Worum geht es? War die europäische Euphorie über Ungarns neuen Premierminister verfrüht? Péter Magyar geht in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"nun erstmals auf Konfrontationskurs mit Brüssel.
Womit? Der frühere Oppositionsführer, der Viktor Orbán nach 16 Jahren an der Macht abgelöst hat, kündigte an, zentrale Teile des EU-Migrations- und Asylpakts nicht umzusetzen. Gleichzeitig kritisierte er politische "Brandmauern" gegen rechte Parteien.
Was genau sagt Magyar zur Migration? Er stellte klar, dass Ungarn weiterhin keine irregulären Migranten aufnehmen werde. Sein Land wolle zwar beim Schutz der EU-Außengrenzen mitwirken, lehne aber verpflichtende Umverteilungsmechanismen und die Aufnahme von Migranten aus anderen EU-Staaten ab.
Was sagte er wörtlich? "Man kann über Viktor Orbán schimpfen, wie man möchte, niemand kritisiert ihn mehr als ich, aber er hatte 2015 recht, als die Migrationskrise begann." Viele europäische Staaten hätten inzwischen erkannt, dass sie damals Fehler gemacht hätten.
Warum ist das für manche überraschend? Viele europäische Politiker hatten nach Magyars Wahlsieg auf einen grundlegenden Kurswechsel gehofft.
Aber? Tatsächlich hat der neue Regierungschef die Beziehungen zur EU deutlich verbessert, mehrere Konflikte entschärft und die Blockade der EU-Beitrittsgespräche mit der Ukraine beendet. In der Migrationspolitik zeigt er nun eine andere Seite.
Was kritisiert Magyar am EU-Asylpakt? Der Regierungschef argumentiert, dass Ungarn bereits durch den Schutz der Außengrenzen einen wesentlichen Beitrag für Europa leiste. Er bezeichnet die gegen Ungarn verhängten EU-Strafen als unverhältnismäßig und ungerecht.
Welche Strafen muss Ungarn derzeit zahlen? Der Europäische Gerichtshof verurteilte Ungarn 2024 wegen Verstößen gegen das EU-Asylrecht zu einer Einmalzahlung von 200 Millionen Euro. Zusätzlich fallen täglich eine Million Euro Strafzahlung an, solange Budapest die beanstandeten Praktiken nicht ändert.
Was sagt Magyar zu den "Brandmauern" gegen rechte Parteien? Er hält wenig von einer pauschalen Ausgrenzung rechter oder rechtspopulistischer Parteien. Sogenannte Brandmauern würden oft dazu führen, diese Parteien noch stärker zu machen.
Meint er damit auch die AfD? Direkt äußerte sich Magyar zurückhaltend. Er sagte, es schade nie, sich mit den "Argumenten des anderen" auseinanderzusetzen. Ob daraus politische Zusammenarbeit entstehen solle, sei eine andere Frage.
Worum geht es? Ein neuer Bericht des britischen Rechnungshofs (National Audit Office, NAO) gewährt ungewöhnlich tiefe Einblicke in die Wohn- und Finanzarrangements der britischen Royals. Hier steht der Bericht zum Download.
Wen betrifft das? Besonders im Fokus stehen König Charles III., Ex-Prinz Andrew sowie mehrere andere Familienmitglieder. Der Bericht zeigt, wie königliche Immobilien genutzt werden, wer dafür zahlt und welche Sonderregelungen innerhalb der Monarchie bestehen.
Was ist die Folge? Die Enthüllungen haben in Großbritannien eine Debatte über Transparenz, Privilegien und die Finanzierung der Royals ausgelöst.
Was ist die wichtigste Enthüllung? Besonders kritisch bewertet wird der Fall von Andrew. Der Bruder des Königs durfte auf dem weitläufigen Royal-Lodge-Anwesen in Windsor drei Wohnhäuser untervermieten und daraus private Einnahmen erzielen.
Warum ist das problematisch? Weil er selbst für das Anwesen nur eine symbolische sogenannte "Peppercorn Rent" zahlte. Wie hoch seine Einnahmen waren, wurde nicht offengelegt.
