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China greift durch

325 Mio. Dollar: Darum will Peking Spitzenbeamten hinrichten

Es ist einer der größten bekannten Korruptionsfälle in der jüngeren Geschichte der Volksrepublik China: Ein Wirtschaftsfunktionär aus der Stadt Nanjing hat über 30 Jahre insgesamt 325 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern kassiert. Nun wurde er zum Tode verurteilt.

Brachte "seine Schuld und Reue" zum Ausdruck: Wirtschaftsfunktionär Yang Youlin hat in drei Jahrzehnten 325 Millionen Dollar Schmiergeld genommen
Brachte "seine Schuld und Reue" zum Ausdruck: Wirtschaftsfunktionär Yang Youlin hat in drei Jahrzehnten 325 Millionen Dollar Schmiergeld genommenCCTV
NewsFlix Redaktion
Akt. 08.07.2026 02:03 Uhr

"Tiger und Fliegen", so Xi Jinping, seien gleichermaßen das Ziel jener Anti-Korruptions-Kampagne, die der chinesische Staatspräsident seit seinem Amtsantritt 2012 mit zunehmender Härte durchzieht. Soll heißen: Es geht nicht nur um die kleinen, sondern auch um die großen Fische. In welche Kategorie Yang Youlin fällt, ist allerdings leicht einzuordnen.

Der frühere Wirtschaftsfunktionär aus Nanjing soll über drei Jahrzehnte insgesamt 325 Millionen Dollar (ca. 284 Millionen Euro) an Schmiergeldern kassiert haben. Nun wurde er dafür von einem Gericht in Changzhou schuldig gesprochen – und zum Tod verurteilt.

Wie ABC News und die BBC berichten, handelt es sich hier um einen der größten Fälle in Chinas laufenden Anti-Korruptionskampagne. Yang wurde nicht nur wegen Bestechung verurteilt, sondern auch wegen Veruntreuung, Geldwäsche und Amtsmissbrauch. Er soll Unternehmen bei Projekten, Grundstücksvergaben und Betriebskapital geholfen haben - gegen üppige Zuwendungen.

Ob das Todesurteil unwiderruflich ist, wie eine einzelne Person überhaupt so viel Geld beiseiteschaffen kann und welche Signalwirkung das rigorose Urteil hat – das ist über den spektakulären Fall bekannt:

Worum geht es?
Das Mittlere Volksgericht in Changzhou hat am Montag, dem 6. Juli, den ehemaligen Wirtschaftsbeamten Yang Youlin aus Nanjing zum Tode verurteilt. Yang hatte laut Gericht von 1993 bis 2023 Bestechungsgelder in Höhe von mehr als 2,21 Milliarden Yuan angenommen – umgerechnet rund 325 Millionen Dollar. Er wurde für schuldig befunden, Schmiergelder erhalten, selbst bestochen, öffentliche Gelder veruntreut, sein Amt missbraucht und Geld gewaschen zu haben.

Mit harter Hand gegen Korruption – und politische Gegner? Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping
Mit harter Hand gegen Korruption – und politische Gegner? Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping
Reuters

Wer ist Yang Youlin?
Yang Youlin war ein hochrangiger Funktionär für Wirtschaftsentwicklung in Nanjing, einer Millionenstadt im Osten Chinas. Über drei Jahrzehnte soll er seine Position ausgenutzt haben, um Unternehmen bei Projekten, Grundstücksgeschäften und Finanzierungen zu helfen - im Gegenzug für Bestechungsgelder. Vor Gericht zeigte er sich laut offiziellen Angaben schuldbewusst und reuig.

Warum ist die Summe so ungewöhnlich hoch?
325 Millionen Dollar sind selbst für chinesische Korruptionsfälle eine außergewöhnlich hohe Summe. Sie macht den Fall zu einem der größten in der jüngeren Geschichte der Volksrepublik. Zum Vergleich: Der 2021 hingerichtete Banker Lai Xiaomin hatte Bestechungsgelder von rund 260 Millionen Dollar angenommen. Yangs Fall übertrifft das noch deutlich.

