In der Literaturverfilmung "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" nach Burg-Star Joachim Meyerhoff brilliert Senta Berger als alternde Bühnendiva, die ihren Enkel ins wahre Leben einführt. Außerdem neu: der Horror-Thriller "Primate" über einen Killer-Affen.

Schauspieler stehen auf der Bühne (oder vor der Kamera), Schriftsteller sitzen vor einer Tastatur. Seitenwechsel sind selten. Und wenn man sieht, was üblicherweise dabei herauskommt, wenn Autoren schauspielern oder Schauspieler schreiben, muss man sagen: gut so.
Doch wie immer im Leben gibt es Ausnahmen. Und eine der erfreulichsten ist Joachim Meyerhoff. Der mittlerweile 58-Jährige ist ein schauspielernder Literat oder ein schreibender Bühnendarsteller, so genau kann man das mittlerweile nicht mehr sagen.
Der gebürtige Saarländer prägte zunächst ab 2005 als Ensemblemitglied das Wiener Burgtheater und erweiterte sein künstlerisches Spektrum ab 2011 mit autobiografisch gefärbten Romanen, die Tragik und Komik virtuos verbinden und allesamt zu Bestsellern wurden.
Als sein größter literarischer Erfolg gilt der 2015 entstandene Roman "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" über seine Erfahrungen an einer Münchner Schauspielschule und mit seinen Großeltern, der alternden Bühnendiva Inge Birkmann und dem Philosophen Hermann Krings.
Simon Verhoeven, Sohn der Schauspielerin Senta Berger und des Regisseurs Michael Verhoeven, hat "Ach, diese Lücke …" nun als Film umgesetzt, mit seiner Mutter in der Rolle der Inge Birkmann. Herausgekommen ist eine liebevoll-schrullige Hommage an die Kunst und das Leben an sich, mit tollen Dialogen, ebensolchen Bildern und einer famosen Senta Berger. Ein großer Spaß – anschauen!

Worum es geht Joachim ("Die Discounter"-Star Bruno Alexander) hat sich an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule für Schauspiel in München beworben. Zu seiner Überraschung wird er aufgenommen – und so geht es aus dem hohen Norden in den Süden Deutschlands. Es ist für den jungen Mann auch eine Flucht, kurz davor war sein geliebter Bruder bei einem Autounfall ums Leben gekommen und seine Eltern haben sich getrennt.
Halt sollen nun die Großeltern bieten, die in München leben und bei denen Joachim einzieht. Ebenso wie an der Theaterschule, muss er sich auch im exzentrischen Alltag der ehemaligen Schauspielerin Inge (Senta Berger) und ihres zweiten Ehemannes, des früheren Philosophie-Professors Hermann (Michael Wittenborn), erst zurechtfinden: Zum Frühstück gibt es Champagner, der ganze Tag ist strukturiert durch verschrobene Rituale und nostalgische Erinnerungen an früher.
Während sich Oma und Opa langsam vom Leben verabschieden, startet dieses für Joachim gerade: Er muss seinen Platz in einer Welt finden, die bei allen spannenden Möglichkeiten von der Lücke geprägt ist, die der Tod seines Bruders hinterlassen hat.
Lohnt sich das? "Ach, diese Lücke..." ist die Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Romans von Joachim Meyerhoff, zugleich der dritte Teil seines Romanzyklus und zwei Jahre nach "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" die zweite Filmadaption eines seiner Bücher. Regie führte Simon Verhoeven, der bisher eher für seine "typisch deutschen" Mainstream-Komödien ("Nightlife", "Willkommen bei den Hartmanns") bekannt war.