Was ist eine "Peppercorn Rent"? Eine symbolische Miete. Sie beträgt oft 1 Pfund pro Jahr, manchmal sogar nur "ein Pfefferkorn auf Verlangen".
Warum sorgt Andrew für Kritik? Wegen seiner Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat er keine royalen Aufgaben mehr. Dennoch profitierte er von besonders günstigen Immobilienregelungen und erzielte zudem Einnahmen durch Untervermietungen.
Welche Rolle spielt König Charles? Der Bericht zeigt, dass Charles die Wohnkosten seiner Nichten, Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie, übernimmt. Beide gelten als "nicht arbeitende Royals", nehmen also keine offiziellen Aufgaben für die Monarchie wahr.
Aber? Sie wohnen dennoch in Immobilien innerhalb königlicher Paläste. Die Mieten werden aus Charles' privaten Einkünften aus dem Herzogtum Lancaster bezahlt.
Warum ist das umstritten? Kritiker fragen, warum Familienmitglieder ohne offizielle Aufgaben weiterhin von königlichen Wohnprivilegien profitieren.
Was lässt sich entgegnen? Befürworter verweisen darauf, dass die Kosten nicht direkt vom Steuerzahler getragen würden, sondern aus den privaten Einnahmen des Königs stammen. Dennoch werden die Gebäude selbst mit öffentlichen Mitteln instand gehalten.
Wie wohnen Beatrice und Eugenie? Prinzessin Beatrice lebt in einer Wohnung im St. James's Palace, Prinzessin Eugenie in Ivy Cottage auf dem Gelände des Kensington Palace.
Was sagt der Bericht über Prinz William? Deutlich anders stellt sich die Situation beim Thronfolger dar. William und Catherine zahlen für ihr Wohnhaus Forest Lodge auf dem Windsor Estate eine marktübliche Jahresmiete von mehr als 350.000 Euro.
Welche weiteren Royals werden erwähnt? Prinz Edward und seine Frau Sophie wohnen auf dem Anwesen Bagshot Park und verfügen über das Recht, Teile des Grundstücks kommerziell zu vermieten. Bis 2020 erzielten sie daraus private Einnahmen. Zusätzlich nutzen sie eine dienstliche Wohnung im St. James's Palace für ihre offiziellen Aufgaben.
Warum wurde die Untersuchung überhaupt durchgeführt? Die Prüfung wurde nach den anhaltenden Kontroversen um Prinz Andrew angestoßen. Abgeordnete wollten wissen, ob die Nutzung von Immobilien der Crown Estate und der königlichen Haushalte angemessen geregelt ist und ob einzelne Royals unangemessene Vorteile erhalten.
Wie reagiert der Buckingham-Palast? Der Palast begrüßte die Veröffentlichung des Berichts und erklärte, die Untersuchung sei Teil der Bemühungen um mehr Transparenz.
Worum geht es? Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Wladimir Putin zu direkten Friedensgesprächen aufgefordert. In einem persönlichen Schreiben an den russischen Präsidenten schlug er ein Treffen in einem neutralen Drittstaat vor.
Was ist das Ziel? Über die Lage an der Front, mögliche Waffenruhen und Wege zu einem Ende des Krieges zu sprechen. Der Vorstoß erfolgt in einer Phase, in der die Kämpfe weitergehen und diplomatische Bemühungen zuletzt kaum Fortschritte erzielt haben.
Wo soll das Treffen stattfinden? Als mögliche Austragungsorte gelten traditionell Länder wie die Türkei, die Schweiz oder die Golfstaaten. Der ukrainische Präsident erklärte, die wichtigsten Fragen könnten nur auf höchster politischer Ebene geklärt werden.
Warum? Selenskyj argumentiert seit Langem, dass letztlich Putin allein die entscheidenden Weichen für Krieg und Frieden stelle. Verhandlungen auf Ebene von Delegationen hätten bislang keine durchgreifenden Ergebnisse gebracht.
Wie reagiert Russland? Eine offizielle Zusage Moskaus liegt bislang nicht vor. Der Kreml hat in der Vergangenheit direkte Treffen nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sie jedoch an Bedingungen geknüpft, etwa zunächst Fortschritte auf Arbeitsebene.
