die Rede von einer gnadenlos verstörenden und "total abgefahrenen Gruselshow" die "widerlich, grausam, gemein und ekelhaft" sei. Gelobt wird auch die brutale Körperhorror-Inszenierung, die "Lee Cronin's The Mummy" wohl eher etwas für hart gesottene Horror-Fans machen dürfte, während der Film für ein breites Publikum zu grausig sein könnte.
"Lee Cronin's The Mummy", Horror. USA 2026, 134 Minuten, ab 16. April im Kino

Worum es geht Im frühen 17. Jahrhundert: In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges taucht ein schweigsamer Soldat in einem abgelegenen protestantischen Dorf auf. Er gibt sich als Erbe eines verlassenen Anwesens aus und versucht, sich durch harte Arbeit und vorbildliches Verhalten in die Dorfgemeinschaft zu integrieren. Tatsächlich handelt es sich bei "Rose" (Sandra Hüller) jedoch um eine Frau, die sich als Mann verkleidet hat, um den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit zu entsprechen.
Als "Mann" akzeptiert, soll sich "Rose" nun ein Weib nehmen und ein Dorfnachbar ist froh, eine seiner Töchter, Suzanna (Caro Braun), zur Verfügung zu stellen. Eine Weile kann die nunmehrige Hausherrin ihre wahre Identität vor ihrer Ehefrau verbergen, doch nach einer allergischen Reaktion auf einen Bienenstich fällt sie in eine Art Koma und sowohl Suzanna, als auch eine Bedienstete entdecken, dass bei Rose körperlich nichts männlich ist.
Während – nach einem Streit und einer folgenden Aussprache – Suzanna sich im Rahmen eines Kompromisses mit der Situation abfindet und Rose akzeptiert, machen Gerüchte im Dorf die Runde: Der aufgebrachte Mob fühlt sich betrogen, fordert einen Beweis für Roses Männlichkeit. Nach einer Flucht wird das Paar aufgegriffen und ein Gericht soll über Roses und Suzannas Schicksal entscheiden.
Lohnt sich das? Die österreichisch-deutsche Produktion unter Regie von Markus Schleinzer erzählt eine fiktionalisierte, aber historisch inspirierte Geschichte einer Frau, die als Mann leben will. Die Weltpremiere fand im Wettbewerb der Berlinale 2026 statt (Darstellerpreis für Sandra Hüller) und der Film eröffnete anschließend die Diagonale in Graz.
"Rose" ist eine ästhetisch überzeugende (in Schwarz-Weiß) und präzise inszenierte Reflexion über das Thema "Geschlecht" im Gewand eines kargen Historienfilms. Formal ist Schleinzers dritte Regiearbeit über alle Zweifel erhaben. Auch thematisch überzeugt sie über weite Strecken, solange sie ihrem Sujet die nötige Komplexität zugesteht.
Die Figur Rose ist kein "Trans-Mann", die deshalb ein anderes Geschlecht wählt, weil sie sich in ihrer Haut unwohl fühlen würde. Ihr Motiv begründet sich eher darin, dass sie sich mit ihrer gesellschaftlich bedingten sozialen Haut und den ihr damit zugeschriebenen Erwartungen und Möglichkeiten nicht wohlfühlt.
Sie will als Soldat(in) in den Krieg ziehen, will selbst Eigentum besitzen und als Herr(in) das Sagen haben. In gewisser Weise ist sie damit auch Opportunistin, die allerdings auf gegebene Strukturen reagiert und sie zu umgehen versucht. Heutzutage sind diese Optionen (zumindest bei uns) selbstverständlich, vor Jahrhunderten waren sie unmöglich. Gegen Ende hin wird "Rose" dann allerdings etwas zu predigend und banalisiert das Thema unnötigerweise.

