Supermodels, die in Flammen aufgehen, gewöhnliche Menschen, die für makellose Schönheit buchstäblich ihr Leben geben: Die neue Streaming-Serie "The Beauty" ist ein ätzender Kommentar zu aktuellen Schönheitstrends wie Botox und Ozempic. Jetzt auf Disney+.

Das sieht man auch auf der Pariser Modewoche nicht oft: Mitten in einer Balenciaga-Show beginnt Supermodel Ruby Rossdale (Bella Hadid) plötzlich zu randalieren und tobt anschließend durch die Seine-Metropole. Sie entwickelt dabei übermenschliche Kräfte und greift jeden an, der ihr in den Weg kommt – bis sie schließlich auf offener Straße in Flammen aufgeht.
So startet "The Beauty", die neue Serie von "American Horror Story"-Mastermind Ryan Murphy auf dem Streaming-Sender Disney+. Und zum Horror wird auch das Streben nach Schönheit und Attraktivität in "The Beauty". Denn für Serienschöpfer Murphy ist die Sucht nach äußerer Perfektion wie eine Krankheit – und zwar eine, die immer tödlich endet.
Wer schön sein will, muss sterben "The Beauty" entwirft eine surreale Welt, in der eine mysteriöse, sexuell übertragbare Krankheit, eben "The Beauty", Menschen in phänomenal attraktive Versionen ihrer selbst verwandelt – allerdings mit fatalen Nebenwirkungen: Haut, Gesichtszüge und Proportionen werden makellos, das Altern scheint gestoppt. Gleichzeitig beginnt ein innerer Zerfall, der sich nach außen in Gewaltausbrüchen manifestiert und die schönen Hüllen schließlich explodieren oder in Flammen aufgehen lässt.
Im Zentrum der Handlung stehen die FBI-Agenten Cooper Madsen (Evan Peters) und Jordan Bennett (Rebecca Hall), die eine Serie bizarrer Todesfälle untersuchen, die mit der neuen "Beauty-Krankheit" zusammenhängen, wie sich später herausstellen wird. Ihre Ermittlungen führen sie von Paris über Venedig bis nach New York in eine Schattenwelt aus Beauty-Industrie und Tech-Konzernen.

Beauty-Pandemie Im Mittelpunkt der sich langsam offenbarenden Verschwörung scheint ein charismatischer, aber skrupelloser Tech-Milliardär (gespielt von Ashton Kutcher) zu stehen, der "The Beauty" als nächsten Evolutionsschritt der Menschheit propagiert – allfällige Ähnlichkeiten mit Multimilliardär Elon Musk sind vermutlich rein zufällig. Und während sich die Schönheits-Pandemie global ausbreitet, wird klar, dass die Infizierten zunehmend auch ihre Menschlichkeit verlieren.
In erster Linie befasst sich "The Beauty" natürlich mit dem Schönheitswahn, dessen reale Auswüchse satirisch überspitzt dargestellt werden. Die Bilder sind hochstilisiert, die Aufnahmen teils wirklich ekelhaft (aber das muss man bei Ryan Murphy ohnehin immer erwarten). Für etwas Auflockerung sorgt nur eine Affäre der beiden FBI-Agenten, doch das währt nicht lange.
Corona 2.0 Auch die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie sowie die Schrecken der ersten Aids-Jahre schlagen sich inhaltlich direkt oder indirekt auf "The Beauty" nieder: Eine neue, unbekannte, sich weltweit ausbreitende Krankheit, das bedeutet Drama pur.
Immer wieder sieht man Menschen in Schutzanzügen, hört man die Aufforderung "Abstand halten", bis die genauen Übertragungswege der "Schönheits-Pest" geklärt sind. Eine italienische Beamtin erklärt die große Vorsicht gegenüber FBI-Agent Madsen so: Wir hier in Italien nehmen so etwas ernst, wir sind immerhin das Ursprungsland der Pest.
Dieser Zynismus ist für Murphy nicht neu, er sieht die Welt in dunklen Farben, vielleicht aber auch nur realistisch. Dahinter verbirgt sich trotzdem Hoffnung, denn seine satirischen Elemente sind nie Selbstzweck, sondern stets Gesellschaftskritik.
Ryan Murphy, "Serien-Gott" Für "The Beauty"-Macher Murphy gehört es mittlerweile zum kleinen Einmaleins, die dunklen und morbiden Seiten menschlicher Existenz in seinen Serien einzufangen. Das war so bei der überaus erfolgreichen Anthologie-Reihe "American Horror Story", die es bisher auf zwölf Staffeln brachte, eine 13. ist in Arbeit.
Das ist auch so bei der nicht minder erfolgreichen Anthologie-Serie "Monster", für die er auf Netflix berühmte (Serien-)Mörder wie Jeffrey Dahmer, Ed Gein oder die Menendez-Brüder einfühlsam porträtiert. Auch hier ist Staffel 4 in der Pipeline. Und das war so bei der Serie "Nip/Tuck", jener Abrechnung mit dem Schönheitskult der Nuller-Jahre, der Murphy seinen Aufstieg überhaupt erst verdankt.
Und so kann man "The Beauty" auch als "Nip/Tuck" anno 2026 einordnen. Das Streben nach Schönheit und die damit verknüpften Abgründe einen die beiden projekte, auh wenn "Nip/Tuck" satirischer war, während "The Beauty" mehr ins Horror-Fach tendiert.
"Nip/Tuck" für eine neue Generation Aber auch das ist schlüssig. Denn inzwischen ist viel passiert in der Welt. Schönheitseingriffe sind längst ein allgemeingültiger und akzeptierter Standard, der nicht mehr nur für die oberen Zehntausend zugänglich ist. Dazu kommt der neue Schlankheits-Kult dank Medikamenten wie der Abnehmspritze Ozempic. Selbstoptimierung ist das Gebot der Stunde, will man erfolgreich sein und etwas gelten. Wenn das kein Horror ist?!

Fazit Ryan Murphys Sicht auf die Welt ist in "The Berauty" genauso ungeschminkt, wie sie schon in "Nip/Tuck", seinem erstn großen Erfolg, war: die Dinge stehen furchtbar, aber sie könnten anders, besser sein. Und wie man so schön sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn uns nicht davor unsere Eitelkeit um die Ecke bringt. So könnte man die Kernaussage dieser düsteren Body-Horror-Thriller-Satire zusammenfassen, die zwar teilweise etwas uneben wirkt, aber trotzdem mehr zu bieten hat, als die glatte Oberfläche vermuten lässt.
"The Beauty", Body-Horror, Thriller. USA 2026, 11 Episoden à ca. 25-50 Minuten. Episoden 1-5 online, ab 12. Februar jede Woche eine weitere Episode, Disney+