Fast wie in "Plötzlich Prinzessin" – nur etwas weniger glamourös: In Belgien ist ein ehemaliger Autoverkäufer zum Prinzen geworden. Der 26-jährige Clément Vandenkerckhove wurde als Sohn von Prinz Laurent anerkannt. Was das für ihn bedeutet – und für das Land.

Manchmal wirkt das echte Leben wie eine höfisch heruntergekühlte Filmkomödie. Kein Teenager aus San Francisco, kein Thron im Eiltempo – aber doch ein überraschender gesellschaftlicher Aufstieg: In Belgien ist der 26-jährige Clément Vandenkerckhove nach einer stillen Zeremonie am Standesamt offiziell in die königliche Familie von Prinz Laurent aufgenommen worden, berichtet die BBC.
Der junge Mann, der bis vor einiger Zeit als Autoverkäufer gearbeitet hat, stammt aus einer unehelichen Beziehung von Prinz Laurent, dem die Belgier in den 2000er-Jahren wohl nicht ohne Grund den Beinamen "Prinz Vollgas" verliehen haben. Laurent, der jüngste Bruder des derzeitigen Königs Philippe, zeugte ihn mit einer belgischen Sängerin, ehe er schließlich seine jetzige Ehefrau heiratete.
Wie der belgische Royal von seinem Sohn erfuhr, weshalb es so lange dauerte, ehe er diesen anerkannte und welche Auswirkungen die Aufnahme in die königliche Familie auf das Leben des jungen Mannes haben wird – die Fakten über den royalen Familienzuwachs:
Worum geht es?
Prinz Laurent von Belgien, 62 Jahre alt, jüngster Bruder von König Philippe und aktuell 14. in der Thronfolge, hat Clément Vandenkerckhove, 26, rechtlich als seinen Sohn und Erben anerkannt. Das Kind aus einer unehelichen Beziehung wird dadurch ein Mitglied der königlichen Familie und erhält ebenfalls den Titel eines Prinzen.
Wann ist das Ganze passiert?
Prinz Laurent erkannte seine Vaterschaft bereits im vergangenen Herbst an, die Aufnahme in die Familie erfolgte vor sechs Monaten bei einer kleinen Zeremonie am Standesamt von Brüssel. Erst jetzt sind allerdings die Details dazu öffentlich bekannt geworden.
Wer ist Clément Vandenkerckhove?
Der 26-Jährige arbeitete früher als Autoverkäufer. In Belgien ist er vielen bereits aufgrund der TV-Dokumentation "Clément, zoon van …" vom vergangenen September bekannt. Darin schilderte er, wie er seinen leiblichen Vater kennenlernte.
Wie kam seine Herkunft ans Licht?
Cléments Mutter ist die belgische Sängerin Wendy Van Wanten, die mit bürgerlichem Namen Iris Vandenkerckhove heißt. Sie war in den 1990er-Jahren längere Zeit mit Prinz Laurent liiert, bevor dieser 2003 Claire Louise Coombs, Tochter eines britischen Kaufmanns und die nunmehrige Prinzessin Claire heiratete. Erst vor wenigen Tagen postete sie anlässlich seines 26. Geburtstages ein Foto von Clément als Kind auf Instagram (siehe oben). Laut Clément erfuhr er aber erst mit 16 Jahren von der Identität seines leiblichen Vaters.
Wie lernten sich Vater und Sohn kennen?
2013 begegnete Clément dem Prinzen laut seiner Schilderung zufällig in einem Einkaufszentrum, ohne zu wissen, wer er war. Vier Jahre später, nachdem ihm seine Mutter die Wahrheit gesagt hatte, fasste er den Mut, ihn anzurufen. Nach mehreren Telefonaten trafen sich Vater und Sohn schließlich persönlich.
Wusste Laurent, dass er einen unehelichen Sohn hat?
Dazu gibt es keine klaren Aussagen, aber man kann sich die Geschichte einigermaßen zusammenreimen. Demnach wusste Laurent offenbar von Beginn an, dass es Clément gibt und jedenfalls die Möglichkeit besteht, dass er der Vater sein könnte. Es gibt Berichte, wonach Cléments Mutter und der Prinz noch einige Zeit, nachdem der Bub auf die Welt gekommen ist, ein Paar waren. Die Times berichtet sogar, Clément habe als Kleinkind in Laurents damaliger Residenz Villa Clémentine seine ersten Schritte gemacht
Aber es gab nie eine Bestätigung der Vaterschaft?
