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"Disclosure Day"

44 Jahre nach "E.T." sucht Steven Spielberg immer noch Aliens

In seinem jüngsten Blockbuster macht sich die Regie-Legende einmal mehr auf die Suche nach freundlichen Außerirdischen. Sie sind für Spielberg der Schlüssel zur Erkenntnis bei unserer Suche nach uns selbst. Aber nicht nur das macht "Disclosure Day" sehenswert.

Sie hat die Verbindung zu den Außerirdischen förmlich in der Hand: Emily Blunt als Journalistin Margaret Fairchild in "Disclosure Day" von Steven Spielberg
Sie hat die Verbindung zu den Außerirdischen förmlich in der Hand: Emily Blunt als Journalistin Margaret Fairchild in "Disclosure Day" von Steven SpielbergUPI
Christian Klosz
Akt. 11.06.2026 02:13 Uhr

Steven Spielbergs Blick auf Außerirdische war nie bloß eine Frage fremder Lebensformen. Seit den 1970er-Jahren nutzt der Regisseur das Motiv vielmehr als Spiegel menschlicher Hoffnungen, Ängste und Sehnsüchte. In seinen Filmen kommen die Besucher aus dem All nicht nur von weit her – sie legen offen, wie Menschen auf das Unbekannte reagieren.

Bereits in seinem ersten Film "Firelight", den Spielberg mit 16 Jahren und um 600 Dollar fertigstellte, waren wohlmeinende Aliens die treibende Kraft der Geschichte. In "Unheimliche Begegnung der dritten Art" begegnet Spielberg den Aliens mit Staunen. Die Fremden erscheinen als rätselhafte, aber letztlich friedliche Wesen; der Kontakt wird zu einem Moment der Verständigung.

Wenige Jahre später, 1982, verschiebt sich der Fokus in "E.T. – Der Außerirdische" vom kosmischen Spektakel zur Familiengeschichte. Der Außerirdische ist nun kein Mysterium mehr, sondern ein verletzlicher Freund, der Mitgefühl und Empathie weckt.

Auch dort, wo Spielberg dunklere Töne anschlägt, bleibt sein Grundinteresse ähnlich. In "Krieg der Welten" werden die Invasoren zur existenziellen Bedrohung, die gesellschaftliche Ordnung bricht zusammen. Doch selbst in dieser Katastrophenerzählung richtet sich der Blick weniger auf die Aliens als auf die Menschen – auf ihre Angst, ihren Überlebenswillen und familiären Zusammenhalt.

Konstant ist über die Jahrzehnte die Perspektive des Staunens. Spielberg zeigt Außerirdische selten als reine Monster oder technologische Kuriositäten. Sie fungieren als Katalysatoren, die das Menschliche sichtbar machen. Die Unterschiede liegen vor allem im Tonfall: mal hoffnungsvoll, mal melancholisch, mal apokalyptisch.

Widmet sich in "Disclosure Day" zum fünften Mal dem Außerirdischen-Thema: Regie-Übervater Steven Spielberg
Widmet sich in "Disclosure Day" zum fünften Mal dem Außerirdischen-Thema: Regie-Übervater Steven Spielberg
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Mit seinem jüngsten Film "Disclosure Day" führt der Regisseur, der heuer 80 wird, diese Linie fort und aktualisiert sie zugleich. Die Frage lautet nicht mehr nur, ob wir allein im Universum sind, sondern wie eine vernetzte, von Medien und Verschwörungserzählungen geprägte Gesellschaft auf die Gewissheit außerirdischen Lebens reagieren würde. Aus der Begegnung wird eine globale Bewährungsprobe.

So schließt sich ein Kreis: Von den leuchtenden Himmelszeichen in "Unheimliche Begegnung der dritten Art" bis zur weltweiten Offenlegung in "Disclosure Day" bleiben Spielbergs Aliens vor allem eines – ein Mittel, um die Menschen besser zu verstehen.

"Disclosure Day" startet diese Woche nahezu weltweit – so auch in Österreich – in den Kinos. Gute und spannende Unterhaltung!

