NewsFlix.at Logo
Neu im Kino

Er sieht vielleicht nicht so aus, aber dieser Kerl ist die Zukunft des Kinos

Das Sportlerdrama "Marty Supreme" gilt als Favorit für die kommende Oscar-Verleihung. Maßgeblichen Anteil daran hat Hauptdarsteller Timothée Chalamet, der hier die Performance seines bisherigen Schauspieler-Lebens abliefert. Ab dieser Woche im Kino!

Liefert den bislang besten Auftritt seiner Karriere: Timothée Chalamet als Marty Mauser in "Marty Supreme"
Liefert den bislang besten Auftritt seiner Karriere: Timothée Chalamet als Marty Mauser in "Marty Supreme"Tobis
Christian Klosz
Akt. 26.02.2026 00:14 Uhr

Ende Dezember ist er gerade einmal 30 Jahre alt geworden und gilt Filmexperten bereits jetzt als die größte Zukunftshoffnung des Kinos: Timothée Hal Chalamet, Sohn eines Franzosen und einer Amerikanerin. Denn der junge Mann mit dem selbstbewussten Lächeln bringt alles mit, was es braucht, um die aktuell etwas kränkelnde Siebente Kunst in ein rosiges Morgen zu führen.

Chalamet ist attraktiv und clever, er hat einen Star-Appeal sowie ein feines Gespür, welche Rollen zu ihm passen – und er kann sie vor allem auch spielen. Das hat er bewiesen in der bislang zweiteiligen Science-Fiction-Verfilmung "Dune", in dem gefühlvollen Drama "Call Me by Your Name" (Oscar-Nominierung!) und zuletzt in dem Bob-Dylan-Biopic "Like a Complete Unknown".

Und nun setzt er seiner bisherigen Schauspielleistung die Krone auf. In dem Sportlerdrama "Marty Supreme" spielt Chalamet, als ginge es um sein Leben. Besser gesagt: Chalamet spielt nicht den Tischtennisspieler Marty, er ist Marty. Und gilt vollkommen zu Recht als heißester Kandidat für den Schauspiel-Oscar, der in der Nacht auf den 16. März verliehen wird.

Aber auch abseits von Timothée Chalamets Leistung ist "Marty Supreme" absolut herausragend. Spannend, mitreißend, gefühlvoll, brutal und gleichzeitig feinfühlig, packte Regisseur Josh Safdie Stoff für drei Filme in sein 150-Minuten-Werk. "Marty Supreme" ist nicht nur der Kino-Film der Woche, sondern ganz bestimmt einer der Filme des Jahres. Gute Unterhaltung!

Marty ist Schuhverkäufer, sein wahres Talent liegt aber im Tischtennis
Marty ist Schuhverkäufer, sein wahres Talent liegt aber im Tischtennis
Tobis

"Marty Supreme"

Worum es geht Der 23-jährige New Yorker Marty Mauser (Timothée Chalamet) will der Enge seiner Existenz am Rande der Gesellschaft entkommen: Sein Job als Schuhverkäufer ist nicht das Wahre, immer wieder gerät er zudem mit seinem Chef, der noch dazu sein Onkel ist, aneinander. Martys eigentliche Passion ist Tischtennis, und da ist er einer der Besten überhaupt. Doch das ist Anfang der 1950er-Jahre in den USA eine Randsportart. Obendrein wird seine Geliebte Rachel (Odessa A'zion) schwanger und erwartet Unterstützung.

Irgendwie gelingt es Marty dennoch, zu seinem großen Turnier nach London zu reisen, wo er nur dem aufstrebenden Star, dem Japaner Koto Endo, unterliegt. In dessen Heimat ist Tischtennis angesehen, in Kürze soll in Tokio die Weltmeisterschaft stattfinden. Marty will um jeden Preis teilnehmen, weiß aber nicht, wie er sich das Ticket dorthin leisten soll.

Noch in London beginnt er eine Affäre mit der Schauspielerin Kay Stone (Gwyneth Paltrow). Deren Ehemann, ein schwerreicher Schreibwaren-Magnat, bietet Marty an, ihn zu einem Exhibition-Match nach Tokio einzufliegen. Das soll zugleich sein Eintrittsticket zur WM werden. Indes sucht die hochschwangere Rachel bei ihm Zuflucht, sie will ihren Mann verlassen. Inmitten des ganzen Chaos muss sich Marty fragen, was er eigentlich von seinem Leben will.

