Das Film-Drama "Hamnet" ergründet das Familienleben von William Shakespeare und gilt bereits jetzt als Oscar-Favorit. Außerdem diese Woche neu im Kino: Der dritte Spielfilm mit den drei Fragezeichen sowie der dystopische Science-Fiction-Thriller "Mercy".

Und immer wieder Shakespeare: Der größte Dramatiker aller Zeiten belebt nicht nur als Autor seit Generationen die Kinoleinwände. Auch seine Person weckt alle paar Jahre das Interesse von Autoren und Filmemachern.
Ob jetzt in der Historien-Romanze "Shakespeare in Love" von 1998 (insgesamt sieben Oscars), dem Thriller "Anonymus", der der wahren Urheberschaft hinter dem angeblichen Pseudonym Shakespeare auf die Schliche kommen möchte, oder nun in dem mitreißenden Drama "Hamnet" über jenen Verlust, der den großen Autor beinahe für immer aus der Bahn geworfen hätte.
Dem Historienepos von Regisseurin Chloe Zhao eilt ein sensationeller Ruf voraus, es gewann vor Kurzem den Golden Globe und gilt bereits jetzt als Oscar-Favorit. Was wirklich dran ist an dem wunderschön gefilmten Stoff, lesen Sie hier.
Außerdem diese Woche neu im Kino: Das bereits dritte Abenteuer der beliebten "Drei ???" aus der gleichnamigen Buch- und Hörspielreihe, der dystopische Thriller "Mercy" mit Chriss Pratt sowie die liebevoll gestaltete Zeitreise-Komödie "Die progressiven Nostalgiker" aus Frankreich. Kommen Sie gut durch diese Kino-Woche!

Worum es geht England im 16. Jahrhundert. Der junge William Shakespeare (Paus Mezcal) und seine spätere Ehefrau Agnes (Jessie Buckley) lernen sich in Stratford-upon-Avon kennen und verlieben sich leidenschaftlich. Doch seine Eltern, beide Gelehrte, sind gegen die Verbindung mit der freigeistigen Agnes, die manche für eine Hexe halten, weil sie sich mit Naturheilkunde beschäftigt. Die junge Liebe kann das jedoch nicht aufhalten, Agnes wird schwanger und schließlich heiraten die beiden.
Während William zwischen seinem Familienleben in Stratford und seinen Verpflichtungen in London am Theater, wo er seine Karriere als Dramatiker startet, hin- und hergerissen ist, kümmert sich Agnes liebevoll um ihre mittlerweile drei Kinder, die ihr Ein und Alles sind.

Doch als eine Pestepidemie im Dorf ausbricht, wird ihr Leben jäh erschüttert: Ihr einziger Sohn Hamnet erkrankt schwer und stirbt im Alter von nur elf Jahren – ein Verlust, der Agnes und William ins Mark trifft und ihre Ehe an die Grenzen des Aushaltbaren bringt.
Die Trauer ist so tief, dass sie beide daran zu zerbrechen drohen, während sie versuchen, mit dem Schmerz und der Schuld umzugehen. Die Kunst sollte später ein Anker werden, die Tragödie eine der Inspirationen für Shakespeares "Hamlet".
Lohnt sich das? Spätestens seit dem Golden Globe als Bester Film (Drama) gilt Chloe Zhaos neuer Film, der auf der gleichnamigen Buchvorlage aus 2020 basiert, als einer der Top-Favoriten für die kommenden Oscars. Sowohl die Statue für den Besten Film, als auch eine für Jessie Buckley als Beste Schauspielerin, die bereits jetzt mit Filmpreisen für ihre Leistung überhäuft wird, gelten als realistisch.
Buckleys Leistung ist beachtlich, aber manchmal auch etwas "drüber". Im ihrem Over-Acting erkennt man gewisse Parallelen zu Jennifer Lawrence in "Die My Love", wobei zweitere ihre Sache besser und vor allem natürlicher machte. Mezcal steht klar in ihrem Schatten, verblüffend aber die Ähnlichkeit, die er mit den von Shakespeare überlieferten Bildern aufweist.

"Hamnet" ist weniger stilles Arthouse-Drama, wie man vielleicht erwarten würde, sondern vielmehr ein melodramatischer "Crowdpleaser", der über eine emotionale Hyperbel die Gefühle der Zuschauer ansprechen will. Zeitweise gelingt das durchaus, auch wenn man die kalkulierende Absicht dahinter hinterfragen kann. Diese weitgehend fiktive Geschichte – auch die Vorlage ist keine authentische Biografie von Shakespeares Familienleben – ist zweifelsohne schön gefilmt und handwerklich gekonnt umgesetzt. Das Meisterwerk, das manche darin erkennen wollen, ist "Hamnet" aber nicht. Dafür ist er, trotz aller Kunstfertigkeit, zu konventionell.
"Hamnet", Drama. GB / USA 2025, 125 Minuten, ab 22. Jänner im Kino

