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27 Tote, 73 Verletzte

Feuer-Inferno in Bangkok: Es war genauso wie in Crans-Montana

In Thailands Hauptstadt Bangkok sind mindestens 27 Menschen bei einem Feuer in einem Lokal ums Leben gekommen. Ein Kurzschluss könnte die Deckenverkleidung in Brand gesteckt haben, Notausgänge waren versperrt, so erste Erkenntnisse. Was bisher bekannt ist.

Eines der Brandopfer von Bangkok wird nach buddhistischem Ritus für die Bestattung aus dem Krankenhaus abgeolt
Eines der Brandopfer von Bangkok wird nach buddhistischem Ritus für die Bestattung aus dem Krankenhaus abgeoltREUTERS/Arnun Chonmahatrakool
NewsFlix Redaktion
Akt. 13.07.2026 16:20 Uhr

Es sind Bilder, die man nicht so schnell wieder vergisst: Kurz vor Mitternacht schlagen riesige Flammen aus dem Eingang eines Pubs nahe dem berühmten Chatuchak-Markt im Norden Bangkoks. Handy-Videos zeigen, wie Menschen schreiend und in Panik durch die Eingangstür flüchten, bei einigen steht die Kleidung in Flammen.

Die Parallelen zwischen den Brand-Katastrophen in Crans-Montana vom vergangenen Silvester und jetzt in Bangkok sind erschreckend. Hier wie dort entzündete sich offenbar die Deckenverkleidung, in beiden Fällen kam es vermutlich zu einem sogenannten Flashover, einer Durchzündung, bei der die gesamte Decke binnen Sekunden Feuer fängt und kurzzeitig extrem hohe Temperaturen entstehen.

In beiden Fällen sollen nach Zeugenaussagen auch Notausgänge bzw. Fluchtwege versperrt oder verstellt gewesen sein, weshalb es vielen Opfern nicht mehr rechtzeitig gelang, das Lokal zu verlassen. In Crans-Montana sind die diesbezüglichen Erkenntnisse nach wie vor Gegenstand der behördlichen Ermittlungen, in Bangkok stehen die Untersuchungen noch am Beginn.

Wie es zu dem Feuer in dem beliebten Nachtlokal in Thailands Metropole gekommen ist, weshalb sich die Opferzahl noch erhöhen könnte und warum es in Thailand eine traurige Historie ähnlicher Vorfälle gibt – das weiß man bisher über das Unglück:

Riesige Stichflammen schießen aus der Eingangstüre des Lokals, während Menschen in Panik herauslaufen
Riesige Stichflammen schießen aus der Eingangstüre des Lokals, während Menschen in Panik herauslaufen
via REUTERS

Was ist in Bangkok passiert?
In der Bar "Rong Beer Na Lat Phrao" im Norden der thailändischen Hauptstadt ist in der Nacht auf Montag gegen Mitternacht Ortszeit ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Mindestens 27 Menschen kamen ums Leben, weitere 73 wurden nach Behördenangaben verletzt, 25 davon sollen sich in kritischem Zustand befinden. Mehrere Personen werden noch vermisst. Das Lokal brannte völlig aus.

Wo befand sich das Lokal?
Der Pub liegt im Stadtteil Ladprao in der Nähe des Chatuchak-Marktes, einem der größten Wochenendmärkte der Welt. Der Markt ist bei Touristen aus aller Welt beliebt, zur Brandzeit gegen Mitternacht war er allerdings längst geschlossen. Ob sich unter den Opfern auch ausländische Touristen befinden, war zunächst unklar.

Wie konnte das Feuer entstehen?
Die genaue Ursache wird noch ermittelt. Ein Musiker, der in dem Lokal auftrat, berichtete Thailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul, er habe Rauch aus einem Sicherungskasten nahe der Bühne aufsteigen sehen. Kurz darauf sei der Strom ausgefallen, dann sei eine schwere Explosion zu hören gewesen und dicker Rauch habe das Lokal erfüllt.

Weshalb dem Ministerpräsidenten?
Regierungschef Anutin Charnvirakul begab sich am frühen Montagmorgen persönlich zum Unglücksort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Das ist ein Hinweis darauf, wie ernst die Politik das Unglück nimmt.

Was ist die Vermutung der Ermittler?
Vorläufige Untersuchungen der Katastrophenschutzbehörde von Bangkok lassen vermuten, dass das Feuer durch einen Kurzschluss in einer Klimaanlage verursacht wurde, wodurch sich die Verkleidung der Decke des Lokals entzündet haben könnte.

