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Comeback nach 15 Jahren, aber was taugt das neue "Scrubs"?

"Scrubs" ist zurück. Die komische, traurige, alberne, kluge, verspielte, tiefgründige und in jeder Hinsicht originelle Krankenhaus-Sitcom bekommt nach 15 Jahren eine neue Staffel. In der ist alles so, wie es immer war, nur eben 15 Jahre später. Ab 25. März auf Disney+.

Wieder auf Visite: "Scrubs", Staffel 10, startet am 25. März auf Disney+
Wieder auf Visite: "Scrubs", Staffel 10, startet am 25. März auf Disney+Disney
Christian Klosz
Akt. 24.03.2026 23:07 Uhr

Das Comeback von "Scrubs" ist doppelt beachtlich: Zum einen ist das Revival nur eines von vielen späten Film- und Serien-Sequels, die derzeit die Nostalgiewelle reiten und ihr Publikum in eine "bessere Vergangenheit" mitnehmen möchten. Den Trend ausgelöst hat "Frasier" im Jahr 2023, es folgte "King of the Hill" (2025).

Und heuer stehen gleich mehrere Neuauflagen von Serien an, die auch bei uns Kultstatus genießen: Neben "Scrubs" sind das "Malcolm Mittendrin" (ab 10. April), "Buffy" (Herbst) und "Baywatch" (zum Jahreswechsel).

Zum anderen ist es ein weiteres Format von Serienschöpfer Bill Lawrence, dessen kreativer Output derzeit fast schon beängstigend ist: Die vierte Staffel von "Ted Lasso" befindet sich in Produktion, eine zweite Staffel von "Bad Monkey" ist in Vorbereitung, der dritte Durchgang von "Shrinking" ist erst kürzlich angelaufen (alle bei Apple TV+).

Seit kurzem läuft außerdem seine neue Serie "Rooster" mit Steve Carrell bei HBOMax. Und am 25. März startet eben die zehnte Staffel  der Krankenhaus-Sitcom "Scrubs" bei uns auf Disney+, in den USA begann die Ausstrahlung bereits vor einem Monat.

"Scrubs" gehörte in den Nuller-Jahren zu den beliebtesten und auch besten Sitcoms, die das gesamte Genre auf ein neues Niveau hob: Man setzte auf Kino-artige Optik ("Single Camera Shots") in realistischem Setting statt auf Studiodrehs und verzichtete auf Lacher vom Tonband. Thematisch mixte "Scrubs" Heiteres mit Ernstem, albernen Humor mit tiefgründigen Überlegungen. Auch das war neu.

Ein bisschen wie Klassentreffen: Turk (Donald Faison), Elliot (Sarah Chalke) und Carla (Judy Reyes) sind auch wieder mit dabei
Ein bisschen wie Klassentreffen: Turk (Donald Faison), Elliot (Sarah Chalke) und Carla (Judy Reyes) sind auch wieder mit dabei
Disney

In der Neuauflage kehrt John Dorian alias "J.D." (Zach Braff) eher zufällig an seine alte Arbeitsstätte, das Sacred Heart Hospital, zurück. Während er als Privatarzt gut verdient, aber mit medizinisch eher banalen Dingen zu tun hat, arbeiten sein bester Freund Chris Turk (Donald Faison), seine inzwischen wieder Ex Elliot Reid (Sarah Chalke) und sein Mentor Dr. Cox (John C. McGinley) immer noch dort.

Seine Kurzvisite bei einer Patientin wird nicht nur zum Wiedersehen mit alten Bekannten, sondern stellt auch die Karriere von J.D. auf den Kopf: Denn Dr. Cox, inzwischen Chefarzt des Hospitals, hat Dorian als seinen Nachfolger vorgesehen. Und so wird dessen temporäre Visite in seiner alten Umgebung zu einem Daueraufenthalt, mit alten und neuen Gesichtern, aber in einer gänzlich neuen Aufgabe.

Die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte wirkt dabei etwas zu forciert, wird zu schnell abgehandelt und kommt deshalb unrealistisch rüber. Hier wurde die Dramaturgie dem Zweck untergeordnet: Um ein echtes Revival glaubhaft zu machen, musste der Held der Geschichte wieder in seine alte Umgebung verpflanzt werden, und dabei wollten die Autoren wohl keine Zeit verlieren. Egal. "Scrubs" anno 2026 gehört definitiv zu den besseren Revivals, das zeigen bereits die ersten Folgen.

Gesellschaftspolitisch-kulturelle Aspekte werden auch in der zehnten Staffel humorvoll, sensibel und mit Ironie abgehandelt, etwa wenn es um politisch korrekte Sprachregelungen, Sexismus oder Diskriminierung am Arbeitsplatz geht. Umgangsformen werden als relativ und Produkte ihrer Zeit gefasst, die nicht ultimativ gut oder schlecht sind. Und die Anpassung daran, etwa durch Dr. Cox oder "den Todd", der auch wieder mit dabei ist, wird als fortlaufender, dynamischer und beidseitiger Verständigungsprozess betrachtet.

Bei der Abbildung moderner Public Health-Maßnahmen, etabliert als Folge der Covid-Pandemie, versagt "Scrubs" aber weitgehend (wie die meisten anderen neuen Krankenhaus-Serien übrigens auch). Zwar stehen an allen Ecken und Enden Handdesinfektionsspender, auch ein paar Masken sieht man zu Beginn. Aber der Charakter durch die Luft übertragener Krankheiten und die Notwendigkeit von Infektionsschutz für Patienten und Angestellte wurde auch hier nicht verstanden.

Natürlich könnte man einwenden, dass manches davon aus dramaturgischen Gründen schlicht hinderlich wäre. Trotzdem könnten und sollten neue Formate anno 2026 mit dem Thema klüger und kreativer umgehen. Dass selbst die Koreakriegs-Serie "M.A.S.H." in den Siebzigerjahren da bereits weiter war, ist einigermaßen bezeichnend.

Nach wie vor der Fels in der Brandung: Dr. Cox (John C. McGinley)
Nach wie vor der Fels in der Brandung: Dr. Cox (John C. McGinley)
Disney

In allen anderen Bereichen knüpft "Scrubs" nahtlos dort an, wo die Serie vor gut 15 Jahren endete. Die Figuren sind etwas älter, haben dadurch manch andere Probleme und Alltagssorgen. Sie haben sich auch weiterentwickelt, aber doch immer noch mit ähnlichen Unsicherheiten und Neurosen zu kämpfen, die diese Serie schon bisher immer so liebe- und humorvoll darstellte.

"Scrubs" 2026 versucht nicht krampfhaft, neu und hip zu sein, verliert sich aber auch nicht in nostalgischem Kitsch nach dem Motto "früher war alles besser". Es geht wie auch schon bisher ums Überleben im Alltag, im Berufs- und Privatleben. Manchmal ist allein das schon eine Heldenleistung, wie uns diese Serie in kleinen Lektionen vermittelt. Das macht heute immer noch Spaß, ist unterhaltsam und kurzweilig. Ein wunderbar positives Beispiel dafür, dass es manchmal durchaus Sinn macht, Altes neu aufzuwärmen.

"Scrubs", Dramedy. USA 2026, 9 Episoden à ca. 22 Minuten. Episode 1 ab 25. März, danach jede Woche eine weitere Episode, Disney+

Christian Klosz
Akt. 24.03.2026 23:07 Uhr