Stiehlt geheime Alien-Daten: Mathematikgenie Daniel Kellner (Josh O'Connor)
Stiehlt geheime Alien-Daten: Mathematikgenie Daniel Kellner (Josh O'Connor)
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"Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit"

Worum es geht Die Meteorologin Margaret Fairchild (Emily Blunt) lebt mir ihrem Freund in Kansas City, aber so wirklich zu Hause fühlt sie sich hier nicht. Als Wetteransagerin im TV hat sie zwar einen soliden Job, aber eigentlich möchte sie wieder als "seriöse Journalistin" durchstarten. Ihr Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als eines Tages ein roter Kardinalvogel durch das Fenster flattert und am Küchentisch Platz nimmt: Plötzlich hat sie die Gabe, Gedanken anderer zu lesen und sich in sie hineinzufühlen.

Gleichzeitig stiehlt Mathematikgenie und Cybersicherheitsexperte Daniel Kellner (Josh O'Connor) geheime Daten, die den Kontakt zwischen Menschen und Außerirdischen belegen sollen. Noah Scanlon (Colin Firth), der Leiter eines regierungsnahen Sicherheitskonzerns, macht Jagd auf ihn und seine Freundin, um die Offenlegung der Informationen um jeden Preis zu verhindern. Die Menschheit, die ohnehin gerade vor dem 3. Weltkrieg steht, würde eine solche Enthüllung nicht verkraften, so seine Überzeugung.

Als sich schließlich die Wege von Wetter-Lady Margaret und Datendieb Daniel kreuzen, entdecken die beiden eine Verbindung zwischen ihren Leben und ihren besonderen Begabungen, deren Ursprung sie sich bisher nicht erklären konnten. Gemeinsam versuchen sie, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Unterstützt werden die beiden dabei von Hugo Wakefield (Colman Domingo), einem ehemaligen Insider des Sicherheitskonzerns. Seine Überzeugung: Die Menschheit soll selbst entscheiden, ob sie bereit ist, die Existenz außerirdischen Lebens zu akzeptieren …

Lohnt sich das? Wer sich mit Steven Spielbergs Vita und Filmografie auskennt, weiß, dass zentrale Themen sein Schaffen durchziehen: Zum einen das Beharren auf die Kraft der Wunder und des Wunderns, des Fantastischen, dem er eine menschliche, mitunter sogar aufklärerische Funktion zuschreibt. Zum anderen die ewige Suche nach Zugehörigkeit und "Familie", was autobiografisch begründet ist.

Nirgends wurde das deutlicher als in seinem letzten Film "The Fabelmans", quasi ein Porträt seiner eigenen Jugend, seiner Familie – und einer seiner besten Filme überhaupt. Manche mögen den Regisseur für seine rasanten Action-Abenteuer oder Thriller lieben. Doch seine ruhigeren, persönlicheren Dramen sind eigentlich die Highlights seiner Filmkunst.

Auch "Disclosure Day" verschreibt sich gänzlich der Idee, dass Glaube, Fantasie und Empathie jene Qualitäten sind, die die Menschheit vor sich selbst retten können. Man könnte den Film auch als spätes Sequel zu "Unheimliche Begegnung der dritten Art" bezeichnen.

Düster und undurchsichtig: Noah Scanlon (Colin Firth) leitet einen regierungsnahen Sicherheitskonzern
Düster und undurchsichtig: Noah Scanlon (Colin Firth) leitet einen regierungsnahen Sicherheitskonzern
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Die Aliens sind hier keine monströsen Horrorfiguren, sondern höher entwickelte Lebewesen, in denen sich Gott manifestiert und von denen der Mensch lernen könnte – wenn er nur bereit wäre, zuzuhören. Diese Aufforderung – "hört zu!" – im Finale des Zweieinhalbstunden-Films sehr wirkungsvoll platziert, ist auch die zentrale Message von "Disclosure Day". Und in ihr schimmert nicht zuletzt der durchaus etwas schräge Humanismus-Begriff Spielbergs durch.

Abgesehen von der Ebene der Botschaften und Aussagen ist "Disclosure Day" ein gekonnt inszenierter und erzählter Film, der im letzten Drittel an Rasanz gewinnt und so auch für Action-Fans etwas zu bieten hat (auch der obligatorische Zug-Unfall darf nicht fehlen). Er erreicht zwar nicht die emotionale Tiefe von "The Fablemans" oder den Thrill-Faktor von "Der weiße Hai", dennoch ist der 37. Spielberg-Film ein durchaus interessanter, sehenswerter Streifen, der bei allen Schauwerten und technischen Finessen auch etwas zu sagen hat.

"Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit", Science-Fiction, Thriller. USA 2026, 145 Minuten, ab 10. Juni im Kino

Der Moment der Begegnung in "Disclosure Day"
Der Moment der Begegnung in "Disclosure Day"
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Außerdem neu im Kino:

"Truly Naked"
Der introvertierte Jugendliche Tom (Caolán O'Gorman) ist im Pornografie-Unternehmen seines Vaters aufgewachsen, übernimmt bei Filmdrehs inzwischen kleine Jobs und hat Sexualität bislang ausschließlich über den Blick durch die Kamera kennengelernt. Als ihn nach einem Umzug die neue, selbstbewusste Mitschülerin Nina (Safiya Benaddi) herausfordert, echte Nähe und zwischenmenschliche Beziehungen zuzulassen, beginnt für ihn ein Prozess der Selbstfindung. Seine internationale Premiere feierte "Truly Naked" im Rahmen der Berlinale 2026, für die belgische Regisseurin und Drehbuchautorin Muriel d'Ansembourg ist es ihr Langfilmdebüt.

"Truly Naked", Drama. NL/BEL/FRA 2026, 102 Minuten, ab 11. Juni im Kino

"Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens"
Französisch-belgische Arthouse-Produktion auf Grundlage des autobiografisch gefärbten Romans der belgischen Autorin Amélie Nothomb: Die kleine Amélie verbringt ihre ersten Lebensjahre in Japan, wo sie die Welt mit einer ungewöhnlichen Sensibilität entdeckt. Aus einer zunächst beinahe abgeschotteten Wahrnehmung entwickelt sich Schritt für Schritt ein staunender Blick auf Sprache, Familie, Natur und die großen Fragen des Lebens. International sorgte der Film bereits auf diversen Festivals für Aufmerksamkeit.

"Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens", Animation. FRA 2025, 77 Minuten, ab 11. Juni im Kino

"Fiume o morte!"
Regisseur Igor Bezinović widmet sich einem heute wenig bekannten Kapitel europäischer Geschichte: der Besetzung der Hafenstadt Fiume (heute Rijeka) durch den italienischen Dichter und Faschisten Gabriele D’Annunzio nach dem Ersten Weltkrieg. Bezinović rekonstruiert die Ereignisse mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Dokumentation, Satire und Reenactment, Bürger der heutigen Stadt schlüpfen selbst in historische Rollen. Das Ergebnis ist zugleich historische Analyse und Kommentar zur Gegenwart. Der Film gewann beim International Film Festival Rotterdam den FIPRESCI-Preis und wurde als kroatischer Oscar-Beitrag eingereicht.

"Fiume o morte!", Dokumentarfilm. CRO/ITA/SLO 2025, 112 Minuten, ab 12. Juni im Kino

"Ab durch die Mitte – Mit Vollgas durch Paris"
Der junge Bauunternehmer Stan (Rayane Bensetti) stiehlt aus Frust über eine vermeintlich verpasste Beförderung eine Million Euro aus dem Firmentresor. Doch dann erfährt er, dass er die gewünschte Position nun doch erhalten soll. Das Geld muss also möglichst unauffällig zurückgebracht werden. Für dieses Unterfangen engagiert er einen Schlüsseldienst-Profi (Christian Clavier), der sich jedoch als äußerst schwieriger Begleiter erweist. Aus dem simplen Plan wird ein chaotischer Trip quer durch Paris. Leichtfüßige Unterhaltung aus Frankreich von Regisseur Grégoire Vigneron.

"Ab durch die Mitte – Mit Vollgas durch Paris", Komödie. FRA/BEL 2025, 88 Minuten, ab 12. Juni im Kino

"The Love That Remains"
Der neue Film des isländischen Regisseurs Hlynur Pálmason begleitet über den Verlauf eines Jahres eine Familie, deren Eltern sich trennen. Zwischen schmerzhaften Veränderungen und Momenten unerwarteter Nähe entsteht ein sensibles Porträt darüber, wie Beziehungen auch nach dem Ende einer Partnerschaft fortbestehen können. Lief 2025 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes.

The Love That Remains", Drama. ISL/DK/SWE 2025, 109 Minuten, ab 12. Juni im Kino

Christian Klosz
Akt. 11.06.2026 02:13 Uhr