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Hotel in Bad Gastein

Drei Zeitreisen im Kino, eine führt im Lastenaufzug ins Jahr 1938

Mit dem überdrehten Hollywood-Streifen "Good Luck, Have Fun, Don't Die" und dem ruhigen, aber sehenswerten Jugendfilm "Das geheime Stockwerk" feiern diese Woche gleich zwei Zeitreisefilme Kino-Premiere. Und auch "Nouvelle Vague" geht als Zeitreise durch.

Zwischen Gestern und Heute: Der Zeitreise-Film "Das geheime Stockwerk"
Zwischen Gestern und Heute: Der Zeitreise-Film "Das geheime Stockwerk"Polyfilm
Christian Klosz
Akt. 11.03.2026 22:03 Uhr

Seit sich der Mensch bewusst mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzt, gehören Geschichten über Zeitreisen zu den beliebtesten Themen der Populärkultur. Das begann bereits im 19. Jahrhundert mit Büchern wie H. G. Wells "Die Zeitmaschine" oder Mark Twains "Ein Yankee aus Connecticut an König Artus' Hof".

Auch das Kino erkannte früh die Möglichkeiten, die sich ihm durch Zeitreise-Themen boten. Zuerst waren das Roman-Adaptionen, bald folgten Original-Drehbücher, die ihre Protagonisten in die Vergangenheit oder die Zukunft schickten. Zeitreise-Filme wie die "Terminator"-Reihe oder die "Zurück in die Zukunft"-Trilogie gehören bis heute zu den größten Klassikern des Kinos überhaupt.

In dieser Kino-Woche feiern gleich drei neue Filme ihre Österreich-Premiere, die alle dem Zeitreise-Genre zuzurechnen sind – obwohl sie alle drei nicht unterschiedlicher sein könnten. Da ist einmal die laute, überdrehte und etwas verwirrte (und dadurch auch verwirrende) Zeitreise-Satire "Good Luck, Have Fun, Don't Die" mit der Regisseur Gore Verbinski sein Hollywood-Comeback versucht. Ziemlich schrill.

In "Nouvelle Vague" beweist der Us-Regisseur Richard Linklater einmal mehr, dass er wahrscheinlich lieber Europäer wäre. Er setzt den Dreharbeiten des späteren Kultfilms "Außer Atem" im Paris der späten 1950er-Jahre ein liebevolles Denkmal. Vor allem für Cinesasten absolut sehenswert und sehr charmant umgesetzt.

Und dann ist da der Jugendfilm "Das geheime Stockwerk". In einem alten Hotelkasten aus der Belle Epoque entdeckt der junge Karli einen Lastenaufzug, der ihn mitten ins Jahr 1938 bringt – aufkommende Nazis und verfolgte Juden inklusive. Wie sich der Bub in dieser speziellen Situation bewährt, macht "Das geheime Stockwerk" ebenso sehenswert wie die eindrucksvolle Location: Gedreht wurde im "Südbahnhotel" auf dem Semmering und im "Grand Hotel de l’Europe" in Bad Gastein. Kommen Sie gut durch diese Zeitreise-Woche!

"Ich bin gekommen, um euch zu retten! Oder so." – "Good Luck, Have Fun, Don't Die"
"Ich bin gekommen, um euch zu retten! Oder so." – "Good Luck, Have Fun, Don't Die"
Constantin

"Good Luck, Have Fun, Don't Die"

Worum es geht Zeitreise, die Erste: Ein unscheinbares Diner in Los Angeles mit etwa 50 Gästen. Plötzlich betritt ein seltsam aussehender Typ (Sam Rockwell) das Lokal. Er sieht aus wie eine Mischung aus Cyberpunk, Aluhutträger und Obdachlosem und behauptet, er komme aus der Zukunft. Seine Botschaft: Die Menschheit werde schon bald von einer außer Kontrolle geratenen KI beherrscht werden und sei dem Untergang geweiht. Aber er wolle das verhindern und sucht jetzt Helfer bei seiner Mission.

Zunächst glaubt ihm niemand. Doch der Zausel weiß erstaunlich viele Details über die anwesenden Gäste. Kein Wunder: Es ist sein bereits 117. Versuch zur Rettung der Menschheit. Schließlich überzeugt er eine Handvoll Gäste, sich ihm anzuschließen, darunter Ingrid (Haley Lu Richardson) Mark (Michael Peña) und Susan (Juno Temple). Ihr Ziel: Das Wohnhaus jenes Neunjährigen, der in ein paar Jahren jene KI erfinden wird, die später die Menschheit unterjocht.

Doch der Trip wird zur gefährlichen Odyssee, bei der sich die Gruppe gegen die Polizei, Kleinkriminelle und eine Horde handysüchtiger Klon-Schüler behaupten muss, während gleichzeitig die mächtige KI aus der Zukunft versucht, ihre Mission zu sabotieren.

