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Comeback

Ist Elon nicht mehr "crazy"? Warum Europa wieder Teslas kauft

Nach den Boykotten gegen Elon Musk 2025 feiert Tesla ein überraschendes Verkaufs-Comeback in "Good Old Europe". Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Auslieferungen deutlich. Was hinter der Trendwende steckt und wie es in Europa weitergeht – die Analyse.

"Ein Akt der Notwehr" waren für viele Tesla-Besitzer diese und ähnliche Sticker nach Elon Musks "Ausflug" in die US-Bundespolitik
"Ein Akt der Notwehr" waren für viele Tesla-Besitzer diese und ähnliche Sticker nach Elon Musks "Ausflug" in die US-BundespolitikAPA-Images / Andreas Tischler
NewsFlix Redaktion
Akt. 03.07.2026 03:31 Uhr

"I bought this before Elon went crazy" – "Ich kaufte diesen Wagen, bevor Elon verrückt geworden ist". Nichts brachte die weltweite Anti-Elon-Musk-Stimmung des Jahres 2025 besser auf den Punkt als dieser Autoaufkleber. Tausendfach fand er sich im vergangenen Jahr auf den unterschiedlichsten Modellen des US-Elektroauto-Herstellers.

Aber auch sonst gingen die Bilder um die Welt: brennende Musk-Puppen in Mailand, wütende Demonstranten vor Showrooms in Amsterdam und Stockholm, zerkratzte Teslas auf Parkplätzen auf der ganzen Welt. Noch vor einem Jahr schien es, als hätte der exzentrische Milliardär Elon Musk seinen Elektroauto-Konzern mit seinen politischen Eskapaden als Regierungs-Sparefroh für Donald Trumps zweite Regierungszeit an die Wand gefahren.

Doch nun die Überraschung: Musk ist weg aus Washington und mit Tesla geht es wieder aufwärts. Im zweiten Quartal 2026 wurden weltweit 480.126 Fahrzeuge ausgeliefert – deutlich mehr als die 384.122 im Vorjahr. Analysten hatten nur mit 401.000 gerechnet.

Besonders auffällig: In Deutschland stiegen die Verkäufe im Mai sogar im sagenhafte um 300 Prozent, wie der US-Sender ABC News berichtet. Das ist auch insofern bemerkenswert, weil Tesla im ehemaligen Osten eine Automobilfabrik betreibt.

Weshalb der ehemalige E-Auto-Primus überhaupt abgestürzt ist, was Analysten jetzt für das Comeback verantwortlich machen und wie sich der "Elektriker-Markt" generell entwickelt – das muss man über das Tesla-Comeback wissen:

Der Protest gegen Musk und seinen Einfluss durchzog 2025 fast alle Gesellschaftsschichten in Europa
Der Protest gegen Musk und seinen Einfluss durchzog 2025 fast alle Gesellschaftsschichten in Europa
REUTERS/Benoit Tessier

Worum geht es?
Der US-Elektroautoproduzent Tesla hat im zweiten Quartal 2026 eine bemerkenswerte Erholung hingelegt. Nach massiven Einbrüchen im Vorjahr – in manchen EU-Ländern hatten sich die Verkäufe mehr als halbiert – kaufen Europäer plötzlich wieder Tesla. Die Auslieferungen liegen fast 25 Prozent über dem Vorjahreswert und übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich.

Warum war Tesla überhaupt in der Krise?
Der Absatzeinbruch hatte mehrere Gründe. Zum einen gab es 2025 einen Modellwechsel beim wichtigsten Fahrzeug, dem Model Y. Zum anderen sorgten die politischen Aktivitäten von Firmenchef Elon Musk für massive Verstimmung – insbesondere seine Unterstützung für rechte Politiker in Europa und den USA. In mehreren Ländern kam es zu Boykottaufrufen und Protestaktionen vor Tesla-Händlern.

Wie stark waren die Einbrüche in Europa?
Die Zahlen waren dramatisch: In Frankreich, Schweden und den Niederlanden brachen die Verkäufe zeitweise um mehr als 50 Prozent ein. Auch in Deutschland und Österreich gingen die Zulassungen deutlich zurück. Das Model Y, 2024 noch das meistverkaufte E-Auto Europas, stürzte vom Spitzenplatz.