Der Sohn von Senta Berger, die selbst in der Rolle der Mutter des Protagonisten zu sehen ist, hat durchaus einen persönlichen Bezug zum Sujet des Films: Erst 2024 war sein Vater, der Regisseur Michael Verhoeven, verstorben. Die Lücke, die das hinterließ, ist immer noch spürbar, die Trauer wurde nie wirklich verarbeitet, verrät er im Interview.
Die Meyerhoff-Adaption ist deshalb auch sein bisher persönlichster Film, jedenfalls sein anspruchsvollster. Fein navigiert er die Balance zwischen Tragik und Komik. Im Kern ist "Ach, diese Lücke..." aber eine Coming-of-Age-Story geworden, ein Film übers Erwachsenwerden, in der Bruno Alexander als Meyerhoff brilliert. In Nebenrollen sind Karoline Herfurth, Tom Schilling und Friedrich von Thun zu sehen.
"Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke", Literaturverfilmung. Deutschland 2026, 137 Minuten, ab 30. Jänner im Kino

Worum es geht Eine Handvoll Freundinnen und ein heißer Typ treffen sich in den College-Ferien auf Hawaii, um gemeinsam Spaß zu haben. Das noble Anwesen von Lucys (Johnny Sequoyah) Vater Adam (Troy Kotsur), ein erfolgreicher Primatenforscher, bietet dafür die ideale Location, Schimpanse Ben, Forschungsobjekt und Familienmitglied zugleich, liefert tierische Abwechslung.
Kurz vor seinem Trip zu einer Konferenz erkennt Adam, dass Ben von einem Mungo gebissen wurde. Zur Sicherheit soll das Tier auf Tollwut getestet werden, man weiß ja nie. Doch als ein Tierpfleger Ben eine Spritze verabreichen will, verliert er sein Gesicht, und das ist wortwörtlich gemeint: Ben ist infiziert und mutiert vom spielfreudigen Kameraden zum blutrünstigen Monster.
Als die College-Kids merken, was Sache ist, ist es bereits zu spät: Ben geht auch auf sie los und sie müssen sich im Pool verstecken, da der Affe Wasser fürchtet. Auf kreative wie brutale Weise findet der Primat aber trotzdem Wege, seinen Blutdurst zu stillen.
Lohnt sich das? Die Handlung bietet kaum Neues, "Primate" ist ein typischer Tierhorror-Streifen, der auf gefinkelte Drehbuchvolten oder psychologische Tiefe völlig verzichtet. Der Film ist aber handwerklich außerordentlich effektiv umgesetzt, was ihn deshalb weit über den Genre-Durchschnitt katapultiert.

Dabei ist "Primate" jedoch nichts zur Zartbesaitete, der Film ist stellenweise äußerst brutal. Doch auch diesen Szenen merkt man das technische Können von Regisseur Johannes Roberts an. Positiv fällt auch auf, dass der Affe nicht CGI-animiert ist, sondern ein Mensch (Schauspieler Miguel Torres Umba) in ein Affenkonstüm gesteckt wurde, was enorm realistisch wirkt. Herausstreichen muss man auch den wirkungsvollen Soundtrack, der eine eindeutige Referenz an Regie-Legende John Carpenter ist.
Alles in allem ist "Primate" ein kurzer, knackiger, aber enorm wirkungsvoller Horror-Schocker geworden, der Genre-Feinspitze erfreuen dürfte und für ein Mainstream-Publikum ohne Blut-Aversion ein absoluter Geheimtipp ist.
"Primate", Horror. USA 2025, 89 Minuten, ab 29. Jänner im Kino

"Send Help"
Der neue Film von Sam Raimi: Die Kollegen Linda Liddle (Rachel McAdams) und ihr arroganter Chef Bradley Preston (Dylan O'Brien) stranden nach einem Flugzeugabsturz auf einer verlassenen Insel und kämpfen ums Überleben. Während sie ihre früheren Konflikte überwinden und sich an die raue Umgebung anpassen müssen, stellt sich die Frage, wer den stärkeren Willen mitbringt.
Eine schräge Mischung aus Horrorfilm, Thriller und schwarzer Komödie, die unter anderem Machtverhältnisse reflektiert.
"Send Help", Survival-Thriller. USA 2026, 113 Minuten, ab 29. Jänner im Kino

