Mit 82 legt der zweifache Oscar-Preisträger Michael Douglas nun seine Autobiografie vor. Darin blickt er zurück auf sechs Jahrzehnte in Hollywood: seine großen Filme, sein Leben zwischen einem berühmten Vater und einem großen Anspruch – und seine zahllosen Affären.

Sex, Drogen, Beziehungsprobleme. Das Leben von Hollywoodstars verläuft im Grunde nicht sonderlich viel anders als das jedes einzelnen Menschen. Mit zwei bedeutenden Unterschieden: Bei den großen Namen des Filmgeschäfts erscheinen auch die privaten Probleme oft in Cinemascope-Größe. Und viele der Stars sind gerne bereit, auch über Kapitel ihres Lebens Auskunft zu geben, die die meisten Menschen nicht einmal ihrem Seelsorger erzählen würden.
Letzterem Umstand verdankt die Welt viele ebenso aufschlussreiche wie amüsante Star-Biografien. Jüngstes Beispiel: die Lebenserinnerungen von Hollywood-Legende Michael Douglas. Der mittlerweile 82-Jährige legt mit "One Helluva Ride" (auf Deutsch etwa "Höllenritt") eine erstaunlich offenherzige Autobiografie vor, die tief blicken lässt.
Von seiner Kindheit als Sohn von Kirk Douglas, in den 1950er-Jahren einer der größten Stars des alten Hollywood, über seine Zeit als Student in Kalifornien bis hin zu scheinbar unendlich vielen Affären und schließlich seinem Eheleben mit Catherine Zeta-Jones spannen Michael Douglas und seine Co-Autoren, zwei seiner Best Buddys aus alten Zeiten, den Bogen über beinahe 500 Seiten.
Dabei weiß der 82-Jährige einmal mehr, was er seinem Publikum schuldig ist. Douglas lässt viele Geschichten, die bislang nur als Gerüchte existierten, noch einmal Revue passieren und bestätigt sie damit. Und er nimmt sich auch sonst kein Blatt vor den Mund, Stichwort Frauenmagnet. Motto: Einer echten Legende können solche Dinge nichts mehr anhaben.
Die britische Times traf den 82-Jährigen in New York, um mit ihm über die interessantesten Passagen seines Buches und seines Lebens zu plaudern. Hier die wichtigsten Passagen aus Michael Douglas' Lebensbeichte:

Warum spricht Michael Douglas gerade jetzt so offen?
Der Star sagt, ihm sei klar geworden, wie ungewöhnlich die Karriere seiner Familie gewesen sei. Er und sein Vater Kirk Douglas hätten als zwei Generationen außergewöhnliche Laufbahnen im Filmgeschäft hingelegt. Seine Autobiografie versteht er auch als Rückblick auf 60 Jahre Arbeit vor und hinter den Kulissen.
Warum ist seine Familiengeschichte in Hollywood so besonders?
Kirk Douglas – Michaels Vater wurde 103 Jahre alt und starb 2020 – war einer der großen Stars des Nachkriegskinos. Michael Douglas prägte später vor allem die späten 1970er, 1980er und 1990er-Jahre Hollywoods, vollkommen ohne väterliche Unterstützung. Douglas stört sich in seiner Autobiografie daran, wenn erfolgreiche Schauspielerkinder pauschal als bloße Begünstigte abgetan werden. Für ihn ist die Verbindung von berühmtem Vater und eigener, lang anhaltender Spitzenkarriere eher die Ausnahme als die Regel.
Mit welchen Filmen begann sein Aufstieg?
In den 1970ern wurde Douglas zunächst durch die TV-Serie "Die Straßen von San Francisco" weltweit bekannt. Als Produzent landete er dann mit "Einer flog über das Kuckucksnest" einen historischen Erfolg: Der Film gewann 1976 den Oscar als bester Film (somit sein erster Oscar, eben als Produzent), Jack Nicholson erhielt zudem seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller. Damit hatte sich Douglas früh den Ruf eines jungen Schwergewichts in Hollywood erarbeitet.
Welche Filme machten ihn endgültig zum Weltstar?