Wo wurden die Opfer gefunden?
Nach Angaben des Politikers wurden die meisten Todesopfer in den Toiletten im hinteren Teil des Lokals aufgefunden. Offenbar suchten viele Gäste dort Schutz vor dem Rauch oder versuchten, über einen – möglicherweise verschlossenen – Hinterausgang zu entkommen.

Wie rasch war die Feuerwehr vor Ort?
Die Einsatzkräfte wurden von einem zufällig vorbeifahrenden Autofahrer verständigt, der sah, wie Flammen aus der Tür des Lokals schlugen. Der Mann schlug außerdem ein Fenster ein, um zwei Personen zur Flucht zu verhelfen. Die Feuerwehr traf schließlich kurz nach Mitternacht am Unglücksort ein und konnte das Feuer danach relativ rasch löschen.

Worauf lässt das schließen?
Das Feuer breitete sich nach ersten Berichten enorm schnell aus. Auf Videos ist zu sehen, wie gewaltige Flammen aus dem Eingangsbereich schlagen. Diese Ereignisse decken sich mit jenen vom vergangenen Silvester, als es im Schweizer Nobelskiort Crans-Montana in dem Lokal "Le Constellation" zu einem ähnlichen Brand kam. Auch dort entwickelte sich das Feuer sehr rasch.

Was bedeutet das?
In beiden Fällen könnte ein sogenannter Flashover entstanden sein. So wird eine nahezu explosionsartige Entzündung eines leicht entflammbaren Materials genannt. Das kann binnen weniger Sekunden passieren. Dabei entstehen kurzfristig sehr hohe Temperaturen und das Feuer verbraucht allen Sauerstoff in einem Raum, weshalb viele der Opfer ersticken bzw. an Rauchgasvergiftungen sterben.

Weiß man schon Genaueres über die Herkunft der Opfer?
Nein, genauere Informationen über die Identität der 27 Todesopfer waren zunächst nicht verfügbar. Auch zum Zustand der Verletzten, die in Krankenhäuser gebracht wurden, gab es keine näheren Angaben. Ob sich ausländische Touristen unter den Opfern befinden, war zunächst ebenfalls noch nicht klar.

Was ist mit dem Besitzer der Bar?
Er soll sich laut BBC zum Zeitpunkt des Feuers ebenfalls in dem Lokal aufgehalten haben und werde aktuell auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt.

Gibt es Hilfe für die Brandopfer?
Die Behörden gaben laut BBC bekannt, dass die Familien der Verstorbenen 29.300 thailändische Baht (ca. 770 Euro) erhalten würden, während diejenigen, die im Krankenhaus behandelt würden, 4.000 Baht (ca. 105 Euro) erhalten würden.

War das Lokal für Sicherheitsmängel bekannt?
Darüber liegen bisher keine Informationen vor. In Thailand gab es in der Vergangenheit allerdings wiederholt tödliche Brände in Unterhaltungslokalen, bei denen mangelnde Brandschutzmaßnahmen und blockierte Notausgänge als Ursachen identifiziert wurden.

Und zwar?
Im Jahr 2022 kamen bei einem Feuer in einem Musik-Pub im Osten des Landes 14 Menschen ums Leben. Noch verheerender war ein Brand während einer Silvesterparty 2009 im "Santika"-Nachtclub in Bangkok, bei dem 66 Menschen starben und über 200 verletzt wurden. Ausgelöst wurde der Brand damals durch ein Indoor-Feuerwerk.

Das Lokal am Morgen nach dem Feuer: Von außen deutet nur wenig auf die verheerenden Vorkommnisse im Inneren der Bar hin
Das Lokal am Morgen nach dem Feuer: Von außen deutet nur wenig auf die verheerenden Vorkommnisse im Inneren der Bar hin
REUTERS/Chalinee Thirasupa

Hatten diese Katastrophen keine Konsequenzen?
Theoretisch schon. Nach früheren Bränden wurden die Sicherheitsvorschriften für Lokale verschärft. Dennoch gibt es immer wieder Berichte über mangelnde Fluchtwege, fehlende Feuerlöscher oder blockierte Notausgänge. Der aktuelle Fall dürfte erneut eine Debatte über die Durchsetzung von Brandschutzregeln auslösen.

Müssen sich Thailand-Touristen Sorgen machen?
Wie überall auf der Welt ist eine gewisse Vorsicht geboten, wenn man in ein Lokal geht. Experten raten, immer auf Notausgänge zu achten und überfüllte Räume mit nur einem Ausgang, wenn möglich, zu meiden. Die meisten Opfer solcher Brände sterben nicht durch die Flammen, sondern an Rauchvergiftung, weil sie nicht rasch genug fliehen können.

NewsFlix Redaktion
Akt. 13.07.2026 16:20 Uhr