"Woodwalkers 2"
Die Fortsetzung des Fantasy-Abenteuers basiert auf der beliebten Buchreihe über Gestaltwandler an der Clearwater High: Die vier Protagonisten müssen im neuen Schuljahr an mehreren Fronten kämpfen: Das Naturschutzgebiet rund um ihre Schule steht vor dem Verkauf, ihr früherer Mentor schmiedet finstere Pläne, und ein Spion erschwert ihre Mission, den Wald und ihre Welt zu retten.
Liebevoll umgesetzt, transportiert der Film eine wichtige Botschaft für sein junges Zielpublikum: Dass unsere Welt nur dann eine Chance hat, weiterzubestehen, wenn wir das fragile Gleichgewicht der Natur anerkennen und respektieren.
"Woodwalkers 2", Fantasy, Jugendfilm. Deutschland 2026, 102 Minuten, ab 29. Jänner im Kino

"Die Schule des Mutes – Rule Breakers"
Die wahre Geschichte von afghanischen Frauen, die in einem Land, in dem Bildung für den weiblichen Teil der Bevölkerung als vernachlässigbar gilt, eine IT-Schule für Mädchen gründen und den Mut finden, gegen gesellschaftliche Widerstände zu kämpfen.
Unter der Regie des zweimal für einen Oscar nominierten Filmemachers Bill Guttentag begleitet "Die Schule des Mutes" junge Frauen, die um ihren Platz in der (digitalen) Welt ringen.
"Die Schule des Mutes – Rule Breakers", Drama. USA 2025, 120 Minuten, ab 30. Jänner im Kino

"Die Stimme von Hind Rajab"
Regisseurin Kaouther Ben Hania ("Olfas Töchter") schuf mit diesem halbdokumentarischen Drama ein Porträt über die letzten Stunden im Leben des fünfjährigen palästinensischen Mädchens Hind Rajab, deren Schicksal – sie wurde bei einem israelischen Militäreinsatz getötet – 2024 um die Welt ging. Der Film rekonstruiert den Versuch, sie zu retten, anhand von Original-Tonaufnahmen.
"Die Stimme von Hind Rajab" wurde auf dem Filmfestival von Venedig mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet und ist Tunesiens offizieller Oscar-Beitrag in der Kategorie "Bester internationaler Film", wofür er in die finale Auswahl der letzten Fünf kam.
"Die Stimme von Hind Rajab", Drama/Dokumentation. Tunesien/Frankreich 2025, 89 Minuten, ab 30. Jänner im Kino

"13 Tage, 13 Nächte"
Das Drama-Thriller-Biopic von Regisseur Martin Bourboulon spielt im August 2021 im chaotischen Kabul: Während die Taliban die Stadt zurückerobern, versuchen afghanische Soldaten und Helfer, hunderte Menschen zur Evakuierung zum Flughafen zu bringen.
"13 Tage, 13 Nächte" ist ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, der auf wahren Ereignissen basiert und dessen Intensität mitreißt.
"13 Tage, 13 Nächte", Thriller, Drama, Biopic. Frankreich 2025, 112 Minuten, ab 30. Jänner im Kino

"STOFF – Ein Spitzengeschäft"
Österreichischer Beitrag, der die global verflochtene Geschichte von Stoffhandel, Kolonialismus und Mode zwischen Nigeria und Österreich nachzeichnet.
Gemeinsam porträtieren die vier Regisseurinnen die wirtschaftlichen, sozialen und historischen Fäden, die Frauen, Unternehmer und traditionelle Märkte in Nigeria seit Jahrhunderten verbinden.
"STOFF – Ein Spitzengeschäft", Dokumentarfilm. Österreich 2025, 88 Minuten, ab 30. Jänner im Kino

"Charlie, der Superhund"
Familienfreundliche Animationskomödie aus Kanada über den schüchternen Buben Danny und seinen treuen Golden Retriever Charlie: Nach einer Begegnung mit Außerirdischen erhält Charlie Superkräfte und wird zum "Superhund", der gemeinsam mit Danny gegen den finsteren Plan einer Katze kämpft, die die Menschheit bedroht.
Bemüht umgesetzt, aber die Animation hat man schon deutlich besser gesehen und nicht jeder Gag sitzt auch.
"Charlie, der Superhund", Animation, Kinderfilm. Kanada 2025, 95 Minuten, ab 29. Jänner im Kino