Entscheidend war die zweite Hälfte der 1980er-Jahre. Nach "Das China-Syndrom" folgten die romantischen Abenteuerkomödien "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten" und "Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil", in denen er mit Kathleen Turner und seinem Freund Danny DeVito spielte. 1987 kamen dann binnen kurzer Zeit "Eine verhängnisvolle Affäre" mit Glenn Close und "Wall Street". Diese beiden Filme machten ihn endgültig zum A-Liga-Star in Hollywood. "Wall Street" brachte ihm zudem einen weiteren Oscar, diesmal als bester Hauptdarsteller.
Welche Rolle spielten seine Filmpartnerinnen für sein Image?
Eine sehr große. Douglas stand in vielen seiner bekanntesten Filme an der Seite von Frauen, die selbst starke Leinwandfiguren verkörperten: Kathleen Turner (in den beiden "Auf der Jagd …"-Filmen), Glenn Close ("Eine verhängnisvolle Affäre"), Sharon Stone und Jeanne Tripplehorn ("Basic Instinct"). Gerade diese Konstellationen trugen zu seinem Ruf bei, Erotik, Macht und Gefahr auf der Leinwand zu verkörpern – was ihn zu jener Zeit zu einer der prägendsten Personalien Hollywoods machte. Douglas wurde zum Symbol einer bestimmten Art des 80er- und 90er-Jahre-Kinos: glänzend, sexuell aufgeladen, massentauglich und doch umstritten.
Was erzählt Douglas über Kathleen Turner?
In seiner Autobiografie räumt der Star erstmals ein, dass er seinerzeit tatsächlich eine heiße Affäre mit seinem Co-Star Kathleen Turner hatte – eine Tatsache, die er zuvor über 40 Jahre lang bestritten hatte. Während der Dreharbeiten zu "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten" habe es diese Beziehung gegeben; dass er das lange abgestritten habe, bezeichnet das Buch offen als Lüge.

Spricht Michael Douglas noch weitere Beziehungen im Filmumfeld?
Ja, und genau das macht das Buch für viele so aufsehenerregend. Douglas bestätigt etwa eine Liaison mit Diane Thomas, der Autorin von "Auf der Jagd …", ehe es mit Kathleen Turner losging. Sowie eine Affäre mit Jeanne Tripplehorn, die in "Basic Instinct" seine Therapeutin spielte. Und auch sonst macht Douglas in seiner Biografie kein Hehl daraus, dass sein Ruf als einer der größten Womanizer Hollywoods jener Jahre keineswegs nur ein Marketing-Gag gewesen ist.
Wie ordnet Douglas selbst sein Liebesleben ein?
Er wehrt sich klar gegen den Eindruck, mit besonders vielen Frauen geschlafen zu haben. Wörtlich sagt er: "Ich glaube nicht, dass ich mit so vielen Frauen geschlafen habe, ich sehe das nicht so. Nein, ich nicht, nein. Ich war ein gesundes Produkt der Sechzigerjahre." Ebenso entschieden weist er die alte Boulevard-Erzählung zurück, er sei wegen Sexsucht in Entzug gegangen; diese Behauptung nennt er falsch und sagt: "Ich war verdammt noch einmal niemals sexsüchtig!"
Was sagt das alles über das Hollywood der damaligen Zeit aus?
Douglas beschreibt ein Umfeld, in dem Erfolg, Exzess und Grenzüberschreitungen oft als normal galten. Alkohol und Drogen waren in seinem Umfeld so präsent, dass er lange meinte, überhaupt kein Problem zu haben. Seine Karriere lief in einer Branche, in der Macht, Sexualität und Status nicht sauber voneinander zu trennen waren – und genau deshalb lesen sich viele Episoden heute anders als damals.
Wie wirkte sich das auf seine erste Ehe aus?