Worum es geht Die Sommerferien haben gerade begonnen, als die drei Jungdetektive Justus Jonas (Julius Weckauf), Peter Shaw (Nevio Wendt) und Bob Andrews (Levi Brandl) einen anonymen Anruf in ihrer "Zentrale" erhalten, der sie in einen neuen Fall verwickelt und mit dem "Rätsel der Sphinx" konfrontiert.
Bei ihren Nachforschungen stoßen sie auf einen Geheimbund, der illegale Ausgrabungen durchführt und gestohlene Kunstschätze verkauft, angeführt vom mysteriösen Professor Phoenix (Andreas Pietschmann) und seinem Assistenten Olin.
Die Spur führt sie bis zur zur aktiven Vulkaninsel Makatao in Mikronesien, bekannt auch als "Toteninsel", die mit einem tödlichen Fluch belegt ist – niemand kehrt von ihr lebend zurück. Die drei Fragezeichen müssen herausfinden, warum Phoenix diese gefährliche Expedition unternimmt und welche Rolle der Unternehmer Joseph Saito Hadden darin spielt.
Lohnt sich das? "Toteninsel" ist die dritte Drei ???-Verfilmung, und Regisseur Tim Dünschede, der bereits die Vorgängerfilme inszenierte, hat sich damit einen echten Klassiker und Fanliebling vorgenommen: Die Buchvorlage aus 2001 war der 100. Fall der drei Burschen aus Rocky Beach und der erste Dreifach-Band der Reihe und war später auch als Hörspiel ein Erfolg. Um besonders nah an der Vorlage zu bleiben, wurde Original-Autor Andre Marx als dramaturgischer Berater verpflichtet.
Das Ergebnis ist erneut ein solider Abenteuerfilm, der wegen seiner vorlagengetreuen und detailverliebten Umsetzung auch Hardcore-Fans der Bücher begeistern dürfte. Zugleich wurde die Dramatik derselben – eine Verschwörung der US-Regierung spielte darin eine Rolle – etwas zurückgeschraubt, um auch jüngeres Publikum anzusprechen.
"Die drei ??? – Toteninsel", Abenteuer / Jugendfilm. Deutschland 2026, 104 Minuten, ab 23. Jänner im Kino

"Mercy"
In einer nahen Zukunft wird Detective Lathem (Chris Pratt) vor Gericht gestellt und des Mordes an seiner Frau beschuldigt. Er hat nur 90 Minuten Zeit, um vor der KI-Richterin Maddox (Rebecca Ferguson) seine Unschuld zu beweisen, für deren Entwicklung er sich einst eingesetzt hatte. Gelingt ihm das nicht, wird er hingerichtet.
Regie bei dem dystopischen Thriller führte der Russe Timur Bekmambetov, der durch "Wächter der Nacht" bekannt wurde, aber mit "Wanted" und "Ben Hur" auch bereits in Hollywood drehte. "Mercy" mischt Science-Fiction, Action und Mystery und stellt die Frage, wie viel Macht die KI haben darf und soll: Kann ein Algorithmus wirklich über Wahrheit, Schuld und Gerechtigkeit entscheiden?
"Mercy", Sci-Fi-Thriller. USA / Russland 2026, 100 Minuten, ab 23. Jänner im Kino

"Die progressiven Nostalgiker"
Im Frankreich der 1950er Jahre führt das Paar Michel (Didier Bourdon) und Hélène (Elsa Zylberstein) eine für damals klassische Ehe: Er ist Bankangestellter, sie Hausfrau. Ein Kurzschluss in der neuen Waschmaschine katapultiert sie ins Jahr 2025, wo sie in einem Smart-Home und in einer Gesellschaft mit umgekehrten Geschlechterrollen landen. Hélène blüht als karrierebewusste Powerfrau neu auf, während Michel als Hausmann mit den Zumutungen der Post-Moderne und den Tücken der Technik kämpft.
Die französisch-belgische Co-Produktion "Die progressiven Nostalgiker" nimmt als beschwingte und leichtfüßige Satire unsere Gegenwart aufs Korn und setzt dabei auch auf Retro-Optik und liebevolle Umsetzung.
"Die progressiven Nostalgiker", Komödie. Frankreich / Belgien 2025, 103 Minuten, ab 22. Jänner im Kino

"Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren"
Der Film beleuchtet Astrid Lindgrens Kriegstagebücher von 1939 bis 1945, die bis 2015 unentdeckt blieben: Die junge Frau und Mutter notierte den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, bevor sie kurz nach Ende des Krieges ihren Debütroman "Pippi Langstrumpf" veröffentlichte, der ihr Durchbruch als Autorin und der Beginn einer Weltkarriere sein sollte.
Ihre Tochter Karin, ihre Enkelin Annika und ihr Urenkel Johan reflektieren die Tagebücher, die die Grundlage für Lindgrens Erfolg als Kinderbuchautorin werden würden. Der Film verbindet Dokumentarisches mit szenischen Rekonstruktionen.
"Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren", Doku/Spielfilm. DE / SWE 2026, 98 Minuten, ab 22. Jänner im Kino

"White Snail"
In Minsk lebt Masha, ein junges belarussisches Model, das von einer Karriere in China träumt. Durch Zufall trifft sie Misha, einen einsamen Maler, der nachts in einer Leichenhalle arbeitet. Ihre Begegnung mündet in einer intensiven, tragischen Beziehung, die ihre beide Welten auf den Kopf stellt, während der Schatten des Ukraine-Kriegs über ihrer Heimat liegt.
Regie führten Elsa Kremser und Levin Peter, die zuvor Dokumentarfilme drehten. In Locarno wurde die deutsch-österreichische Co-Produktion mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.
"White Snail", Romanze, Drama. Ö / DE 2025, 115 Minuten, ab 23. Jänner im Kino

"Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen"
Der Dokumentarfilm begleitet fünf Hebammen aus unterschiedlichen Kulturen: Er zeigt ihren Alltag bei Geburten, die Herausforderungen durch politische und wirtschaftliche Bedingungen sowie den Kontrast zwischen traditionellen Methoden und moderner Medizin. Die Frauen teilen ihre persönlichen Geschichten, die auch die Situation von Müttern widerspiegeln.
"Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen", Dokumentation. Ö 2025, 88 Minuten, ab 23. Jänner im Kino