Offenbar nicht. Laut der TV-Dokumentation telefonierten Clément und Prinz Laurent über vier Jahre hinweg immer wieder miteinander, ehe sie sich 2020 persönlich trafen.
Gibt es einen Vaterschaftstest?
Ja, Prinz Laurent habe selbst einen DNA-Test vorgeschlagen, um beiden Männern Gewissheit zu geben. Clément erinnerte sich später an den gemeinsamen Spitalbesuch. Laurent soll Clément sogar angeboten haben, zuerst die Probe abzugeben, damit dieser sich wohler fühle. Der Test ergab eine Gewissheit von 99,5 Prozent, dass Laurent der Vater von Clément ist.
Hat Prinz Laurent mit seiner Ehefrau Prinzessin Claire Kinder?
Ja, die beiden haben drei Kinder: Louise Sophie Mary (* 6. Februar 2004) sowie die Zwillinge Nicolas Casimire Marie und Aymeric Auguste Marie (* 13. Dezember 2005).
Wusste seine Ehefrau von dem Sohn aus einer früheren Beziehung?
Darüber ist nichts bekannt. Nach außen hin gibt sich der belgische Hof in der ganzen Sache aber sehr entspannt. Es ist auch nicht das erste Mal, dass die belgische Königsfamilie auf diesem Weg vergrößert wird.
Was ist damit gemeint?
Cléments Geschichte weckt Erinnerungen an Albert II., den Vater von Prinz Laurent und früheren belgischen König von 1993 bis 2013. Nach einem langen Vaterschaftsstreit räumte der da bereits emeritierte König 2020 ein, neben seinen drei leiblichen Kindern eine Tochter aus einer Affäre zu haben, und erkannte Delphine Boël schließlich an, nachdem ein DNA-Test die Vaterschaft bewiesen hatte.
Was bedeutete das für Delphine Boël?
Die bekannte Künstlerin wurde 1968 geboren, sie war somit bereits 52 Jahre alt, als sie ihr leiblicher Vater offiziell anerkannte. Sie erhielt das Recht auf den Titel Prinzessin und nennt sie sich heute Delphine de Saxe-Coburg, sie trägt also den Familiennamen ihres leiblichen Vaters. Der Fall zeigte, dass private Familienfragen im belgischen Königshaus schnell öffentliche Bedeutung bekommen.
Und Clément wird nun ebenfalls Prinz?
Er ist es bereits. Mit der rechtlichen Anerkennung durch Prinz Laurent erhält Clément formal den Prinzentitel. Denn ein königliches Dekret vom 12. November 2015 legt fest, dass der Titel Prinz oder Prinzessin von Belgien "den Kindern und Enkelkindern in direkter Abstammung Seiner Majestät König Albert II." zusteht, berichtet die belgische Zeitung Nieuwsblad.
Was hat Albert II. damit zu tun, er ist nicht mehr König?
Nein, aber er lebt noch und auf ihn bezieht sich die Ahnenfolge laut diesem Dekret. Und da Clément Vandenkerckhove nun offiziell ein Enkel von König Albert II. ist, ist er wie seine Halbbrüder Prinz Nicolas und Prinz Aymeric sowie seine Halbschwester Prinzessin Louise, Prinz von Belgien.

Darf er den Titel offiziell führen? Etwa indem er ihn auf Visitkarten drucken lässt?
Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Eine Seite meint, mit der rechtlichen Feststellung seiner Abstammung sei alles geklärt und keine weiteren Schritte erforderlich. Andererseits wird hingegen behauptet, dass König Philippe, 66, erst noch ein Dekret unterzeichnen müsse, damit Clément den Titel "Prinz von Belgien" offiziell führen könne.
Und könnte sich das noch als Problem erweisen?
Es sieht nicht danach aus. Philippe hat laut belgischen Medien bereits in der Vergangenheit erklärt, damit kein Problem zu haben.
Wie spricht man einen Prinzen von Belgien offiziell an?