Und Putin? In einer Rede bei einem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg lehnte er ein Treffen ab. Er sehe "keinen Sinn" in darin. Auch den Brief sieht er kritisch.
Warum? "Ist das ein Weg, um Konditionen für persönliche Treffen und Gespräche zu schaffen, oder ein Umfeld zu schaffen, das jegliche persönliche Treffen unmöglich macht?", fragte Putin. "Ich glaube, es ist Letzteres." Das Schreiben enthalte zudem "Elemente von Unverschämtheit", erklärte Putin. Was er damit meinte, ließ er offen.
Was richtete er Selenskyj aus? Die beste Antwort auf den Brief sei ein Aufruf an das russische Militär: "An die Arbeit, Brüder!"
Gab es bereits direkte Treffen zwischen Selenskyj und Putin? Nein. Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 haben sich die beiden Staatschefs nicht persönlich getroffen.
Worum geht es? Die Regierung von US-Präsident Donald Trump plant eine der größten Lockerungen des Waffenrechts seit Jahrzehnten. Nach Berichten mehrerer US-Medien sollen zahlreiche Vorschriften aus der Amtszeit von Joe Biden zurückgenommen werden.
Was ist geplant? Handfeuerwaffen sollen wieder einfacher per Post verschickt werden können. Verschärfte Hintergrundprüfungen aus der Biden-Zeit werden gestrichen, Waffenhändler erhalten weniger strenge Auflagen. Der Entzug von Händlerlizenzen wird erschwert.
Waffen per Post? Der Versand von Handfeuerwaffen war in den USA über Jahrzehnte stark reguliert. Kritiker argumentieren, dass strengere Versandregeln den illegalen Handel erschweren und eine bessere Nachverfolgung ermöglichen.
Was sagt die Waffenlobby? Sie hält die bisherigen Beschränkungen für unnötige Bürokratie und verweist auf legale Käufer, die dadurch benachteiligt würden.
Welche Biden-Regeln sollen aufgehoben werden? Besonders umstritten ist die geplante Rücknahme der sogenannten "Zero Tolerance Policy" des Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF).
Was ist damit gemeint? Unter Biden konnten Waffenhändler ihre Lizenz verlieren, wenn sie wiederholt gegen Vorschriften verstießen, etwa durch fehlende Dokumentation, unvollständige Käuferdaten oder den Verkauf an nicht berechtigte Personen.
Wie begründet Trump die Deregulierung? Er beruft sich auf den zweiten Verfassungszusatz („Second Amendment“), der das Recht auf Waffenbesitz schützt. Er argumentiert, die Biden-Regierung habe dieses Recht durch immer neue Vorschriften eingeschränkt.
Wie groß ist das Waffenproblem in den USA? Die USA verfügen über mehr zivile Schusswaffen als Einwohner. Schätzungen gehen von über 400 Millionen Waffen im Privatbesitz aus.
Warum ist das Thema politisch so aufgeladen? Kaum ein Thema spaltet die USA stärker. Während konservative Wähler Waffenbesitz häufig als Grundrecht betrachten, sehen viele Liberale strengere Kontrollen als notwendige Sicherheitsmaßnahme.
Worum geht es? Die Ukraine hat einen spektakulären Drohnenangriff auf St. Petersburg gestartet – ausgerechnet zum Beginn des wichtigsten Wirtschaftsforums Russlands.
Was ist passiert? Mehrere Drohnen trafen Öl- und Militäranlagen in und um die Stadt, nur wenige Kilometer vom Veranstaltungsort des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) entfernt.
Was ist das SPIEF? Das Forum wird oft als "russisches Davos" bezeichnet und dient dem Kreml als Schaufenster für Russlands Wirtschaft und internationale Beziehungen. Die Angriffe gelten als schwere Blamage für Präsident Wladimir Putin.
Warum? Die Anschlagziele befinden sich zum Teil nur etwa 16 Kilometer vom Forum entfernt, wo Putin am Freitag eine Grundsatzrede halten soll. St. Petersburg ist nicht irgendeine Stadt. Sie gilt als Putins politische Heimat. Dort begann seine politische Karriere, dort lebt ein großer Teil der russischen Elite.
