29 Jahre nach dem Unfalltod von Lady Diana erinnert sich ihr Bruder an jene tragischen Tage und Wochen zurück. Und er erzählt erstmals von einem Telefonat mit Dianas geschiedenem Mann, dem heutigen König von England, dessen Inhalt einen fassungslos macht.

Und einmal mehr ist es Diana, die den Buckingham-Palast nicht gut aussehen lässt. Oder besser gesagt: Ihr Andenken ist es, das die Royals wieder in Verlegenheit bringt.
29 Jahre nach dem tragischen Unfalltod von Lady Di, der geschiedenen Ehefrau des damaligen Thronfolgers und heutigen Königs Charles, reißt ihr Bruder, der 9. Earl Spencer, alte Wunden wieder auf. Und fügt der Erinnerung gleich noch ein paar neue hinzu.
In seinem neuen Buch erinnert sich Dianas jüngerer Bruder Charles Spencer an den Unfalltod der Prinzessin von Wales in Paris. An den Schock und die Trauer, die diese Nachricht über Großbritannien und die Welt gebracht hat. Und er schildert ein Telefonat mit dem damaligen Prinzen Charles über die Modalitäten für das Begräbnis von Diana.
In diesem Gespräch hätte Dianas geschiedener Mann nach einigen Wortwechseln schließlich seiner – wie es Dianas bruder empfand – ganzen Verachtung für seine Ex-Frau und deren große Beliebtheit bei den Menschen freien Lauf gelassen. "Sei versichert, wir werden sie noch früh genug vergessen", soll Charles damals zu seinem Ex-Schwager gesagt haben, berichtet die britische Daily Mail exklusiv vorab. Ein Satz wie ein Messerstich in das Herz eines trauernden Menschen.
Wie es seinerzeit zu jenem – angeblichen – Wortwechsel gekommen sein soll, wie der Buckingham Palast auf die Enthüllung reagiert hat und was Dianas Bruder sonst noch alles in seinem neuen Buch berichtet – die wichtigsten Infos über den jüngsten Skandal Royal:

Worum geht es?
Im Kern geht es um ein angebliches Telefonat sechs Tage nach Dianas Tod 1997. Earl Spencer behauptet, Charles habe in diesem Streit gesagt, man werde Diana bald wieder vergessen. Die Passage stammt aus dem Buch "Swan Song: Diana, My Sister. Beautiful. Beloved. Hunted" ("Schwanengesang: Diana, meine Schwester. Schön, geliebt, gejagt"), das kommende Woche erscheinen soll.
Was wirft Earl Spencer seinem Ex-Schwager Charles vor?
Spencer schildert, Charles habe ihn wegen der Begräbnisplanung wütend angerufen. Auslöser sei Spencers Widerstand dagegen gewesen, dass Dianas Söhne William (damals 15 Jahre alt) und Harry (damals 12) im Trauerzug mitgehen. Der Buckingham-Palast hätte das so entschieden, teilten Abgesandte des Hofes Earl Spencer mit. "Das wird so nicht passieren", habe dieser daraufhin geantwortet. Wenig später klingelte das Telefon und Charles sei dran gewesen.
Worum stritten die beiden laut Darstellung?
Dianas Bruder habe laut seiner Schilderung darauf bestanden, dass Diana das für ihre Söhne nicht gewollt hätte. Charles habe dagegen auf Pflicht und eigenes Vorbild verwiesen.
Welches Vorbild soll Charles genannt haben?
Spencer schreibt, Charles habe darauf verwiesen, 1979 selbst im Begräbniszug von Lord Mountbatten mitgegangen zu sein. Das war der Onkel von Charles' Vater, Prinz Philip. Charles hatte Zeit seines Lebens eine sehr enge Beziehung zu ihm und nannte ihn "Onkel Dickie". Lors Mountbatten kam bei einem Sprengstoffanschlag der IRA ums Leben. Spencer habe daraufhin erwidert, Charles sei damals 30 Jahre alt gewesen, man könne das also nicht vergleichen. Danach, so die Darstellung, sei das Gespräch eskaliert.
Wie beschreibt Spencer den Ton des Gesprächs?
Er spricht von einem "Strom aus Wut" und davon, Charles habe seine angestaute Verachtung für Diana und deren Beliebtheit bei Millionen Menschen erkennen lassen. Diese Tirade – wie Earl Spencer sie darstellt, habe dann in jenem einen gezischten Satz gegipfelt: "Sei versichert, wir werden sie noch früh genug vergessen."
Wie ging das Telefonat weiter?
Spencer schreibt, ihn habe die Aussage dermaßen schockiert, dass er nur noch geantwortet habe, er könne nicht glauben, dass Charles das gerade gesagt habe. Danach habe er aufgelegt.