Was ist Chinas Anti-Korruptionskampagne?
Seit seiner Machtübernahme 2012 führt Staats- und Parteichef Xi Jinping eine massive Kampagne gegen Korruption. Hunderttausende Beamte wurden seitdem bestraft, darunter zahlreiche hochrangige Funktionäre und Generäle. Die Kampagne richtet sich gegen "Tiger und Fliegen" – also gegen große und kleine Fälle gleichermaßen. Kritiker werfen Xi allerdings vor, die Kampagne auch zur Ausschaltung politischer Rivalen zu nutzen.

Gibt es noch andere spektakuläre Fälle?
Ja, in den letzten Jahren wurden mehrere prominente Funktionäre wegen Korruption zum Tode verurteilt. Der Banker Lai Xiaomin wurde 2021 hingerichtet. Der Lokalpolitiker Li Jianping aus der Inneren Mongolei wurde 2024 wegen Veruntreuung und Bestechung exekutiert. Im Mai 2026 wurden zudem zwei ehemalige Verteidigungsminister – Wei Fenghe und Li Shangfu – wegen Korruption zum Tode verurteilt.

Werden Todesurteile in China immer vollstreckt?
Nein, nicht immer. In China gibt es das System der "Todesstrafe mit zweijährigem Vollstreckungsaufschub". Begeht der Verurteilte in dieser Zeit keine weiteren Straftaten, wird die Todesstrafe in lebenslange Haft umgewandelt. Bei Yang Youlin wurde jedoch keine solche Bewährung ausgesprochen – sein Urteil scheint endgültig zu sein.

Wie viele Menschen werden in China hingerichtet?
China hält die genauen Zahlen geheim, gilt aber als das Land mit den weltweit meisten Hinrichtungen. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass jährlich mehrere tausend Menschen exekutiert werden. Korruption kann in China mit dem Tod bestraft werden, wenn die Summen besonders hoch sind oder besondere Umstände vorliegen.

Nanjing gehört zu den prosperierendsten Städten in China und hat weit über 10 Millionen Einwohner
Nanjing gehört zu den prosperierendsten Städten in China und hat weit über 10 Millionen Einwohner
REUTERS

Was bedeutet das für Österreich?
Direkte Auswirkungen auf Österreich gibt es nicht. Allerdings sollten sich österreichische Unternehmen, die in China tätig sind, der strikten Korruptionsbekämpfung bewusst sein.

Wie läuft ein solches Verfahren ab?
Das Verfahren gegen Yang Youlin fand an zwei Tagen im März und April statt, mehr als 30 Personen nahmen an den öffentlichen Anhörungen teil. Yang gab vor Gericht eine Schlusserklärung ab, in der er laut Gerichtsangaben "seine Schuld und Reue zum Ausdruck brachte". Sein gesamtes Privatvermögen wird eingezogen, und die Behörden werden versuchen, die vollständige Summe der Bestechungsgelder zurückzuholen.

Ist Chinas Vorgehen wirksam gegen Korruption?
Das ist umstritten. Einerseits zeigen die hohen Strafen Abschreckungswirkung. Andererseits kritisieren Experten, dass ohne unabhängige Justiz und freie Presse strukturelle Korruption schwer zu bekämpfen ist. Die Kampagne hat zwar viele Fälle aufgedeckt, aber ob sie das Problem an der Wurzel packt, bezweifeln viele Beobachter.

Was passiert als Nächstes?
Yang Youlin kann gegen das Urteil Berufung einlegen. Ob er das tun wird und wie seine Chancen stehen, ist unklar. Sicher ist: Chinas Führung wird die Anti-Korruptionskampagne fortsetzen. Erst kürzlich wurde gegen Zhang Youxia, den stellvertretenden Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission und engen Vertrauten Xis, wegen Korruptionsverdacht ermittelt – ein Zeichen, dass niemand immun ist.

NewsFlix Redaktion
Akt. 08.07.2026 02:03 Uhr