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Neu im Kino

Würden Sie für einen Traumjob auch zum Mörder werden?

Der südkoreanische Thriller "No Other Choice" zeigt, wohin gnadenloser Konkurrenzkampf in einem kleiner werdenden Arbeitsmarkt führen kann. Kult-Regisseur Park Chan-wook ("Oldboy") verschiebt einmal mehr die Grenzen dessen, "was geht" – jetzt neu im Kino.

Familienvater Man-soo (Lee Byung-hun) findet keinen neuen Job, also räumt er die Konkurrenten aus dem Weg
Familienvater Man-soo (Lee Byung-hun) findet keinen neuen Job, also räumt er die Konkurrenten aus dem WegFilmladen
Christian Klosz
Akt. 05.02.2026 00:07 Uhr

Der koreanische Regisseur Park Chan-wook war seiner Zeit immer schon voraus. Sein archaischer Film "Oldboy" aus 2003 definierte das Genre des grimmigen Rache-Thrillers auf eine Weise neu, wie es Hollywood niemals gekonnt hätte: hart, düster, alternativlos. Der Film gilt bis heute als Meisterwerk und einer der besten koreanischen Filme überhaupt.

Mittlerweile ist Popkultur aus Südkorea zum weltweiten Phänomen geworden. K-Pop dominiert die Charts rund um den Globus, koreanische TV-Serien wie "Squid Game" sind Quotenrenner, Filme aus Korea sind längst keine Exoten mehr, sondern gehören mittlerweile zum Kino-Alltag. Südkorea hat sich in den Mainstream gespielt.

Just in dem Moment tritt Kult-Regisseur Park Chan-wook auf den Plan, um die Grenzen abermals zu verschieben. Sein neuer Film "No Other Choice" zeigt, wohin das ungebremste Gewinnmaximierungs-Streben globaler Konzerne führen kann – Stichwort Chancen-Optimierung bei der Jobsuche. Der schwarzhumorige Thriller verbindet die Grimmigkeit von "Oldboy" oder "Squid Game" mit einer augenzwinkernden Leichtigkeit, wie man sie bislang aus dem Land noch nicht so oft gesehen hat.

Das Ergebnis macht nicht nur Cineasten Freude – und ist ab 5. Februar auf den heimischen Leinwänden zu sehen. Außerdem diese Woche neu im Kino: "Bon Voyage – Bis hierhin und noch weiter", der das Thema selbstbestimmtes Sterben auf französisch-beschwingte und dennoch tiefgründige Art behandelt. Kommen Sie gut durch diese Kino-Woche!

Ein großes Haus, zwei Hunde, zwei Autos, da ist das Glück noch intakt: "No Other Choice"
Ein großes Haus, zwei Hunde, zwei Autos, da ist das Glück noch intakt: "No Other Choice"
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"No Other Choice"

Worum es geht Familienvater Man-soo (Lee Byung-hun) verliert nach vielen Jahren seinen Managementjob in einer Papierfabrik, weil diese von einem US-Konzern übernommen wird. Er ist am Boden zerstört, weil er mit seiner Frau Mi-ri (Son Yejin) und den beiden Kindern eigentlich sein Traumleben führt: ein großes Haus, zwei Autos, zwei Hunde eine solide Existenz in der (oberen) Mittelschicht.

Mit der Entlassung steht nun die Zukunft des Aufsteiger-Paares jedoch in den Sternen, und die Sterne verheißen nichts Gutes: Eine neue Automatisierungswelle ergreift die gesamte Branche. Offene Stellen sind rar und von zahlreichen geeigneten Kandidaten umworben.

Als seine Frau sagt, "Warum trifft den nicht der Blitz", hat Man-soo eine Idee …
Als seine Frau sagt, "Warum trifft den nicht der Blitz", hat Man-soo eine Idee …
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Als die Jobsuche auch nach Monaten nicht zum Erfolg führt und sich die Mahnungen türmen, schmiedet Man-soo einen fatalen Plan: Er recherchiert, wer für die von ihm angestrebte Position noch infrage käme – und schaltet seine Konkurrenten nacheinander aus.

Lohnt sich das? Der Koreaner Park Chan-wook galt bereits als cool, bevor die "Corean Wave" die Popkultur flutete, K-Pop die Massen begeisterte und Serien wie "Squid Game" internationale Erfolge feierten. Sein Film "Oldboy" (2003) gilt längst als Meisterwerk, auch "Die Taschendiebin" (2016) wird gefeiert. Und auch von "No Other Choice" schwärmen die Kritiker in höchsten Tönen.

Stilistisch lässt sich an Parks neuem Werk tatsächlich nichts aussetzen. Kunstfertig spielt er mit der Kamera, wechselt Winkel und Neigung, komponiert ein ums andere Mal präzise Einstellungen, ohne dabei zu sehr ins Experimentelle abzugleiten. Erzählerisch hat "No Other Choice" allerdings seine Mängel, gerade im letzten Drittel.