Lohnt sich das? Anfang der Nuller-Jahre stand der Name des Regisseurs Gore Verbinski für unterhaltsames Blockbusterkino zwischen Action und Komödie. Er hob etwa die "Fluch der Karibik"-Reihe aus der Taufe. Nach einigen Misserfolgen tauchte er für zehn Jahre unter, nun versucht Verbinski mit "Good Luck …" ein Comeback. Ob das als gelungen bezeichnet werden kann, ist allerdings eher fraglich: Zumindest finanziell ist der Film bereits jetzt ein Misserfolg, in den USA blieb die schräge Sci-Fi-Satire weit hinter den Erwartungen.

Verbinskis Werk krankt an mehreren Ecken und Enden: Zum einen ist er zu lang, zu ausufernd erzählt, verliert sich in Nebenhandlungen. Auch der Hauptplot, dramaturgisch eine Mischung aus "Zurück in die Zukunft" und "Und täglich grüßt das Murmeltier", ist ziemlich verrückt, und das ist nicht unbedingt positiv gemeint.

Es bleibt unklar, wer die Zielgruppe dieses Films sein soll. Für einen Action-Blockbuster ist er zu kompliziert, für ernsthafte Kritik an den Gefahren der KI zu albern und oberflächlich. Filmen wie "Don't Look Up" gelang die Satire besser, "Mission: Impossible – The Final Reckoning" der Action-Aspekt und dem Netflix-Geheimtipp "The Great Flood" die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema KI.

Mörderische KI in einem Old-School-Roboter
Mörderische KI in einem Old-School-Roboter
Constantin

Das Ergebnis ist ein wilder und bunter Mischmasch, in dem nichts wirklich zusammenpasst. Es gibt auch untterhaltsame Sequenzen, etwa wenn der Film die Handy-Sucht von Schülern karikiert. Oft agiert "Good Luck …" dabei aber zu zynisch, was sich auch im wirren Finale zeigt.

Lichtblicke finden sich auf der Seite der Darsteller: Sam Rockwell als fremder aus der Zukunft legt eine solide Leistung hin, Juno Temple ist wie immer sympathisch und Haley Lu Richardson macht ihre Sache als heimliche Heldin der Story sehr überzeugend. Am Ende passt aber nichts wirklich zusammen. Vielleicht sollte es der Regisseur doch noch einmal mit einer Jack Sparrow-Neuauflage versuchen?

"Good Luck, Have Fun, Don't Die", Satire. USA/Deutschland 2026, 133 Minuten, ab 12. März im Kino

Aufgang in eine andere Welt: "Das geheime Stockwerk"
Aufgang in eine andere Welt: "Das geheime Stockwerk"
Polyfilm

"Das geheime Stockwerk"

Worum es geht Zeitreise, die Zweite: Die Eltern des zwölfjährigen Karli (Silas John) haben ein altes Hotel in Bad Gastein in Salzburg erworben und wollen es renovieren. Während der Ferien erkundet der Bub neugierig das große Gebäude und entdeckt dabei einen alten Lastenaufzug. Mit diesem gelangt er plötzlich in die Vergangenheit, genauer gesagt ins Jahr 1938.

Dort lernt er zwei Kinder kennen: Das jüdische Mädchen Hannah (Annika Benzin) und den Schuhputzer Georg (Maximilian Reinwald). Gemeinsam geraten die Drei in eine unerwartete Abenteuergeschichte und versuchen, einen geheimnisvollen Diebstahl im Hotel aufzuklären. Gleichzeitig merkt Karli immer mehr, dass sich die politische Situation verändert und der Nationalsozialismus immer stärker um sich greift, wodurch seine neuen Freunde in Gefahr geraten.

Lohnt sich das? Die deutsch-österreichisch-luxemburgische Co-Produktion unter der Regie von Norbert Lechner verbindet Ernstes mit Heiterem, Zeitreise- und Krimi-Elemente mit historischen Aspekten, das alles jugendgerecht aufbereitet. Gedreht wurde unter anderem im "Südbahnhotel" am Semmering sowie im "Grand Hotel de l’Europe" in Bad Gastein.

"Das geheime Stockwerk" ist ein ernsthafter Kinderfilm im besten Sinn, der eine spannende Geschichte erzählt und gleichzeitig historisches Bewusstsein vermittelt. Seine ruhige, altmodische Erzählweise wird allerdings bei älteren Zusehern möglicherweise besser ankommen als einem jungen Publikum, dessen Seh-Gewohnheiten an rasant geschnittenen Online-Videos geschult worden sind.

"Das geheime Stockwerk", Kinderfilm, Abenteuer. Deutschland/Österreich/Luxemburg 20256, 96 Minuten, ab 12. März im Kino

Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck), Jean Seberg (Zoey Deutch) und Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin): "Nouvelle Vague"
Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck), Jean Seberg (Zoey Deutch) und Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin): "Nouvelle Vague"
Polyfilm

"Nouvelle Vague"

Worum es geht Der Film spielt Ende der 1950er-Jahre in Paris und erzählt, wie der junge Regisseur Jean-Luc Godard versucht, seinen ersten Spielfilm "Außer Atem" zu realisieren. Unterstützt von Freunden aus der Filmkritiker-Szene wie François Truffaut und Claude Chabrol, überzeugt er schließlich einen Produzenten und beginnt mit improvisierten Dreharbeiten in den Straßen von Paris.