Eher überraschend ist, dass Sandra Hüller für ihre Darstellung bisher derart gelobt wurde, denn ihr Auftritt ist wahrlich keine Meisterleitung: Agiert sie an manchen Stellen grimmig-subtil, konterkarieren in anderen Szenen eher unpassende Overacting-Ausbrüche die zuvor nuancierte Darstellung. Diese passen auch wenig in das stilistisch kontrollierte Konzept von "Rose". Man hat Hüller schon sehr oft viel besser gesehen. Ihre weitaus unbekanntere "Filmfrau" Caro Braun hingegen ist eine sehr positive Überraschung.
Unterm Strich ein stilistisch überzeugend umgesetzter Film, der ein aktuelles Thema auf interessante Weise und auch inhaltlich weitgehend spannend umsetzt, allerdings gegen Ende etwas an Qualität und Komplexität verliert.
"Rose", Historisches Drama. Österreich/Deutschland 2026, 110 Minuten, ab 17. April im Kino

"Normal"
Sheriff Ulysses (Bob Odenkirk) wird in die auf den ersten Blick idyllische, verschneite Kleinstadt Normal in Minnesota versetzt. Der ruhige, etwas desillusionierte Polizist sucht nach einem Neuanfang fernab seiner persönlichen Probleme und hofft auf eine ruhige Amtszeit. Doch die vermeintliche Normal-ität zerbricht jäh, als ein scheinbar harmloser Banküberfall gründlich schiefgeht. Ulysses gerät bei der Aufklärung in ein dunkles Netz aus Geheimnissen und Korruption, das die gesamte Stadt durchzieht.
Der von John Wick-Autor Derek Kolstad geschriebene Neo-Western-Thriller folgt einem ähnlichen Prinzip wie "Nobody" (ebenfalls mit Odenkrik) und verbindet trockenen schwarzen Humor mit rasanten, praktisch umgesetzten Action-Sequenzen.
"Normal", Action-Thriller. Kanada/USA 2025, 90 Minuten, ab 16. April im Kino
"Regarde"
Die geschiedenen Eltern Chris (Audrey Fleurot) und Antoine (Dany Boon) können sich seit ihrer Trennung kaum mehr ertragen und überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen und kleinen Sticheleien. Alles ändert sich, als ihr 16-jähriger Sohn Milo nach einem Arztbesuch eine niederschmetternde Diagnose erhält: Milo leidet an einer seltenen, unheilbaren Augenkrankheit, die ihn innerhalb kurzer Zeit vollständig erblinden lassen wird. Statt in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu verharren, raufen sich Chris und Antoine zusammen, um ihrem Sohn einen gemeinsamen letzten Urlaub mit schönen (visuellen) Erinnerungen zu ermöglichen. Warmherziges Familiendrama.
"Regarde", Tragikomödie. Frankreich 2025, 91 Minuten, ab 17. April im Kino
"Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer"
Die 13-jährige Sarah aus einer Münchner Hochhaussiedlung entdeckt per Zufall den finnischen Trendsport "Hobby Horsing". Dabei reiten Jugendliche auf selbstgebastelten Steckenpferden und treten in Turnieren an. Sarah ist sofort fasziniert und beginnt trotz anfänglicher Skepsis ihrer besten Freundin Dilek, sich dem Sport mit Leidenschaft zu widmen. Film für ein junges Publikum ab 6 Jahren.
"Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer", Kinder-/ Jugendfilm. Deutschland 2026, 80 Minuten, ab 17. April im Kino
"A Missing Part"
Ein französischer Taxifahrer in Tokyo (Romain Duris) versucht seit neun Jahren verzweifelt, Kontakt zu seiner zwölfjährigen Tochter Lily aufzunehmen. Nach der Trennung von seiner japanischen Frau hat er aufgrund der strengen japanischen Sorgerechtsgesetze keinen Zugang zu seinem Kind. Durch einen Zufall wird er als Fahrer für seine eigene Tochter engagiert … Weltpremiere beim Toronto International Film Festival 2024.
"A Missing Part", Drama. Belgien/Frankreich/Japan 2024, 98 Minuten, ab 17. April im Kino
"Kill Bill: The Whole Bloody Affair"
Die ungeschnittene Version von Tarantinos Rache-Epos aus den Jahren 2003 und 2004: Zum ersten Mal werden beide Teile als ein einziger, über vier Stunden langer Film präsentiert – inklusive der in der Originalkinofassung fehlenden Anime-Sequenz und zusätzlichem Material. Der Film wird in ausgewählten Kinos als Event-Release gezeigt.
"Kill Bill: The Whole Bloody Affair", Action, Martial Arts. USA 2003/2004/2026, 275 Minuten, ab 16. April im Kino