1977 heiratete Douglas Diandra Luker, die er erst acht Wochen zuvor kennengelernt hatte; 1978 kam Sohn Cameron zur Welt. Das Buch legt nahe, dass Douglas Sex mit Co-Stars und andere Beziehungen trotz Ehe lange als beinahe selbstverständlich betrachtete. Später setzte ihm seine Frau nach einer Observation in einem Hotelzimmer ein Ultimatum: Entzug oder Scheidung. Er entschied sich für den Entzug wegen Alkohol- und Drogenmissbrauchs, die Scheidung folgte Jahre später dennoch.
Wie begann dann die Geschichte mit Catherine Zeta-Jones?
1998 lernte Douglas Catherine Zeta-Jones beim Filmfestival in Deauville kennen. Er war 53, sie 28, und sein berühmter erster Satz an sie lautete: "Ich werde der Vater deiner Kinder sein." Nach einer langen, teils räumlich getrennten Kennenlernphase machte sie ihm klar, dass sie keine Beziehung wolle, wenn er parallel andere Frauen treffe; er reagierte darauf laut Buch mit dem Satz: "Warte kurz, ich muss nur rasch fünf Anrufe machen." 2000 heirateten sie, später zogen sie ihre Kinder Dylan und Carys weitgehend abgeschirmt auf.
Wie beschreibt Douglas diese zweite Ehe?
Grundsätzlich deutlich positiver als seine erste. Er sagt, die Ehe mit Catherine Zeta-Jones sei glücklicher gewesen und die Vaterschaft beim zweiten Mal leichter. Zwar gab es 2013 eine vorübergehende Trennung, doch die beiden fanden wieder zusammen; über seine Ehe sagt er heute nüchtern, sie sei "viel Arbeit, aber man sei in guter Verfassung".

Wie wichtig ist in seiner Lebensgeschichte der Vater Kirk Douglas?
Sehr wichtig, auch wenn Michael Douglas diesen psychologischen Zugriff im Gespräch eher abwehrt. Sein Buch macht deutlich, wie stark ihn das Erbe des Vaters geprägt hat: der Wunsch, aus dessen Schatten zu treten, ihm zu beweisen, was in ihm steckt, und zugleich die Last einer Legende zu tragen. Dazu kommen auffällige Parallelen: Beide Männer waren ihren ersten Familien oft fern, beide waren untreu, beide setzten lange die Arbeit vor das Private.
Was erzählt das Buch über Vater und Sohn jenseits des Glamours?
Michael Douglas schildert Kirk als oft abwesend und schnell zornig; als Kind fühlte er sich von ihm eher als Störung denn als Mittelpunkt wahrgenommen. Später wiederholten sich ähnliche Muster in seinem Verhältnis zu seinem ältesten Sohn Cameron. Dieser kämpfte früh mit schweren Drogenproblemen, kam ins Gefängnis und schilderte in seinen eigenen Erinnerungen ebenfalls, wie sehr ihm die Aufmerksamkeit des berühmten Vaters gefehlt habe.
Warum ist auch Camerons Geschichte für das Buch so zentral?
Weil hier sichtbar wird, dass die Douglas-Dynastie nicht nur aus Oscar-Glanz besteht. Cameron begann mit 13 Cannabis zu rauchen, konsumierte später flüssiges Kokain, rutschte in Meth- und Heroinprobleme ab und saß schließlich im Gefängnis. Michael Douglas hielt lange Distanz, schrieb ihm zunächst nicht einmal in Haft und sagt offen, er habe nicht gewusst, was er sagen solle. Erst nach einer Entschuldigung seines Sohnes kam wieder Nähe auf.
Wie blickt Douglas heute auf Ruhm und Film zurück?
Er wirkt distanzierter als früher. Neue Filme verfolgt er kaum noch, sagt selbst, er sei kein großer Kinogänger mehr, und betont, dass er das Rampenlicht nicht vermisse. Seit seiner Krebserkrankung 2010 habe er gemerkt, dass ihm ein ruhigeres Leben gefalle – nach Jahrzehnten, in denen Arbeit fast alles überlagert hatte.
Und ist seine Ehefrau Catherine Zeta-Jones wegen der Veröffentlichung des Buches schon nervös?
Michael Douglas: "Sie hat es noch nicht gelesen."
Michael Douglas "One Helluva Ride", ab ca. 22 Euro, Headline Publishing
