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Übler Verdacht

Hilft Putin dem Iran mit Satellitendaten über US-Truppen?

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erhebt schwere Vorwürfe gegen Moskau: Putins Spione sollen dem Iran Satellitenbilder von US-Basen im Nahen Osten als Basis für dessen Angriffe liefern. Wie realistisch die Anschuldigungen sind, was Trump dazu sagt.

Benutzt Russland seine Satellitenaufklärung, um dem Iran Infos über US-Truppen zu geben?
Benutzt Russland seine Satellitenaufklärung, um dem Iran Infos über US-Truppen zu geben?Getty Images
NewsFlix Redaktion
Akt. 27.07.2026 17:04 Uhr

Der Feind meines Feindes ist mein Freund … diese uralte Regel der Macht versucht Wolodymyr Selenskyj gerade in seinem Sinne einzusetzen. Er behauptet, Russland würde seine Satellitenaufklärung dafür einsetzen, um dem Iran Informationen über US-Kontingente in der Golf-Region zu liefern – die dieser schließlich für seine Angriffe nutzt.

Mit diesen Anschuldigungen ist der ukrainische Präsident laut dem US-Sender CBS News am Wochenende an die Öffentlichkeit gegangen. Und Selenskyj will Beweise für seine Behauptungen haben. Öffentlich vorgelegt hat er diese indes (noch) nicht.

Doch die Vorwürfe werfen einmal mehr Fragen über die bekannte Achse zwischen Russland und dem Iran auf. Und darüber, was diese für die Sicherheit in der Region bedeutet. Schlimmer aber: Sollten sich die Vorwürfe nicht als gegenstandslos erweisen, könnten sie eine Verbindung zwischen zwei Konflikten herstellen, die bislang von den Konfliktparteien streng getrennt wurden: dem Ukraine-Krieg Russlands und dem Iran-Krieg der USA.

Was Selenskyj konkret behauptet, wie die US-Seite auf die Veröffentlichung der Vorwürfe reagiert hat und welche geopolitischen Folgen eine Vermischung der beiden Kriegsschauplätze mit sich bringen könnte – das ist bisher bekannt:

Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beim jüngsten NATO-Treffen Anfang Juli in Ankara
Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beim jüngsten NATO-Treffen Anfang Juli in Ankara
REUTERS/Jonathan Ernst

Was genau wirft Wolodymyr Selenskyj Russland vor?
Der ukrainische Präsident behauptet, dass russische Satelliten seit Anfang Juli systematisch US-Militärbasen im Nahen Osten überwachen. Die dabei gewonnenen Bilder würden anschließend an den Iran weitergegeben. Selenskyj spricht von einer klaren Verbindung zwischen den Satellitenaufnahmen und iranischen Angriffen – sowohl zur Vorbereitung als auch zur Schadensbewertung nach den Attacken.

Welche konkreten Beispiele nennt er?
Selenskyj verwies auf den 19. und 20. Juli, als vier Luftwaffenstützpunkte im Fokus russischer Satelliten gewesen sein sollen: zwei in Bahrain, einer in Jordanien und einer in Kuwait. Der Zweck sei klar, so der ukrainische Präsident – der Iran nutze diese Informationen für seine Militäroperationen gegen amerikanische Truppen.

Welche Beweise hat er dafür vorgelegt?
Bis jetzt noch keine, zumindest nicht öffentlich.

Wie kann die Ukraine an diese Informationen gekommen sein?
Realistischerweise bestehen zwei Möglichkeiten, wie Kiew an derartige Informationen gekommen sein könnte. Entweder durch Informanten direkt im russischen Militär, oder durch die Überwachung von Kommunikationswegen zwischen Moskau und Teheran.

Sind die Vorwürfe neu?
Nein, ähnliche Anschuldigungen gibt es schon länger. Bereits sechs Tage nach Kriegsbeginn berichteten mehrere Quellen, dass Russland dem Iran Geheimdienstinformationen über US-Positionen im Nahen Osten liefere. In den vergangenen Monaten tauchten diese Vorwürfe immer wieder auf, manchmal wurde auch China als möglicher Unterstützer genannt.

Was sagt das Pentagon dazu?
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wurde bei einer Anhörung im Kongress direkt gefragt, ob Russland und China dem Iran helfen. Seine Antwort blieb vage, aber er bestätigte eine gewisse Unterstützung. Er sprach von einer Abstimmung zwischen den Gegnern der USA und davon, dass beide Länder auf unterschiedliche Weise einiges von dem ermöglichen würden, was der Iran tue.

Wladimir Putin 2017 mit dem geistlichen Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei in Teheran. Khamenei kam am Beginn des Iran-Krieges bei einem Angriff ums Leben
Wladimir Putin 2017 mit dem geistlichen Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei in Teheran. Khamenei kam am Beginn des Iran-Krieges bei einem Angriff ums Leben
REUTERS

Was sagt Präsident Trump?
Nur Tage nach Hegseths Aussage widersprach Trump seinem eigenen Verteidigungsminister öffentlich. Auf Truth Social schrieb er, er glaube nicht, dass Russland oder China den Iran unterstützen würden. Sowohl der chinesische Präsident Xi Jinping als auch der russische Präsident Wladimir Putin hätten ihm versichert, nicht beteiligt zu sein. Eine Beteiligung wäre nicht in ihrem Interesse. Trump dazu wörtlich, laut dem britischen Independent: "Ich vertraue ihnen."