Ein Problem ist auch, dass der Film keine Identifikationsfigur aufweist. Man-soo taugt spätestens ab seinem ersten Gewaltausbruch nicht mehr zum Sympathieträger. Und für eine zynische Parabel auf den Kapitalismus ist der Film zu wenig scharf, Man-soo wird auch nicht eindeutig als Opfer eines ausbeuterischen Systems gezeichnet, sondern vielmehr als Mann, der Wahlmöglichkeiten hätte.

Man-soo (Lee Byung-hun, l.) beginnt, seine Job-Konkurrenten nacheinander "auszuschalten"
Man-soo (Lee Byung-hun, l.) beginnt, seine Job-Konkurrenten nacheinander "auszuschalten"
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Am stärksten ist Parks Films im Mittelteil, wo er als schwarze Komödie funktioniert: Humor hat "No Other Choice" zweifellos. Vor allem deshalb ist er ein durchaus sehenswerter Film. Ein neues Park-Meisterwerk ist es aber nicht geworden.

"No Other Choice", Schwarze Komödie. Südkorea/Frankreich 2025, 139 Minuten, ab 5. Februar im Kino

Will mit 59 noch einmal für sein altes College-Team auflaufen: Mike Flynt (Michael Chiklis) in "The Senior – Ein Traum, ein Wille, ein letztes Spiel"
Will mit 59 noch einmal für sein altes College-Team auflaufen: Mike Flynt (Michael Chiklis) in "The Senior – Ein Traum, ein Wille, ein letztes Spiel"
Angel Studios

Heimkino-Tipp: "The Senior – Ein Traum, ein Wille, ein letztes Spiel"

Worum es geht Mike Flynt (Michael Chiklis) ist Texaner durch und durch, ein hemdsärmeliger Typ, für den im Leben vor allem zwei Dinge zählen: Familie und Football. Zweiteres ist mehr Religion als Sport für ihn, doch seine eigene Karriere als Linebacker am College wurde gestoppt, als er wegen wiederholter Raufereien von der Schule flog.

Bei einer Reunion über 35 Jahre später sinniert man über die "gute alte Zeit" und Mike kommt eine Idee: Obwohl bereits 59, will er sich bei einem "Walk-On" versuchen, ein Training des aktuellen Teams seines alten Colleges, das für alle offen steht.

Und siehe da: Der alte Mann hat es immer noch drauf. Und schafft es gegen jede Wahrscheinlichkeit in die finale Auswahl der Spieler, die die kommende Football-Saison bestreiten sollen. Seine Frau Eileen (Mary Stuart Masterson) ist davon wenig begeistert und auch divere Verletzungen machen ihm zu schaffen. Wird Mike trotzdem für sein Team auflaufen können, als ältester College-Spieler aller Zeiten?

Der 59-jährige Linebacker hat es nach wie vor drauf, auch wenn's manchmal weh tut
Der 59-jährige Linebacker hat es nach wie vor drauf, auch wenn's manchmal weh tut
Angel Studios

Lohnt sich das? Hinter den schwächsten Titeln verstecken sich manchmal die interessantesten Filme: Dass "The Senior" mehr kann, als man vermuten würde, lässt sich bereits am Namen Rod Lurie ablesen, ein oft übersehener Regisseur des US-Mainstream-Kinos, dem immer wieder kleine Kunstwerke gelingen, etwa "Rufmord – Jenseits der Moral" (2000) oder zuletzt 2019 "The Outpost".

"The Senior" ist ein Film über klassische US-amerikanische Werte, übt aber keineswegs die Anbiederung an den MAGA-Kult. Es ist ein geradliniger, handwerklich gut gemachter Film für ein breites Publikum, der von der Chance auf die zweite Chance erzählt. Vom Glauben an sich selbst. Und von Werten wie Gemeinschaft und Zusammenhalt. Ein klassischer Feelgood-Film, der dramaturgisch zwar einfach gestrickt, aber emotional keineswegs simpel ist.

In der Hauptrolle liefert Michael Chiklis ("The Shield") eine mehr als überzeugende Leistung ab: Mit vollem Einsatz spielt er Mike Flynt – ja, den Mann und seine Geschichte gibt es wirklich – und trägt "The Senior" auf seinen breiten Linebacker-Schultern. Nicht zuletzt auch eine passende filmische Vorbereitung auf den am Sonntag, dem 8. Februar, stattfindenden Superbowl!

