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"The Rip"

Affleck und Damon: So jagen sie auf Netflix nun korrupte Cops

Die Achtzigerjahre sind zurück und es heißt wieder Action: In "The Rip" kämpfen die Knallhart-Polizsiten Ben Affleck und Matt Damon gegen Korruption in den eigenen Reihen. Der Actionfilm besticht mit altmodischem Charme, lässigen Sprüchen und tollen Kampfszenen.

29 Jahre nach "Good Will Hunting" wieder vereint: Ben Affleck und Matt Damon als aufrechte Cops in "The Rip"
29 Jahre nach "Good Will Hunting" wieder vereint: Ben Affleck und Matt Damon als aufrechte Cops in "The Rip"Warrick Page/Netflix
Christian Klosz
Akt. 25.01.2026 22:05 Uhr

Neben dem althergebrachten Whodunit-Krimi à la Agatha Christie feiert auch der klassische Actionfilm gerade ein Comeback im Streaming-Universum. Nach Jahren, in denen der filmische Fokus vor allem auf Randgruppen lag, setzt man nun wieder auf Mainstream-Appeal.

Manche Beobachter wollen darin ein Abbild jener neokonservativen Strömungen sehen, die im Gefolge von Donald Trumps zweiter Präsidentschaft das Film-Land Nummer Eins gerade fest im Griff haben – Stichwort MAGA. Doch diese Erklärung greift zu kurz.

Gibt es überhaupt MAGA-Filme? Zum einen, weil die meisten Filme und Serien, die jetzt erscheinen, bereits 2024 gedreht wurden, also noch bevor Trump wieder ins Weiße Haus einzog. Und zum anderen lässt sich in kaum einem der gemeinten Werke eine faschistoide Ideologie erkennen, die man der Trump-Regierung in manchen Bereichen durchaus unterstellen kann.

Nein, weil … Vielmehr orientieren sich die neuen Actioner am Muskel-Kino der 1980er- und 1990er-Jahre, unterziehen das Genre aber einem Update: Waren es früher ausschließlich "Macho-Filme" mit harten Kerlen, die nicht selten auf eigene Faust zuschlugen (etwa die "Stirb Langsam"-Reihe oder fast alle Filme mit Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger), sind die Hauptfiguren nun viel diverser geworden. Ob Frauen, ethnische Gruppen oder andere Orientierungen, der weiße Mann als alleiniger Held hat ausgedient.

"Was soll das heißen, du hast keine Donuts mitgebracht?" – In "The Rip" dürfen auch Männer endlich wieder Emotionen zeigen
"Was soll das heißen, du hast keine Donuts mitgebracht?" – In "The Rip" dürfen auch Männer endlich wieder Emotionen zeigen
Claire Folger/Netflix

Neue Härte nichtsdestotrotz übernehmen auch die neuen Actionfilme die Härte und Kompromisslosigkeit der Genre-Klassiker. Genau in diese Kerbe schlägt auch "The Rip" von Action-Spezialist Joe Carnahan, der neu auf Netflix zu streamen ist.

Korrupte Cops Der Film handelt von einer Polizeieinheit in Miami, die von Korruption durchzogen ist. Alles beginnt damit, dass eine interne Ermittlerin, die sich auf die Fersen korrupter Cops geheftet hat, bei einem Einsatz erschossen wird. Die Detectives J.D. Byrne (Ben Affleck), der mit dem Opfer vor seinem Tod ein Verhältnis hatte, und Dane Dumars (Matt Damon) versuchen herauszufinden, wer dahintersteckt.

Erst Spannung, dann Showdown Welche Kollegen haben Dreck am Stecken, was steckt hinter der ganzen Angelegenheit, spielt wirklich jeder mit offenen Karten? Gegenseitiges Misstrauen macht sich breit, auch weil einige der Akteure nicht die Wahrheit sagen, wofür sie unterschiedliche Motive haben. Wie zu erwarten endet alles in einem Showdown, der es ordentlich krachen lässt.

No-Nonsense-Action Regisseur Joe Carnahan ist bekannt für brutale, "No-Nonsense-Action", und die liefert der Regisseur von Filmen wie "Boss Level" und "Smokin' Aces" auch hier. Zugpferd von "The Rip" ist natürlich das Duo Affleck/Damon, das eine lange Freundschaft und Geschichte miteinander verbindet: 1997 schrieben sie als junge Burschen mit ihrem Drehbuch für das Meisterwerk "Good Will Hunting" Filmgeschichte und katapultierten sich direkt in Hollywoods A-Liga.

Freunde und Kollegen Ihre beiden Karrieren entwickelten sich danach in unterschiedliche Richtungen: Matt Damon wurde zum in allen möglichen Genres gern eingesetzten "Lead-Man" (mit Highlights u.a. in "The Departed" und "Der Marsianer"), während Ben Affleck selbst den gelegentlichen Ausflug hinter die Kamera als Regisseur wagte, und das sehr erfolgreich (Oscar für "Argo"). In Ridley Scotts Ritterepos "The Last Duel" waren sie 2021 erstmals wieder als Darsteller vereint, in "The Rip" sind sie es nun wieder.

Kampf um Aufmerksamkeit Die PR-Tour für ihren neuen Film absolvierten die Kumpels gemeinsam und eröffneten dabei interessante Einblicke. In Joe Rogans Podcast plauderten sie kürzlich darüber, wie das neue Sehverhalten der Nutzer die Art und Weise verändert, wie Filme heute konstruiert werden: Netflix verlange etwa Action innerhalb der ersten fünf Minuten, damit das Publikum nicht wegschaltet.

Straight Action Nun kann man "The Rip" durchaus unterstellen, dass er es den Zuschauern besonders einfach machen will, indem etwa gewisse Handlungspunkte dreimal wiederholt werden, damit sie auch wirklich jeder versteht. Das Ergebnis ist trotzdem ein durch und durch solider Actionfilm, der sich nahtlos in die Filmografie von Joe Carnahan einreiht. Wer auf geradlinige Action steht, wird belohnt.

Kammerspiel/Action Am interessantesten sind – gerade zu Beginn – allerdings die Befragungs-Szenen, die auch die innere Kultur der Polizei offenbaren. Immer wieder bekommt "The Rip" auch den Charakter eines Kammerspiels, weil vieles in eng bemessenen Räumen passiert, in denen die emotional aufgeladenen Figuren aufeinanderprallen – durchaus ungewöhnlich für einen Actionfilm.

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Warrick Page/Netflix

Im Finale fliegen die Fetzen Leider biegt "The Rip" im letzten Drittel etwas zu sehr in bekannte Gefilde ab und wird zum 08/15-Actioner. Bei 100 Millionen Dollar Budget und mit Blick auf die Erwartungen des Publikums müssen noch einmal die Fetzen fliegen.

Allerdings: Diese Actionszenen sind großartig umgesetzt. Carnahan ist kein Mann der feinen Klinge, eher ein Handwerker mit Vorschlaghammer. Aber dieses Handwerk beherrscht er zweifellos.

Fazit Wer auf harte Action und gepfefferte Dialoge steht, wird an "The Rip" seine Freude haben. Der Film ist ein weiteres Beispiel für die Rückkehr des klassischen Mainstream-Actionfilms, der auch durch die Darstellerleistungen (v.a. Ben Affleck) überzeugt.

"The Rip", Actionthriller. USA 2026, 133 Minuten, Netflix

Christian Klosz
Akt. 25.01.2026 22:05 Uhr