Wie massiv waren die Angriffe? Augenzeugen berichteten von mehreren Explosionen, großen Bränden und einer weithin sichtbaren schwarzen Rauchsäule über der Stadt. Auch Videos belegen die Schilderungen.
Warum wählte die Ukraine diesen Zeitpunkt? Das SPIEF ist Putins wichtigstes internationales Wirtschaftsereignis und soll zeigen, dass Russland trotz Sanktionen wirtschaftlich handlungsfähig bleibt.
Was ist das St. Petersburger Wirtschaftsforum? Es findet seit 1997 statt. Früher kamen westliche Spitzenmanager nach St. Petersburg. Seit dem Überfall auf die Ukraine 2022 bleiben die meisten westlichen Unternehmen fern. Stattdessen setzt Moskau auf Partner aus China, Indien, Afrika, dem Nahen Osten und anderen Staaten des sogenannten Globalen Südens.
Wie reagierte Präsident Selenskyj? Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lobte die Operation ausdrücklich. Er sprach von "Langstrecken-Sanktionen" und erklärte, die Angriffe würden "genau wie geplant" umgesetzt.
Wie weit von der Front entfernt sind die Ziele? St. Petersburg liegt mehr als 1.000 Kilometer von den Hauptkampflinien in der Ukraine entfernt.
Wurden auch militärische Ziele getroffen? Ja. Besonders brisant ist der Angriff auf Kronstadt. Die Inselstadt vor St. Petersburg beherbergt wichtige Einrichtungen der russischen Marine und gilt als strategischer Stützpunkt der Baltischen Flotte.
Warum greift die Ukraine zunehmend Ölterminals an? Öl und Gas bleiben die wichtigste Einnahmequelle des russischen Staates. Ziel ist es, die Finanzierung des russischen Krieges zu erschweren.
Wer nimmt am "russischen Davos" teil? Laut Organisatoren werden rund 20.000 Teilnehmer aus etwa 130 Ländern erwartet. Unter den Gästen befinden sich der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, die rechtsextreme US-amerikanische Influencerin Candace Owens und die Tate-Brüder.
Worum geht es? In Süditalien sind vier migrantische Landarbeiter bei einem besonders grausamen Verbrechen ums Leben gekommen. Die Männer wurden in ihrem Fahrzeug an einer Tankstelle in der Region Kalabrien offenbar bei lebendigem Leib verbrannt.
Warum weiß man das? Überwachungskameras zeigen laut Ermittlern, wie die Täter brennbare Flüssigkeit in das Fahrzeug schütten, es anzünden und die Türen blockieren, damit die Insassen nicht fliehen können.
Was genau ist passiert? Die Tat ereignete sich in Amendolara in der Provinz Cosenza. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie mehrere Männer einen Kleinwagen an einer Tankstelle angreifen. Anschließend wird das Fahrzeug in Brand gesetzt.
Wie viele Menschen waren im Fahrzeug? Vier Menschen starben in den Flammen. Ein fünfter Mann konnte sich schwer verletzt durch die Heckklappe retten. Zwei pakistanische Staatsangehörige wurden inzwischen wegen des Verdachts auf mehrfachen Mord festgenommen.
Wer waren die Opfer? Bei den Toten handelt es sich nach Angaben der Ermittler um drei afghanische Staatsangehörige und einen Mann aus Pakistan. Alle arbeiteten als Saison- und Erntehelfer in der Landwirtschaft Kalabriens.
Was weiß man über den Überlebenden? Er stammt ebenfalls aus Afghanistan und erlitt Verbrennungen an Armen und Händen.
Gibt es Hinweise auf das Motiv? Der Überlebende erklärte gegenüber italienischen Medien, die Täter seien Teil einer "großen pakistanischen Mafia" gewesen.
Was ist damit gemeint? Er schilderte, die Opfer seien mit Messern und Waffen bedroht worden und hätten ohne Lohn arbeiten müssen. Statt Geld hätten sie oft nur Unterkunft und Essen erhalten. Die Ermittler prüfen daher einen Zusammenhang mit organisierter Arbeitsausbeutung.