"The Senior – Ein Traum, ein Wille, ein letztes Spiel", Sportdrama. USA 2025, 100 Minuten, als Video-on-Demand sowie als DVD/Blu-ray erhältlich

Außerdem neu im Kino:

"Ein Kuchen für den Präsidenten"
Regisseur Hasan Hadis Debüt, eine US-amerikanisch-irakische Co-Produktion (Drehbuch gemeinsam mit "Forrest Gump"-Autor Eric Roth) spielt im Irak der 1990er unter Saddam Hussein: Die neunjährige Schülerin Lamia muss für den "Geburtstag des Präsidenten" einen Kuchen backen – eine staatlich verordnete Pflicht, die jedes Jahr ein anderes Schulkind trifft.

Und das, obwohl in der Bevölkerung Hunger und Mangel an allem Nötigem herrschen. Ihre verzweifelte Suche nach Zutaten wird zur gefährlichen Odyssee durch eine zerrüttete Gesellschaft. In Cannes 2025 gefeiert und mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

"Ein Kuchen für den Präsidenten", Drama. USA/Irak/Katar 2025, 102 Minuten, ab 6. Februar im Kino

Die neunjährige Lamia muss für Saddam Hussein backen: "Ein Kuchen für den Präsidenten"
Die neunjährige Lamia muss für Saddam Hussein backen: "Ein Kuchen für den Präsidenten"
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"Return to Silent Hill"
Regisseur Christophe Gans kehrt mit seinem Reboot/Sequel zur Kult-Reihe zurück: James Sunderland (Jeremy Irvine) erhält einen mysteriösen Brief seiner verstorbenen Liebe Mary und wird zurück in die neblige Stadt gelotst. Dort erwartet ihn eine düstere Welt, die seinen Verstand zunehmend vernebelt.

Jede Menge Body- und Folk-Horror, doch die ersten Kritiken bisher sind eher miserabel.

"Return to Silent Hill", Horror. USA 2026, 106 Minuten, ab 5. Februar im Kino

Da bekommt man schlechte Träume, so oder so: " Return to Silent Hill"
Da bekommt man schlechte Träume, so oder so: " Return to Silent Hill"
Constantin

"Bon Voyage – Bis hierhin und noch weiter"
Die 80-jährige Marie (Hélène Vincent) ist todkrank und plant ihren selbstbestimmten Abschied, tarnt dies aber als Familien-Roadtrip mit ihren zerstrittenen Angehörigen. Die Reise wird zu einem emotionalen Abenteuer, bei dem Konflikte aufbrechen, es aber auch Versöhnung geben darf.

Das französische Drama behandelt auf sensible, aber auch humorvolle Weise das schwierige Thema Sterbehilfe.

"Bon Voyage – Bis hierhin und noch weiter", Tragikomödie. Frankreich 2025, 97 Minuten, ab 5. Jänner im Kino

Die letzte Reise von Hélène soll sich auszahlen: "Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter"
Die letzte Reise von Hélène soll sich auszahlen: "Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter"
Panda Film

"Stray Kids: The dominATE Experience"
Der Film bringt die globale K-Pop-Sensation Stray Kids auf die große Leinwand (auch als IMAX, 4DX und SCREENX). Basierend auf den ausverkauften SoFi-Stadium-Shows (in Los Angeles, Mai/Juni 2025) mischt er Live-Performances mit exklusivem Behind-the-Scenes-Material der Band. Für Fans ein Fest.

"Stray Kids: The dominATE Experience", Konzert-/Musikfilm. Südkorea/USA 2026, 150 Minuten, ab 6. Februar im Kino

"Die Jahreszeiten"
Maureen Fazendeiros poetischer Dokumentarfilm ist eine archäologische Reise durch den Alentejo im Süden Portugals. Er verwebt Stimmen und Gesten heutiger Landarbeiter mit Mythen und Spuren vergangener Kulturen.

"Die Jahreszeiten", Experimenteller Dokumentarfilm. Österreich/Portugal/Frankreich/Spanien 2025, 120 Minuten, ab 6. Februar im Kino

Kein Film für Zwischendurch, sondern eine experimentelle Reise: "Die Jahreszeiten"
Kein Film für Zwischendurch, sondern eine experimentelle Reise: "Die Jahreszeiten"
Filmgarten

"Wahrheit & Verrat – Truth & Treason"
Erzählt die wahre Geschichte von Helmuth Hübener, einem 16-jährigen Burschen im NS-Deutschland: Als Teenager erkennt er, dass Loyalität zum Regime Verrat an der Wahrheit bedeutet. Er gründet mit Freunden eine Widerstandsgruppe, verteilt Flugblätter und hört verbotene Sender. Mischungs aus Coming-of-Age-Drama und historischem Thriller.

"Wahrheit & Verrat – Truth & Treason", Drama. USA 2025, 120 Minuten, ab 6. Februar im Kino

Christian Klosz
Akt. 05.02.2026 00:07 Uhr