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Frankreich, Spanien

Inferno am Atlantik: Geraten die Waldbrände außer Kontrolle?

An Frankreichs Atlantikküste und westlich von Madrid wüten seit Tagen verheerende Waldbrände. Insgesamt über 100.000 Menschen mussten bereits ihre Unterkünfte verlassen, darunter viele Urlauber. Wie gefährlich ist die Lage und was bedeutet das für Reisende?

Den dritten Tag in Folge wüteten die Waldbrände nahe Cotignac im Departement Var an der französischen Atlantikküste. Zigtausende Menschen wurden evakuiert
Den dritten Tag in Folge wüteten die Waldbrände nahe Cotignac im Departement Var an der französischen Atlantikküste. Zigtausende Menschen wurden evakuiertAPA-Images / Action Press / Frédéric Munsch
NewsFlix Redaktion
Akt. 25.07.2026 03:30 Uhr

Rauchschwaden verdunkeln den Himmel über der Gironde, während Feuerwehrleute mit Löschflugzeugen gegen meterhohe Flammen ankämpfen. Auf den Straßen rund um das Becken von Arcachon an der Atlantikküste im Südwesten Frankreichs stauen sich Autos – Urlauber und Einheimische fliehen vor dem herannahenden Feuer.

Die Waldbrände im Südwesten Frankreichs haben mittlerweile gewaltige Ausmaße angenommen. Die Behörden haben großflächige Evakuierungen angeordnet. Und auch rund um Madrid wird die Bedrohung durch Waldbrände immer größer. Was man über die Feuer in Südwesteuropa wissen muss, wie gefährlich die Lage ist – das ist der Stand der Dinge:

Worum geht es?
An der französischen Atlantikküste bei Bordeaux sind mehrere große Waldbrände ausgebrochen. Allein rund um das Becken von Arcachon mussten 20.000 Menschen zehn Ortschaften verlassen. Ein weiterer Brand südlich von Bordeaux bei Biscarrosse zwang 23.000 Menschen zur Flucht. Insgesamt sind damit über 63.000 Menschen von den Evakuierungen betroffen.

Wie groß ist das betroffene Gebiet?
Das Feuer beim Becken von Arcachon hat sich bereits auf rund 10.000 Hektar ausgedehnt – das entspricht etwa der Fläche von Paris. Der Brand bei Biscarrosse umfasst weitere 2.500 Hektar. Damit sind insgesamt mehr als 12.500 Hektar Fläche betroffen. 80 Gebäude wurden von den Flammen beschädigt, davon 50 vollständig zerstört, berichtet das Schweizer Online-Medium Watson.

Auch mit Wasserflugzeugen versuche die Behörden, den Flammen Einhalt zu gebieten
Auch mit Wasserflugzeugen versuche die Behörden, den Flammen Einhalt zu gebieten
APA-Images / AFP / THIBAUD MORITZ

Wie ist der Brand bei Biscarrosse entstanden?
Nach bisherigen Erkenntnissen fing ein Lieferwagen auf einer Landstraße, die durch einen Wald führt, Feuer – vermutlich wegen eines technischen Defekts. Die Flammen griffen rasch auf die trockene Vegetation über und breiteten sich rasend schnell aus. Bei diesem Brand wurden etwa 100 Häuser beschädigt.

Wer ist von den Evakuierungen betroffen?
Betroffen sind vor allem Campingplätze und Ferienanlagen an der bei Touristen beliebten Atlantikküste. Viele Menschen mussten ihre Wohnwagen und Zelte zurücklassen. Einige wurden per Schiff von Cap Ferret aus evakuiert. Die Betroffenen kommen vorläufig in Notunterkünften unter – etwa in einer Messehalle in Bordeaux. Viele reisen per Zug weiter nach Bordeaux oder Paris.

Gibt es Verletzte?
Bislang wurden weder Anwohner noch Touristen durch die Brände verletzt, lediglich ein Feuerwehrmann erlitt bei den Löscharbeiten Verletzungen. Angesichts der Dimension der Brände ist das ein vergleichsweise glimpflicher Ausgang – die Behörden hatten frühzeitig mit den Evakuierungen begonnen.

Wie viele Einsatzkräfte kämpfen gegen das Feuer?
Insgesamt sind über 2.200 Feuerwehrleute im Einsatz. Beim Brand am Becken von Arcachon sind es 1.500, bei Biscarrosse weitere 700 Kräfte. Sie werden von einer großen Zahl an Löschflugzeugen unterstützt. Zudem hat Frankreich erstmals ein Militärtransportflugzeug des Typs Airbus A400M für Löscheinsätze umgerüstet – es kann 20 Tonnen Wasser auf einmal abwerfen.

Die wochenlange Hitze und starker Wind fachen die Flammen immer wieder an
Die wochenlange Hitze und starker Wind fachen die Flammen immer wieder an
APA-Images / AFP / JULIEN DE ROSA

Bekommt Frankreich internationale Hilfe?
Ja. Über den Hilfsmechanismus der Europäischen Union hat es Unterstützung angefordert und erhalten. Kroatien schickt zwei Löschflugzeuge, Tschechien und die Slowakei entsenden Hubschrauber. Präsident Emmanuel Macron hat sich persönlich bei den Partnerländern bedankt.

Warum ist die Lage so schwierig?
Mehrere Faktoren erschweren die Löscharbeiten. In der Region werden Temperaturen von bis zu 39 Grad erwartet. Dazu weht starker Wind, der die Flammen weiter anfacht. Die Behörden sprechen von einer "sehr unbeständigen und ungünstigen" Lage. Die Feuer sind derzeit nicht unter Kontrolle.

Wann können die Evakuierten zurückkehren?
Das ist noch völlig offen. Die Gendarmerie bewacht die verlassenen Campingplätze und Ferienzentren, wo viele ihre Habseligkeiten zurücklassen mussten. Einen konkreten Termin für die Rückkehr gibt es nicht – das hängt davon ab, wann die Brände unter Kontrolle gebracht werden können.

Wie außergewöhnlich ist die Situation?
Frankreich ist dieses Jahr besonders stark von Waldbränden betroffen. Bislang sind bereits 50.000 Hektar Fläche verbrannt – dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Erstmals mussten Löschflugzeuge sogar auf der Seine südlich von Paris Wasser fassen, um einen Brand im Wald von Fontainebleau zu bekämpfen.

Die Brände in Ávila, etwa 80 Kilometer westlich von Madrid, sind die schlimmsten Waldbrände hier seit Menschengedenken
Die Brände in Ávila, etwa 80 Kilometer westlich von Madrid, sind die schlimmsten Waldbrände hier seit Menschengedenken
APA-Images / AFP / CESAR MANSO

Sind auch andere Länder betroffen?
Ja, auch Spanien kämpft mit schweren Waldbränden. Die Regierung hat für die Umgebung von Madrid und die Region Ávila den Notstand ausgerufen – erstmals überhaupt wegen Waldbränden. Über 11.500 Menschen mussten hier evakuiert werden. In Spanien sind heuer bereits mehr als 125.000 Hektar Land verbrannt. Auch in Südfrankreich bei Marseille und in Italien gibt es größere Brände.

Gibt es eine Prognose, wie es weiter geht?
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Einsatzkräfte die Oberhand gewinnen können. Urlauber in den betroffenen Regionen sollten die Anweisungen der Behörden genau verfolgen und sich unbedingt daran halten.

NewsFlix Redaktion
Akt. 25.07.2026 03:30 Uhr