Der reichste Mensch der Welt und sein Auto. Eine neue Doku auf Sky spürt Tesla nach und zeigt, wie skrupellos Elon Musk seinen Interessen nachjagt. Zu Wort kommen auch Opfer von Tesla-Unfällen und Angehörige. Beklemmend, lehrreich, noch nicht auserzählt.

Viele Jahre lang galt er als Pionier der Nachhaltigkeit und als Genie, das die Grenzen der Technik verschieben würde. Aber spätestens seit seinem fragwürdigen Einsatz für US-Präsident Donald Trump (Stichwort DOGE), dem Umbau von Twitter zur Plattform der Extreme und dem Absturz der Tesla-Aktie hat Elon Musk seinen Nimbus als Heilsbringer verloren. Nicht wenige ehemalige Fans des gebürtigen Südafrikaners fragen sich, ob seine Mission noch der Menschheit dienen soll, oder nur noch Elon?
Was will Musk? So wandelte sich das Bild des 54-Jährigen immer mehr vom Hoffnungsträger zum Hassobjekt, vom progressiven Vorbild zum reaktionären Vordenker. Und immer öfter steht die Frage im Raum: Was will Elon Musk eigentlich?
Die "Tesla-Files" Die neue Dokumentation "Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment", die ab sofort auf Sky X zu sehen ist, versucht etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Ausgangspunkt der Recherchen sind die "Tesla-Files": In den letzten Jahren von Whistleblowern geleakte Erkenntnisse über die mutmaßliche Vertuschung von Gefahren durch die selbstfahrenden Autos des Musk-Konzerns.
Verschleierung Zu Wort kommen im Film sowohl Aufdecker und Insider als auch ehemalige Angestellte von Musk sowie die Angehörigen von Opfern tödlicher Tesla-Unfälle, etwa Dillon Angulo. Er wurde bei einem Tesla-Unfall in Florida schwer verletzt, seine Lebensgefährtin starb. "Ich kam mir wie ein Versuchskaninchen vor", sagt der US-Amerikaner.
Opfer berichten, dass ihnen Infos zum Hergang der Tragödien vorenthalten wurden, Tesla aktiv eine Aufklärung der Vorfälle verhindert habe und Daten (etwa Kamera-Aufzeichnungen) zurückgehalten oder gar gelöscht worden seien. Alles mit dem Ziel, eine (Mit-)Verantwortung zu verschleiern.

