Prinzessin Aiko ist die Tochter von Kaiser Naruhito und der beliebteste Royal Japans – doch der Thron bleibt ihr verwehrt. 72 Prozent der Bevölkerung wollen das ändern – und verweisen auf frühere Kaiserinnen in der 1.500-jährigen Geschichte der japanischen Monarchie.

In Japan steht eine junge Frau seit Jahren im Blitzlichtgewitter der Kameras. Prinzessin Aiko, 24 Jahre alt, einzige Tochter von Kaiser Naruhito (66) und dessen Ehefrau, Kaiserin Masako (62). Smart, bescheiden und sympathisch, ist sie seit vielen Jahren der beliebteste Royal Japans. Doch ein Platz bleibt ihr für immer verwehrt: der Chrysanthementhron, das Symbol der ältesten Erbmonarchie der Welt.
Damit steht Japans Kaiserhaus vor einer historischen Zerreißprobe. Denn während eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung Prinzessin Aiko als künftige Kaiserin sehen will und entsprechende Reformen bei der Thronfolge einfordert, hält die konservative Regierung weiter an der bisherigen Männerregel fest, schildert der Guardian.
Der Streit um die Thronfolge offenbart den tiefen Riss zwischen Tradition und Moderne, der das Land der aufgehenden Sonne spaltet. Dabei zeigt ein Blick in die mehr als 1.500-jährige Geschichte des ältesten Kaiserhauses der Welt, dass die Regierenden früher offenbar wesentlich flexibler waren, wenn es galt, gewisse Erbfolge-Dogmen zu umschiffen. Was man über die aktuelle Thron-Situation in Japan wissen muss – der Überblick:

Was ist das Problem bei Japans Thronfolge?
Der japanischen Kaiserfamilie geht der Nachwuchs aus – zumindest der männliche. Nur drei Männer stehen derzeit in der Thronfolge: Kronprinz Akishino (Geburtsname Fumihito), der mit 60 Jahren jüngere Bruder des Kaisers; dessen 20-jähriger Sohn Prinz Hisahito sowie der 90-jährige Prinz Masahito von Hitachi, ein Onkel des Kaisers. Daraus ergibt sich: Wenn der 20-jährige Hisahito keinen Sohn bekommt, endet die Dynastie innerhalb einer Generation.
Warum darf Prinzessin Aiko nicht Kaiserin werden?
Eine Regel aus dem Jahr 1889 schließt Frauen von der Thronfolge aus. Seitdem dürfen nur männliche Nachkommen der Kaiserfamilie väterlicherseits den Chrysanthementhron besteigen. Das gilt auch für Aiko, obwohl sie die direkte Tochter des amtierenden Kaisers ist.
Gab es in Japan nie eine Kaiserin?
Doch, Japan hatte in seiner Geschichte acht weibliche Monarchen. Die letzte war Go-Sakuramachi, die von 1762 bis 1770 regierte. Allerdings war ihre Rolle immer nur als Übergangslösung gedacht, bis wieder ein männlicher Erbe geboren wurde.
Was sagt die Bevölkerung dazu?
Die Japaner sind klar für eine Änderung dieser Regelung. In einer Umfrage der Zeitung Mainichi Shimbun vom April 2026 sprachen sich 72 Prozent für eine weibliche Thronfolge aus, nur zehn Prozent sind dagegen. Die Unterstützung zieht sich durch alle politischen Lager.
Was hat die Regierung beschlossen?
Japans Premierministerin Sanae Takaichi, selbst die erste Frau in diesem Amt, hält an der männlichen Thronfolge-Regelung fest. Im Sommer 2026 setzte ihre Regierung ein Gesetz durch, das der Kaiserfamilie erlaubt, entfernte männliche Verwandte ab 15 Jahren zu adoptieren, um die Thronfolge beizubehalten. Heiratet solch ein Adoptierter und bekommt einen Sohn, rückt dieser in die Thronfolge auf.
Was bedeutet das für Prinzessin Aiko?
Sie bleibt vom Thron ausgeschlossen. Immerhin darf sie nach der neuen Regelung ihren Status als Prinzessin behalten, auch wenn sie einen Bürgerlichen heiratet. Bisher mussten weibliche Mitglieder der Kaiserfamilie bei einer Heirat außerhalb des Adels die Familie verlassen.

Wie begründet die Regierung ihre Position?
Premierministerin Takaichi argumentiert mit der Tradition. Sie sagte vor dem Parlament: Die Tatsache, dass die kaiserliche Linie seit 126 Generationen (und damit seit mehr als 1.500 Jahren) durch die männliche Linie aufrechterhalten wurde, sei die Grundlage für die Autorität und Legitimität des Kaisers.
Was sagt die internationale Gemeinschaft?
Die Vereinten Nationen haben sich bereits eingemischt. 2024 forderte der UN-Frauenrechtsausschuss Japan auf, eine weibliche Thronfolge zu ermöglichen. Die japanische Regierung wies den Vorstoß als bedauerlich und unangemessen zurück. Die kaiserliche Thronfolge sei eine Frage der grundlegenden nationalen Identität.
Wie steht die Kaiserfamilie selbst dazu?
Die Royals dürfen sich politisch nicht äußern. Doch zwischen den Zeilen wird Unbehagen über die Situation spürbar. Kaiser Naruhito sagte im Juni, er hoffe auf Diskussionen, die das Verständnis der Menschen gewinnen. Sein Bruder Akishino ging noch weiter: Es sei wichtig, dass die Gesellschaft weiter voranschreite, zwischen Frauen und Männern gebe es keine Unterschiede.
Warum ist Prinzessin Aiko so beliebt?
Die 24-Jährige studiert an einer Universität und zeigt bei öffentlichen Auftritten große Würde und Gelassenheit. Viele Japaner haben sie aufwachsen sehen und empfinden eine enge Verbundenheit mit ihr. Auf Instagram gibt es Fan-Accounts, die ihre Auftritte dokumentieren. Für viele verkörpert sie die moderne Zukunft der Monarchie – und steht damit auch für ein modernes und trotzdem traditionsbewusstes Bild von Japan.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Debatte ist nicht beendet. Selbst Premierministerin Takaichi räumt ein, dass die im vergangenen Sommer beschlossene Gesetzesänderung nur die Nachfolgekrise entschärfen, nicht aber die generelle Diskussion um Kaiserinnen beenden soll. Der gesellschaftliche Druck bleibt hoch.
Besteht die Chance, dass Akio eines Tages doch noch Kaiserin wird?
Das hängt wohl letztlich auch davon ab, ob Prinz Hisahito einen männlichen Erben zeugt. Allerdings ist der 20-Jährige noch nicht verheiratet und hat erst vor einem Jahr ein Studium der Entomologie (Insektenlehre) begonnen. Mit dem neuen Adoptionsgesetz hat Japan Zeit gewonnen – aber das Grundproblem nicht gelöst. Solange die Bevölkerung mehrheitlich anders denkt als die Regierung, wird der Streit um Prinzessin Aiko und den Chrysanthementhron weitergehen.