Gemäß dem königlichen Dekret laute Cléments offizielle Anrede "Seine Königliche Hoheit Clément Vandenkerckhove, Prinz von Belgien", so Frederik Swennen, Professor für Personen- und Familienrecht an der Universität Antwerpen, in der Zeitung Nieuwsblad. "Auf Wunsch kann er seinen Namen auch offiziell in 'Sachsen-Coburg' ändern oder ihn dem Vandenkerckhove hinzufügen", so der Jurist.
Wird er den Namen Saxe-Coburg annehmen?
Das ist noch offen. Clément ist sich noch unschlüssig, ob er seinen Nachnamen ändern soll, erklärte er Nieuwsblad. "Ich könnte es mir vorstellen, aber ich bin stolz auf den Namen Vandenkerckhove. Diesen Familiennamen aufzugeben, wäre ein Verrat an allem, was meine Mutter für mich getan hat. Sollte ich 'van België' annehmen, dann nur als Doppelnamen."

Bekommt der neue Prinz jetzt auch Geld vom Staat?
Nein. Obwohl Clément nun formell Prinz wird, erhält er keine royale Apanage. Titel und staatliche Zuwendung fallen in Belgien nicht automatisch zusammen. Seit einer Gesetzesänderung 2013 wird – neben dem König – nur dem Thronfolger (das ist derzeit Prinzessin Elisabeth, die älteste Tochter von König Philippe), dem abgedankten König oder der abgedankten Königin, dem überlebenden Ehepartner des Königs oder der Königin sowie (gegebenenfalls) dem überlebenden Ehepartner des Thronfolgers eine Zuwendung gewährt. Und – aufgrund einer Übergangsregelung – den Geschwistern von König Philippe, also Prinzessin Astrid und Prinz Laurent, Cléments Vater.
Hat Clément einen Anspruch auf einen Anteil an Laurents Erbe?
Ja. Seit einer Erbrechtsreform 2018 haben alle Kinder, deren Vaterschaft festgestellt ist, gemeinsam Anspruch auf mindestens die Hälfte des Erbes. Und da Laurent nun offiziell vier Kinder hat, steht Clément mindestens ein Viertel der Hälfte – also ein Achtel – zu.
Wird er nun auch in die belgische Thronfolge aufgenommen?
Nein, Clément wird nicht Teil der belgischen Thronfolge. Anders als seine Halbschwester Prinzessin Louise und seine Halbbrüder Prinz Aymeric und Prinz Nicolas hat er keinen Platz in dieser Reihenfolge. Denn laut belgischem Recht sind nur natürliche und legitime Nachkommen von König Leopold I., dem ersten belgischen König (1831-1865) thronberechtigt. "Legitim bedeutet 'durch Heirat'", so Rechtsexperte Frederik Swennen im Nieuwsblad.

Bringt die Anerkennung auch Verpflichtungen für Clément mit sich?
Ja, wenn auch eher theoretische. "Es gibt eine symbolische und eine materielle Verpflichtung", erklärt Jurist Frederik Swennen. "Kinder und Eltern schulden einander in jedem Alter Respekt. Das ist aber symbolisch: Respektlosigkeit hat keine Konsequenzen. Außerdem schreibt das Gesetz vor, dass Kinder ihren Eltern im Bedarfsfall Unterhalt schulden." Diese Verpflichtung obliegt also Clément. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Laurent jemals in finanzielle Not geraten wird, ist gering. Rechtsexperte Swennen: "Mit seinem Vermögen wird er bis an sein Lebensende ein würdevolles Leben führen können."
Und warum nennt man Laurent in Belgien jetzt Prinz Vollgas?
Weil er in der Vergangenheit immer wieder durch seinen forschen Fahrstil aufgefallen ist. Ab den 2000er-Jahren sind mehrere teils grobe Geschwindigkeitsübertretungen festgehalten worden. So fuhr der Prinz auf einer belgischen Autobahn mit 220 km/h statt der erlaubten 120 und wurde in Brüssel auch schon mit 146 km/h in einer 50er-Zone geblitzt. 2011 wurde ihm wegen seiner Raserei auch bereits einmal der Führerschein entzogen. Den hat er mittlerweile aber wieder zurück.