Welcher Fortschritt? Der Umgang des Konzerns mit Sicherheitsmängeln der Autos soll, so die Macher der Doku, Rückschlüsse auf die Person Elon Musk ermöglichen: Ein Mann, der alles seiner Vision und seinem Erfolg unterordnet – im Zweifel sogar Menschenleben.
Doku spannt einen Bogen Am interessantesten ist "Elon Musk Uncovered" wenn es die Doku den Bogen von persönlichen Interessen Musks über Tesla-interne Vorgänge bis zur Gegenwart spannt. Denn all das hängt offenbar zusammen: Vor der US-Wahl 2024 nahm die Biden-Regierung Berichte über Sicherheitsmängel bei Teslas Selbstfahr-Technik zunehmend ernster und leitete Ermittlungen ein. Der den Demokraten durchaus wohlgesinnte Musk begann daraufhin, nach alternativen Verbündeten zu suchen.
"Musk hat Trump gekauft" Die bemerkenswerteste Aussage trifft Missy Cummings, Robotik-Professorin und ehemalige Beraterin der Straßenverkehrsbehörde: "Ich bin davon überzeugt, dass er (Musk, Anm.) Trump gekauft hat, um die Ermittlungen gegen sich zu stoppen." Belegbar ist das nicht.
Kalkül und Korruption Was sie meint: Musk habe angesichts der Ermittlungen der Biden-Regierung nachgeholfen, um Trump erneut zum Präsidenten zu machen – und so die Ermittlungen gegen ihn und Tesla "abzudrehen". Unrealistisch wirkt diese Einschätzung keineswegs: Dokumentiert ist, dass fünf Inspektoren, die Tesla vor Trumps Wahl untersuchten, direkt danach entlassen wurden.
Wie weit ging Musk? Robotik-Professorin Cummings: Dieser Weg sei für Musk, den reichsten Menschen der Welt, schlicht einfacher und billiger gewesen, als sich allen Ermittlungen zu stellen. Angesichts dieser Aussagen erscheinen auch bisher ungeklärte Vorwürfe gegen Musk im Zuge der US-Wahl 2024 – Stichwort Wahlmanipulation – in neuem Licht: Angeblich wusste Musk bereits vier Stunden vor Wahlende 2024 das Ergebnis, was nun erstmals auch vom US-Kongress untersucht werden soll.
Taktik über Ideologie "Elon Musk Uncovered" sieht in seinem Protagonisten auch die Schlüsselfigur für das Kippen des Silicon Valley Richtung Trump, einer kapitalistischen Subkultur, die noch wenige Jahre zuvor Barack Obama nahestand und sich gerne progressiv gab. Aber Regierungs-Regularien seien den "Tech-Bros" ein Graus und man hoffte, dass Trump, der "nur auf Geld hört", wie es in der Doku heißt, diese abschaffen würde. Musks Unterstützung für Trump (wie auch jene von Apples Tim Cook, Amazons Jeff Bezos usw.) wäre so vielmehr ein taktischer Schachzug gewesen als ein ideologischer.
Zodesfälle vernachlässigbar Einen anderen, ergänzenden Erklärungsansatz bietet der Philosoph Emile P. Torres: Elon Musk sei nicht nur Transhumanist, sondern auch Anhänger des "Longtermismus". Als Orientierungspunkt gegenwärtigen Handelns gilt in diesem Fall einzig eine weit entfernte Zukunft, eine Utopie, der man vieles, wenn nicht alles unterordnen könne. Einzelne Todesfälle im Jetzt wären in dieser Logik vernachlässigbar.
Aus den Fugen geratene Utopie Musk selbst sehe sich als Messias, dessen Aufgabe es ist, diese Utopie Wirklichkeit werden zu lassen. Dazu zähle die Besiedlung des Mars und die Eroberung des Weltraums. Mit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat Musk weiter die Freiheit, seine "Vision" umzusetzen. Philosoph Torres: "Wenn der Zweck die Mittel heiligt und das Ziel eine Utopie ist, was wäre dann Tabu, um die Utopie zu erreichen? Nichts."

David gegen Goliath Doch bei allen Visionen bleiben am Ende die menschlichen Schicksale, die die Doku in den Fokus nimmt: Die tragischen, durch technische Fehler der Tesla-Autos verursachten Todesfälle. Und der Kampf der Hinterbliebenen für Gerechtigkeit.
Der Tesla-Scam Denn die Utopie ist das eine. Die Realität ist aber, dass Musk wissentlich die Käufer seiner Autos in die Irre führte. Werbe- und PR-Maßnahmen legten nahe, dass die Autos tatsächlich selbst fahren könnten und das sicher sei. Während in den Autos aber tatsächlich eine Beta-Version einer KI am Werk war, die nur zu 97 Prozent als sicher eingestuft werden konnte.
Fazit "Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment" ist eine solide 90-minütige TV-Doku, der es zumindest ansatzweise gelingt, den Milliardär zu "dechiffrieren". Einige Erkenntnisse bestätigen Vermutungen, andere werfen neue Fragen auf. Und bei allem hat man den Eindruck, dass doch nur an der Oberfläche gekratzt wird. Aber wichtig ist, dass es überhaupt geschieht. Dieser Film ist ein Anfang.
"Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment", Dokumentation. Deutschland 2026, 90 Minuten, ab sofort auf Sky X