Lohnt sich das? Zu behaupten, die Zukunft des US-Films sei nicht so rosig, ist keine Übertreibung: Die ganze US-Gesellschaft ist gespalten, die Kultur, die das 20. Jahrhundert global prägte, ist in der Krise und der Hollywood-Output schwankt zwischen teuren, aber oft einfallslosen Kino-Blockbustern, Streaming-Content und kleinen, manchmal feinen Genre-Filmen ohne Reichweite. Der erwachsene Autorenfilm mit Mainstream-Appeal scheint ausgedient zu haben.

Martys Geliebte Rachel (Odessa A'zion) wird von ihm schwanger, was den jungen Mann einigermaßen überfordert
Martys Geliebte Rachel (Odessa A'zion) wird von ihm schwanger, was den jungen Mann einigermaßen überfordert
Tobis

Angesichts dieser tristen Ausgangslage ist es umso erfreulicher, dass es mit den Safdie-Brothers zwei noch relativ junge Regisseure gibt, die genau diese Art von Film machen, die die Fackel des anspruchsvollen Kinos weiter hochhalten: Gemeinsam realisierte das Brüderpaar zuletzt "Der schwarze Diamant" (auf Netflix), bevor es zum "Split" kam. Die ersten Resultate sind nun zu sehen: Benji lieferte mit "The Smashing Machine" mit Dwayne Johnson sein bemerkenswertes Solo-Debüt ab, nun zieht Josh mit "Marty Supreme" nach.

Beide Filme sind einander nicht unähnlich: Sie sind (halbe) Sportfilme, aber auch Porträts männlicher Leidensmänner, klassischer Anti-Helden, die das US-Kino spätestens seit New Hollywood geprägt haben.

Der temporeichere ist definitiv "Marty Supreme", der in seiner manischen Rasanz an Scorsese auf seinem Schaffenszenit ("GoodFellas") erinnert. Der Einfluss der amerikanischen Film-Ikone ist auch sonst unverkennbar. Die Hauptfigur, ein Getriebener, der gute Intentionen haben mag, aber von seinen inneren Dämonen gejagt wird, könnte direkt einem Scorsese-Film entnommen sein. Josh Safdie verleiht dem Ganzen aber trotzdem seine ganz eigene, originäre Handschrift.

Mit der Schauspielerin Kay Stone (Gwyneth Paltrow) beginnt Marty in London eine leidenschaftliche Affäre
Mit der Schauspielerin Kay Stone (Gwyneth Paltrow) beginnt Marty in London eine leidenschaftliche Affäre
Tobis

Eine absolut bemerkenswerte Leistung liefert Timothée Chalamet, der als Marty Mauser seine wohl bisher beste Arbeit abliefert, die man dem Frauenschwarm nicht unbedingt zugetraut hätte. Auch die bei uns weitgehend unbekannte Odessa A'zion als seine On-Off-Freundin legt einen beachtlichen Auftritt hin. In einer Minirolle (als Martys Mutter) ist Fran Drescher zu sehen, ihr hätte man durchaus mehr Leinwandzeit geben können. In seiner Gesamtheit ist "Marty Supreme" der beste Film des bisher eher mauen Filmjahres 2026.

"Marty Supreme", Drama. USA/Finnland 2025, 150 Minuten, ab 26. Februar im Kino

Dieses Gesicht kennt man doch – der Ghostface-Killer ist zurück: "Scream 7"
Dieses Gesicht kennt man doch – der Ghostface-Killer ist zurück: "Scream 7"
Constantin Film

"Scream 7"

Worum es geht Nach dem Umweg nach New York in Teil 6 kehrt die Geschichte in die ruhige Kleinstadt Pine Grove, Indiana, zurück, wo alles begann. Dort hat sich Sidney Prescott (Neve Campbell) ein neues, ruhiges Leben aufgebaut. Sie ist mit Mark Evans (Joel McHale) verheiratet und hat eine 17-jährige Tochter: Tatum (Isabel May), benannt nach ihrer ermordeten besten Freundin aus dem ersten Film.

Sidney hat versucht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch die vermeintliche Ruhe trügt: Eines Abends erhält Tatum anonyme Anrufe mit der vertrauten, verzerrten Stimme. Zuerst hält sie es für einen dummen Scherz, doch die Anrufe werden bedrohlicher. Kurz darauf wird eine ihrer Freundinnen auf Ghostface-Art ermordet. Der Killer ist zurück und hat es auf Tatum abgesehen.

Indes taucht Gale Weathers (Courteney Cox) in Pine Grove auf, um über den Mord zu berichten – und Sidney zu warnen. Die muss herausfinden, wer hinter der Maske steckt: Ein Bekannter, ein Ghostface-Verehrer oder ein Überlebender aus früheren Teilen?

