Am 21. April wäre sie 100 Jahre alt geworden. Hugo Vickers beschreibt in seinem neuen Buch "Queen Elizabeth II" die letzten Jahre der Monarchin. Und schildert die Trauer und die Wut über den Tod ihres Lebensmenschen, Prinz Philip: "Er ging, ohne sich zu verabschieden."

Am 21. April wäre Queen Elizabeth II. 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass beschäftigen sich gleich mehrere neue Bücher mit dem Leben der längstdienenden Monarchin des 20. Jahrhunderts.
Im Zentrum stehen dabei vor allem die späten Jahre der britischen Königin. Als sie es, selbst bereits hoch in ihren Achtzigern, nicht nur mit den Zumutungen des Alters zu tun bekam, sondern auch mit den Herausforderungen einer Zeit, die immer weniger die ihre war.
Die größte Aufmerksamkeit eilt dabei der mehr als 600 Seiten starken Lebensgeschichte "Queen Elizabeth II – A Personal History" (Hodder & Stoughton, des renommierten Royal-Biografen Hugo Vickers voraus, die am 9. April erscheinen wird.
Vickers, der sich u. a. als Autor von Biografien über Queen Mum (die Mutter von Elizabeth II.), Queen Mary (Elizabeth' Großmutter) oder Wallis Simpson (der späteren Ehefrau von Elizabeth' Onkel, König Edward VIII.) einen Namen gemacht hat, will damit vor allem "die Frau hinter der Krone" porträtieren, wie er selbst sagt.
Vickers kann dafür auf einen wohl einzigartigen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Insgesamt 40 Mal habe er die Königin im Laufe von 55 Jahren getroffen, bei förmlichen Anlässen, aber auch im kleinen Rahmen, in dem er Gespräche mit der Monarchin führen konnte.

Entstanden ist daraus eine wohl einzigartige Mischung aus Biografie, Insiderwissen und Enthüllungsbuch über jene Frau, die von 1952 bis 2022 insgesamt mehr als 70 Jahre das Vereinigte Königreich und den Commonwealth führte. Autor Hugo Vickers schildert dabei nicht nur, wie Elizabeth akribisch auf ihre späteren Pflichten als Monarchin vorbereitet worden ist.
Sondern er plaudert vor allem zahlreiche Anekdoten und Begebenheiten aus, die der Öffentlichkeit bislang noch nicht bekannt gewesen sind: Über das Zusammenleben von Elizabeth mit ihrem Ehemann, Prinz Philip; Die zunehmenden gesundheitlichen Probleme des Monarchen-Paares; Und er schildert, wie sich die Königin, längst die Diagnose des eigenen Todes vor Augen, bis zu ihrem letzten Atemzug den Pflichten und Verantwortungen ihres Amtes beugte – und den Herausforderungen, die ihr ihre eigene Familie auferlegte.
Welche bislang unbekannten Geheimnisse Autor Hugo Vickers aus dem Leben der Queen in seinem neuen Buch verrät, mit wem sich die Königin über die Zumutungen des Alltags als Royal unterhielt und weshalb es ihr nicht vergönnt gewesen ist, sich von ihrem Lebensmenschen Prinz Philip würdevoll zu verabschieden – das müssen Sie über die neue Biografie von Königin Elizabeth II. wissen:
Wie lange kannten sich Elizabeth und Philip?
Nahezu ihr ganzes Leben. Das erste Mal trafen sie sich im Jahr 1934, da war sie acht und er 13 Jahre alt.
Wann fand das Paar zueinander?
Als Elizabeth 13 Jahre alt war, funkte es zwischen den beiden – sie trafen sich auf der Militärschule in Dartmouth. 1947 wurde schließlich Verlobung gefeiert und im selben Jahr geheiratet.
War das Paar immer glücklich miteinander?
Sie blieben sich jedenfalls immer verbunden, auch wenn sie sich voneinander entfernten. So sei das Paar in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre "in gewisser Weise voneinander getrennt" gewesen, schildert Autor Hugo Vickers.

Wie muss man sich das vorstellen?
Die Eheleute gaben sich gegenseitig Freiraum. In der Praxis sah das so aus, dass die Königin in London oder auf Schloss Windsor die Amtsgeschäfte wahrnahm, während Philip auf Schloss Sandringham sein eigenes Leben lebte.
Wo lebte Philip damals genau?
Philip, zu diesem Zeitpunkt bereits über 90 Jahre alt, lebte in einem ehemaligen Farmhaus namens Wood Farm auf dem weitläufigen Gelände von Sandringham. Es ist übrigens jenes Cottage, in dem derzeit Prinz Andrew, dritt geborenes Kind des Monarchenpaares, untergebracht ist, bis das eigentlich für ihn gedachte Marsh Farm so weit adaptiert ist, dass er dort einziehen kann.
Was tat er da?
"Er genoss das Kutschenfahren, las unersättlich und malte ein wenig", so Autor Vickers. Und er erhielt öfter Besuch von seiner langjährigen Freundin und Vertrauten Penny Mountbatten, auch bekannt als Penelope Knatchbull, Gräfin Mountbatten von Burma.
Welche Art Verhältnis hatten die beiden?
Sie galten als Freunde, ob da mehr war, weiß offiziell niemand. Die Gräfin, sie wird am 16. April 73 Jahre alt, gehört seit Jahrzehnten zum engsten Umfeld der britischen Royals.
Wie stand die Queen dem gegenüber?
Was auch immer zwischen ihrem Mann und Gräfin Penny gewesen sein könnte, sie tolerierte es. Vickers: "Die Königin ließ den Herzog machen, was er wollte. Am glücklichsten war er auf Wood Farm auf dem Anwesen von Sandringham."
Und sie selbst?
"Von Zeit zu Zeit reiste die Königin mit dem Zug nach Norfolk (nach Sandringham, Anm.), um dort das Wochenende zu verbringen", schreibt Autor Hugo Vickers.

