NewsFlix.at Logo
Es geht um 40 Mio. Euro

Millionenforderung nach Gerichts-Pleite: Kann sich Harry das leisten?

Prinz Harry, Elton John und fünf weitere Prominente haben den Medienkonzern hinter der Zeitung Daily Mail wegen angeblich illegaler Praktiken verklagt – und verloren. Nun müssen sie schlimmstenfalls die kompletten Prozesskosten übernehmen: 40 Millionen Euro.

Muss nun wohl Millionen an Prozesskosten zahlen: Prinz Harry und seine Mitstreiter verloren ihre Zivilrechtsklage gegen britische Medien
Muss nun wohl Millionen an Prozesskosten zahlen: Prinz Harry und seine Mitstreiter verloren ihre Zivilrechtsklage gegen britische MedienREUTERS/Maja Smiejkowska/File Photo
NewsFlix Redaktion
Akt. 31.07.2026 03:34 Uhr

Wussten sie nicht, worauf sie sich da eingelassen haben? Oder waren sich die Kläger so siegessicher, dass sie die Möglichkeit des Scheiterns gar nicht erst in Betracht gezogen haben? Wie auch immer die Antwort auf diese Frage lautet, es ist mittlerweile einerlei.

Anfang Juli endete ein aufsehenerregender Zivilprozess in London mit einer krachenden Niederlage der Kläger. Sieben Mitglieder der besseren Gesellschaft, angeführt von seiner Hoheit, dem Herzog von Sussex, vulgo Prinz Harry, und dem Sänger Elton John, hatten den Verlag hinter den Zeitungen Daily Mail und Mail on Sunday verklagt – und verloren.

Und wer den Spott hat, bekommt auch den Schaden übergestülpt. Der siegreiche Verlag fordert nun von den sieben erfolglosen Klägern sämtliche Prozess- und Anwaltskosten zurück: 34 Millionen Pfund, umgerechnet etwa 40 Millionen Euro, berichten BBC und Reuters.

Ob das prominente Septett wirklich die komplette Summe aufbringen muss, wie es überhaupt zu solch einer eklatant hohen Forderung kommen kann und ob die Sieben diese Summe überhaupt aufbringen können – das muss man über die Millionen-Forderung wissen:

Können sich allfällige Millionenforderungen locker leisten: Sir Elton John und sein Ehemann David Furnish bei einem Staatsbankett in Windsor
Können sich allfällige Millionenforderungen locker leisten: Sir Elton John und sein Ehemann David Furnish bei einem Staatsbankett in Windsor
via REUTERSChris Jackson/Pool via REUTERS

Worum ging es bei der Klage konkret?
Prinz Harry und seine prominenten Mitstreiter hatten die Mediengruppe Associated Newspapers Limited, kurz ANL, geklagt. Sie warfen dem Unternehmen hinter Blättern wie der Daily Mail vor, Informationen auf unrechtmäßige Weise beschafft zu haben. Der zuständige Richter wies die Klage nach insgesamt 46 Verhandlungstagen jedoch in allen insgesamt 97 Punkten ab.

Wer gehörte aller zu den Klägern?
Zur Gruppe zählten neben Prinz Harry auch der Sänger Elton John und dessen Ehemann David Furnish. Außerdem die Schauspielerinnen Elizabeth Hurley und Sadie Frost, die Bürgerrechtsaktivistin Doreen Lawrence sowie der frühere Politiker Simon Hughes.

Worum ging es inhaltlich in der Klage?
Die Kläger behaupteten, ANL habe Privatdetektive eingesetzt, um sie auszuspionieren. Diese sollen Autos und Wohnungen verwanzt, private Telefongespräche illegal abgehört und unter falschen Identitäten versucht haben, an medizinische Unterlagen zu kommen.

Wie reagierte die Verlagsgruppe auf die Klage?
Die Verlagsgruppe bestritt sämtliche Vorwürfe.

Warum sind die Kläger gescheitert?
Nach Ansicht des Gerichts gelang es ihnen nicht, ihre Anschuldigungen zu beweisen. Entscheidend war also nicht bloß die Schwere der Vorwürfe, sondern ob sie im Verfahren ausreichend belegt werden konnten. Der Richter wies deshalb sämtliche Ansprüche zurück.

Wie geht es jetzt weiter?
Nach dem verlorenen Hauptverfahren läuft nun eine eigene Verhandlung über die Prozesskosten. Das ist bei großen Zivilverfahren üblich, weil erst nach einem Urteilsspruch feststeht, wer welchen Anteil an den Prozesskosten zahlen muss. Die Anhörung dazu begann am Mittwoch und wurde am Donnerstag fortgesetzt.

Eine der insgesamt sieben Klägerinnen: Schauspielerin Elizabeth Hurley
Eine der insgesamt sieben Klägerinnen: Schauspielerin Elizabeth Hurley
APA-Images / AFP / BROOK MITCHELL

Wie hoch sind die Prozesskosten?
Die Anwälte von ANL bezifferten die Prozesskosten mit rund 34 Millionen Pfund, also umgerechnet etwa 40 Millionen Euro.

Wie können in 46 Verhandlungstagen solch hohe Kosten entstehen? 
Der gesamte Zivilprozess dauerte laut britischen Medien vier Jahre, die Klage wurde bereits 2022 eingebracht. Insofern sind die Kosten gar nicht mehr so gewaltig, wenn man bedenkt, wie viele Anwaltsstunden dabei zusammengekommen sind.