Was ist der Hintergrund? Der Fall lenkt den Blick auf das berüchtigte italienische Caporalato-System. Dabei handelt es sich um ein illegales Netzwerk von Arbeitsvermittlern, sogenannten "Caporali", die Migranten für Landwirtschaftsbetriebe rekrutieren.
Was sind die Arbeitsbedingungen? Die Arbeiter erhalten oft extrem niedrige oder gar keine Löhne, arbeiten zehn bis vierzehn Stunden täglich, leben in überfüllten Unterkünften und geraten häufig in Abhängigkeit von kriminellen Vermittlern. Die Rede ist von moderner Sklaverei.
Warum ist Kalabrien besonders betroffen? Es handelt sich um eine der ärmsten Regionen Italiens, sie ist stark von Landwirtschaft geprägt. Gleichzeitig sind dort organisierte kriminelle Strukturen besonders präsent. Viele Migranten arbeiten auf Feldern für Erdbeeren, Tomaten, Zitrusfrüchte und Oliven.
Wie groß ist das Problem? Experten gehen davon aus, dass Zehntausende Migranten in Italiens Landwirtschaft unter problematischen Bedingungen arbeiten. Der Fall erschüttert Italien und hat eine neue Debatte über die brutale Ausbeutung ausgelöst.
Worum geht es? Der Einsatz von Antibiotika in der weltweiten Nutztierhaltung könnte bis 2040 um fast ein Drittel steigen. Davor warnt ein neuer Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).
Was wären die Folgen? Die Entwicklung könnte den Kampf gegen "Superkeime" erheblich erschweren und die Wirksamkeit von Antibiotika weiter untergraben. Experten sprechen von einer der größten Gesundheitsbedrohungen des 21. Jahrhunderts.
Was genau sagt der UN-Bericht? Nach Berechnungen der FAO könnte der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung bis 2040 auf 143.000 Tonnen pro Jahr steigen. Hauptgrund ist die weltweit steigende Nachfrage nach Fleisch, Milch und anderen tierischen Produkten.
Warum werden in der Tierhaltung so viele Antibiotika eingesetzt? Antibiotika werden nicht nur zur Behandlung kranker Tiere verwendet. In vielen Ländern erhalten ganze Bestände Medikamente zur Vorbeugung von Krankheiten, bei Infektionsausbrüchen in Herden, und teilweise noch immer zur Förderung des Wachstums.
Warum ist das ein Problem für Menschen? Jeder Antibiotikaeinsatz erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Bakterien Resistenzen entwickeln. Diese resistenten Keime können über Lebensmittel, durch direkten Tierkontakt oder über die Umwelt auf Menschen übertragen werden. Dadurch verlieren wichtige Medikamente zunehmend ihre Wirkung.
Was sind "Superkeime"? Als Superkeime werden Bakterien bezeichnet, die gegen mehrere oder sogar fast alle Antibiotika resistent sind. Infektionen werden dadurch schwer oder gar nicht mehr behandelbar. Selbst Routineeingriffe wie Hüftoperationen, Kaiserschnitte oder Organtransplantationen könnten dadurch deutlich gefährlicher werden.
Wie groß ist das Problem heute bereits? Die FAO verweist darauf, dass Antibiotikaresistenzen allein in Europa wirtschaftliche Schäden von rund elf Milliarden Euro pro Jahr verursachen. Weltweit könnten die Kosten bis 2050 auf etwa eine Billion Dollar steigen.
Wurde der Antibiotikaeinsatz nicht bereits reduziert? Doch. Der Einsatz in der Nutztierhaltung erreichte 2013 seinen Höhepunkt und sank anschließend um etwa ein Drittel. Diese Fortschritte geraten nun jedoch durch die steigende Nachfrage nach Fleisch wieder unter Druck.
Welche Regionen sind besonders betroffen? Asien bleibt nach den Prognosen der größte Verbraucher von Antibiotika in der Tierhaltung. Das stärkste Wachstum erwarten Forscher jedoch in Afrika, wo der Einsatz bis 2040 um mehr als 40 Prozent steigen könnte.