Weshalb hatte Philip sich überhaupt nach Sandringham zurückgezogen?
Um sich zu erholen. Der Prinzgemahl hatte mehrere Herz-OPs, die seine Gesundheit beeinträchtigten, und zog sich 2017 im Alter von 96 Jahren von seinen Pflichten als Royal zurück, um seinen Lebensabend nach seinen eigenen Vorstellungen bestreiten zu können.
Hatte Philip noch andere gesundheitliche Themen?
Ja. Wie Autor Hugo Vickers in seinem Buch verrät, sei bei Prinz Philip bereits im Jahr 2013 unheilbarer Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden. Diese Diagnose sei niemals öffentlich gemacht worden, so die Daily Mail, war aber mit ausschlaggebend für den Wunsch Philips, sich von seiner "Arbeit" als Royal zurückzuziehen.
Wann kamen sich die Königin und ihr Prinzgemahl wieder näher?
Im Zuge der Corona-Pandemie. Die Königin verließ den Buckingham Palast und begab sich nach Windsor Castle, wo sie Prinz Philip von Wood Farm zu sich rief. "Sie wurden in vier Zimmern des Schlosses untergebracht und von einem Minimalpersonal von insgesamt 22 Personen betreut", so Autor Vickers. "Sie begaben sich in strenge Isolation, niemand durfte den oberen Burghof betreten."
Wie lange ging das so?
Sicherheitshalber verbrachten die beiden auch Weihnachten 2020 in Isolation in Windsor, während die anderen Mitglieder der königlichen Familie traditionell in Sandringham feierten. Bezeichnenderweise zeigte die Königin in ihrer Weihnachtsansprache an die Nation nur ein einziges Familienfoto auf ihrem Schreibtisch: eine Aufnahme von Prinz Philip in einem schlichten ovalen Rahmen.
Wie alt war Philip zu diesem Zeitpunkt?
99 Jahre – und ihm graute davor, seinen hundertsten Geburtstag zu erleben, so Queen-Biograf Hugo Vickers: "Ihm missfiel der Trubel, der mit solchen Ereignissen einhergeht, ganz besonders", schreibt der Royal-Experte.
Wie ging die Sache weiter?
Anfang 2021 musste Philip, der Herzog von Edinburgh, immer wieder ins Krankenhaus und wäre im März beinahe während einer Herzoperation gestorben. Doch noch einmal kehrte er nach Windsor zurück, wo er von mehreren Ärzten und Pflegerinnen rund um die Uhr betreut wurde.

Aber das Ende war nahe?
Ja, und alle konnten das spüren. In der letzten Nacht seines Lebens, vom 8. auf den 9. April 2021, "entkam der 99-jährige Prinz seinen Krankenschwestern, schlurfte mit seinem Rollator den Flur entlang, nahm sich ein Bier und trank es im Eichenzimmer", so Vickers.
Was geschah dann?
"Am nächsten Morgen stand Philip auf, nahm ein Bad, sagte, er fühle sich nicht wohl, legte sich wieder hin und entschlief still und leise", schildert Hugo Vickers die letzten Minuten im Leben des Prinzgemahls.
Wo war die Queen zu dem Zeitpunkt?
Sie schlief noch – das Paar hatte getrennte Schlafzimmer. Und obwohl sie sofort geweckt wurde, sah sie den Mann, den sie 1934, vor 87 Jahren, das erste Mal getroffen hatte, nicht mehr lebendig.
Wie ging es Elizabeth dabei?
Wie man es sich vorstellen kann, sie war am Boden zerstört. "Sie habe gesagt, sie sei 'absolut wütend darüber gewesen, dass er, wie so oft im Leben, gegangen sei, ohne sich zu verabschieden'", berichtet Autor Hugo Vickers in seinem Buch.
Wie war die Trauerfeier?
Philip hätte sie gefallen, da waren sich alle einig. Nur 30 Menschen waren aus Pandemie-Gründen zugelassen. Königin Elizabeth saß mit Schutzmaske allein in der St. George's Chapel in Windsor und nahm von ihrem Gefährten Abschied. Das Bild davon ging um die Welt.
Wie änderte sich das Leben der Königin nach Philips Tod?
Das augenfälligste Merkmal war, dass sie keine Nacht mehr im Buckingham Palace verbrachte. Den Sommer 2021 verbrachte sie auf Schloss Balmoral in Schottland, wo sich Elizabeth immer besonders wohlfühlte. Im Herbst kehrte sie wieder nach Windsor zurück, ihr Bett immer mit sich führend.