Während der chaotischen und experimentellen Produktion arbeiten Godard, die Schauspieler Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg sowie ein junges Filmteam an einem völlig neuen Stil: spontane Dialoge, Drehs an realen Orten und ungewöhnliche Schnitttechniken. Dadurch entsteht ein Film, der die Regeln des damaligen Kinos bricht und zur Geburtsstunde der französischen Nouvelle Vague wird.

Lohnt sich das? Jean-Luc Godard gilt bis heute als einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte: Der Franzose war (Mit-)Begründer der Nouvelle Vague, jener Bewegung, die die Idee, wie Filme gedreht werden, revolutionierte. Die "Neue Welle" brach mit dem alten Studiosystem, stellte die Vision des Regisseurs in den Mittelpunkt, begriff ihn als "Autor" seines Werks.

Die Welle schwappte von Frankreich und Europa auch in die USA über, wo sie "New Hollywood" möglich machte, das die bis heute besten Werke des US-Kinos hervorbrachte. Godards "Außer Atem" (von 1960) wiederum gilt nach wie vor als das Schlüsselwerk dieser Epoche.

Richard Linklater, selbst einer der bedeutendsten US-Filmemacher der letzten Jahrzehnte, setzt Godard, seinem Meisterwerk "Außer Atem" und der Nouvelle Vague als solcher in seinem gleichnamigen Drama ein würdiges Denkmal. Der Film, besetzt mit Guillaume Marbeck als Godard, Zoey Deutch als Jean Seberg und Aubry Dullin als Jean-Paul Belmondo, stellt die Dreharbeiten von "Außer Atem" nach, fängt die Kultur der späten 1950er-Jahre ein und ist ein Porträt der oft mystifizierten Persönlichkeit Godards geworden.

"Nouvelle Vague", Biopic, Drama. Frankreich/USA 2025, 105 Minuten, ab 12. März im Kino

Improvisierte Dreharbeiten: In "Nouvelle Vague" lässt Regisseur Richard Linklater die späten 1950er-Jahre in Paris wieder auferstehen
Improvisierte Dreharbeiten: In "Nouvelle Vague" lässt Regisseur Richard Linklater die späten 1950er-Jahre in Paris wieder auferstehen
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Außerdem neu im Kino:

"The Testament of Ann Lee"
Mona Fastvold, Lebens- und Kreativpartnerin von "The Brutalist"-Regisseur Brady Corbet (der mit ihr hier wie dort das Drehbuch schrieb) erzählt die (wahre) Geschichte der Ann Lee, Gründerin der Shaker-Bewegung im 18. Jahrhundert. Amanda Seyfried spielt Lee, die furchtlose religiöse Anführerin, die Gleichberechtigung der Geschlechter und soziale Gleichheit predigte und von ihren Anhängern prophetisch verehrt wurde. Die Mischung aus Musical und Biopic lief in Cannes und erhielt zahlreiche Filmpreis-Nominierungen.

"The Testament of Ann Lee", Musical, Drama, Biopic. USA /GB/Ungarn/Schweden/Zypern 2025, 130 Minuten, ab 12. März im Kino

"To a Land Unknown"
Der Film von Mahdi Fleifel erzählt von zwei palästinensischen Flüchtlingen, den Cousins Chatila und Reda, die sich in Athen mehr schlecht als recht durchschlagen. Sie stehlen und prostituieren sich, um Geld zu verdienen, mit dem sie nach Deutschland reisen wollen, wo sie in Berlin ein Cafe eröffnen möchten. Indes sitzen Chatilas Frau und sein zweijähriger Sohn in einem Lager im Libanon fest.

"To A Land Unknown", Drama, Thriller. F/NL/Katar/RSA/GB 2024, 105 Minuten, ab 13. März im Kino

"Mein neues altes Ich – Eine Reise in das Mysterium der Menopause"
Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen geht Fragen rund um die Menopause nach: Über Jahrhunderte trugen historische Vorurteile dazu bei, dass viele Betroffene im Stillen litten und das Wissen über diese Lebensphase bis heute begrenzt ist. Nun suchen Forschende nach Antworten, um die Auswirkungen des Östrogenrückgangs auf Körper und Gehirn zu ergründen.

"Mein neues altes Ich – Eine Reise in das Mysterium der Menopause", Dokumentation. D/Dk 2025, 90 Minuten, ab 13. März im Kino

"Für immer ein Teil von dir – Reminders Of Him"
Eine weitere Colleen-Hoover-Adaption ("Nur noch ein einziges Mal"): Kenna Rowan (Maika Monroe) kehrt nach fünf Jahren Gefängnis in ihre Heimatstadt zurück, doch die Einwohner meiden sie und halten sie auch von ihrer kleinen Tochter fern. Nur der Barbesitzer Ledger Ward (Tyriq Withers) kümmert sich um Kenna und zwischen den beiden entspinnt sich auch schon bald eine leidenschaftliche Affäre.

"Für immer ein Teil von dir – Reminders of him", New-Adult-Romanze. USA 2026, 114 Minuten, ab 12. März im Kino

Christian Klosz
Akt. 11.03.2026 22:03 Uhr