Wie reagiert der Buckingham-Palast auf diese Behauptung?
Der Palast weist die Darstellung deutlich zurück, wenn auch indirekt. Ein Sprecher erklärte: "Auch wenn wir Bücher grundsätzlich nicht kommentieren, ist Seine Majestät sich bewusst, dass der Schmerz brüderlicher Trauer die Vernunft trüben, das Urteilsvermögen beeinflussen und Erinnerungen auf eine Weise färben kann, die andere nicht erkennen, selbst viele Jahre nach einem solchen Verlust." Damit stellt der Palast vor allem Spencers Erinnerung infrage.
Warum ist der Vorwurf so heikel?
Dianas Tod 1997 führte zu einem Ausnahmezustand in Großbritannien und weit darüber hinaus. Die Royals wurden damals beschuldigt, zu kühl und zu weit weg von der öffentlichen Stimmung zu sein. Wenn jetzt ausgerechnet rund um das Begräbnis neue Vorwürfe auftauchen, berührt das einen besonders wunden Punkt der Monarchie.
Waren Charles und Diana damals noch verheiratet?
Nein, das Thronfolgerpaar war ein Jahr zuvor, im August 1996, offiziell geschieden worden, nachdem es sich bereits 1992 getrennt hatte. Auslöser dafür war vor allem Charles' anhaltende Liebe zu seiner Jugendfreundin Camilla Parker Bowles, der heutigen Königin Camilla. Diana beschrieb die Situation später treffend mit dem berühmten Satz, dass sie eine "Ehe zu dritt" führten.
Welche Rolle spielen William und Harry in der Debatte?
Beide Prinzen gingen damals tatsächlich hinter dem Sarg ihrer Mutter. Harry sagte später, kein Kind sollte dazu aufgefordert werden. Zugleich erklärte er 2017, rückblickend sei er froh, Teil dieses Tages gewesen zu sein und habe keine klare Meinung, ob es richtig oder falsch war.
Was ist über das Buch selbst bekannt?
Charles Earl Spencer nennt es "seine Memoiren". Es soll weltweit kommende Woche erscheinen. Spencer sagt, er wolle damit Unwahrheiten über seine Schwester korrigieren. Schon vor Veröffentlichung gilt das Werk als scharf gegenüber der Royal Family.
Wie ist der Erscheinungstermin einzuordnen?
Er kommt für die Royals zu einer Unzeit. Die Stimmung der Bevölkerung gegenüber der königlichen Familie ist derzeit durchwachsen. König Charles – der nach wie vor mit seiner Krebs-Erkrankung kämpft – strahlt für viele Beobachter zu wenig Herzenswärme aus, die Querelen rund um Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan, deren TV-Eskapaden und ihre Rückkehr nach England tun ein Übriges. Einzig Thronfolger Prinz William und seine Ehefrau, Prinzessin Kate, sind bei den Menschen wirklich beliebt und hoch angesehen.

Apropos – hat sich William zu den Anschuldigungen seines Onkels geäußert?
Nein, bislang ist keine Stellungnahme zu den Behauptungen aus dem Buch bekannt.
Gibt es noch weitere auffällige Entwicklungen rund um die Veröffentlichung?
Ja. In den Niederlanden wurden vier Exemplare der Memoiren (in niederländischer Übersetzung) aus einem Lieferwagen gestohlen. Der Lkw war mit Büchern beladen und über Nacht auf einem Parkplatz abgestellt, während der Fahrer in der Kabine schlief. Verlagsquellen sprechen von einem äußerst verdächtigen Diebstahl, die Polizei ermittelt.
Wird das Buch auch auf Deutsch erscheinen?
Bis jetzt ist jedenfalls keine deutsche Veröffentlichung angekündigt.
Worüber schreibt Dianas Bruder noch?
Darauf sind schon viele Beobachter gespannt, wenn bereits die erste Vorab-Veröffentlichung für so viel Aufregung sorgt. Bisher sind nur diese Auszüge öffentlich geworden, das 359 Seiten starke Gesamtwerk liegt Medienberichten zufolge bisher nicht vollständig vor. Es ist aber zu erwarten, dass bis zum Erscheinungstag des Buches am kommenden Dienstag, dem 22. September, noch weitere Episoden vorab bekannt werden und für medialen Wirbel sorgen werden.