Glaubt der US-Präsident das wirklich?
Wie meistens bei Donald Trump kann man sich da nie ganz sicher sein. Es könnte sich um eine Finte des Präsidenten handeln, oder aber um seine wirkliche Meinung. Es ist mittlerweile bekannt, dass sich – der von ihm persönlich eingesetzte – CIA-Chef John Ratcliffe auf Basis von Geheimdiensterkenntnissen klar gegen einen Angriff der USA auf den Iran ausgesprochen hatte. Trump, so wird berichtet, habe seinen obersten Spion allerdings mit den Worten "ich habe ein gutes Gefühl dabei" überstimmt – mit dem bekannten Ergebnis.

Wie viele US-Soldaten sind bisher im Iran-Krieg gestorben?
Seit Beginn des Iran-Krieges sind 18 amerikanische Soldaten ums Leben gekommen. Allein in den vergangenen Tagen starben vier US-Soldaten: drei bei einem iranischen Angriff auf die Muwaffaq-Salti-Luftwaffenbasis in Jordanien, einer bei der kontrollierten Sprengung einer iranischen Drohne im Irak. Im März wurden sechs Soldaten bei einem iranischen Angriff auf eine Einrichtung in Kuwait getötet.

Wie viele wurden verletzt?
Knapp 100 amerikanische Soldaten wurden allein in diesem Monat bei mehreren iranischen Luftangriffen auf Basen in der Region verletzt. Die Zahl der Opfer zeigt, wie gefährlich die Lage für US-Truppen in der Region geworden ist.

Warum macht Selenskyj diese Informationen jetzt öffentlich?
Der ukrainische Präsident hat ein klares politisches Interesse daran, die Verbindung zwischen Russland und dem Iran zu dokumentieren. Er will dem Weißen Haus vor Augen führen, dass es einer – aus seiner Sicht – wesentlich härteren Haltung gegenüber Moskau bedarf.

Was hätte die Ukraine davon, wenn die USA den Vorwürfen Glauben schenken?
Die USA würden dadurch möglicherweise erkennen, dass die Ukrainer wirklich ihre Verbündeten sind und sie wieder stärker mit Waffen und Logistik unterstützen – das könnte zumindest das Kalkül sein. Sein Amtsantritt von Donald Trump wurde die US-Hilfe für die ukrainischen Truppen bereits massiv zurückgefahren.

Sechs von bislang 18 toten US-Soldaten: Nicole Amor, 39, Declan Coady, 20, Cody Khork, 35, Noah Tietjens, 42, Jeffrey O'Brien, 45, und Robert Marzan, 54 (v. l.)
Sechs von bislang 18 toten US-Soldaten: Nicole Amor, 39, Declan Coady, 20, Cody Khork, 35, Noah Tietjens, 42, Jeffrey O'Brien, 45, und Robert Marzan, 54 (v. l.)
APA-Images / AFP / BRENT NEWTON, -

Besteht eine Achse Russland – Iran?
Ja, und die beiden Länder haben ihre militärische Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren intensiviert. Der Iran liefert Drohnen für den russischen Krieg in der Ukraine, Russland unterstützt den Iran mit Technologie und möglicherweise Aufklärungsdaten. Diese Allianz beunruhigt westliche Sicherheitsexperten zunehmend, da sie zwei Konfliktregionen miteinander verbindet.

Wo wäre das Problem?
Die USA schaffen es jetzt schon nicht, den Krieg gegen den Iran so zu beenden, dass sie nicht als Verlierer dastehen. Würden die beiden Konflikte zu einem großen verschmelzen, wären die Chancen für die USA, das Schlachtfeld aufrecht zu verlassen, noch geringer.

Welche Motivation hätte Moskau, den Iran zu unterstützen?
Je länger der Iran die Straße von Hormus und damit den weltweiten Ölhandel in der Hand hat, desto mehr Öl kann Russland selbst verkaufen, ohne von westlichen Sanktionen dabei behindert zu werden. Abgesehen davon, gilt auch hier: Der Feind meines Feindes … eine strategische Schwächung der USA ist das Beste, was Moskau und Peking passieren kann.

Wie geht es jetzt weiter?
Selenskyj hat angekündigt, seine Beweise für die Vorwürfe mit den USA zu teilen, wenn das gewünscht sei. Ob Washington darauf eingehen wird, bleibt abzuwarten. Zumal Präsident Trump die Vorwürfe bereits öffentlich angezweifelt hat. Aber die Frage, wer dem Iran wirklich hilft, dürfte die amerikanische Politik grundsätzlich noch länger beschäftigen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass der US-Kongress den Iran-Krieg weiterhin ablehnt und nach Möglichkeiten sucht, Trump zu einem Kriegsende zu zwingen.

NewsFlix Redaktion
Akt. 27.07.2026 17:04 Uhr