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Neues Obst

Kirschen ohne Kern: Wie die "Genschere" unsere Lebensmittel verändert

Avocados, die nicht braun werden, kernlose Brombeeren oder Kirschen, Mandarinen, die sich leichter schälen lassen: Die neue Gentechnik macht vieles möglich. Nun stehen die ersten Obstsorten vor der Markteinführung. Was man dazu wissen muss.

Kernlose Kirschen sind nicht kernlos, man merkt den Kern bloß nicht
Kernlose Kirschen sind nicht kernlos, man merkt den Kern bloß nichtiStock
The Economist
Akt. 11.03.2026 22:04 Uhr

"Man bemerkt die Kerne in einer Brombeere erst, wenn man eine kernlose probiert hat", sagt Tom Adams, Chef von Pairwise. Das Biotech-Unternehmen in North Carolina arbeitet an der ersten Version einer solchen Frucht.

Geneditierte Brombeeren sind technisch gesehen nicht kernlos. Vielmehr sind die Kerne, ähnlich wie bei kernlosen Trauben, so klein und weich, dass sie nicht zu spüren sind.

Ende letzten Jahres gab Pairwise eine Kooperation mit einem Obstzüchtungsunternehmen bekannt, um kernlose Kirschen zu entwickeln, nachdem bereits kernlose Trauben, Wassermelonen und leicht zu schälende Mandarinen erfolgreich gezüchtet worden waren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch anspruchsvollere Obstsorten auf ähnliche Weise entkernt werden.

Im Laufe tausender Jahre der Domestizierung hat der Mensch Obst nach seinem Geschmack geformt. Die heutigen Pfirsiche sind 16-mal so groß wie ihre Vorfahren. Die 1.200 Wassermelonensorten haben wenig Ähnlichkeit mit den blassen und kernigen Kürbissen, die ihnen vorausgingen.

"Man bemerkt die Kerne in einer Brombeere erst, wenn man eine kernlose probiert hat"
"Man bemerkt die Kerne in einer Brombeere erst, wenn man eine kernlose probiert hat"
iStock

Kultivierte Früchte sind in der Regel auch süßer. So süß, dass einige Zoos aufgehört haben, sie an Tiere zu verfüttern. Einige moderne Früchte erreichen ihre Süße jedoch durch eine Verringerung der Säure und Bitterkeit und nicht durch den Zusatz von Zucker.

Wie die Brombeeren und Kirschen von Pairwise zeigen, ermöglichen Fortschritte in der Genbearbeitung neue Arten der Veränderung von Früchten. CRISPR, die derzeit beliebteste Technik dieser Art, die auch von Pairwise eingesetzt wird, gestattet die Entfernung einzelner Gene. Dadurch werden Veränderungen möglich, die mit herkömmlichen Züchtungsmethoden nur schwer zu erreichen wären.

Die revolutionäre "Genschere", erlaubt es, DNA-Sequenzen in lebenden Organismen präzise zu schneiden, auszuschalten oder zu verändern kann. Mit CRISPR hergestellte Pflanzen erfordern im Gegensatz zu bestehenden gentechnisch veränderten Pflanzen keine Einfügung von DNA aus einem fremden Organismus – eine Praxis, die erfahrungsgemäß Kunden abschreckt.

Künstliche Intelligenz hilft Wissenschaftlern dabei, Obst effizienter zu gestalten. Die vorausschauenden Fähigkeiten von Computermodellen und maschinelles Lernen machen schnellere Erforschung möglich. Das zeigt, wie mehrere Gene und biochemische Wege sowie Umweltfaktoren zusammenwirken, um komplexere Eigenschaften zu erzeugen, etwa die Chemikalien, die den Geschmack ausmachen.

Auch auf andere Weise können Früchte attraktiver gemacht werden. So entwickelt etwa das kalifornische Unternehmen GreenVenus mithilfe von CRISPR nicht bräunende Avocados. Es wird ein Enzym namens Polyphenoloxidase blockiert. Wissenschaftler haben auch Pilze und Erdäpfel entwickelt, die langsamer oxidieren.

Bislang sind nur wenige CRISPR-bearbeitete Früchte auf den Markt gekommen, da die Entwicklung einer neuen Fruchtgeneration aus einem veränderten Samen viel Zeit in Anspruch nimmt, sagt Ma Hong, Professor für Biologie an der Penn State University in den USA. Es kann mehrere Jahre dauern, bis Apfel- oder Pfirsichbäume Früchte tragen.

Daher ist die Technologie bei Paradeisern und Erdbeeren am weitesten fortgeschritten, da der Prozess bei diesen Pflanzen nur wenige Monate dauert. Im Jahr 2021 kam eine japanische Tomate mit einem höheren Gehalt an Gamma-Aminobuttersäure (GABA), einem nützlichen Nährstoff, als erstes CRISPR-Lebensmittel auf den Markt.

Im Jahr 2024 verwendeten Wissenschaftler in China dieselbe Technologie, um Paradeiser um bis zu 30 Prozent süßer zu machen, indem sie Gene deaktivierten, die die Zuckerproduktion begrenzen.

Die Genschere könnte ein ewiges Rätsel lösen: Wie schaut die Avocado aus dem Supermarkt innen aus?
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iStock

Da immer mehr fruchtige Kreationen auf den Markt kommen, glauben Unternehmen, dass mehr Menschen Obst essen werden. Die Amerikaner haben eine besondere Vorliebe für Beeren entwickelt: Laut dem USDA Economic Research Service haben sich die Importe von frischen Blaubeeren zwischen 2000 und 2020 verzehnfacht.

Pairwise schätzt, dass die Einführung seiner kernlosen Brombeeren und steinlosen Kirschen einen ähnlichen Effekt haben könnte wie kernlose, leicht zu schälende Mandarinen. Sie haben den Wert des gesamten Zitrusmarktes in Amerika in den vier Jahren seit 2012, als die Früchte für Verbraucher ganzjährig erhältlich wurden, um etwa ein Drittel gesteigert.

Eine klarere Regulierung wird noch mehr helfen. Im Jahr 2016 war Argentinien das erste Land, das entschied, gentechnisch veränderte Produkte genauso zu regulieren wie konventionell gezüchtete. Viele andere Länder haben ähnliche Ansätze verfolgt.

Das Europäische Parlament und der Rat, das Leitungsgremium der Europäischen Union, haben im Dezember eine vorläufige Einigung erzielt. Das Verfahren für die Vermarktung von Pflanzen, die mit neuen Genomtechniken gezüchtet wurden, soll „vereinfacht” werden, etwa indem die Verpflichtung zur Kennzeichnung dieser Pflanzen im Unterschied zu konventionell gezüchteten Pflanzen abgeschafft wird.

Dies scheint ein angemessener und fruchtbarer Ansatz zu sein.

"© 2026 The Economist Newspaper Limited. All rights reserved."

"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"

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