Lohnt sich das? Teil 7 der langlebigen Horror-Reihe, die einst von Wes Craven erschaffen wurde, war keine einfache Geburt: Der eingeplante Regisseur sprang ab, nachdem klar wurde, dass die Hauptdarstellerinnen des Vorgängers, Melissa Barrera und Jenna Ortega, nicht zurückkehren würden. Barrera wurde aufgrund "politischer Kommentare" gefeuert (sie hatte sich zum Gaza-Thema geäußert), Ortega verließ daraufhin das Projekt, weil Barrera gefeuert wurde.

Sidney Prescott (Neve Campbell) muss dieses Mal ihre Tochter beschützen
Sidney Prescott (Neve Campbell) muss dieses Mal ihre Tochter beschützen
Constantin Film

Schließlich übernahm Kevin Williamson, der die ersten Teile geschrieben hatte, selbst die Regie. Auch den Großteil der früheren Scream-Stars konnte man zurückholen, darunter Neve Campbell, die zuletzt in Teil 6 nicht dabei gewesen war.

Laut Williamson ist der Fokus diesmal das Thema "Familie" und das Vermächtnis von Sidney Prescott. "Scream 7" thematisiert Sidneys Trauma als Mutter – 30 Jahre nach dem Mord an ihrer eigenen Mutter Maureen Prescott wird die Rolle umgedreht: Nun ist Sidney diejenige, die ihre Tochter vor einem Killer retten muss.

"Scream 7", Horror. USA 2026, 114 Minuten, ab 26. Februar im Kino

Und auch die Reporterin Gale Weathers (Courteney Cox) ist wieder mit von der Partie
Und auch die Reporterin Gale Weathers (Courteney Cox) ist wieder mit von der Partie
Constantin Film

Außerdem neu im Kino:

"Father Mother Sister Brother"
Jim Jarmuschs erster Film seit einer Weile gewann den Goldenen Löwen in Venedig. Das poetische Familiendrama gliedert sich in drei Kapitel – Vater, Mutter, Geschwister, wie der Titel schon verrät – und spielt in New Jersey, Dublin und Paris. Jede Episode beleuchtet die problembehafteten Beziehungen zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern. Der hochkarätige Cast umfasst Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett und Vicky Krieps.

"Father Mother Sister Brother", Drama, Anthologiefilm. USA /Frankreich 2025, 110 Minuten, ab 27. Februar im Kino

"Ein fast perfekter Antrag"
Deutsche Rom-Com mit Iris Berben und Heiner Lauterbach: Der pensionierte Ingenieur Walter (Heiner Lauterbach) lebt zurückgezogen in Regensburg und testet Restaurants für Online-Bewertungen. Bei einem Besuch trifft er zufällig seine Jugendliebe Alice (Iris Berben) wieder – vor 40 Jahren scheiterte sein Heiratsantrag spektakulär. Nun will er es richtig machen: Er besucht Kunstkurse, um sie zu beeindrucken, und plant einen neuen Antrag. Feelgood-Film über zweite Chancen.

"Ein fast perfekter Antrag", Komödie. Deutschland 2026, 90 Minuten, ab 26. Februar im Kino

"EPiC: Elvis Presley in Concert"
Baz Luhrmann ("Elvis") nutzt verschollene 1970er-Aufnahmen, um den "King" wiederauferstehen zu lassen: Der Film kombiniert diese Originalmitschnitte von Elvis-Liveauftritten mit moderner Bearbeitung zu einem immersiven Konzerterlebnis im Kino. Für Fans eine große Sache, aber auch sonst ziemlich mitreißend.

"EPiC: Elvis Presley in Concert", Konzert-/Musikfilm. USA/Australien 2025, 96 Minuten, ab 26. Februar im Kino

"Militantropos"
Ukrainischer Essayfilm über den Menschen im Krieg: "Militantropos" beobachtet das Leben in der Ukraine nach der russischen Invasion, die Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen und deren Aufgabe, so etwas wie "Alltag" in der Dauerkrise und Bedrohung zu leben.

"Militantropos", Dokumentarfilm. Ukraine/Österreich/Frankreich 2025, 107 Minuten, ab 27. Februar im Kino

"No Mercy"
Die deutsch-österreichische Produktion porträtiert Regisseurinnen und versucht zu ergründen, ob es so etwas wie eine "feministische Filmsprache" gibt: "Frauen machen die härteren Filme" – diese These wird anhand von Interviews und Werkanalysen untersucht. Regisseurin Isabella Willinger begleitet dazu Filmemacherinnen wie Ana Lily Amirpour, Catherine Breillat und Jackie Buet und geht der Frage nach, wie Geschlecht die Bildsprache prägt.

"No Mercy", Dokumentarfilm. Österreich/Deutschland 2025, 104 Minuten, ab 26. Februar im Kino

Christian Klosz
Akt. 26.02.2026 00:14 Uhr