Warum kaufen die Europäer jetzt wieder Tesla?
Mehrere Faktoren spielen zusammen. Tesla hat günstigere Einstiegsvarianten des Model 3 und des Model Y auf den Markt gebracht, die preisbewusste Käufer ansprechen. Zudem hat sich der öffentliche Protest gegen Musk abgeschwächt. Und: Das Fahrzeug selbst bleibt technisch attraktiv, unabhängig von den Ansichten seines Chefs.

Welche Rolle spielt Full Self-Driving?
Tesla setzt große Hoffnungen auf sein Fahrassistenzsystem Full Self-Driving, das in den USA bereits verfügbar ist. Die Niederlande haben das System als erstes EU-Land zugelassen, es folgten Estland, Griechenland und Litauen. Das könnte Tesla in Europa einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Wie schlägt sich das in den Zahlen nieder?
In der EU stiegen die Umsätze von Jänner bis Mai 2026 insgesamt um 77 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland wurden in dem Zeitraum sogar um 200 Prozent mehr Pkw verkauft als im Vorjahr.

Sein jüngster Coup: Elon Musk am Tag des Börsen-Starts seines Unternehmens SpaceX
Sein jüngster Coup: Elon Musk am Tag des Börsen-Starts seines Unternehmens SpaceX
REUTERS/Brendan McDermid

Wie steht Tesla in Österreich da?
Für Österreich gab es im Vergleich dazu im Zeitraum Jänner bis Mai 2026 noch keinen Anstieg der Tesla-Verkäufe gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Tesla-Zulassungen lagen vielmehr leicht unter dem Niveau von Jänner bis Mai 2025.

Im Detail?
Während der österreichische Gesamtmarkt (+13,1 Prozent) und die Elektroauto-Zulassungen (+22,8 Prozent) deutlich zulegten, entwickelte sich Tesla schwächer. Zwischen Jänner und Mai 2026 lag Tesla bei rund 2.700 Fahrzeugen (inkl. Model Y, Model 3 sowie Model S/X). Damit ergibt sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein leichter Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Wie läuft es im deutschen Werk in Grünheide?
Das Tesla-Werk im deutschen Bundesland Brandenburg produzierte 2025 fast 30 Prozent weniger Fahrzeuge als im Jahr davor. Mittlerweile werden dort wieder über 200.000 Autos jährlich gefertigt. Das Werk beliefert vor allem den europäischen Markt und ist damit zentral für Teslas Europa-Strategie.

Wie reagierten die Investoren?
Die Börse zeigt sich begeistert: Tesla-Aktien haben sich vollständig von den tiefen Einbrüchen Anfang 2025 erholt und sind in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 40 Prozent gestiegen. Die verbesserten Verkaufszahlen bestätigen für viele Anleger, dass das Schlimmste überstanden ist.

Was plant Elon für die Zukunft von Tesla?
Der Tesla-Chef hat bereits angekündigt, dass die Zukunft des Unternehmens weniger in klassischen E-Autos als in Robotaxis und humanoiden Robotern liege. Das sogenannte Cybercab, ein autonomes Taxi ohne Lenkrad und Pedale, soll ab 2026 produziert werden. In mehreren US-Städten sind Tesla-Fahrzeuge bereits autonom unterwegs.

Bleibt der Boykott ein Thema?
Die Protestaktionen haben deutlich nachgelassen, ganz verschwunden sind sie aber nicht. Manche Käufer entscheiden sich bewusst gegen Tesla, weil sie Musk nicht unterstützen wollen. Andere trennen strikt zwischen dem Produkt und seinem Firmenchef. Die steigenden Verkaufszahlen deuten darauf hin, dass Letztere derzeit in der Mehrheit sind.

On-Off-Beziehung: Musk mit US-Präsident Donald Trump
On-Off-Beziehung: Musk mit US-Präsident Donald Trump
REUTERS/Brian Snyder/File Photo

Ist Tesla also wieder auf Erfolgskurs?
Zwei starke Quartale in Folge sind ein gutes Zeichen, aber kein Grund zur Entwarnung. Die Konkurrenz aus China und von etablierten Herstellern wie VW, BMW und Mercedes wird stärker. Und ob Musks nächster politischer Ausflug nicht wieder einen vergleichbaren Shitstorm auslöst, weiß niemand.

Wovon wird es abhängen?
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Teslas Erholung nachhaltig ist. Spätestens mit der geplanten Einführung des Cybercabs wird sich entscheiden, ob Musks Wette auf die autonome Zukunft aufgeht – oder ob Tesla langfristig von der Konkurrenz überholt wird.

NewsFlix Redaktion
Akt. 03.07.2026 03:31 Uhr