Gibt es Alternativen? Ja, durch Verbesserungen bei Tiergesundheit, Stallhygiene, Impfprogrammen, Zuchtmethoden und Managementsystemen könnte der Antibiotikaverbrauch um mehr als die Hälfte gesenkt werden.
Warum setzen manche Betriebe trotzdem auf Antibiotika? Weil Medikamente oft billiger sind als grundlegende Verbesserungen bei Haltung, Hygiene oder Tiergesundheit.
Wie reagiert die Politik? Die EU hat den Einsatz von Antibiotika als Wachstumsförderer bereits vor Jahren verboten. Ab September 2026 werden zudem Importe von Fleisch, Milchprodukten und Eiern eingeschränkt, wenn bei ihrer Produktion Antibiotika zur Wachstumsförderung eingesetzt wurden.
Welche Rolle spielt die Umwelt? Ein großer Teil der verabreichten Antibiotika wird von Tieren gar nicht vollständig aufgenommen. Die Wirkstoffe gelangen über Gülle und Abwässer in Böden, Flüsse und Seen. Dort fördern sie ebenfalls die Entstehung resistenter Keime.
Worum geht es? In der japanischen Stadt Fukushima hat ein Schwarzbär vor einem Bürokomplex vier Menschen verletzt und eine Großfahndung ausgelöst. Überwachungskameras filmten, wie das Tier einen jungen Mann zu Boden riss.
Was genau ist passiert? Der Bär drang am frühen Morgen auf das Gelände eines Stahlwerks in Fukushima ein. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie er einen Mitarbeiter in seinen Zwanzigern jagt und attackiert. Danach verletzte er einen weiteren Mann in den Sechzigern.
Gab es weitere Opfer? Später wurden noch ein anderer Mitarbeiter sowie eine etwa 80 Jahre alte Frau angegriffen. Alle Betroffenen überlebten, die Verletzungen galten nach Angaben der Behörden nicht als lebensbedrohlich.
Wurde der Bär gefangen? Nein. Nach den Angriffen verschwand das Tier zunächst auf einem benachbarten Firmengelände. Polizei und Wildtierexperten umstellten das Gebiet. Schulen in der Umgebung wurden vorsorglich geschlossen.
Warum kommt es immer häufiger zu solchen Vorfällen? Experten nennen mehrere Gründe: Eine wachsende Bärenpopulation, weniger Jäger sowie veränderte Nahrungsbedingungen in den Wäldern. Dadurch wagen sich die Tiere immer häufiger in Dörfer, Städte und Industriegebiete vor.
Wie groß ist das Problem inzwischen? Allein seit Anfang April wurden in mindestens neun Präfekturen 23 Menschen bei Bärenangriffen verletzt. Drei Menschen kamen ums Leben. Im vergangenen Jahr registrierte Japan 13 Todesopfer und mehr als 230 Verletzte – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.
Warum ist die Zahl der Angriffe zuletzt so stark gestiegen? Forscher führen die Entwicklung unter anderem auf den Klimawandel zurück. Schlechte Ernten von Bucheckern, Eicheln und anderen Waldfrüchten zwingen viele Bären dazu, näher an menschliche Siedlungen heranzurücken.
Wie viele Bären leben in Japan? Die japanische Regierung schätzt die Population derzeit auf rund 57.800 Tiere. Besonders verbreitet sind Asiatische Schwarzbären auf der Hauptinsel Honshu.
Welche Gegenmaßnahmen ergreift Japan? Die Behörden setzen inzwischen auf eine Mischung aus verstärkter Jagd, Fallen, Warnsystemen, Aufklärungskampagnen und neuer Technologie.
Nämlich? In einigen Regionen werden sogar Drohnen mit Pfefferspray eingesetzt, um Bären aus Wohngebieten zu vertreiben. Bekannt wurden auch sogenannte "Monster-Wölfe" – Roboterattrappen mit blinkenden Augen und Lautsprechern, die die Tiere abschrecken sollen.
Ist Japan mit dem Problem allein? Nein. Auch in Nordamerika und Teilen Europas nehmen Begegnungen zwischen Menschen und Bären zu. In Japan ist die Entwicklung jedoch besonders auffällig.