Wie bitte?
Eine der kuriosesten Enthüllungen aus der neuen Elizabeth-Biografie ist, dass die Königin auf ihren Reisen zwischen Buckingham, Windsor, Balmoral und Sandringham offenbar immer ihr eigenes Bett mit sich führte. Je nachdem, wo die Königin nächtigen wollte, wurde das gute Stück immer an Ort und Stelle auf- bzw. abgebaut.
Wie ging es der Königin gesundheitlich nach dem Tod ihres Mannes?
Auch ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Doch noch galt es, die Feiern anlässlich des 70-jährigen Thronjubiläums Anfang Juni 2022 zu überstehen. Wie ihr Biograf Hugo Vickers schreibt, hatte die Queen zu diesem Zeitpunkt bereits die Diagnose Knochenkrebs erhalten und wusste, dass sie nicht mehr lange zu leben hatte. Trotzdem ließ sie sich abermals nach Balmoral in Schottland bringen und ging von dort ihren Amtsgeschäften nach.
Wer war zu diesem Zeitpunkt an ihrer Seite?
Laut Vickers sprach Elizabeth vor allem mit ihrer alten Freundin Prudence Penn offen über den Tod. Dabei habe die Monarchin einmal bemerkt: "Ich fühle mich, als wäre ich in der Abflughalle." Und sie beneidete offenbar ihre Freundin um deren Anonymität: "Zumindest musst du es nicht so öffentlich tun wie ich."
Wann war es so weit?
Queen Elizabeth starb am 8. September 2022 im Alter von 96 Jahren, nachdem sie über 70 Jahre lang regiert hatte. Sie folgte ihrem Lebensmenschen, von dem sie sich nicht mehr hatte verabschieden können, exakt ein Jahr und fünf Monate nach dessen Tod.
Zwei Anekdoten aus den letzten Lebensjahren der Queen zeigen, wie sehr sie sich auch im hohen Alter noch bemühte, mit den Ereignissen der Zeit Schritt zu halten und diese zu verstehen, auch wenn es schwierig für sie gewesen ist.
Das Missfallen der Queen mit Prinz Harrys Partnerwahl
Als Charles' zweitgeborener Sohn Prinz Harry mit der US-Schauspielerin Meghan Markle in London auftauchte, war sowohl der Königin, als auch Prinz Philip rasch klar, dass diese Verbindung eine Mesalliance war, zumindest nach den Kriterien der Windsors. Und während Philip seinem Missfallen Ausdruck verlieh, indem er Markle hinter ihrem Rücken als "Duchess of Windsor" bezeichnete – eine unverhohlene Anspielung auf Wallis Simpson, die bürgerliche Ehefrau von König Edward VIII. Elizabeths Onkel – mahnte die Queen ihren Enkel zu zeitlicher Zurückhaltung.

Was ist damit gemeint?
Die Königin habe Harry geraten, sich nach der Verlobung mit Meghan Markle ein Jahr Zeit zu lassen, um der Beziehung die Chance zu geben, sich zu entwickeln, so Biograf Hugo Vickers.
Und hielt sich Harry daran?
Nein, er trat swechs Monate nach der Verlobung vor den Traualter
Wie reagierte die Königin?
Mit Unverständnis. Eine der Königin nahestehende Person soll ihre Haltung zur Hochzeit in deutlichen Worten beschrieben haben: "Macht es einfach. Das geht mich nichts an", so Autor Hugo Vickers in seiner Biografie.
Mit Unverständnis hat die Queen auch auf den Aufstieg von Donald Trump zum US-Präsidenten reagiert. Die Autorin Susan Page beschreibt in ihrem Queen-Buch "The Queen and her Presidents" das Verhältnis der Königin zu den US-Präsidenten, die sie während ihrer Regierungszeit alle erlebte – es waren insgesamt 13, von Dwight Eisenhower bis Joe Biden.
Und wie sticht Trump da heraus?
Der Königin fehlte jedes Verständnis dafür, wie so jemand von seinem Volk gewählt werden konnte. Elizabeth hatte sich mit George W. Bush und seiner Frau blendend verstanden, ebenso wie mit Michelle und Barack Obama. Trump griff diese Menschen – ihre Freunde – an. Und er bezeichnete Länder Afrikas, die zum Commonwealth gehörten, als "Dreckslöcher".

Wie reagierte die Königin?
Sie versuchte zunächst dahinterzukommen, weshalb Trump gewählt wird, fand aber offenbar keine schlüssige Antwort. Also reagierte sie auf für sie typische, sehr subtile Weise: Bei ihrer ersten Zusammenkunft mit Trump in London trug die Königin ein buntes, auffälliges Kleid – und dazu eine Brosche, die ihr Michelle Obama geschenkt hatte. Es war ihre Art, ihrem Widerstand gegen das, wofür Donald Trump bereits in seiner ersten Amtszeit stand, Ausdruck zu verleihen.