Wie werden die Prozesskosten unter den Parteien aufgeteilt?
Normalerweise werden Prozesskosten nach einem üblichen Schema verteilt. ANL verlangt aber, dass in diesem Fall eine strengere Regel angewandt wird, also eine für den Verlag finanziell günstigere Lösung.

Also könnten Harry und die anderen Kläger mehr zahlen müssen als normalerweise üblich?
Ja, das könnte passieren. Denn ANL argumentiert, die Kläger hätten den Fall unangemessen geführt und deshalb sollten sie einen größeren Anteil übernehmen müssen.

Was wirft ANL der Klägerseite konkret vor?
ANL-Anwalt Antony White sprach von einem "Frontalangriff" auf die Zeitungen der Mediengruppe. Er bezeichnete das Vorgehen der sieben Kläger als "eine Kampagne anstelle eines normalen und vernünftigen Rechtsstreits". In schriftlichen Eingaben erklärte ANL zudem, die Kläger hätten Warnungen des Gerichts zur richtigen Prozessführung missachtet.

Lässt sich dieser Vorwurf nachvollziehen?
Nicht im Detail. Prozessbeobachter geben aber zu bedenken, dass das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Matthew Nicklin vom High Court die Klage Anfang Juli ziemlich barsch als unbegründet abgewiesen habe – und das auch in einer 436 Seiten starken Urteilsbegründung detailliert ausgeführt habe.

Chef von ANL: der ehemalige Daily Mail-Chefredakreur Paul Dacre leaves the High Court, on the day of his testimony in the lawsuit against Associated Newspapers, publisher of the Daily Mail, which Britain's Prince Harry and others are suing over allegations of privacy breaches dating back 30 years, in London, Britain, February 11, 2026.
Chef von ANL: der ehemalige Daily Mail-Chefredakreur Paul Dacre leaves the High Court, on the day of his testimony in the lawsuit against Associated Newspapers, publisher of the Daily Mail, which Britain's Prince Harry and others are suing over allegations of privacy breaches dating back 30 years, in London, Britain, February 11, 2026.
REUTERS/Toby Melville

Wie verteidigen sich Harry und die anderen?
Ihr Anwalt Nicolas Bacon betonte, seine Mandanten hätten "ehrlich und im besten Gewissen gehandelt". Sie müssten nicht für alle "erstaunlich hohen Anwaltskosten" der Mediengruppe geradestehen. Die Klägerseite hält es für ungerechtfertigt, dass sie die vollen Kosten tragen soll.

Haben die Kläger keine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen, welche die Prozesskosten übernimmt?
Doch. Vor Gericht wurde gesagt, dass die Kläger insgesamt eine Prozesskostensumme von 16,2 Millionen Pfund (knapp 19 Mio. Euro) mit ihren Rechtsschutzversicherungen abgedeckt hätten. Es war aber offenbar auch klar, dass diese Deckung am Ende möglicherweise nicht ausreichen könnte. Wie es aussieht, liegt diese Deckungslücke jetzt bei etwa 18 Millionen Pfund (ca. 21 Mio. Euro).

Wie entscheidet das Gericht jetzt genau?
Das Gericht muss klären, ob die Rückzahlung nach dem normalen Modell erfolgt oder ob die strengere Kostenregel greift. Davon hängt ab, wie hoch die Rechnung für die unterlegenen Kläger am Ende ausfällt. Ein schriftlicher Beschluss dazu soll später ergehen.

Könnte das Gericht der Argumentation des Verlages folgen?
Es ist jedenfalls nicht auszuschließen. Immerhin äußerten sich einige der Kläger nach dem Urteil sehr enttäuscht über die richterliche Entscheidung. Prinz Harry nannte das Urteil einen "vollständigen und offensichtlichen Persilschein", eine andere Klägerin bezeichnete den Richterspruch als "verrückt". Diese Statements könnten den Klägern nun auf die Füße fallen, schreibt die deutsche FAZ.

Aber können sich die Kläger diese Summen überhaupt leisten?
Das ist die große Frage, die derzeit viele in London beschäftigt. Für Elton John und seinen Ehemann David Furnish sollte es jedenfalls kein Problem sein, allfällig noch zu bezahlende Millionen aufzubringen. Der Musiker wird auf ein Vermögen von etwa 650 Millionen Dollar (ca. 565 Mio. Euro) geschätzt.

Werden zusammen auf etwa 50 bis 55 Millionen Euro geschätzt: der Herzog und die Herzogin von Sussex a.k.a. Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan
Werden zusammen auf etwa 50 bis 55 Millionen Euro geschätzt: der Herzog und die Herzogin von Sussex a.k.a. Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan
Jonathan Brady/Pool via REUTERS

Und Prinz Harry?
Obwohl die britische Presse das Urteil einen "Millionenschlag" für den Royal nennt, gibt es keine Berichte, dass der Herzog von Sussex eine allfällige Millionen-Forderungen des Gerichts nicht würde stemmen können. Aus Erbschaften (von seiner Mutter, Lady Diana, und der Queen) alleine sollen ihm mehr als 20 Millionen Pfund zugefallen sein. Auch die Netflix-Show seiner Ehefrau Meghan soll dem Paar eine Millionensumme eingebracht haben. Insgesamt wird sein Vermögen auf umgerechnet etwa 50 bis 55 Millionen Euro geschätzt.

Wie sieht es mit den anderen Klägern aus?
Darüber kann man nur spekulieren. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass das Gericht die Vermögensverhältnisse der Kläger in seine Überlegungen einbezieht, wenn es entscheidet, wer jetzt wie viel zu den gesamten Prozesskosten beizutragen hat.

NewsFlix Redaktion
Akt. 31.07.2026 03:34 Uhr